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Wiedereintritt steht bevor
von Stefan Deiters astronews.com
13. Januar 2012 (mit Updates vom 14. und 15. Januar am Ende des Textes)
Die russische Marsmond-Sonde Phobos-Grunt
wird nach aktuellen Berechnungen vermutlich am Sonntag in die Erdatmosphäre
eintreten und verglühen. Zahlreiche Weltraumagenturen verfolgen die letzten
Stunden der Sonde im All. Ein größeres Risiko für Menschen auf der Erde sollte
der Wiedereintritt von Phobos-Grunt aber nicht darstellen.

Die Sonde Phobos-Grunt.
Bild: Roskosmos / DLR |
Die russische Marssonde
Phobos-Grunt verliert immer weiter an Höhe: Vor zwei Tagen lag die
Orbithöhe der Sonde nur noch zwischen 204,2 und 170,6 Kilometern. Die russischen Raumfahrtagentur
Roskosmos rechnete - nach Angaben der Webseite RussianSpaceWeb -
zuletzt mit einem Wiedereintritt der Sonde in die Erdatmosphäre am Sonntag, 15.
Januar, um 10.18 Uhr MEZ. Teile von Phobos-Grunt, die nicht verglühen,
würden dann in den Indischen Ozean stürzen. Als sicher kann diese Vorhersage
allerdings nicht gelten, sondern dürfte nur den gegenwärtig wahrscheinlichsten
Zeitpunkt für einen Wiedereintritt darstellen.
Seit Anfang des Jahres verfolgt auch das Inter-Agency Space Debris
Coordination Committee (IADC) das Schicksal von Phobos-Grunt. Zu
den IADC-Mitgliedern gehören ESA, NASA, europäische Behörden und die
Weltraumbehörden von Russland, China, Kanada, Japan, Ukraine und Indien. Die
europäische Weltraumagentur ESA spielt dabei eine wichtige Rolle, steht doch der
Datenserver für den Austausch von Orbitdaten und Wiedereintrittsvorhersagen
unter den IADC- Mitgliedern im europäischen Raumfahrtkontrollzentrum ESOC in
Darmstadt.
Die für die Vorhersagen des Wiedereintritts so wichtigen Orbitdaten stammen
hauptsächlich von US-amerikanischen und russischen Systemen, doch auch
europäische Radare, wie etwa das deutsche TIRA (Tracking and Imaging Radar) des
Fraunhofer-Instituts für Hochfrequenzphysik und Radartechnik tragen zur
verbesserten Bahnvermessung bei. Mit TIRA lassen sich zudem zusätzlich
hochaufgelöste Radarbilder erstellen, die den Experten etwas über die Lage und
den Zustand der Sonde verraten können.
Der genaue Zeitpunkt des Wiedereintritts und der Ort sind weiterhin unsicher:
"In der Weltraumumgebung von Phobos-Grunt existieren viele Faktoren,
deren Einfluss auf den Satelliten schwer abzuschätzen ist. Die Anzeichen deuten
jedoch darauf hin, dass Phobos-Grunt zwischen dem 13. und dem 17. Januar
irgendwo zwischen 51,4 Grad nördlicher und 51,4 Grad südlicher Breite
wiedereintritt," so Prof. Heiner Klinkrad, Leiter des ESA-Büros für
Weltraumschrott auf der Webseite der ESA.
Wie berichtet, gehen Experten davon aus, dass etwa 20 bis 30
Bruchstücke mit einem Gesamtgewicht von bis zu 200 Kilogramm die Erdoberfläche
erreichen können. Der Treibstoff der Sonde dürfte dabei keine Gefahr darstellen:
"Analysen von Roskosmos und der NASA zeigen auf, dass die mit
unsymmetrischen Dimethylhydrazin (UDMH) gefüllten Treibstofftanks oberhalb einer
Höhe von 100 Kilometer bersten, den Treibstoff freisetzen und danach zum
Großteil verglühen werden", bestätigt auch Klinkrad. "Dies, zusammen mit einem
relativ niedrigen Leergewicht von nur 2,5 Tonnen, bedeutet, dass das von
Phobos-Grunt ausgehende Risiko als gering eingestuft wird."
Update (13. Januar 2012, 16 Uhr): Die Orbithöhe von
Phobos-Grunt liegt nun zwischen 185,6 und 157,8 Kilometern. Roskosmos
rechnet inzwischen mit dem Wiedereintritt der Sonde am Sonntag um 17.22 Uhr MEZ
über dem Südatlantik vor der argentinischen Küste.
Update (14. Januar 2012, 15 Uhr): Roskosmos hat die
Prognose noch einmal angepasst: Trümmerteile, die den Wiedereintritt von
Phobos-Grunt überstehen, sollten nun um 18.51 Uhr MEZ in den Pazifik
vor der Küste Chiles stürzen. Ein Absturz irgendwo in der Region Südamerikas
wird nach den aktuellen Daten immer wahrscheinlicher. Die Orbithöhe von
Phobos-Grunt liegt heute zwischen 174,2 und 149,7 Kilometern.
Update (15. Januar 2012, 0 Uhr): Neue, am Abend
veröffentlichte Prognose von Roskosmos: Absturz am Sonntag um 19.30 Uhr
MEZ +/-234 Minuten.
Update (15. Januar 2012, 13.30 Uhr): Die letzte Prognose von
Roskosmos spricht nun von einem Absturz zwischen heute 15.36 Uhr MEZ
und 23.24 Uhr MEZ. Auch die ESA geht von einem Absturz der russischen Sonde am
späten Nachmittag oder frühen Abend aus und gibt als Unsicherheit +/- vier
Stunden an.
Update (15. Januar 2012, 18.30 Uhr): Gegen 18 Uhr geht
Roskosmos von einem Absturz von Phobos-Grunt über dem Atlantik
zwischen Afrika und Südamerika aus. Als wahrscheinlichster Zeitpunkt wird 19.08 Uhr MEZ angegeben, das Zeitfenster des Absturzes zwischen 18.50 Uhr MEZ und
19.34 Uhr MEZ.
Update (15. Januar 2012, 19.15 Uhr): Phobos-Grunt
ist
nach verschiedenen Meldungen offenbar abgestürzt, genauer Ort unklar, offizielle
Bestätigung fehlt noch.
Update (15. Januar 2012, 19.20 Uhr): Phobos-Grunt
ist
offenbar um 18.45 Uhr im Pazifik 1250 km westlich von Wellington abgestürzt.
Offizielle Bestätigung fehlt weiterhin.
Update (15. Januar 2012, 20.15 Uhr): Sprecher des russischen
Verteidigungsministeriums bestätigt gegenüber der Nachrichtenagentur RIA
Novosti Absturz von Phobos-Grunt um 18.45 Uhr MEZ im Pazifik.
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