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Thema: MarsOne: Ethische Bedenken

  1. #1
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    Standard MarsOne: Ethische Bedenken

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    Hallo zusammen,

    wie schon angekündigt möchte ich die Thematiken um MarsOne etwas entflechten.

    Hier ist also der Thread, in dem ethische Bedenken und Wertvorstellungen angesprochen werden können. In diese Thematik gehört auch, wie weit die individuelle Freiheit geht, wo möglicherweise - beispielsweise durch religiöse Gruppen - Einfluss genommen wird, der die freien Entscheidungsfähigkeit einschränkt und ob es höher zu gewichten ist, dass man bereits frühzeitig eine Mission starten kann oder ob es höher gewichtet werden soll, dass man eine havarierte Mannschaft wieder zur Erde zurückbringen kann.

    Ebenfalls in diese Thematik gehören Fragestellungen der Art, ob es vertretbar ist, auf dem Mars eine Schwangerschaft auszutragen, obgleich man keinerlei Erfahrung mit Schwangerschaften unter verminderter Schwerkraft hat.


    Viel Spass und freundliche Grüsse, Ralf

  2. #2
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    Ich finde es - wie schon oft gesagt - völlig absurd, einem erwachsenen Menschen vorschreiben zu wollen, wo er gefälligst den Rest seines Lebens zu verbringen hat. So lange diese Auswanderungswilligen das freiwillig tun und nicht irgend jemandem direkten Schaden zufügen, gibt es keinen Grund, warum man ihnen das Auswandern verbieten sollte. Möglichkeit auf Wiederkehr hin oder her. Genausowenig wie man jemandem verbieten kann, auf einer einsamen Insel im Norden Grönlands zu leben, wenn er/sie das unbedingt will. Alles andere läuft letztlich auf Bevormundung und die Heranzüchtung von geistigen Monokulturen hinaus. In einer solchen Gesellschaft wäre es erst recht angezeigt, auszuwandern und sich eine freiheitlichere Gesellschaft zu suchen - und wenns auf dem Mars sein muss.

    Ob es vertretbar ist, auf dem Mars eine Schwangerschaft auszutragen, ist da schon eher eine ernsthafte ethische Frage, denn schliesslich kommen da Lebewesen ins Spiel, die sich nicht für oder gegen eine Auswanderung auf den Mars entscheiden konnten. Allerdings gestehen wir Eltern heute (eigentlich schon immer) zu, über die Lebensumstände ihrer Nachfahren zu entscheiden: wir verbieten ja auch niemandem, in die USA auszuwandern, weil sie dort Kinder bekommen könnten, die dann ihrerseits nicht entscheiden konnten, ob sie überhaupt in die USA wollen... (dieselbe Frage stellt sich übrigens auch im Fall von Generationenschiffen) Konkret würde ich aber hoffen, dass die Marssiedler zunächst den Ausgang von entsprechenden Experimenten mit Tieren abwarten, bevor sie selbst Kinder auf die Welt - bzw. den Mars - stellen. Ein zusätzliches ethisches Problem könnte es dann darstellen, dass Kinder, die auf dem Mars aufwachsen, nur mit Mühe wieder an die Schwerkraft der Erde gewöhnt werden könnten, dh, ihre Rückkehr auf die Erde wäre erschwert (liesse sich allenfalls durch Exoskeletons etc. erleichtern). Immerhin gibt es mit Merkur noch eine zweite Welt im Sonnensystem mit ~38% der irdischen Schwerkraft.
    Geändert von Bynaus (20.01.2014 um 17:46 Uhr)
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  3. #3
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    Standard

    Hallo Ralf,

    danke für Deine Initiative zur Aufteilung dieser Diskussion. Ich begrüße das sehr!

    Zitat Zitat von ralfkannenberg Beitrag anzeigen
    das ist aber heikel, denn mit dieser Argumentation könnten mir meine Lieben, die sich nur Sorgen um mich machen, verbieten, das Haus zu verlassen und über die Strasse zu gehen. Und sie könnten Ihr Verbot sogar mit Studien untermauern, dass zahlreiche Unfälle im Strassenverkehr passieren.
    Du hast es vielleicht überlesen? Es ging bei dieser Aussage nicht um meine Auffassung, sondern ‚nur‘ darum wie eine solche (von Sissy stammende) Definition von ihr interpretiert wird.

