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Astronomen finden ein wenig fehlende Materie
von Stefan Deiters astronews.com
6. Mai 2007
Mit Hilfe des europäischen Röntgenteleskops XMM-Newton haben
Astronomen jetzt dünnes, extrem heißes Gas aufgespürt, das zwei Galaxienhaufen
miteinander verbindet. Die Forscher glauben, dass es sich bei diesem Gas um den
dichtesten und heißesten Teil jener Gasfilamente handelt, die das Universum
netzartig durchziehen und rund die Hälfte der normalen Materie ausmachen.

Die
Galaxienhaufen Abell 222 und Abell 223: Über
eine Aufnahme im sichtbaren Bereich des Lichtes
des Subaru-Teleskops wurden hier die
Röntgendaten von XMM-Newton gelegt.
Bild:
ESA / XMM-Newton / EPIC/ ESO (J. Dietrich)/ SRON
(N. Werner) / MPE (A. Finoguenov) [Großansicht] |
Als Laie kann man schnell den Eindruck gewinnen, dass die
Astronomen gar nicht wissen, aus was unser Universum eigentlich
besteht: Etwa 72 Prozent, so ihre jüngsten Schätzungen, sind Dunkle Energie.
Doch um was es sich dabei handelt, bleibt genauso im Dunklen wie die weiteren 23
Prozent der Masse des Universums, bei denen es sich nämlich um Dunkle Materie
handelt. Lediglich fünf Prozent der Masse des Universums sollte also
normale Materie sein, die aus gewöhnlichen Atomen besteht.
Doch auch von der normalen Materie fehlt noch etwa die Hälfte: Sterne,
Galaxien und sichtbares Gas machen nur knapp 50 Prozent der Masse aus, die
eigentlich vorhanden sein sollte. Schon vor zehn Jahren glaubte man aber, das es
sich bei einem großen Teil des Rests um sehr dünnes Gas handeln könnte, das
sich im intergalaktischen Raum zwischen den Galaxien befindet.
Die Materie im Universum ist in einer riesigen netzartigen Struktur verteilt,
an deren Knoten sich die Galaxienhaufen befinden, die massereichsten Objekte im
All. Das dünne Gas könnte, so die Vermutung der Astronomen, die
Filamente des kosmischen Netzes ausmachen.
Doch leider ist dieses dünne Gas nur sehr schwer zu entdecken und entkam
schon manchem Versuch, es nachzuweisen. Doch das hat sich nun geändert: XMM-Newton, das europäische
Röntgenteleskop, konnte jetzt zumindest den heißesten Teil dieses Gases
aufzuspüren. Das dünne Gas, so die Theorie der Astronomen, sollte wegen
seiner hohen Temperatur hauptsächlich sehr energiearme Röntgenstrahlung
aussenden.
Diese ist zwar sehr schwer zu entdecken, doch als die Forscher mit XMM-Newton
die Galaxienhaufen Abell 222 und Abell 223 in rund 2,3 Milliarden Lichtjahren
Entfernung beobachteten, entdeckten sie eine Brücke aus heißem Gas,
die die beiden Haufen verbindet.
"Das heiße Gas, was wir in diesen Filamenten sehen, ist vermutlich der
heißeste und dichteste Teil des diffusen Gases im kosmischen Netz, von dem man
annimmt, das es die Hälfte der normalen Materie ausmacht", so Norbert Werner vom
SRON Netherlands Institute for Space Research, der das Beobachtungsprojekt
leitete. "Die Entdeckung des heißesten Teils der fehlenden Materie ist sehr
wichtig", ergänzt Teammitglied Alexis Finoguenov. "Verschiedene Modelle sagen
voraus, dass die fehlende Materie in einer Form von warmen Gas vorliegen sollte,
doch es gibt große Unterschiede zwischen den Modellen."
Trotz der Empfindlichkeit von XMM-Newton gelang die Entdeckung nur dank einer
speziellen Orientierung des Filaments: Es lag genau in der Sichtlinie zur Erde. Auf diese Weise war die gesamte
Strahlung des Filaments in einem kleinen Punkt gebündelt. Die Astronomen hoffen
nun, durch weitere Beobachtungen von ähnlichen Systemen mehr über die
Materieverteilung im kosmischen Netz zu erfahren.
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