Eine große deutsche Boulevard-Zeitung berichtete vor einigen Tagen auf
der Titelseite: "Komet rast auf Erde zu. 200 Meter hohe Flutwelle im
Atlantik?" Doch wie gelangten die Kollegen aus Hamburg an diese
vermeintlich brandaktuelle Meldung?
Eine kurze Recherche offenbart die ernüchternde Wahrheit. Zunächst ist die
Meldung alles andere als aktuell: Schon eine kurze Recherche im Internet, etwa
auf der für solche Fälle hervorragend geeigneten Webseite "Bad Astronomy", führt
zu dem Ergebnis, dass die Meldung bereits Mitte April von Yahoo! verbreitet
wurde. Yahoo! wiederum berief sich auf das so genannte "Exopolitics Institute",
das sich auch mit Kornkreisen und UFO-Sichtungen beschäftigt und im April eine
entsprechende Pressemitteilung veröffentlicht hatte.
Tatsächlich nähert sich der Erde der Komet "Schwassmann-Wachmann 3". Über dessen
Geschichte, sein Auseinanderbrechen und Möglichkeiten zur Beobachtung konnte man
sich ausführlich bei astronews.com informieren (Kometen:
Ein Kometenschwarm im Mai). Besteht also tatsächlich die Gefahr, dass ein
Fragment von Schwassmann-Wachmann 3 am 25. Mai die Erde trifft, wie der
"französische Kometenforscher und Autor Eric Julien" laut Zeitungsangaben
vorherberechnet hat?
Wohl kaum: Die eingangs erwähnte Pressemitteilung verrät nämlich auch, wie
Julien zu seinen Erkenntnissen gelangte. In seine Berechnungen floss die
Auswertung von Kornkreisen ein, die im Jahr des Auseinanderbrechens des Kometen
1995 erschienen waren und das innere Sonnensystem darstellten. Allerdings fehlte
dabei die Erde, was er als warnende Botschaft einer höheren Intelligenz deutet,
die auch für den Kometen verantwortlich ist.
Darüber hinaus verfolgen viele Astronomen auf der ganzen Welt die Bahn des
Kometen und alle seine Fragmente liegen trotz des Auseinanderbrechens noch sehr
dicht zusammen. Und damit nicht genug: Die Fragmente des Kometen erreichen nicht
am 25. Mai, sondern bereits um den 12. Mai herum ihren geringsten Erdabstand.
Sie werden allerdings auch dann noch rund zehn Millionen Kilometer von der Erde
entfernt sein – also über 25 Mal weiter als der Mond von der Erde entfernt ist.
Viele Asteroiden passieren die Erde in weitaus geringerem Abstand.
Doch selbst wenn ein Kometensplitter, der nach Juliens Angaben etwa so groß wie
ein Lastwagen sein dürfte, die Erde treffen sollte, ist das kein Grund zur
Besorgnis: Der Eisbrocken würde in der oberen Erdatmosphäre explodieren. Auf der
Erde wäre dies vielleicht zu beobachten, irgendwelche Folgen hätte es jedoch
nicht.
(ds/10.
Mai 2006)
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astronews.com.