Ein australischer Doktorand hat ganz nebenbei einen Stern
entdeckt, der wohl manche seiner Lehrer gehörig ins Schwitzen
bringen dürfte: Denn den Pulsar mit Namen PSR J2144-3933 sollte es
eigentlich gar nicht geben. Das kosmische Leuchtfeuer dreht sich
nämlich viel langsamer, als es die gängigen Theorien erlauben.

Durch die Drehung des Pulsars überstreicht der gebündelte
Radiostrahl in regelmäßigen Abständen die Erde. Grafik:
D. Parr, CSIRO, bearbeitet von astronews.com |
Eigentlich hatte Matthew Young gar nicht vor, die Theoretiker in
Bedrängnis zu bringen. Der Doktorand der Universität von Westaustralien
interessierte sich für Pulsare, kleine sich drehende Sterne, die
gebündelte Strahlen von Radiowellen aussenden. In regelmäßigen
Abständen kann dieser Strahl die Erde treffen und so lässt sich die
Drehgeschwindigkeit des Sterns bestimmen.
Beim Studium von Daten des CSIRO Parkes Radioteleskopes, mit dem etwa
die Hälfte aller bekannten Pulsare entdeckt wurden, suchte Young nach der
Erklärung für eine Problem: "Ich versuchte fehlende Pulse zu
entdecken, also Momente in denen man eigentlich einen Strahl des Pulsars
sehen sollte, aber keiner kommt. Auf den ersten Blick sah es bei diesem
Stern so aus, als würden zwei von drei Pulsen fehlen."
Doch das Studium der Daten brachte Erstaunliches an den Tag: "Es
wurde klar, dass dieser Pulsar sich wirklich dreimal langsamer dreht als
wir dachten." Doch was für den Laien vielleicht nicht sonderlich
spektakulär wirkt, ist für die Astronomen eine kleine Sensation:
"Die Theorie sagt, dass Pulsare, die sich langsamer als etwa einmal
alle paar Sekunden drehen nicht genug Energie mehr haben, um überhaupt
noch Pulse auszusenden." Die oft als kosmische Leuchtfeuer
bezeichneten Sterne verlöschen. Der jetzt gefundene Pulsar dreht sich
allerdings nur einmal in acht Sekunden - zu langsam für jede Theorie. Damit ist er
so etwas wie ein "untoter" Stern.
"Das ist schon etwas problematisch für unsere Theorien",
meinte CSIRO-Wissenschaftler Dr. Dick Manchester. "Für fast 30 Jahre
haben wir angenommen, das die Strahlung der Pulsare durch einen exotischen
Prozess angetrieben wird, durch den Materie und Antimaterie entsteht. Und
genau diese Theorie besagt, dass sich dieser Pulsar zu langsam dreht, um
dieser Prozess ablaufen zu lassen. Er sollte keine Radiowellen aussenden,
aber er tut es."
Vielleicht, so ein möglicher Ausweg, können die Prozesse doch bei
langsamerer Drehung des Sterns ablaufen oder aber die Pulse entstehen doch
auf ganz andere Weise. "Wie auch immer, man muss einiges noch einmal
überdenken."
Der Fund hat aber noch andere Auswirkungen: Bisher ging man davon aus,
dass sich die Drehung der Pulsare allmählich verlangsamt, bis sie
schließlich verlöschen. "Wir haben diesen Pulsar nur gefunden, weil
er relativ nah ist - rund 600 Lichtjahre", erläutert Young, der die
Ergebnisse in der neuesten Ausgabe des Wissenschaftsmagazin Nature
veröffentlicht hat. "Dieser Pulsar ist schon recht schwach, was
bedeuten könnte, dass es viele langsame und alte Pulsare gibt, die bisher
nicht entdeckt wurden." Die Wissenschaftler schätzen ihre Zahl auf
rund 100.000 in der Galaxis.
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