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Riskante Landung auf dem Mars
Redaktion /
DLR-Pressemitteilung astronews.com
23. Mai 2008
Die Spannung steigt: In der Nacht auf Montag soll der
Marslander Phoenix in der Nordpolarregion des Roten Planeten aufsetzen.
Der Eintritt in die Atmosphäre des Mars, das Abbremsen der Sonde und die Landung
stellen den gefährlichsten Teil der gesamten Mission dar. Viele Landemissionen
gingen in dieser Phase bereits verloren.

Phoenix soll am
frühen Montagmorgen auf dem Mars aufsetzen.
Bild: NASA/JPL-Caltech / University of
Arizona |
Schon einmal wollte die NASA eine Sonde in der Polarregion des
Mars landen und mit ihr nach Wasser suchen: den Mars Polar Lander.
Nichts, so zeigt ein Blick auf die Berichterstattung bei astronews.com im Jahr
1999, deutete damals darauf hin, dass es irgendwelche Probleme mit dem
Lander geben würde. Trotzdem hörte man nach dessen Eintritt in die
Marsatmosphäre nichts mehr von der Sonde. Einige Nachbauten der Instrumente des
Polar Landers befinden sich derzeit im Anflug auf den Mars. An Bord von
Phoenix erlebten sie ihre Wiedergeburt, nachdem die NASA zu Beginn des
Jahrtausends ihr Marsprogramm radikal umgestellt hatte.
In der Nacht zum Montag soll nun Phoenix nach zehnmonatigem Flug auf
dem Mars landen. Um 1.53 Uhr MESZ wird - wenn diesmal alles klappt - die Sonde
auf der Oberfläche des Roten Planeten aufsetzen. Das Landegebiet in Polnähe
trägt den Namen "Green Valley" und liegt bei etwa 70 Grad nördlicher Breite.
Dort herrschen zurzeit vergleichsweise milde Temperaturen zwischen minus 73 und
minus 33 Grad Celsius. Ziel der NASA-Mission ist es, dort Spuren von Wassereis
nachzuweisen, das zu früheren Zeiten möglicherweise die Existenzgrundlage
einfacher Lebensformen auf dem Mars darstellte.
Auch in Deutschland wird die Landung am frühen Montagmorgen mit Spannung
erwartet: Mit an Bord ist nämlich auch eine digitale Roboterarm-Kamera, die von
Spezialisten des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) in
Katlenburg-Lindau unter Leitung von Dr. Horst Uwe Keller entwickelt und gebaut
wurde. Diese soll Detailbilder vom Marsboden liefern. Die Aktivitäten des MPS
bei der Mission Phoenix werden im Auftrag der Bundesregierung
durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gefördert.
Die Phoenix-Sonde soll in der Polregion des Mars in den kommenden
drei Monaten mit einem Arm den Boden aufgraben und mit seinen sieben
Instrumenten auf die Suche nach Spuren von Wassereis zu gehen. So wollen die
Wissenschaftler feststellen, ob auf dem Mars möglicherweise einmal Bedingungen
herrschten oder gar noch herrschen, die die Existenz einfacher Lebensformen
ermöglichen. Zudem soll das Marswetter in der Polregion erforscht werden.
Es wird erwartet, dass die Schaufel am Roboterarm des Landers innerhalb einer
Tiefe von etwa 50 Zentimeter auf Wassereis stößt. Am Ende des Roboterarms kurz
vor der Schaufel sitzt die deutsche Digital-Kamera, die das Umfeld des
Grabegebietes erfassen und dabei zum Beispiel Abbildungen der Schichtungen des
Marsbodens bis zum Maßstab von 1:1 mit einer Auflösung von 50 Mikrometern –
weniger als die Dicke eines menschlichen Haares – liefern kann.
"Auf diesen Moment haben wir über zehn Jahre mit Spannung gewartet. Erstmals
werden wir noch vollkommen unbekannte Details der polaren Regionen unseres
Nachbarplaneten Mars zu sehen bekommen", freut sich Keller, der ein anerkannter
Spezialist für Weltraumkameras ist. An Bord von Phoenix befindet sich
auch ein Minilabor, mit dem die Wissenschaftler wichtige Eigenschaften von
Bodenproben untersuchen können: die Häufigkeit von Mineralienvorkommen, die
Körnung des Sediments, die Farbe, die Leitfähigkeit und andere Eigenschaften.
Das MPS ist an diesem Minilabor ebenfalls maßgeblich beteiligt durch Lieferung
und Betrieb des Detektors für das optische Mikroskop mit CCD-Technik.
Die NASA-Scout-Mission Phoenix Mars Lander war am 4. August 2007 von
Cape Canaveral in Florida gestartet. Bevor der Phoenix Lander nach
seinem 680 Millionen Kilometer langen Flug seine Arbeit aufnehmen kann, muss die
Sonde kurzzeitig außergewöhnlich hohe Belastungen überstehen: Innerhalb von
sieben Minuten wird sie bei Eintritt in die Marsatmosphäre von 20.000 Kilometern
pro Stunde auf null abgebremst, zuerst durch ein Hitzeschild, gefolgt von einem
Fallschirm. Schließlich verlangsamen zwölf Bremsraketen den Lander auf maximal
acht Kilometer pro Stunde, bevor die Sonde auf ihrem robusten Dreibein im Zielgebiet
aufsetzen wird.
Nun dürften alle Beteiligten diesseits und jenseits des Atlantik die Daumen
für die Landung am Montag drücken -
immerhin sind von elf bisherigen Landeversuchen auf dem Mars sechs
fehlgeschlagen. Verschiedene Marssonden, darunter auch die europäische Sonde
Mars Express, werden das Phoenix-Team durch das
Aufzeichnen von Daten unterstützen, die Phoenix während der Landung
sendet. Ob man diese Daten dann zur Fehleranalyse oder als Beispiel für eine
vorbildliche Landung auf dem Mars nutzen wird, dürfte am Montagmorgen
feststehen.
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