Am letzten Tag des Jahres blickt astronews.com
traditionell zurück auf
die Geschehnisse aus Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt im zu Ende
gehenden Jahr. Das soll sich auch am 5. Jahresende seit Gründung dieses
Online-Dienstes nicht ändern, denn auch 2003 gab es einiges zu berichten.
Das Jahr 2003 begann nicht gut für die Raumfahrt: Nach einem missglückten
Start einer modernisierten Ariane 5-Rakete im Dezember 2002 musste die
europäische Weltraumagentur ESA ihre Kometenmission Rosetta
verschieben und ein
Ersatzziel für den eigentlich vorgesehenen
Kometen Wirtanen suchen, der wegen der Verzögerung nun nicht mehr erreicht
werden konnte. Man wurde fündig: Die Kometensonde soll sich nun im neuen Jahr
zum Kometen
67P/Tschurjumow-Gerasimenko aufmachen - der
Name ist zwar komplizierter, der wissenschaftliche Ertrag sei aber vergleichbar,
so ist man zumindest bei der ESA sicher.
Auch in anderen Bereichen machte die europäische Weltraumagentur im zu Ende
gehenden Jahr Schlagzeilen: Im Juni startete
mit Mars Express Europas erste Mission zum
Mars vom Raketenbahnhof Baikonur aus. Der rote Planet war in diesem Jahr der
Erde so nahe, dass er im Sommer zum strahlenden Objekt am Nachthimmel wurde. Zu
Weihnachten schwenkte die Sonde ohne größere Probleme in eine Marsumlaufbahn
ein. Allerdings blieb der kleine Lander Beagle 2, der von Fallschirmen
gebremst und durch Airbags geschützt, auf dem Mars landen sollte, bislang
stumm. Aufgeben will man bei der ESA die Hoffnung
nicht, dürfte aber insgeheim schon mit dem Schlimmsten rechnen: Vielleicht
entdeckt eine in Deutschland entwickelte Kamera im Januar die Trümmer des
kleinen Marslanders. Auch ein weitere Mission
startete die ESA im September erfolgreich - wenn auch mit einiger
Verspätung. Mit der Sonde SMART-1 sollen neuen
Technologien, vor allem ein Ionentriebwerk,
erforscht werden, das das Raumschiff langsam in einen Orbit um den Mond bringen
soll.
Natürlich nutzte auch die amerikanische Weltraumbehörde NASA die günstige
Stellung von Erde und Mars und sandte mit Spirit
und Opportunity gleich zwei Erkundungsrover
zum roten Planeten. Damit dürfte die NASA die Chance zumindest einer
erfolgreichen Landung deutlich verbessern, hatte sie doch mit der
fehlgeschlagenen Landung gleich dreier Sonden 1999 einiges an Lehrgeld bezahlen
müssen. Im Januar werden die beiden Rover auf dem Mars landen.
Die NASA konnte Erfolgsmeldungen im Jahr 2003 sicherlich gebrauchen, hatte
sie doch im Februar den tragischen Verlust
der Raumfähre Columbia zu verkraften. Die Wissenschaftsmission der
Raumfähre, die 1982 den ersten Shuttleflug überhaupt durchführte, endete 16
Minuten vor der geplanten Landung in Florida in 60 Kilometer Höhe über Texas.
Eine anschließende Untersuchung ergab, dass
schon während des Starts ein vom Haupttank abgefallenes Stück Isolierschaum für
einen Riss im Flügel der Columbia gesorgt hatte, durch den beim
Wiedereintritt in die Erdatmosphäre heißes Plasma
in die Raumfähre eindrang, wodurch diese schließlich zerbrach. Es zeigte sich
wieder, dass offenbar die Flüge der Raumfähren deutlich gefährlicher waren als
sich das so mancher Verantwortliche bewusst machen wollte. Hinweise auf ein
möglichen Riss wurden ignoriert, Möglichkeiten zur Reparatur im Orbit gab es
nicht. Bis heute blieben die Shuttle am Boden. Nächster vorgesehener
Starttermin: Spätsommer 2004.
