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COMPUTERSIMULATIONEN
Wenn
Schwarze Löcher rotieren
von Stefan
Deiters
astronews.com
25. Januar 2002
In aufwendigen
Computersimulationen versuchen Astrophysiker den Geschehnissen in der Umgebung
eines Schwarzen Lochs auf die Spur zu kommen. Das besondere Interesse dabei gilt
den bereits in den 70er Jahren vorhergesagten energiereichen Jets, die von den
mysteriösen Objekten ausgehen. Entscheidend für ihre Entstehung ist, so
bestätigt eine neue Untersuchung, die Rotation der Schwarzen Löcher.

Der Raum um ein rotierenden Schwarzes Loch (Mitte): Dargestellt
sind die Magnetfeldlinien in der Umgebung.
Darstellung:
JPL/NASA |
"Diese Forschungsarbeiten unterstützen uns dabei, das Mysterium rund um
rotierende Schwarze Löcher zu entschlüsseln und bestätigen außerdem, dass die
Rotation zum Freiwerden von Energie führt", erläutert der Astrophysiker Dr.
David Meier vom NASA Jet Propulion Laboratory, der zusammen mit seinem
japanischen Kollegen Dr. Shinji Koide die Arbeiten durchgeführt hat. Schwarze
Löcher, also extrem dichte Objekte, deren Gravitationskraft so groß ist, dass
nichts - nicht einmal Licht - entkommen kann, können entweder als normale
stellare Schwarze Löcher als Endprodukte im Leben eines massereichen Sterns oder
aber als supermassereiche Variante im Zentrum von Galaxien auftreten. Beide
Arten von Schwarzen Löchern können mit hoher Geschwindigkeit rotieren. Material,
was in das Schwarze Loch stürzt, wird daher heftig herumgeschleudert, bevor es
endgültig verschwindet. Die Strahlung, die dabei frei wird, kann man mit Radio-
und Röntgenteleskopen beobachten. Das Schwarze Loch selbst ist unsichtbar.
"Da wir nicht zu einem Schwarzen Loch reisen und es auch nicht im Labor
erzeugen können, haben wir Supercomputer benutzt, um eines zu simulieren", so
Meier. Die Berechnungen, die die Forscher durchführten, ähneln denen, die
beispielsweise auch Meteorologen zum Erstellen einer Wettervorhersage machen:
Dabei wird aus Kenntnissen über die Erdatmosphäre und die Gravitation und
aktuellen Satellitenbildern das Wetter der nächsten Tage berechnet. Ganz ähnlich
versuchte Meier und sein Kollege aus Daten über Plasmen in der Umgebung eines
Schwarzen Lochs und Erkenntnissen über die Auswirkungen von Gravitation und
Magnetfeldern zu simulieren, was rund um eine Schwarzes Loch vor sich geht.
"Wir haben ein rotierende Schwarzes Loch modelliert, in das magnetisiertes
Plasma stürzt und simuliert wie das Magnetfeld Energie von der Rotation des
Schwarzen Lochs aufnimmt," erklärt Koide. "In diesem Fall wurden Jets aus reiner
elektromagnetischer Energie durch das Magnetfeld ins All hinausgeschleudert und
zwar entlang des Nord- und Südpols über dem Schwarzen Loch.," ergänzt Meier.
"Die Jets beinhalten Energie, die etwa dem 10 Milliardenfachen der Energie
unserer Sonne entspricht multipliziert mit einer Milliarde."
Dies Ergebnis ist für Theoretiker nicht überraschend: Es war von Professor
Roger Blandford vom California Institute of Technology und seinem
Kollegen Roman Znajek bereits in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts
vorhergesagt worden. Die neuen Simulationen unterstützen jetzt die alte Theorie.
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