Mit Hilfe des Submillimeter Wave Astronomy Satellite (SWAS)
spürten amerikanische Forscher eine große Wolke Wasserdampf um den Stern
IRC+10216 auf. Die ferne Sonne befindet sich gerade in der
Riesenphase und verdampft dabei einen Teil des Kometenrings der sie
umgibt. Für die Forscher ist dies der erste Beweis dafür, dass auch in
fremden Sonnensystemen Wasser existiert - die Basis allen Lebens.

Der Stern IRC+10216 umgeben von einem Asteroidengürtel.
Bild: Smithsonian Astrophysical Observatory |
Das kleine Radio-Observatorium SWAS der NASA wurde im Dezember 1998
gestartet und hat seitdem Wasserdampf um die unterschiedlichsten
astronomischen Objekte aufgespürt. Die neue Entdeckung, die in der
aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazin Nature vorgestellt wird, stellt
den erste Beweis für Wasser in einem anderen Sonnensystem dar. "Was
diese Ergebnisse so ungewöhnlich macht ist die Tatsache, dass wir Wasser
um einen Stern entdeckt haben, bei dem wir es eigentlich gar nicht
vermutet hatten", so Dr. Gary Melnick vom Harvard-Smithsonian Center für
Astrophysik.
Der Stern, um den die Forscher den Wasserdampf entdeckten, IRC+10216
oder auch CW Leonis, ist rund 500 Lichtjahre von der Erde entfernt und
liegt im Sternbild Löwe. "IRC+10216 ist ein außergewöhnlich
kohlenstoffreicher Stern", erläutert Melnick. "Bei solchen Sternen sollten
alle Sauerstoffmoleküle in Form von Kohlenmonoxid gebunden und damit kein
Sauerstoff zur Bildung von Wasser übrig sein." Trotzdem entdeckten die
Forscher deutliche Spuren von Wasser um die fernen Roten Riesen. "Die
plausibelste Erklärung dafür ist, dass es von Kometen stammt, die langsam
verdampfen."
Dieser Fund ist vor allem deswegen interessant, weil Astronomen in den
letzten Jahren zwar eine Vielzahl von Planetensystemen um ferne Sonnen
aufgespürt haben, jedoch nahezu gar nichts über die Zusammensetzung der
Planeten wissen. Die Entdeckung von Wasser könnten nun darauf hindeuten,
dass die fernen Welten in etwa unserem Planetensystem ähnlich sind.
Um die Menge von Wasserdampf zu erklären, sind einige Hundert
Milliarden Kometen nötig, die IRC+10216 in einem Abstand vom 75 bis
300fachen der Entfernung der Erde zur Sonne umkreisen. "Das klingt zwar
zunächst recht viel", meint Doktorand Saavik Ford von der
Johns Hopkins Universität, "aber die Gesamtmasse die nötig ist, dürfte in
etwa der Masse des Kuiper-Gürtels entsprechen, jener Ansammlung von
Asteroiden und Kometen jenseits der Neptunbahn." Während in unserem
Sonnensystem die Kometen des Kuiper-Gürtel relativ ruhig und unbehelligt
ihre Bahnen ziehen können, würden sie bei einem Stern mit der Leuchtkraft
von IRC+10216 selbst in dieser Entfernung anfangen zu verdampfen.
So zeigen die SWAS-Beobachtungen auch, wie einmal unser Sonnensystem
enden könnte: "In einigen Milliarden Jahren wird unsere Sonne auch zu
einem Riesenstern werden", erläutert Dr. David Neufeld, Professor für
Physik und Astronomie an der Johns Hopkins Universität. "Durch die
gewaltig angestiegene Leuchtkraft wird sich eine Welle von Verdampfung in
die äußeren Regionen ausdehnen - angefangen von den Ozeanen der Erde bis
weit hinter den Orbit von Neptun. Eisige Objekte von der Größe von Pluto
werden zum größten Teil verdampft werden und zurück bleibt nur heißer,
nackter Felsen."