    Wenn Sissy schreibet,
    Zitat Zitat von Sissy Beitrag anzeigen
    Die Grenzlinie ziehe ich da, wo durch meine Handlung anderen Menschen bewußt Schaden zugefügt werden würde.,
    sich aber in angeführtem Beispiel
    Zitat Zitat von Sissy Beitrag anzeigen
    Entscheidungen/Handlungen, deren Risiko ich alleine trage, sind mein gutes Recht. ... Wenn ich beschließe, im Reinen mit mir und dem Universum im Lotussitz auf einem Berggipfel zu verhungern/erfrieren, wen schädige ich damit?
    nicht (mehr?) daran hält, dann frage ich nach dem Interpretationsspielraum für ‚schaden‘. Warum Du das nun als heikel empfindest, verstehe ich nicht.

    Meine Auffassung dazu hatte ich doch eigentlich (so kam es mir jedenfalls vor) klar und deutlich geschrieben (Stichwort Interessenausgleich)


    Zitat Zitat von ralfkannenberg Beitrag anzeigen
    Es gibt also Situationen, in denen die Lieben trotz lauter Sorge und trotz bester Absicht keine Verbote aussprechen dürfen.
    Oh ja!

    Aber auch sie dürfen genauso ihre, so wie ich meine Interessen vertreten. Wie wir dann damit umgehen, sie ausgleichen, ist Einzelfallabhängig.

    Es ist auch möglich (anscheinend gar nicht so selten) einfach immer nur seine Interessen durchzusetzen. Der umgekehrte Fall ist, vermute ich, wahrscheinlich noch häufiger.

    Herzliche Grüße

    MAC

  4. #4
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    Zitat Zitat von mac Beitrag anzeigen
    Wenn Sissy schreibet, sich aber in angeführtem Beispiel nicht (mehr?) daran hält, dann frage ich nach dem Interpretationsspielraum für ‚schaden‘. Warum Du das nun als heikel empfindest, verstehe ich nicht.
    Hallo Mac,

    das läuft letztlich auch wieder auf die Frage hinaus, was höher zu gewichten ist: die eigene Freiheit oder die Fürsorglichkeit anderer. Mag man Kindern oder Unmündigen hier weniger Rechte zur Umsetzung ihrer Freiheits-Ideen zugestehen und mag es dafür auch sehr gute und notwendige Gründe geben, so sollte es diese Einschränkung bei erwachsenen und mündigen Personen nur noch dann geben, wenn die Freiheit anderer durch das Umsetzen der eigenen Freiheit eingeschränkt wird.


    Mir ist natürlich bewusst, dass diese Gedanken sauberer definiert werden müssten, das möge aber bitte eine Fachperson auf diesem Gebiet tun, dazu fehlt mir einfach das Knowhow.


    Freundliche Grüsse, Ralf

  5. #5
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    Schade das wir niemanden im Forum haben, der sich bei MarsOne freiwillig gemeldet hat und angenommen wurde.
    101010

  6. #6
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    Falls Mars One tatsächlich als so eine Art Reality Show finanziert werden soll, dann werde ich die Sache auf jeden Fall boykottieren. Meiner Meinung nach ist das ein Himmelfahrtskommando. Es ist eine Sache, jemanden Risiken eingehen zu lassen und eine ganz andere Sache, ihn bei diesen Risiken auch noch zu ermutigen oder finanziell zu unterstützen.

  7. #7
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    Ich glaube hier kollidiert unsere heutige, westliche Sicht auf die Welt mit der Sicht wie sie noch im Zeitalter der Entdeckungen vorherrschte. Noch vor 100 Jahren war es als Mittel zum Zweck völlig OK, Ponys und Hunde auf dem Weg zum Südpol zu schlachten und zu essen. Heute undenkbar.

