Traditionell blickt astronews.com am letzten Tag des Jahres zurück auf
die Geschehnisse aus Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt im zu Ende
gehenden Jahr. Das soll auch am 6. Jahresende seit Gründung dieses
Online-Dienstes nicht anders sein. Warum auch - gab es doch auch 2004 einiges zu berichten.
Das Jahr 2004 brachte für die NASA endlich einmal wieder die ersehnten
Erfolge und damit positive Schlagzeilen. Gleich im Januar setzten die beiden Mars-Rover
Spirit
und Opportunity auf dem Mars auf und begannen mit der Erkundung des roten Planeten. Dabei verlief am Anfang nicht alles ganz nach Plan.
Der zu erst gelandete Rover Spirit sendete eine
Zeit lang nicht mehr als ein Piepsen Richtung Erde, konnte aber bald zu voller
Funktionsfähigkeit wiederbelebt werden. Die Rover, die auch nach fast einem Jahr
Einsatz auf dem Mars - und damit nach dem rund Vierfachen der ursprünglich
geplanten Missionsdauer - funktionsfähig sind, erreichten das Ziel ihrer Mission
äußerst schnell: Den Nachweis, dass es einmal flüssiges Wasser auf dem Mars gab.
Opportunity entdeckte als Wasserindikatoren das Mineral Hämatit
und fotografierte runde Kiesel - die Forscher waren begeistert.
Erfolgreich waren auch die Europäer auf dem Mars, wenn auch der Verlust des
kleinen Beagle 2-Landers schmerzte: Mars Express, und hier insbesondere die in
Deutschland entwickelte Stereokamera, lieferte immer wieder
eindrucksvolle
Aufnahmen vom roten Planeten. Von Mars Express kam auch die Nachricht, dass
erstmals direkt Wasser auf dem Mars nachgewiesen worden sei - ein Fund, den die
NASA sofort etwas schnippisch mit dem Satz "das haben wir doch schon längst
festgestellt" kommentierte. Ohne Konkurrenz geht es auch in der Raumfahrt
nicht. Darüber hinaus konnte die ESA im Januar endlich ihrer Rosetta-Mission in Richtung
des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko auf den Weg
schicken.
Auch 2004 fand kein einziger Flug einer US-Raumfähre statt: Die Space Shutte
blieben nach der Katastrophe der Columbia im Februar 2003 am Boden. Die
Internationale Raumstation ISS war zur Versorgung auf die russischen
Sojus-Raketen angewiesen, die auch die Austauschmannschaft im
Halbjahresrhythmus
zur ISS brachten. Doch die neu entwickelten Sicherheitsrichtlinien für künftige
Shuttle-Flüge könnten ein unerwartetes Opfer haben: das Hubble-Weltraumteleskop.
Weil eine weitere Service-Mission zu Hubble es nicht erlauben würde, im Notfall
zur ISS zu fliegen, wurde die Mission ganz gestrichen.
Hubble ist so auf sich
allein gestellt und dürfte den Betrieb eher einstellen müssen als ursprünglich
geplant war.
Ungetrübt war die Freude Mitte des Jahres: Die Saturnsonde Cassini
erreichte
mit dem ESA-Titanlander Huygens im Huckepack den Ringplaneten Saturn und
lieferte eindrucksvolle Aufnahmen des Ringplaneten und erste Daten vom
mysteriösen Saturnmond Titan. Zu Weihnachten gelang auch das
Abkoppelmanöver von Huygens und Cassini, so dass nun beide Sonde getrennt Wege gehen.
Doch Raumfahrt betreiben nicht nur NASA, ESA und einige andere nationale
Raumfahrtagenturen: 2004 war das Jahr der privaten Raumfahrt-Pioniere: Bis
zu diesem Jahr hatten wohl nicht sonderlich viele vom X-Preis gehört, doch als
sich ein amerikanisches Team mit dem SpaceShipOne anschickte, diesen zu
gewinnen, wurde die allgemeine Presse aufmerksam: Zwei Mal gelang es dem Team
innerhalb von 14 Tagen einen Menschen mit einem wieder verwendbaren Raumfahrzeug
an die Grenze des Weltalls in 100 Kilometer Höhe zu bringen - und sicher wieder
zurück. Das war 10 Millionen Dollar wert. Für das Team sicherlich nur ein
Bruchteil der Entwicklungskosten, die zum großen Teil von Microsoft Mitbegründer
Paul Allan getragen wurden. Der Erfolg gab der Idee der Urlaubsflüge ins All
ganz neuen Antrieb: Virgin-Boss Richard Branson sicherte sich schon einmal die
Rechte für Kurztrips ins All und verkauft bereits Tickets für "Virgin Galactic".
Doch nicht alles lief glatt im zu Ende gehenden Jahr: Eine Probe von der
Sonne, sollte die Raumkapsel Genesis zur Erde zurückbringen und die NASA hatte
mit Stuntmen aus Hollywood und einigem Medienrummel den
Einfang der Proben mit
Hubschraubern über der Wüste von Utah geplant. Doch die Kapsel mit den Proben
segelte nicht wie vorgesehen am Fallschirm zur Erde, sondern
schlug ungebremst
in den Wüstensand ein. Trotz dieser Panne am Ende ist das Genesis-Team aber nach
wie vor optimistisch, einen großen Teil der mit den Proben vorgesehenen
Forschung durchführen zu können.
Natürlich wurden 2004 auch wieder neue extrasolare Planeten entdeckt: Die
Europäische Südsternwarte glaubt sogar ein erstes direktes Bild eines Exoplaneten gemacht und zudem eine
ganz neue Klasse von Planeten aufgespürt zu
haben. Die NASA fand wenige Tage später auch eine ganz neue Klasse
von Planeten, die verblüffend denen der ESO ähnelten. Der Fund der Konkurrenz wurde
allerdings von der NASA in der Pressemitteilung nicht erwähnt.
Sicherlich wird auch das Jahr 2005 manche interessante Nachricht aus
Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt bereithalten: So wird noch in der
ersten Jahreshälfte mit der Wiederaufnahme der Space Shuttle-Flüge gerechnet, so
dass der Weiterbau der Internationalen Raumstation nicht mehr zu lange auf sich
warten lassen sollte. Gleich im Januar wird der Titanlander Huygens auf dem
mysteriösen Saturntrabanten niedergehen und Cassini dürfte weitere
eindrucksvolle Aufnahmen aus dem Saturnsystem senden. Über dies und vieles mehr
wird astronews.com auch im nächsten Jahr berichten und bedankt sich an
dieser Stelle ausdrücklich bei allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für ihre
faszinierende Arbeit, durch die eine Nachrichtenseite wie astronews.com
erst möglich wird.
Unseren Leserinnen und Lesern danken wir für die Treue und wünschen
für das Jahr 2005 alles Gute.