Heute beginnt in Göttingen die jährliche Herbsttagung der Astronomischen
Gesellschaft (AG). Unter dem Motto "New Astrophysical Horizons"
diskutieren die Wissenschaftler Perspektiven der Astronomie an der
Schwelle zum nächsten Jahrtausend. Außerdem verleiht die AG ihre
höchste Auszeichnung - die Karl-Schwarzschild-Medaille - an Jeremiah P.
Ostriker.
Die Herbsttagungen der AG sind weit mehr als bloße
Mitgliederversammlung dieser Vereinigung von deutschsprachigen Astronomen.
Sind sind internationale wissenschaftliche Fachtagungen, auf denen
Astrophysiker aus aller Welt über die neuesten Entwicklungen in ihren
Forschungsgebieten sprechen.
Eröffnet werden die Herbsttagungen der AG traditionell mit der
Verleihung der Karl-Schwarzschild-Medaille, der höchsten
wissenschaftlichen Auszeichnung, die die AG zu vergeben hat. In diesem
Jahr erhält sie Prof. Jeremiah P. Ostriker von der Princeton University,
der einer der bedeutendsten Theoretiker auf dem Gebiet der
extragalaktischen Astronomie ist. Für die Auszeichnung bedankt sich der
Preisträger mit einer "Karl-Schwarzschild-Vorlesung" über sein
Fachgebiet.
Doch auch an den Nachwuchs wird gedacht: Mit dem Ludwig-Biermann-Preis
wird ein junger Wissenschaftler ausgezeichnet, der mit der Preis Geld für
wissenschaftliche Reisen erhält. In diesem Jahr geht die Auszeichnung an
Dr. Markus Kissler-Patig, der sich mit Kugelsternhaufen beschäftigt, den
wahrscheinlich ältesten Bestandteilen einer Galaxie.
Darüber hinaus haben jüngere Wissenschaftler in den kleineren und oft
parallel stattfindenden sogenannten "Splintertreffen" die
Chance, erste Vortragserfahrungen vor einem größeren Fachpublikum und in
englischer Sprache zu sammeln. Im großen Plenarvorträgen berichten meist
erfahrenere Wissenschaftler über neue Methoden und Forschungsergebnisse.
Für die Öffentlichkeit gibt es am Donnerstag einen Abendvortrag von
Martin Harwitt von der Cornell University: "Fortschritte in der
Astrophysik - Wem verdanken wir unser großes Glück?" (20 Uhr, Aula
der Universität).
Die Astronomische Gesellschaft wurde 1863 in Heidelberg
gegründet und war bis nach dem Ersten Weltkrieg die einzige größere
internationale astronomische Vereinigung. Diese Rolle übernahm dann die
Internationale Astronomische Union (IAU). Heute ist die AG ein
Zusammenschluss von Astronomen aus den deutschsprachigen Ländern. Deutsch
hört man allerdings auf den Tagungen immer seltener. Standardsprache ist
auch bei der AG die Sprache der Wissenschaft: Englisch.