Bei einem Treffen des Vorstandes der niederländischen MirCorp
in der vergangenen Woche in Moskau, wurde die Beschluss gefasst, die
Bemühungen zur Vermarktung der russischen Raumstation Mir
einzustellen. Diese Entscheidung dürfte auch den letzten Mir-Fans
die Hoffnung nehmen, dass vielleicht doch noch ein Retter für die
alternde Weltraumstation gefunden werden würde. Die niederländische
Firma, an der der russische Weltraumkonzern RSC Energia mit 60 Prozent
beteiligt ist, hatte sich das gesamt Jahr über bemüht, die Raumstation
wieder flott zu machen und Investoren zu finden, die an einen
kommerziellen Erfolg der Mir glauben. Dazu hatte die MirCorp
im Frühjahr sogar zwei Astronauten zur Station geschickt, die die Mir
wieder notdürftig reparierten.
Mitte November hatte dann aber die russische Regierung das endgültige
aus für die Mir verkündet: Als
Regierungsbehörde, so hieß es damals in Bezug auf das Hin und Her mit
der Mir, dürfe man kein "russisches Roulett" spielen und
müsse immer die Sicherheit der Station im Auge haben. Daher wurde
entschieden, die Geschichte der Mir mit einem kontrollierten
Absturz im Pazifik im Februar 2001 zu beenden.
Die Bemühungen der MirCorp werden sich zukünftig - so die
Gesellschaft - auf die Vermarktung eines zu bauenden ISS-Moduls
konzentrieren. Die Idee, ein Modul der Internationalen Raumstation für
kommerzielle Zwecke zu nutzen, ist nicht neu: So entwickelt die Firma Spacehab
Inc. das Modul Enterprise für die ISS, das im Jahr 2002 an den
russischen Teil der ISS andocken soll. Interessanterweise ist der MirCorp-Anteilseigner
RSC Energia auch an Spacehab beteiligt. Neben einem Labor soll das Enterprise-Modul
vor allem ein Multimedia-Zentrum im All bereitstellen.
So wird sich die Vermarktung der bemannten Raumfahrt in der nahen
Zukunft wohl ausschließlich auf die ISS beschränken. Den
privat-wirtschaftlichen Firmen kommt dabei zu Gute, dass im Prinzip
jedes Land das Recht hat, seinen ISS-Bereich unabhängig zu nutzen. Die
Russen verfügen neben den dazu notwendigen Raketen auch über einen
gehörigen Geldbedarf, um ihr Raumfahrtprogramm zu finanzieren. Ideale
Bedingungen also für Weltraumtouristen und Medienfirmen. In Amerika wird
schon spekuliert, dass der Millionär Dennis Tito, der bei der MirCorp
einen Flug zur Mir gebucht hatte, bald zur ISS aufbrechen wird.
Und auch in Deutschland ist man nicht untätig: Die Produktionsfirma Brainpool,
bekannt für Shows wie TV total oder die Wochenshow,
kündigte in dieser Woche an, dass sie Plätze in sieben russischen
Soyuz-Rakekten gebucht hätte, um im Rahmen der TV-Reihe Space
Commander Kandidaten zur ISS zu schicken. Bleibt nur zu hoffen, dass
bei diesem kommerziellen Trubel im All die wissenschaftliche Forschung an
Bord der ISS nicht durch irgendwelche "Wochenaufgaben" oder
sonstige publikumswirksame Aktionen unter die Räder kommt.