Die Columbia-Katastrophe hatte auch Auswirkungen auf die
internationale Raumstation ISS, deren Ausbau durch den Ausfall der Shuttle-Flotte
erstmal nicht fortgesetzt werden konnte. Die oft belächelte russische
Raumfahrttechnologie musste einspringen und stellt seitdem eine Notversorgung
der ISS sicher. Diese ist seit April nur noch mit einer zweiköpfigen
Notbesatzung ausgerüstet und bei so manchem
Kritiker bestätigt sich die Überzeugung, dass man das Geld besser in unbemannte
Sonde investiert hätte, als ein teueres Laboratorium im All zu schaffen, das
gerade einmal so viele Besatzungsmitglieder aufnehmen kann, um sicherzustellen,
dass die Station weiter funktioniert. So bleiben auch nach 1000 Tagen ISS noch
viele Fragen offen. Trotzdem versucht man bei
NASA und ESA nach vorne zu schauen: Der Start des europäischen Weltraumlabors
Columbus wurde weiter vorbereitet und bei München ein neues
Kontrollzentrum dafür eingerichtet. Und im
Oktober gab es wieder eine "Taxi-Mission" zum
Crewaustausch mit einem ESA-Astronauten an Bord.
Abschied nehmen hieß es 2003 vom Weltraumveteranen Pioneer 10:
Ein letztes, sehr schwaches Signal der Sonde empfing die NASA über
ihr Deep Space Network am 22. Januar. Auch die Jupitersonde Galileo
beendete ihre Mission und stürzte
kontrolliert in die Jupiteratmosphäre. Begrüßen konnte man eine neue Nation im
Kreise der Länder, die erfolgreich Menschen ins All schicken können: Mit ihrem
ersten Taikonauten reihte sich China im
Oktober in diesen illustren Club ein.
Auch im wissenschaftlichen Bereich hat sich einiges Interessante im zu Ende
gehenden Jahr getan: Mit Hilfe von Hubble spürten Astronomen Galaxien
auf, die vermutlich das Ende des dunklen
Zeitalters einläuteten und entdeckten das vielleicht
kälteste Objekt im All. WMAP machte ein
Babyfoto des Universums und bestimmte das
Alter des Weltalls auf genau 13,7 Milliarden Jahre. Das
Jugendbild des Weltalls kam vom
Röntgenteleskop Chandra. Astronomen spürten im Mai
einen neuen Nachbarn der Sonne auf, der mit
7,8 Lichtjahren Entfernung das drittnächste System ist.
Neue - wenn auch nicht immer übereinstimmende - Daten gab es auch über die
dunkle Materie und die dunkle Energie: Chandra lieferte Beobachtungsdaten
zur dunklen Materie, die Beobachtungen des
ESA-Pendants XMM-Newton sprachen gegen die
dunkle Energie, die in vielen aktuellen Weltmodellen enthalten ist. Es
bleibt also weiter spannend. Auch bei der Suche nach fernen Planeten gab es
Fortschritte: Astronomen spürten den ältesten
extrasolaren Planeten auf und fanden Hinweise dafür, dass es eine
bewohnbare Zone um
47 Ursae
Majoris
geben könnte.
Sicherlich wird auch das Jahr 2004 manche interessante Nachricht aus
Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt bereithalten: Schon im Januar sollen
die Marsrover landen und Stardust sein Kometenrendezvous absolvieren. Große
Teleskope, wie das immer leistungsfähigere Very Large Telescope, durchsuchen das All nach Daten, die vielleicht die ein oder
andere wissenschaftliche Theorie ins Wanken bringen. astronews.com wird
darüber auch im nächsten Jahr berichten und bedankt sich an
dieser Stelle ausdrücklich bei allen Wissenschaftlern für ihre
faszinierende Arbeit, durch die eine Nachrichtenseite wie astronews.com
erst möglich wird.
Unseren Leserinnen und Lesern danken wir für die Treue und wünschen
für das Jahr 2004 alles Gute.