Am letzten Tag eines Jahres wird traditionell zurückgeblickt.
Wir wollen aber hier nicht der Versuchung erliegen, auf ein Jahrhundert
oder gar ein Jahrtausend Astronomie- und Raumfahrtsgeschichte zurückzuschauen - das können wir (und dann zum
korrekteren Termin) auch noch in zwölf Monaten tun. Stattdessen ein Rückblick
auf ein Jahr Nachrichten aus Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt, das
astronews.com seit Februar begleitet hat.
Gleich der Januar
begann mit einer kleinen Sensation. Ein unerwartetes
Mordsding ging den Gamma-Ray-Burst-Jägern ins Netz: Zum ersten Mal
gelang es Astronomen, einen dieser gewaltigen Strahlungsausbrüche auch im
optischen Bereich des Lichtes zu beobachten. Später visierte auch Hubble
den verlöschenden Feuerball an. Das
Ereignis nährte die Hoffnung, vielleicht doch bald hinter die Quelle
dieser größten Explosionen im Universum zu kommen. Beste Kandidaten: Die
Kollision von Neutronensternen oder Schwarzen Löchern. Doch manche
Forscher vermuteten 1999 auch, dass die Bursts etwas mit Supernova-Explosionen
zu tun haben (Perfekte Heirat).
Wie
viele Planeten hat unsere Sonnensystem? Acht oder neun. Diese Frage
bewegte im Februar die Gemüter. Manche befürchteten, dass Pluto vom
Planeten zum Trans-Neptun-Objekt degradiert wird (Pluto:
Bald die Nummer 1?). Durch die öffentliche Diskussion sah sich sogar
die Internationale Astronomische Union (IAU) veranlasst, offiziell
Stellung zu nehmen: Sie betonte, dass keine
Statusänderung bei Pluto geplant sei - das Sonnensystem atmete
auf.
Im Februar sah es noch gut aus für die
Marsmissionen der NASA: Die Sonde Global Surveyor erreichte
ihren Arbeitsorbit. Nach anfänglichen Problemen,
lieferte die Sonde bald detaillierte Bilder von der Marsoberfläche und
damit die wenigen Erfolgsmeldungen vom roten Planeten in diesem Jahr. Die Sonde Climate
Orbiter, die als erster interplanetarischer Wettersatellit dienen
sollte, verfehlte im September ihr Ziel wegen eines peinlichen
Rechenfehlers: Bei der NASA hatte man teilweise in Inch
und Fuß statt in Metern gerechnet. Auch der Mars Polar
Lander konnte die Hoffnungen der NASA nicht erfüllen und den
ramponierten Ruf der Weltraumbehörde wiederherstellen. Bis heute hat man
auch von dieser Sonde nichts gehört. Dabei hatte sie
ein Mikrofon an Bord und sollte erstmals O-Töne vom Mars liefern. So wird
es noch etwas dauern, bis man endlich weiß, wie
der Mars klingt.
Und auch die amerikanische Shuttle-Flotte blieb
lange Zeit am Boden. Nach einem Besuch bei der
Internationalen Raumstation ISS im Mai (Vorbereitungen
für erste Besatzung, Historische
Mission beendet) flog im Juli erstmals eine Frau
als Shuttle-Kommandantin ins All. Doch danach ging erst einmal gar nichts
mehr: Wegen Kabelproblemen musste die gesamte Shuttle-Flotte am Boden
bleiben. Sogar eine Service-Mission zum
Hubble-Teleskop wurde so lange verschoben, bis auch Hubble
wegen insgesamt vier defekter Kreisel in einen Schlafzustand
versetzt werden musste. Erst der weihnachtliche
Besuch beim defekten Weltraumteleskop konnte diesen Zustand ändern.
Und
dann natürlich "SoFi": Angesichts des Rummels, der um die
totale Sonnenfinsternis am 11. August gemacht wurde, kann man nur zu gut
verstehen, warum unsere Vorfahren dieses Naturschauspiel als böses Omen
verstanden. Die Sonne verschwand tatsächlich am 11. August - für die
meisten SoFi-Jünger allerdings schon vor dem vorherberechneten Zeitpunkt hinter dicken Regenwolken. Wissenschaftler
interessierten sich auch für andere Phänomene am Rande der
Sonnenfinsternis und versuchten das
Geheimnis des Foucault'schen Pendels zu lösen.
1999 war
schließlich auch das Jahr von faszinierenden neuen Entwicklungen auf dem
Gebiet der Teleskope: Die vier Einheiten des Very Large Telescope(VLT)
erhielten Namen und Antu lieferte die
ersten Beobachtungen. Auch das japanische Subara-Teleskop machte mit brillanten
Bildern von sich reden. Hinzu kamen die Röntgenteleskope: Im Juli
brachte ein Shuttle das NASA-Teleskop Chandra
in eine Umlaufbahn, im Dezember folgte XMM
mit einer Ariane 5-Rakete.
Und sonst? Da wären Millionen
Computerbesitzer, die seit Mai mit SETI@Home
versuchen, eine Stimme von einer fernen Welt zu entschlüsseln. Oder die
Mondsonde Lunar Prospector, deren spektakulärer Crash
in einen Mondkrater leider keinen Beweis für
Wasser auf dem Erdtrabanten brachte. Außerdem unzählige neue extrasolare
Planeten sowie die erste direkte
Beobachtung einer fernen Welt.
Und auch im neuen Jahr wird der
Stoff für Nachrichten aus Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt
nicht ausgehen: XMM wird die ersten Bilder liefern, das zweite
VLT-Teleskop seine Arbeit aufnehmen und die Internationale Raumstation
ihre erste Besatzung erhalten. Und dann sind da natürlich noch die ganzen
wissenschaftlichen Überraschungen, die die Astronomie so spannend machen.
Dank also, an alle Wissenschaftler, denn ohne sie würde es keinen
Nachrichten aus Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt geben, über die
astronews.com berichtet hat und auch im Jahr 2000 berichten wird.