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Arktisches Eis geht weiter zurück
Redaktion
/ Pressemitteilung des KlimaCampus der Universität Hamburg astronews.com
13. September 2010
Die sommerliche Meereisbedeckung des Arktischen Ozeans wird in diesem
Jahr einen der niedrigsten Werte der vergangenen 20 Jahre erreichen. Das zeigen Auswertungen von
Satellitenaufnahmen, die Prof. Dr. Lars Kaleschke am KlimaCampus der Universität Hamburg
vorgenommen hat. Zum vierten Mal in Folge ist die Arktis damit mit weniger Eis überzogen, als selbst
nach dem Abwärtstrend der vergangenen Jahrzehnte zu erwarten gewesen wäre.

Blick auf das Polarmeer im September 2007. Damals
stellte man die bislang geringste
Meereisausdehnung fest.
Bild: NASA Goddard Space Flight Center
(NASA-GSFC) |
"Die Ergebnisse
sind deshalb bedenklich, weil sich die Negativentwicklung beschleunigt hat. Von einer
'Erholung' der
Eisbedeckung kann keine Rede sein", sagt Kaleschke. Diese Entwicklung ist nach Einschätzung von
Prof. Dr. Rüdiger Gerdes vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung nicht allein
durch natürliche Ursachen, sondern vor allem durch den von Menschen verursachten Klimawandel
zu erklären. Beide Wissenschaftler stellten ihre jüngsten Forschungsergebnisse am Montag in einer
gemeinsamen Pressekonferenz mit dem "Klimahaus Bremerhaven 8 Grad Ost" vor.
Zum Ende des arktischen Sommers wird sich die Meereisfläche rund um den Nordpol im
Septembermittelwert auf etwa 4,9 Millionen Quadratkilometer reduzieren, errechnete Kaleschke. Im
Mittelwert der vergangenen 40 Jahre hatte das Eis im September eine Fläche von 6,7 Millionen
Quadratkilometern bedeckt; 1980 lag die Ausdehnung noch bei 7,8 Millionen Quadratkilometern.
Der für diesen September zu erwartete Mittelwert gehört zu den vier niedrigsten Werten seit Beginn
der Satellitenauswertung Anfang der 70er Jahre. Die geringste Meereisausdehnung registrierten die
Wissenschaftler 2007 mit 4,2 Millionen Quadratkilometer. Das Meereisminimum unterliegt von Jahr
zu Jahr zum Teil starken Schwankungen; im statistischen Mittel reduziert sich die Fläche seit 1970 um
etwa acht Prozent pro Dekade.
In den vergangenen beiden Jahren hatte die Meereisfläche gegenüber 2007 wieder zugenommen.
Deshalb war nicht ausgeschlossen, dass in diesem Jahr der Negativtrend der vergangenen Jahre
gebrochen werden könnte. Diese Erwartung bestätigte sich jedoch nicht. Dass die tatsächlichen
Eisverhältnisse in der Arktis mittlerweile die errechneten Werte in den globalen Klimamodellen des
IPCC-Berichts unterschreiten, kann nach Angaben von Prof. Gerdes unterschiedliche Ursachen haben.
Gerdes ist Meereis-Experte des Alfred-Wegener-Institutes und dort unter anderem für die
Auswertung von Klimamodellen für die Arktis zuständig.
"Heute spielen langfristige natürliche Klimavaribilität und der Einfluss des Menschen vergleichbare
Rollen in der Artkis", sagt Gerdes. Der anthropogene Temperaturanstieg kommt zusammen mit
einer warmen Phase der Atlantischen Multidekadischen Oszillation (AMO); beides zusammen führt
zu dem extremen Eisrückgang der vergangenen Jahre. In der AMO folgte auf eine kalte Periode
zwischen 1860 und 1930 mit niedrigeren Temperaturen an der Wasseroberfläche in den 1940er
Jahren eine Warmperiode. Seit den 1990er Jahren folgte erneut eine wärmere Periode. Für die
zukünftige Entwicklung des Meereises ist es entscheidend, wie schnell die AMO in ihre kalte Phase
zurückkehrt.
Dass die Warmperiode in den 1940er Jahren nicht zum Abschmelzen des Meereises im heutigen
Ausmaß führte, liegt laut Gerdes an der unterschiedlichen Entwicklung der Meereisdicke.
"Mittlerweile habe die Eismasse im Winter teilweise jenen kritischen Punkt unterschritten, die das
Abschmelzen im Sommer ermöglichte. Vor 70 Jahren war das winterliche Eis dagegen noch so dick,
dass dies nicht geschehen konnte", erläutert Gerdes.
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