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Zehntausend Trojaner auf Neptunbahn?
von Rainer Kayser
16. Juni 2006
Neptun, der achte Planet unseres Sonnensystems, wird auf
seiner Bahn möglicherweise von zehntausenden Asteroiden begleitet. Darauf deutet
die Entdeckung eines weiteren "Trojaners" durch amerikanische Astronomen hin,
eines Asteroiden also, der dem Planeten stets um 60 Grad auf seiner Bahn
vorauseilt. Die Forscher berichten in der Online-Ausgabe des Fachblatts
Science von ihren Beobachtungen.
Der neue Neptun-Trojaner 2005 TN53. Foto:
Scott S. Sheppard / Carnegie Institution of
Washington
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Scott Sheppard von der Carnegie Institution of Washington und Chadwick
Trujillo vom Gemini Observatory auf Hawaii stießen bei ihren
Beobachtungen mit dem 6,5 Meter großen Magellan-Teleskop in Chile und dem 8,2
Meter großen Gemini-Teleskop auf Hawaii auf den neuen Asteroiden. Es handelt
sich bereits um den vierten Trojaner Neptuns.
Trojaner nennen die Astronomen Asteroiden, die sich etwa 60 Grad vor oder
hinter einem Planeten auf dessen Bahn befinden. Diese "Lagrange-Punkte" sind
dynamisch stabil, kleine Bahnstörungen führen also nicht dazu, dass die
Asteroiden die Region verlassen. Deshalb haben sich die Asteroiden vermutlich
bereits in der Frühzeit des Sonnensystems in den Regionen um die Langrangepunkte
großer Planeten angesammelt.
Während beim Jupiter rund 2000 Trojaner bekannt sind, ist die Entdeckung der
kleinen Himmelskörper in der wesentlich größeren Entfernung Neptuns erheblich
schwieriger. Die vier bekannten Neptun-Trojaner besitzen Größen im Bereich von
60 bis 140 Kilometern - beim Jupiter ist lediglich ein einziger Trojaner in
diesem Größenbereich bekannt. Daraus und aus der Bahn des neu entdeckten
Neptun-Trojaners schätzen Sheppard und Trujillo, dass Neptun insgesamt zwischen
5- und 20-mal mehr Trojaner besitzt als Jupiter. Möglicherweise übersteigt die
Zahl der Neptun-Trojaner sogar die Zahl der Asteroiden im Hauptgürtel zwischen
Mars und Jupiter.
Alle vier bislang entdeckten Trojaner eilen Neptun auf seiner Bahn voraus.
Die Forscher gehen jedoch davon aus, dass es wie beim Jupiter auch bei Neptun
eine zweite Trojaner-Wolke gibt, die dem Planeten folgt. Allerdings ist die
Entdeckung der Himmelskörper dort noch schwieriger, da die entsprechende Region
von der Erde aus gesehen derzeit direkt vor der sternenübersäten Milchstraße
liegt. Gegen die Vielzahl lichtschwacher Sterne sind die kleinen Asteroiden nur
schwer auszumachen. Doch da Neptun und damit auch die Trojaner sich auf ihrer
Bahn weiter bewegen, bessert sich die Situation - allerdings erst in etwa 30
Jahren.
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