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Rätselhaftes Verschwinden einer Staubscheibe
von Stefan Deiters astronews.com
6. Juli 2012
Astronomen haben um einen rund 450 Lichtjahre entfernten
Stern eine verblüffende Beobachtung gemacht: Mehr als 25 Jahre lang war um die
ferne Sonne deutlich ein Ring aus Staub zu sehen, in dem sich vermutlich gerade
neue Planeten bildeten. Doch innerhalb weniger Monate war der Staub
verschwunden. Jetzt rätseln die Forscher, was um den Stern passiert ist.

Das beobachtete
Verschwinden der Staubscheibe um den Stern TYC
8241 2652 1, wie in diesen künstlerischen Ansichten
dargestellt, können sich die Astronomen nicht
erklären.
Bilder: Gemini Observatory / AURA artwork
by Lynette Cook
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"Es scheint fast wie ein klassischer Zaubertrick zu sein", meint Carl
Melis von der University of California in San Diego, der Erstautor
eines Fachartikels über die ungewöhnlichen Beobachtungen in der
Wissenschaftszeitschrift Nature. "Eben hat man es noch gesehen, jetzt
ist es plötzlich verschwunden. Nur reden wir in diesem Fall von so viel Staub,
dass man damit das Innere eines Sonnensystem ausfüllen könnte. Und der ist jetzt
wirklich weg!"
Coautor Benjamin Zuckermann, Professor an der University of California
in Los Angeles, hat einen anderen Vergleich parat: "Es ist so, als wären die
Ringe des Saturn plötzlich verschwunden. Aber eigentlich ist es noch viel
dramatischer, da die staubige Scheibe aus Gesteinsbrocken um den Stern deutlich
größer und massereicher war als die Ringe des Saturn. Diese Staubscheibe würde,
wenn sie sich in unserem Sonnensystem befunden hätte, von der Sonne bis etwa zum
Orbit des Merkur reichen."
Das überraschende Verschwinden einer Staubscheibe konnten die Astronomen bei
einem Stern in rund 450 Lichtjahren Entfernung beobachten, der im Sternbild
Zentaur liegt. "Das Verblüffende an dieser Entdeckung ist, dass wir keine
befriedigende Erklärung dafür haben, was um diesen Stern passiert sein kann", so
Melis. "Das Verschwinden scheint unabhängig vom Stern selbst stattgefunden zu
haben. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass der Stern den Staub mit einem
gewaltigen Ausbruch oder durch ein anderes Ereignis ausgelöscht hat."
Bei TYC 8241 2652 1 handelt es sich um einen Stern, der in etwa unserer Sonne
in ihrer Frühphase ähnelt. Bis vor einigen Jahren waren um ihn herum deutliche
Spuren eines gerade entstehenden Planetensystems zu sehen. Doch dieses Bild hat
sich innerhalb kurzer Zeit vollständig gewandelt. Um den Stern findet sich nur
noch sehr wenig warmer Staub, der in der Regel durch die Kollision von
Gesteinsbrocken und sich bildenden Planeten entsteht.
"Es wurden schon viele Hundert Staubscheiben um Sterne untersucht, aber so
etwas hat man noch nie beobachtet", meint Zuckerman. "Das Verschwinden war sogar
auf menschlichen Zeitskalen schnell, die deutlich kleiner sind als die
astronomischen. Das Verschwinden des Staubs um TYC 8241 2652 1 erschien mir so
bizarr und plötzlich zu sein, dass ich anfangs davon ausging, dass mit unseren
Beobachtungen irgendetwas auf merkwürdige Weise falsch gelaufen sein muss."
Der Staub um TYC 8241 2652 1 wurde erstmals 1983 bei Infrarotbeobachtungen
entdeckt und war bei weiteren Untersuchungen in den folgenden 25 Jahren immer
wieder unverändert deutlich zu erkennen. Erst 2009 wurde das Leuchten im
Infraroten plötzlich schwächer. Ein Jahr später war es ganz verschwunden. 2010
hatten die Astronomen den Stern gleich zweimal mit dem Gemini-Teleskop
in Chile im Abstand von sechs Monaten anvisiert. Auch bei Beobachtungen im Mai
dieses Jahres war kein Staub mehr zu erkennen.
Die große Menge an Staub, die rund um TYC 8241 2652 1 beobachtet wurde,
spricht nach Ansicht der Astronomen sehr stark dafür, dass sich um den Stern
Planeten gebildet haben. Der Staub selbst könnte durch eine Kollision von zwei
Brocken entstanden sein, doch erklärt dies nicht, wohin der Staub so schnell
wieder verschwunden ist. Eventuell, so die Forscher, müsse man die aktuellen
Vorstellungen über die Vorgänge in einem gerade entstehenden Sonnensystem noch
einmal überdenken.
"Wir haben uns eine Reihe von Mechanismen überlegt, durch die sich die
Beobachtungen erklären lassen würden", so Melis. "Doch keiner davon ist wirklich
überzeugend." So könnte beispielsweise Gas, das bei der Kollision entstanden
ist, dafür gesorgt haben, dass die Staubpartikel in den Stern gelenkt wurden.
"Wir hatten sehr viel Glück, dass wir gerade Zeuge dieses Verschwindens geworden
sind", meint Zuckerman. "Solche Ereignisse könnten relativ häufig sein, ohne
dass wir das bislang bemerkt haben."
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