Die Überlegungen für Wege zur Stromerzeugung auf dem roten Planeten begannen
an einem der entlegensten Orte auf der Erde: in der Antarktis. Während einer
Mission in die Südpolarregion kam NASA-Wissenschaftlern erstmals die Idee, dass
man Windkraftanlagen, die unter den extremen Bedingungen in der Antarktis für
Strom sorgen, in einer modifizierten Form auch auf dem Mars zur Energiegewinnung
nutzen könnte. Das hätte vor allem den Vorteil, dass man auch während
lang anhaltender Staubstürme, die den Planteten wochenlang verdunkeln,
elektrischen Strom erzeugen könnte.
"Windkraft und Solarenergie könnten sich auf dem Mars ideal ergänzen",
erläutert David Bubenheim vom NASA Ames Research Center in Kalifornien.
"Während eines gewaltigen Sandsturms, der das gesamte Sonnenlicht verschluckt,
könnte man immer noch Strom erzeugen." Allerdings dürften Windkraftanlagen auch
nur während dieser Wetterphänomene für ausreichend Elektrizität sorgen: "Nur
während dieser Sandstürme gibt es auf dem Mars genug Wind um eine
Windkraftanlage zu betreiben", erklärt Michael Flynn, ebenfalls am Ames
Research Center beschäftigt. Auf der Erde wird eine Windgeschwindigkeit von
etwa 10 Metern pro Sekunde benötigt, um durch Windkraft Strom zu erzeugen. Auf
dem Mars dürfte man - wegen der dünneren Luft - eine Windgeschwindigkeit von 30
Metern pro Sekunde benötigen.
"Wir schlagen daher ein kombiniertes Solar-Wind-System vor", erläutert Flynn.
"Dies würde Solarzellen während der sonnigen Perioden zur Stromerzeugung nutzen
und Windkraftanlagen während der Sandstürme". Daten der Viking oder
Pathfinder-Mission deuten darauf hin, dass es normalerweise keine starken Winde
auf dem Mars zu geben scheint. "Aber diese Missionen haben keine Daten während
Sandstürmen gesammelt. Computermodelle machen aber deutlich, dass sehr starke
Winde nötig sind, um einen solchen Sandsturm zu starten und am Leben zu
erhalten."
Die Forscher wollen nun ein kombiniertes Solar-Wind-Energieerzeugungsmodul
entwickeln und in der unwirklichen Umgebung der Arktis testen. "Durch die
Demonstration, dass dieses Prinzip auf der Erde funktioniert, beginnen wir quasi
schon mit den ersten Arbeiten für die Entwicklung eines Systems für den Mars",
so Flynn. Ein Anfang ist schon gemacht: Windkraftanlagen, die unter Extrembedingungen arbeiten, sollen in
Kotzebue in Alaska demnächst getestet werden.
"Am Anfang haben wir unsere Tests in der Amundsen-Scott Südpol-Station
gemacht, wo rund sechs Monate absolute Dunkelheit herrscht", so Bubenheim. "Dort
haben wir Lebenserhaltungssysteme betrieben, Früchte und Gemüse gezogen und
Abfall wiederverwertet. Dabei kam uns dann die Idee, dass man dieses System auch
auf dem Mars zum Einsatz bringen könnte. Sowohl auf dem Mars als auch am Südpol
muss man mit Strom sehr sparsam umgehen."