In der Nacht von Montag auf Dienstag überflog die kleine NASA-Sonde Galileo
erneut den Jupitermond Io. Diesmal betrug der Abstand zwischen der Sonde
und der Südpolarregion des Jupitertrabanten nur 181 Kilometer - so dicht
war Galileo dem Mond noch nie gekommen. Alles deutet aber darauf
hin, dass das kleine Raumschiff auch diesen Vorüberflug gut überstanden
hat.

Jupitermond Io.
Darstellung: JPL/NASA |
Der dichte Vorüberflug war offiziell gestern um 2.23 Uhr MEZ beendet
und fand während des 32. Orbits der kleinen Sonde um den Jupiter statt. Er
führte das Raumschiff mit einer Annäherung von 181 Kilometern dichter an
den Jupitermond heran als jeder andere Vorbeiflug an dem vulkanischen Mond
zuvor. Die ersten Signale von Galileo, die darauf hindeuteten, dass alles
gut geklappt hatte, wurden eine Stunde nach dem Vorüberflug von der NASA
Deep Space Network Antenne in der Nähe von Madrid empfangen.
"Der sehr intensive Strahlungsgürtel von Jupiter macht die Vorüberflüge
am Mond Io sehr risikoreich, aber es sieht so aus, als ob es Galileo
einmal wieder für uns geschafft hätte", so Dr. Eilene Theilig vom NASA Jet Propulsion Laboratory
(JPL) im kalifornischen Pasadena. Galileo ist seit 1995 im Orbit um den
Gasriesen und hat seit dieser Zeit schon mehr als die dreifache
Strahlenmenge überstanden, als für die das Raumschiff konstruiert worden
war. Die NASA hatte die ursprünglich auf zwei Jahre angelegte Mission
insgesamt dreimal verlängert, um die Robustheit der kleinen Sonde
auszunutzen.
Gestern Nachmittag hatte Galileo rund 70 Prozent der Daten
aufgezeichnet, die das Raumschiff bei dieser Passage durch das innere
Jupitersystem aufnehmen sollte. Sie begann am 13. Oktober und umfasste
neben der erneuten Untersuchung von Io auch Beobachtungen des Jupiter und
des Mondes Europa. Die Bilder und Daten werden in den nächsten drei
Monaten über das Deep Space Network zur Erde übermittelt.
Zwar deuten erste Daten darauf hin, dass Galileos Kamerasystem
einwandfrei funktioniert hat. Doch genaue Angaben über die Bildqualität
werden erst möglich sein, wenn die Bildübertragung beginnt, was etwa Ende
des Monats der Fall sein wird. Mit der Kamera hatte es im letzten Jahr
Probleme gegeben, da die Strahlung die Kameraelektronik beeinträchtigt hatte. Diese Aussetzer der Kamera sollten mit einer neuen
Software minimiert werden, die vor zwei Wochen zu Galileo
überspielt wurde.
Von diesem erneuten Vorüberflug an Io erhoffen sich die Forscher vor
allem Informationen über das Magnetfeld des Jupitertrabanten in der
Südpolregion. Dies könnte Hinweise auf das Innere des Mondes und auf die
Wechselwirkungen mit dem starken Magnetfeld des Gasriesen geben. Zudem
wurden die Vulkane von Io erneut untersucht, darunter auch eine neue Eruption,
die beim letzten Vorüberflug im August entdeckt worden war.