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CALAR ALTO
Zukunft des
spanisch-deutschen Observatoriums gesichert
Redaktion
astronews.com
28. Dezember 2004
Seit
25 Jahren betreiben deutsche und spanische Wissenschaftler auf dem spanischen
Calar Alto ein gemeinsames Observatorium, das auch in Zeiten der neuen
Großteleskope immer noch wichtige wissenschaftliche Resultate liefern kann.
Beweis dafür ist eine unlängst geschlossene Vereinbarung, die die Zukunft des
Observatoriums für die nächsten zehn Jahre sicherstellen soll.

Das Calar-Alto-Observatorium. Blick von Norden auf die
Teleskopkuppeln. Foto: Max-Planck-Institut für Astronomie |
Die größte Sternwarte auf dem europäischen Festland, das Centro
Astronómico Hispano-Alemán in Andalusien (CAHA), wird ab 1. Januar 2005
gemeinsam durch den spanischen Consejo Superior de Investigaciones
Científicas, vertreten durch das Instituto de Astrofísica de Andalucía,
sowie durch die Max-Planck-Gesellschaft, vertreten durch das Max-Planck-Institut
für Astronomie, als gleichberechtigte Partner betrieben. Eine im November 2004
unterzeichnete Vereinbarung sieht für die nächsten zehn Jahre den Betrieb des
CAHA als Organisation des spanischen Rechts vor und stellt die Finanzierung für
Entwicklung und Bau neuer Messinstrumente sicher, sodass die Leistungsfähigkeit
des Observatoriums und die über viele Jahre aufgebaute Kompetenz der
Wissenschaftler auf instrumentellem Gebiet nachhaltig gesichert wird. Für die
spanische Astronomie bedeuten Betrieb und Nutzung des CAHA auf 50-Prozent-Basis
gemeinsam mit den deutschen Kollegen einen bedeutsamen Fortschritt, der dem
während der vergangenen 20 Jahre gemeinsam erreichten hohen wissenschaftlichen
Niveau zu verdanken ist.
Am 28. September 1979 wurde das Deutsch-Spanische Astronomische Zentrum bzw.
das Centro Astronómico Hispano-Alemán in Andalusien (kurz CAHA oder
Calar-Alto-Observatorium) durch König Juan Carlos I. von Spanien offiziell
eröffnet. Auf dem 2.168 Meter hohen Berg Calar Alto in der Sierra de los
Filabres stand damit Deutschlands Astronomen und ihren spanischen Kollegen
erstmals ein Observatorium zur Verfügung, mit dem sie nach den beiden
Weltkriegen wieder an die Weltspitze der Himmelsforschung aufschließen konnten.
Vier Teleskope unterschiedlicher Größe sowie Kameras und Spektrographen auf dem
neuesten Stand der technologischen Entwicklung arbeiten dort seither an der
vordersten Front der Forschung. Mit ihnen gelangen eine Reihe hervorragender
Entdeckungen.
Mit dem CAHA hatten deutsche Astronomen erstmals wieder die Möglichkeit, an
einem eigenen Observatorium Forschung von Weltrang zu betreiben. Andererseits
erhielt die beginnende spanische astronomische Forschung durch den Aufbau des
CAHA einen enormen Impuls, der, zusammen mit anderen astronomischen
Einrichtungen auf spanischem Boden, Spanien im Laufe dieser Jahre eine
herausragende Stellung innerhalb der internationalen Astronomie verliehen hat.
Systematische Messungen der Luftunruhe und der Himmelshelligkeit auf dem Calar
Alto haben gezeigt, dass dort ähnlich gute Bedingungen vorliegen wie an den
berühmten Observatorien in den USA. In der jüngeren Vergangenheit sind in jedem
Jahr rund hundert wissenschaftliche Veröffentlichungen erschienen, die auf
Beobachtungen mit den dortigen Teleskopen beruhen. Und die Nachfrage nach
Beobachtungszeit ist nach wie vor ungebrochen. Am 3.5-Meter-Teleskop
beispielsweise wird rund dreimal so viel Beobachtungszeit beantragt wie vergeben
werden kann.
