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CHANDRA
Dunkle
Materie ist real und kalt
von Rainer Kayser
23. Oktober 2002
Die meisten
Astronomen glauben, dass sich die Bewegung von Sternen und Galaxien nur erklären
lässt, wenn man annimmt, dass der überwiegende Teil der Materie nicht sichtbar
ist und postulieren deswegen, die Existenz so genannter Dunkelmaterie. Andere
Forscher bevorzugten allerdings eine abgewandelte Gravitationstheorie.
Beobachtungen des Röntgenteleskops Chandra erlauben nun erstmals beiden
Theorien zu vergleichen: Dunkle Materie scheint danach real zu sein.

Chandra-Bild der Galaxie NGC 720. Foto:
NASA/CXC/UCI/D.Buote et al. |
Es gibt wirklich eine geheimnisvolle, dunkle Materie, die unsere Welt mit
ihrer Schwerkraft zusammenhält. Zu diesem Schluss ist jetzt ein Team
amerikanischer Astronomen gekommen. Die Forschergruppe unter der Leitung von
David Buote von der University of California in Irvine hatten die Verteilung von
Gas in der Galaxie NGC 720 untersucht. "Die Form und die Orientierung der heißen
Gaswolke zeigt, dass sie in einen eiförmigen Halo aus dunkler Materie
eingebettet sein muss", erläutert Buote. "Das bedeutet, dass dunkle Materie
keine Illusion ist, nicht einfach ein Fehler in der Theorie der Schwerkraft,
sondern dass sie wirklich existiert."
Untersuchungen der Bewegung von Sternen in Galaxien zeigen, dass die gesamte
sichtbare Materie der Sternsysteme nicht ausreicht, um mit ihrer Anziehungskraft
die Sterne auf ihren Bahnen zu halten. Und zwar bei weitem nicht: Gerade einmal
zehn Prozent der Masse einer Galaxie liegt in Form von Sternen und Gas vor, bei
dem überwiegenden Rest muss es sich, so die Schlussfolgerung der Astronomen, um
eine geheimnisvolle, unsichtbare Substanz handeln. Diese "dunkle Materie" könnte
zum Beispiel aus bislang unbekannten Elementarteilchen bestehen, die nur über
die Schwerkraft mit "normaler" Materie wechselwirken.
Der Astrophysiker Mordecai Milgrom vom Weizmann-Institut in Israel verficht
jedoch seit den achtziger Jahren die These, die Bewegung der Sterne ließe sich
auch durch eine alternative Gravitationstheorie erklären. Tatsächlich stimmten
die Vorhersagen seiner "modifizierten Newtonschen Dynamik" bislang erstaunlich
gut mit den Beobachtungen überein. Die Verteilung des Gases in der 80 Millionen
Lichtjahre entfernten Galaxie NGC 720 bot den Astronomen nun erstmalig die
Gelegenheit, zwischen der alternativen Schwerkrafttheorie und echter dunkler
Materie zu unterscheiden. Die extrem genauen Messungen von Buote und seinen
Kollegen waren nur mit dem Röntgensatelliten Chandra möglich. Die
Beobachtungen zeigen nicht nur eindeutig, dass dunkle Materie real ist, sondern
auch, dass diese dunkle Materie "kalt" ist, also aus langsamen Teilchen besteht.
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