Eine Gruppe deutscher Astronomen hat in der Nähe unserer Sonne
einen bislang unentdeckten Stern aufgespürt. Bei LHS 2090 handelt es sich
um einen roten Zwergstern, also eine leuchtschwache Sonne, der nur knapp
20 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Forscher schätzen, dass in einem
Umkreis von 30 Lichtjahren noch rund 30 Prozent der Sterne unentdeckt
sind.

Änderung
der Position von Stern LHS 2090 (Pfeil). Foto: AIP/Palomar
Schmidt Teleskop |
Sterne in der Umgebung unserer Sonne sind naturgemäß von besonderem
Interesse. Da ist es schon überraschend, dass Astronomen davon ausgehen,
dass gut ein Drittel der sonnennahen Sterne noch unentdeckt sind. Die Zahl
der registrierten Sternsysteme, also die der Einzelsterne, Doppelsterne
und Mehrfachsternsysteme, bis in eine Entfernung von 33 Lichtjahren
beträgt 227, die Dunkelziffer etwa 130 Systeme. Nicht erfasst sind dabei
die möglicherweise noch zusätzlich vorhandenen Braunen Zwerge.
Zum Aufspüren von LHS 2090 nutzen Dr. Ralf-Dieter Scholz vom
Astrophysikalischen Institut in Potsdam und seine Kollegen in Tautenburg
und Heidelberg ältere Sternenkataloge von so genannten Schnellläufern und
kombinierten die Informationen mit neuen Daten von Himmelsdurchmusterungen
im infraroten Bereich des Lichtes. Schnellläufer nennen die Astronomen
Sterne, deren Position am Himmel sich relativ schnell ändert, die also
eine große Eigenbewegung haben. Dies deutet entweder darauf hin, dass die
Sterne sich tatsächlich sehr schnell relativ zur Sonne bewegen oder aber
der Sonne sehr nahe sind.
Zwergsterne sind oft so leuchtschwach, dass sie auch in großer Nähe nur
schwer im normalen Bereich des Lichtes aufgespürt werden können. So ist
beispielsweise der rote Zwergstern Proxima Centauri in nur 4,3 Lichtjahren
Entfernung mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Im Infrarot-Bereich sind die
Zwergsterne hingegen deutlich auszumachen. Die geringe Entfernung von LHS
2090 wurde inzwischen durch die Aufnahme eines Spektrums am
deutsch-spanischen Observatorium auf dem Calar Alto bestätigt. Die
Forscher hoffen jetzt, dass mit Hilfe dieser nunmehr erfolgreich
angewandeten Kombination von älteren Daten über Schnellläufer und neuen
Infrarot-Katalogen noch eine Menge weiterer bislang unbekannter roter
Zwergsterne aufgespürt werden können.