In den Anfangsjahren des Calar Alto standen Sterne und Nebel in unserem
Milchstraßensystem im Zentrum der Forschung. Erst mit der Inbetriebnahme des
2.2-Meter-Teleskops verfügten die Astronomen des Max-Planck-Instituts für
Astronomie über ein Teleskop, das lichtstark genug war, um auch ferne
lichtschwache Galaxien zu untersuchen. Einen ersten Forschungsschwerpunkt
bildete die Sternentstehung. Am Calar Alto gelang der Nachweis, dass sich Sterne
im Innern dichter, kollabierender Staubwolken bilden. Fliehkräfte ziehen die
rotierenden Wolke auseinander und flachen sie zu einer Scheibe ab. Während sich
im Zentrum die Materie zu einem Stern verdichtet, bilden sich in der Scheibe
Planeten, wie sich in den 1990er Jahren erstmals nachweisen ließ.
Anfang der 1980er Jahre entdeckten Astronomen des Max-Planck-Instituts für
Astronomie am Calar Alto, dass von jungen Sternen stark gebündelte Gasstrahlen
ausgehen, die mit Geschwindigkeiten von mehreren hundert Kilometern pro Sekunde
ins All schießen. Diese so genannten Jets stehen senkrecht auf der
zirkumstellaren Staubscheibe und können sich mehrere Lichtjahre weit ausdehnen.
Mit dem 2.2-Meter-Teleskop beobachteten die Astronomen Mitte der 1980er Jahre so
genannte wechselwirkende Galaxien, also Sternsysteme, die entweder nahe
aneinander vorbeifliegen und dabei über die Schwerkraft wechselwirken, oder gar
miteinander zusammenstoßen.
Seit vielen Jahren beobachten Astronomen auch Radiogalaxien und Quasare, aus
deren Zentralbereich ein oder zwei (entgegengesetzte) Gasstrahlen
herausschießen. Astronomen des Max-Planck-Instituts für Astronomie haben mit
Beobachtungen am Calar-Alto-Observatorium wesentlich zur Erforschung dieser
extragalaktischen Jets beigetragen. So gelang es 1997 dort erstmals, den Jet im
nahen Infrarot detailliert zu fotografieren. Heute sind die Forscher davon
überzeugt, dass solche Jets von gewaltigen Schwarzen Löchern ausgehen, die in
den Zentren der Galaxien sitzen.
Ein weiteres Highlight waren die spektakulären Aufnahmen vom Einsturz des
Kometen Shoemaker-Levy 9 auf den Planeten Jupiter im Jahr 1994. Vom
3.5-Meter-Teleskop des Calar Alto kamen die weltweit ersten Bilder. Die
Infrarotaufnahmen dienten dazu, die Energie der Einschläge und daraus die Größe
der Bruchstücke zu ermitteln.
Überraschend kam für viele Astronomen im Jahr 2000 die Entdeckung freier
planetenähnlicher Körper in einem Sternentstehungsgebiet im Sternbild Orion. Bis
dahin kannten die Astronomen nur Planeten, die um einen Zentralstern kreisen, so
wie die Erde um die Sonne. In diesem Falle waren die relativ winzigen Körper
aber ungebundene Einzelgänger. Zudem lief auf dem Calar Alto am 2,2- und
3,5-Meter-Teleskop seit Mitte der neunziger Jahre das Beobachtungsprogramm CADIS
(Calar Alto Deep Imaging Survey), mit dem Astronomen nach den ersten Galaxien im
Universum suchen. Im Rahmen dieses Langzeitprojekts nahmen die Wissenschaftler
mehrere Himmelsareale in rund 40 Wellenlängenbereichen auf. An Hand der in all
diesen Farbbereichen gemessenen Helligkeiten lassen sich die vielen tausend
Himmelskörper klassifizieren und die Entfernungen unterschiedlicher
Galaxientypen ermitteln.
Das Calar-Alto-Observatorium ist zudem in die European Supernova
Collaboration eingebunden. Mit ihr soll die Helligkeitsentwicklung von
Supernovae ermittelt werden. Supernovae sind explodierende Sterne, die seit
kurzem eine besondere Bedeutung in der Kosmologie haben: Sie sind alle gleich
leuchtkräftig und können deshalb als so genannte Standardkerzen dienen.
Beobachtet man viele dieser Supernovae in möglichst unterschiedlichen
Entfernungen, so lässt sich daraus die vergangene Expansion des Universums
ableiten. Solche Beobachtungen von Supernovae vom Typ Ia haben zu der Hypothese
geführt, dass eine "Dunkle Energie" die Dynamik des Kosmos dominiert.
Bemerkt man irgendwo auf der Welt eine unvermittelt aufleuchtende Supernova,
so werden sofort alle Observatorien der European Supernova Collaboration
von diesem Ereignis informiert, so dass das Objekt unverzüglich und gründlich
beobachtet werden kann. Auf diese Weise gelang am Calar-Alto-Observatorium 2002
die bislang genaueste Photometrie einer Supernova Ia überhaupt.
