Ausgerechnet eine Forschergruppe, deren Namen in der gesamten
Astronomiegemeinde mit der Erforschung von supermassereichen Schwarzen
Löchern in Verbindung gebracht wird, wagt eine provokante These: Als
erste Galaxie überhaupt, könnte M33 kein supermassereiches Schwarzes Loch
beherbergen - oder nur ein ganz kleines.
Die Astronomen um David Merritt, Astronomie-Professor an der
amerikanischen Rutgers Universität, nutzten Aufnahmen des Hubble
Weltraumteleskops um die drei Millionen Lichtjahre entfernte
Nachbargalaxie M33 detailliert zu studieren. So waren sie in der Lage
Einzelheiten mit etwa zehnmal besserer Auflösung zu erkennen als bisher.
Und dieser genaue Blick offenbarte Überraschendes: Wenn es denn in M33 ein
supermassereiches Schwarzes Loch gibt, kann es maximal die 3.000fache
Masse unserer Sonne habe. Damit wäre es ein wahres Leichtgewicht: Das
Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße schätzen die Forscher auf die
drei Millionenfache Masse unserer Sonne und gehen zudem noch davon aus,
dass es eines der kleinsten supermassereichen Schwarzen Löcher ist.
Bislang wurden supermassereiche Schwarze Löcher in jeder Galaxie
gefunden, in der Astronomen nach ihnen gesucht haben. Wie sie entstanden
sind, ist bis heute nicht ganz klar: Eine Möglichkeit wäre, dass sie sich
in der Frühphase des Universums aus riesigen Gaswolken oder durch den
Kollaps von gewaltigen Sternhaufen mit einer Unmenge von Sternen gebildet
haben. Die Kenntnis über die genaue Masse der Schwarzen Löcher in
Galaxienzentren sowie einer eventuellen Untergrenze ist daher wichtig, um
Vorgänge von Galaxienentwicklung und Entstehung besser zu verstehen. Ein
Schwarzes Loch von nur 3.000 Sonnenmassen fällt da etwas aus dem Rahmen.
"Ein Schwarzes Loch von nur wenigen tausend Sonnenmassen zu entdecken
ist von der Beobachtung her sehr schwierig", erläutert Merritt, der eine
Forschergruppe leitet, die sich intensiv mit der Theorie von
supermassereichen Schwarzen Löchern befasst. "Aber die Entdeckung ist
extrem wichtig, um herauszufinden, wie der Zusammenhang zwischen Schwarzem
Loch und der jeweiligen Galaxie aussieht und wie sie sich gegenseitig bei
Entstehung und Entwicklung beeinflussen."
Astronomen schließen auf die Existenz von supermassereichen Schwarzen
Löchern im Zentrum von Galaxien durch die Beobachtung der Bewegung von
Sternen in der Galaxie. Das Team in Rutgers hofft nun, mit Hilfe weiterer
Hubble-Beobachtungen die Frage klären zu können, ob sich in M33
tatsächlich das kleinste bislang entdeckte supermassereiche Schwarze Loch
verbirgt oder vielleicht gar keins. Forscher unterscheiden zwischen
supermassereichen Schwarzen Löchern, deren Masse bis zum Milliardenfachen
der Masse unserer Sonne reichen kann und stellaren Schwarzen Löchern, die
ein Produkt der Sternentwicklung sind und nur eine Masse von wenigen
Sonnenmassen haben.