|
Wie Stürme auf Jupiter entstehen
von Stefan Deiters astronews.com
30. Januar 2008
Einer Gruppe von Astronomen ist es gelungen, ein seltenes
Ereignis in der Jupiteratmosphäre zu verfolgen: die Entstehung von zwei gewaltigen
Stürmen. Die gründliche Analyse der Stürme könnte erklären helfen, was genau
sich in der Atmosphäre des Gasriesen abspielt. Der inneren Wärme des
Planeten kommt dabei offenbar eine wichtige Rolle zu.

Hubbles Blick
auf den Jupiter am 11. Mai 2007 (oben). Die
beiden Sturmsysteme sind auf der
Infrarot-Aufnahme vom 5. April 2007 (unten) gut
als helle Punkte zu erkennen.
Bild: NASA / ESA / IRTF / A. Sánchez-Lavega
und R. Hueso (Universidad del País Vasco,
Spanien)
 |
Das Phänomen in der Atmosphäre des Jupiter ist äußerst selten:
Bislang war es den Forschern nur zwei Mal gelungen, ähnliche Störungen auf dem
Jupiter zu beobachten und zwar 1975 und 1990. Im vergangenen Jahr kam den
Astronomen der Zufall zur Hilfe: "Glücklicherweise haben wir die Entstehung der
Störungen mit Hubble beobachtet, als wir den Planeten gerade anvisiert hatten,
um den Vorüberflug der Sonde New Horizons zu unterstützen", erläutert Agustín Sánchez-Lavega von der spanischen Universidad del Pais Vasco.
"Wir sahen, wie der Sturm immer weiter wuchs - von einer Größe von 400
Kilometern auf eine Größe von 2.000 Kilometern in weniger als einem Tag." In
der Atmosphäre des Gasriesen geht es immer turbulent zu: Sie ist geprägt durch
Wolkenbänder in unterschiedlichen Höhen und durch ein System aus sogenannten Jetstreams, also gebündelten Starkwindbändern. Was genau
die Ursache für in den Wolkenbändern auftretende Störungen ist und was die
Jetstreams selbst antreibt, ist immer noch umstritten: Manche tippen auf
die Sonne, wie es auch auf der Erde der Fall ist, andere vermuten, dass die
Wärme im Inneren des Gasriesen eine Rolle spielt, wieder andere halten beides
für wichtige Faktoren. Die Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop Hubble, mit der NASA Infrared
Telescope Facility auf Hawaii, Teleskopen auf den kanarischen Inseln sowie
einer Reihe weiterer kleinerer Teleskope könnten nun ein wenig Licht in das
Rätsel um die Stürme auf Jupiter gebracht haben: Die Analyse der Wissenschaftler ergab, dass es sich bei den hellen Punkten um
Sturmsysteme handelt, die von Wasserwolken ausgelöst wurden, die aus der Tiefe
nach oben geschossen sind.
Die als helle Punkte erscheinenden Stürme liegen etwa 30 Kilometer oberhalb der
sichtbaren Wolkendecke des Gasriesen. Sie befinden sich zudem in einem Jetstream und bewegen sich mit etwa 600 Kilometern pro Stunde.
Deutlich erkannten die Wissenschaftler auch, dass die Sturmsysteme den
Jetstream zwar etwas durcheinander brachten aber doch nicht wirklich
störten. Modelle der Störungen lassen vermuten, dass dieser Jetstream mehr als 100 Kilometer unter die Wolkendecke der Atmosphäre
reicht, also bis in eine Region, in die fast kein Sonnenlicht mehr gelangen kann.
"Dieses bestätigt Ergebnisse der Jupitersonde Galileo", so Sánchez-Lavega.
"Alle Fakten scheinen dafür zu sprechen, dass die Jets sehr tief in die
Jupiteratmosphäre reichen und das wiederum spricht dafür, dass die innere Wärme
des Planeten für die Jets eine entscheidende Rolle spielt."
|