Dank der enormen Lichtstärke der ersten Teleskopeinheit
(namens Antu) des Very Large Telescope (VLT) der
europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile gelang es, Spektren von
Weißen Zwergsternen in einem Kugelsternhaufen aufzunehmen. Diese
ausgebrannten Sterne waren zuvor mit dem Hubble-Weltraumteleskop
aufgespürt worden. Die Messungen könnten auch zur Bestimmung eines
neuen
Minimalalter des Universums dienen.

Hubble-Aufnahme des Kugelsternhaufens NGC 6397. Einige
Weiße-Zwerg-Kandidaten sind markiert. Foto: ESO |
Ein Team deutscher Astronomen nutzte für diese Beobachtungen das
FORS1-Instrument, das an der ersten 8,2 Meter-Teleskopeinheit des VLT auf
dem Gipfel des Paranal in Chile betrieben wird. FORS steht für Focal
Reducer and Spectrograph. Dabei visierten die Wissenschaftler Sterne in einem
etwa 8.000 Lichtjahre entfernten Kugelsternhaufen an, die auf früheren
Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskop wie Weiße Zwergsterne
aussahen.
Kugelsternhaufen sind große Ansammlungen von Sternen, von denen man
über hundert in unserer Milchstraße kennt. Sie enthalten zum Teil
Millionen von Sternen. Man geht heute davon aus, dass Kugelsternhaufen den
ältesten Bestandteil unserer Galaxis darstellen und eventuell
gleichzeitig mit ihr entstanden sind. Eine Altersbestimmung der
Kugelsternhaufen und ihrer Sterne liefert daher auch immer ein minimales
Alter für das gesamte Universum, da dieses ja schlecht jünger sein kann
als seine Sterne.
Die ältesten Sterne in dieses Kugelsternhaufen wiederum sind
sogenannte Weiße Zwerge. Dabei handelt sich um ein Endstadium der
Sternentwicklung, das auch einmal unsere Sonne in einigen Milliarden
Jahren durchlaufen wird: Die Sterne haben ihren nuklearen Brennstoff
verbraucht und kühlen langsam aus.
Mit Hilfe des FORS1-Instrumentes an Antu konnten nun erstmals
detaillierte Spektren für vier dieser sehr leuchtschwachen Sterne gemacht
werden. Die Spektren bestätigten die Klassifikation der Sterne als Weiße
Zwerge und erlaubten erstmals auch den genauen Typ, die Temperatur und
die Masse der Sterne zu bestimmen. Dabei kam es zu einer Überraschung:
Während Weiße Zwerge in unsere Nähe eine durchschnittliche Masse von
etwa der halben Masse unserer Sonne haben, hatte der hellste Weiße Zwerg
in NGC 6397 nur eine Masse von 0.35 Sonnenmassen.
Durch diese Ergebnisse wird nun eine genauere Entfernungsbestimmung von
Kugelsternhaufen durch Vergleich der darin entdeckten Weißen Zwerge mit
Weißen Zwergen in unsere Nähe möglich werden. Damit lässt sich auf das Alter der Kugelsternhaufen
schließen,
wodurch man dann wiederum eine untere Grenze für das Alter des gesamten Universums
erhält. Aktuelle Schätzungen belaufen sich hier auf 13 bis 16 Milliarden
Jahre.