Australische Astronomen haben schon allein durch die Lage ihres
Kontinents einige der interessantesten astronomischen Objekte im Blick:
das Zentrum unser Milchstraße und die Magellanschen Wolken. Bald werden
sie auch über das leistungsstärkste 3-Millimeter Radioteleskop
verfügen, das einen detaillierten Einblick in die Geburtsstätten jungen
Sterne erlauben wird. Ende November feierten die ersten beiden Antennen
ihr "First Light".

Das
Australia Telescope Compact Array wird bis zur Fertigstellung
von ALMA das leistungsstärkste 3-Millimeter-Teleskop der Welt
sein. Foto: CSIRO |
Schon seit einiger Zeit
sind die Australier dabei, ihr aus sechs 22-Meter-Antennen bestehendes
Radioteleskop für den Millimeter-Wellenlängenbereich umzurüsten. Das
erfolgreiche "First Light", also die erste astronomische Beobachtung
mit den aufgerüsteten Instrumenten, fand mit zwei Antennen am 30. November
statt. Damit ist das Australia Telescope das erste Radioteleskop im
Millimeter-Wellenlängenbereich auf der Südhalbkugel der Erde und das erste
weltweit, das über eine ganz neue Technologie verfügt, in deren Inneren ein
auf -253 Grad Celsius gekühlter Mikrochip arbeitet.
Die Südhalbkugel der
Erde ist für Astronomen auf der ganzen Welt interessant, da man nur von hier
einen Blick auf das Zentrum der Milchstraße und unsere beiden nächsten
Nachbargalaxien, die große und die kleine Magellansche Wolke, werfen kann.
Daher sind auch die Europäer mit ihrer Südsternwarte seit vielen Jahrzehnten
in Chile präsent. "Da das Australia Telescope das einzige Teleskop
dieser Art auf der Südhalbkugel ist, gibt es großes Interesse von Astronomen
von anderen Kontinenten", sagte der zuständige Leiter Dr. Dave McConnell.
"Pro Jahr erhalten wir über 80 Anträge auf Beobachtungszeit mit dem
Teleskop. Und wir rechnen damit, dass es jetzt noch mehr werden."
Das erste
astronomische Objekt, das mit Hilfe von zwei umgerüsteten Antennen beobachtet
wurde, war ein Sternentstehungsgebiet in Sternbild Orion. "Die Photonen
wurden alle zusammen vor rund 1500 Jahren in dieser stellaren Kinderstube
'geboren' und sind seitdem getrennt voneinander durchs All gereist",
erläutert Dr. Warwick Wilson, Leiter der Elektronikgruppe des Teleskops.
"Um detaillierte Informationen über die Quelle zu erhalten, müssen wir
sie wieder zusammenbringen und die Verzögerung dabei muss geringer sein als ein
Zehntel einer Mikrosekunde."
Diese Interferometrie
genannte Technik ist besonders bei so kurzen Wellenlängen eine große
technische Herausforderung - allerdings eine lohnende: Neben den dadurch
angestoßenen technischen Entwicklungen sind die damit möglichen Beobachtungen
für Astronomen von ganz besonderem Interesse: Je kleiner die Wellenlänge,
desto mehr Details können die Wissenschaftler von den entfernten Objekten
ausmachen. "Zudem sind Millimeter-Wellen besonders geeignet um
Moleküle im Weltraum zu entdecken," erläutert Professor Ray Norris, der
für die Teleskoperweiterung zuständige Wissenschaftler. "Mit ihrer Hilfe
kann man verfolgen, wie sich Galaxien mit der Zeit entwickeln, wie also
beispielsweise dichte Gaswolken zu Sternen kollabieren. Und wenn man das
beobachten kann, hoffen wir natürlich auch dort entstehende Planeten zu
sehen."
Bis Ende 2002 sollen
drei weitere Antennen mit den neuen Beobachtungsmöglichkeiten ausgerüstet
werden, so dass Mitte 2003 der normale Millimeter-Beobachtungsbetrieb beginnen
kann. Bis zur Fertigstellung des von der europäischen Südsternwarte und
Amerika geplanten Radioteleskops ALMA in der chilenischen Wüste wird die
australische Einrichtung das leistungsstärkste 3-Millimeter-Array auf der Welt
sein.