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Seit 20 Jahren in der Antarktis
Redaktion
/ Pressemitteilung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt astronews.com
21. Dezember 2011
Es ist ein Arbeitsplatz wie man ihn wohl nur selten im Deutschen Zentrum
für Luft- und Raumfahrt findet: Er liegt inmitten einer eisigen
Landschaft und vor der Tür brüten Pinguine. Trotzdem ist die deutsche
Antarktisstation GARS O'Higgins 365 Tage im Jahr und rund um die Uhr
besetzt, um die
Kommunikation mit Satelliten sicherzustellen. Und dies seit nunmehr 20
Jahren.

1991 wurde die GARS (German Antarctic
Receiving Station) O'Higgins-Antarktisstation
gegründet. Seitdem empfängt die 9-Meter-Antenne
selbst bei extremem Wetter Satellitendaten.
Foto: DLR [Großansicht] |
Vor der Tür brüten die Pinguine und nutzen die große Satelliten-Antenne
und ihren Sockel als Windschutz. Im Inneren der deutschen
Antarktisstation GARS O’Higgins (German Antarctic Receiving Station)
kontrollieren Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt
(DLR) den Empfang von Satellitendaten. 1991 gegründet, trotzt die
Station seit 20 Jahren den eisigen Stürmen auf dem Weißen Kontinent.
Rund um die Uhr - auch an Weihnachten und Silvester - ist die Station
mit einem Team besetzt.
Der Speicherplatz eines Satelliten - oder vielmehr der Mangel daran -
war vor 20 Jahren der Grund, dass noch heute Ingenieure des Deutschen
Zentrums für Luft- und Raumfahrt von ihrem Heimatort Oberpfaffenhofen
zum Schichtdienst bis in die Antarktis reisen: Der europäische
Erdbeobachtungssatellit ERS-1 hatte nicht genügend Kapazitäten, um die
aufgezeichneten Radardaten an Bord zu speichern und so wurde auf der
felsigen Peninsula Schmidt am Nordzipfel der antarktischen Halbinsel die
GARS O’Higgins in Betrieb genommen. Im September 1991 empfing die
Station die erste Antarktisaufnahme des kurz zuvor gestarteten ERS-1.
"Damals war die Antarktis noch ein weitgehend unbekannter Kontinent",
sagt der heutige Stationsmanager Robert Metzig.
Klaus Reiniger, einer der Gründer der Station, installierte an dem
unwirtlichen Ort eine Antenne, die auch starken Stürmen standhalten
musste. Gewohnt wird in miteinander verbundenen Containern mit
Schlafzimmern, Küche und Badezimmer. Sturmböen rasen mit 180
Stundenkilometern über die Station und ihre Antenne hinweg, bei heftigen
Stürmen erreicht die Windgeschwindigkeit auch schon mal 250 Kilometer in
der Stunde. Mittlerweile, nach 20 Jahren, ist die Station des DLR vor
allem für den Empfang der Daten zuständig, die die Radarsatelliten
TerraSAR-X und TanDEM-X zur Erde senden.
Neben dem Empfang von Erdbeobachtungsdaten dient die Station auch zur
Messung tektonischer Verschiebungen der antarktischen Halbinsel.
Kooperationspartner des DLR ist daher das Bundesamt für Kartographie und
Geodäsie (BKG), das die diesbezüglichen Messungen verantwortet.
Zusätzliche wird das DLR durch das chilenische
Antarktisforschungsinstitut INACH unterstützt.
365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag, ist die "Zweigstelle" des Deutschen
Fernerkundungsdatenzentrums (DFD) des DLR mit Mitarbeitern besetzt.
Neben dem Stationsdirektor Erhard Diedrich und dem Logistik-Manager
Marcelo Morais gehören neun Ingenieure zum O’Higgins-Team und wechseln
sich mit Einsätzen in der Antarktis ab. Zurzeit sind Stationsmanager
Robert Metzig und sein Kollege Ulf Lindh vor Ort, um den Betrieb der
wettererprobten 9-Meter-Antenne zu überwachen, Kommandos des
Kontrollzentrums in Oberpfaffenhofen an den Satelliten zu schicken oder
Informationen, die die Satelliten zur Erde funken, an das
Kontrollzentrum weiterzuleiten.
Wenn die beiden Ingenieure vor die Türe ihres Arbeitsplatzes treten,
bietet sich ihnen ein Ausblick, der für Arbeitnehmer eher selten ist:
Eisberge, Pinguine und eine Schnee- und Eislandschaft, die eine ganz
eigene Faszination ausübt. Schon der Weg zur Station ist manches Mal
eine Herausforderung: Abhängig vom Wetter, geht es vom chilenischen
Punta Arenas mit der chilenischen oder brasilianischen Luftwaffe zur
vorgelagerten King George Insel. Dort stiegen die beiden dieses Mal aufs
Schiff um, das sie dann zu ihrer Station brachte. Dort werden sie die
nächsten Wochen über Weihnachten und Silvester in der Antarktis - fernab
von Familie und Freunden - verbringen.
"Wenn sich jemand nicht für diese Welt begeistern kann, sollte man ihn
nicht als Teammitglied in die Antarktis schicken", betont
Stationsmanager Metzig. Bücher, DVDs und Musik füllen die Freizeit, der
Kontakt nach Hause ist über Telefon und Internet möglich. Für
Weihnachten haben die beiden DLR-Ingenieure, die die Station gemeinsam
mit zwei chilenischen Mitarbeitern in Betrieb halten, sich zumindest ein
kleines Festmahl vorgenommen: "Wir kochen etwas Leckeres, und wir wurden
auch von unseren Kollegen auf der nahe gelegenen chilenischen Station
General Bernado O'Higgins eingeladen", erzählt Robert Metzig.
Christstollen und Weihnachtsgebäck - das ist mit den beiden auf die
Peninsula Schmidt gereist. Auf den Weihnachtsbaum müssen die
Antarktis-Arbeiter allerdings verzichten: "Pflanzen dürfen nicht hierhin
eingeführt werden." Und ein Plastikbäumchen sei keine Alternative für
die Weihnachtszeit gewesen.
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