Auf ähnliche Weise funktioniert ein Alarmsystem für so genannte Gamma Ray
Bursts (zu Deutsch etwa Gammastrahlen-Ausbrüche). Sie gehören gegenwärtig zu
den interessantesten Forschungsobjekten der Astrophysik. Es handelt sich um
Gammablitze von einer Zehntel bis zu einigen hundert Sekunden Dauer, die mit
einer Rate von etwa einem Ausbruch pro Tag völlig unvermittelt an beliebigen
Stellen des Himmels aufflammen. Rund 25 Jahre lang blieb das Phänomen ein
Rätsel, weil es nie gelang, einen Gamma-Burst auch mit anderen Teleskopen
beispielsweise im optischen Bereich zu identifizieren.
Seit einigen Jahren gibt es jedoch Satelliten, die diese Gamma-Bursts sehr
effizient orten können. Sie senden die Himmelskoordinaten eines solchen
Ereignisses unverzüglich zum Boden, wo sie per Internet an ein Netz von
Observatorien weiter geleitet werden. Innerhalb kürzester Zeit nach dem Ausbruch
können so optische oder auch Radioteleskope auf die Bursts ausgerichtet werden.
Heute weiß man, dass sich Gamma-Bursts außerhalb des Milchstraßensystems in
fernen Galaxien ereignen. Wahrscheinlich markiert der Gammablitz die
Geburtsstunde eines stellaren Schwarzen Loches. Dies geschieht entweder durch
Kollaps eines sehr massereichen Sterns oder durch Verschmelzen von zwei
kompakten Himmelskörpern, beispielsweise zweier Neutronensterne. Das sind die
energiereichsten bekannten Ausbrüche im Universum, manchmal auch Hypernovae
genannt.
Erst in Verbindung mit einem leistungsstarken Instrument wird ein großes
Teleskop zu einer mächtigen Entdeckungsmaschine. Aus diesem Grunde entwickeln
und bauen Astronomen und Techniker im Heidelberger Heimatinstitut sowie an
anderen Instituten laufend neue Geräte, die auf dem Calar Alto zum Einsatz
kommen. Allein für das 2,2- und 3,5-Meter-Teleskop stehen derzeit 13 Instrumente
zur Verfügung. Weitere Geräte bringen Gastwissenschaftler zur Durchführung der
eigenen Beobachtungen gelegentlich selbst mit. Auch neue fortschrittliche
Methoden und Techniken, die später einmal beispielsweise am Very Large
Telescope angewandt werden sollen, werden auf dem Calar Alto erprobt.
Mit dem Bau einer neuen Generation von Teleskopen, die über Spiegel von acht
bis zehn Metern Durchmesser verfügen, ist die ältere Teleskop-Generation mit
drei bis vier Metern Öffnung keineswegs überflüssig geworden. Zum einen reicht
die Zahl der neuesten Observatorien gar nicht aus, um alle wichtigen
Beobachtungsprogramme ausführen zu können. Zum anderen gibt es auch sehr viele
wichtige Projekte, die keine Großteleskope erfordern, aber mitunter sehr
zeitintensiv sind. Hierzu zählen große Himmelsdurchmusterungen, wie die auf dem
Calar Alto durchgeführten Programme CADIS, COMBO-17 und ALHAMBRA. So läuft
derzeit am Calar Alto ein Programm, mit dem man möglichst viele Quasare
auffinden will. Dabei wird zunächst automatisch nach Kandidaten gesucht.
Anschließend kann die detaillierte Untersuchung der identifizierten Quasare
erfolgen.
Von großer Bedeutung werden zukünftig auch Projekte sein, bei denen
Himmelskörper regelmäßig beobachtet werden müssen. Dies ist bei variablen
Objekten der Fall. So läuft derzeit ein Projekt, mit dem man nach
Helligkeitsschwankungen bei Sternen in der Andromeda-Galaxie sucht. Diese können
in einigen Fällen durch unsichtbare Objekte verursacht werden, die zufällig vor
den fernen Sternen vorbeiziehen. Auf diese Weise gelingt es, Himmelskörper
aufzuspüren, die man zur Dunklen Materie zählt. Doch nicht zuletzt werden die
Teleskope des Calar-Alto-Observatoriums weiterhin dazu dienen, neue
wissenschaftliche Methoden und Techniken für die Astronomie zu entwickeln.
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