Einige der sogenannten Marskanäle, könnten nicht - wie von
vielen Forschern angenommen - durch katastrophale Fluten auf dem roten
Planeten entstanden sein, sondern durch Ströme von Eis. Zu diesem Schluss
kam zumindest Dr. Bärbel K. Lucchitta vom U.S. Geological Survey
als sie die Geländestrukturen auf dem Mars mit denen in der Antarktis
verglich. Ihre Ergebnisse erscheinen in der Februar-Ausgabe der Geophysical
Research Letters der American Geophysical Union.

Ein
Vergleich zwischen Eisströmen in der Antarktis (oben) und dem
Aris Vallis auf dem Mars. Foto:
American Geophysical Union
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Die Kanäle auf dem
Mars können einige zehn Kilometer breit und mehrere Hundert Kilometer lang sein
und ähneln damit von der Größe her einigen der Eiströme, die Lucchitta in
der Antarktis näher untersucht hat. Das Eis in der Südpolarregion der Erde
würde in Strömen innerhalb der Eisschichten langsam zum umliegenden Ozean
fließen. Die Marskanäle kämen aus einem Gebiet mit einer recht chaotischen
Geländestruktur und würden in der großen nördlichen Ebene enden, die viele
für das Becken eines urzeitlichen Ozeans halten.
Sowohl die antarktischen Eisströme als auch einige der Marskanäle würden unterhalb des
Meeresspiegels liegen, den man auf dem roten Planeten als den hypothetischen
Wasserstand des Ozeans in der nördlichen Ebene definiert. Durch den Vergleich
von Satellitenbildern entsprechender Antarktisregionen mit Kanälen auf dem Mars
konnte Lucchitta zeigen, dass die Strukturen auf dem Mars ähnlich aussehen, wie
antarktische Kanäle, die von Eisströmen geformt wurden. Dabei verglich sie den
Rutford Eisstrom mit dem Ares Vallis auf dem Mars. Beide Ströme
schlängeln sich um eine Insel - in der Antarktis besteht diese aus festerem Eis
- und münden schließlich ins Meer (unsere Bilder). Die Konfiguration der
beiden Ströme, so die Forscherin, sei identisch.
Das Ares Vallis auf
dem Mars, folgert Lucchitta, war einmal mit einem Material gefüllt, das die
gleichen Charakteristiken hatte wie fließendes Eis, das in einen eisbedeckten
Ozean fließt. Sie hält es sogar für möglich, dass sich unter Staub noch Spuren
des Eises erhalten haben könnten oder sich zumindest vor Ort nähere Hinweise
auf den Eisstrom finden lassen müssten. Und noch etwas ergibt sich aus der
Untersuchung: "Die Beobachtungen sprechen sehr stark dafür, dass es
tatsächlich einmal in der nördlichen Ebene des Mars einen Ozean gab", so
Lucchtitta.
Unterschiede zwischen
Eisströmen auf der Erde und auf dem roten Planeten gibt es allerdings auch: Während auf der Erde die Ströme aus den Eisschichten der Antarktis
kommen, dürften sie ihren Ursprung auf dem Mars von Flüssigkeiten haben, die
aus dem Untergrund heraussprudeln. Außerdem fließt das Eis in der Antarktis
zwischen Wänden aus Eis, während es auf dem Mars durch Felsen in seiner Bahn
gehalten wurde.