    An welchen Punkten nun würde sich ein Unternehmen wie MarsOne unterscheiden von folgenden realen Ereignissen und Unternehmungen:

    -Waghalsige Versuche, den Mount Everest zu besteigen mit hoher Wahrscheinlichkeit, das nicht zu überleben (Beweis: die Realität tausender Todesopfer an diesem Berg)
    -Expeditionen im Rahmen der Suche nach der Nordwestpassage oder den jeweiligen vermissten Schiffen (die insgesamt nochmal weit mehr Tote forderte), mit bekannter hoher Wahrscheinlichkeit, nicht mehr wieder lebend zu kommen (Beweis: die jeweilig vorangegangenen Fahrten...)
    -Soldaten die sich nach Afghanistan oder ähnliches schicken lassen mit dem klaren Wissen, das Risiko einzugehen nicht mehr (gesund oder lebend) zurückzukehren (Beweis: die Realität hunderter toter westlicher Soldaten und tausender verkrüppelter)
    -Minderbemittelte, die in Realityshows/Castingshows/etc. mitmachen obwohl jeder der klar bei Verstand ist genau weiß daß man lediglich ausgenutzt wird und hinterher nicht berühmt wird, im Gegenteil, höchstenfalls Spott erntet. Und das mit Recht.

    All diese Leute wurden und werden bereits ausgenutzt durch die Lüge (sic!), es könne gut gehen oder es sei etwas zu erreichen.
    Diese Lüge bekommen Teilnehmer von MarsOne erst gar nicht präsentiert. Die Leute kommen nicht zurück, Punkt.

    Moralisch und ethisch finde ich das OK genug um sagen zu können: macht was Ihr denkt, Ihr schadet damit niemandem außer Euch selbst.

  8. #8
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    Den Forenteilnehmer möchte ich sehen, der bei der ersten Landung eines Menschen auf dem Mars tatsächlich den Fernseher (oder den Videofeed, von mir aus) ausmacht und sagt: das boykottiere ich! Rückfahrtsticket hin oder her.

    Menschen werden ständig "ermutigt und finanziell unterstützt", Risiken einzugehen. Zum Beispiel Baumgartners Sprung aus dem Ballon, unterstützt und gesponsert von Red Bull. Hast du das auch boykottiert? Wie ist es mit Skirennfahren, Autorennsport, Guiness Buch der Rekorde, etc.?

    Ich denke, ihr seid alle (die meisten) viel zu negativ, was MarsOne und die Erfolgsaussichten angeht. Menschen sind kreativ, und im Team sind sie (fast) unschlagbar. Diese Menschen werden 668 Tage im Jahr, 24.6 Stunden pro Tag an der Lösung ihrer ganz alltäglichen, grossen und kleinen Probleme arbeiten. Sie haben ja sonst fast nichts zu tun... Wenn Menschen praktisch ohne Technik in der Arktis überleben können - dann können Menschen auch mit genügend Technik und Fernunterstützung auf dem Mars überleben. Die Unterschiede sind nicht so dramatisch gross. Draussen ist es wahnsinnig kalt, die einzige Behausung sind kleine Kuppeln, Nahrung, Licht sind limitiert... beim Mars kommen noch Anzüge draussen dazu, dafür muss man nicht jagen gehen. Wir haben mehr Strahlung, dafür aber auch moderne Medizin, Strom, Licht, 3D-Drucker, Kontakt zu Menschen auf einem Planeten mit 7 Mrd Einwohnern, der nur 20 bis 60 Lichtminuten entfernt ist (im Gegensatz zu mehreren Tagesreisen bis zum nächsten Nachbar in der Arktis - ein Weg). Ein Knackpunkt wird die Energie sein, aber wenn tatsächlich genügend dieser Thinfilm-Solarzellen zum Mars geschafft werden (und später fortschrittliche, kompakte Atomreaktoren), lässt sich fast jedes Problem lösen.
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  9. #9
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    Zitat Zitat von MGZ Beitrag anzeigen
    Falls Mars One tatsächlich als so eine Art Reality Show finanziert werden soll, dann werde ich die Sache auf jeden Fall boykottieren. Meiner Meinung nach ist das ein Himmelfahrtskommando. Es ist eine Sache, jemanden Risiken eingehen zu lassen und eine ganz andere Sache, ihn bei diesen Risiken auch noch zu ermutigen oder finanziell zu unterstützen.
    Hallo MGZ,

    weisst Du eigentlich, wann die erste überlebte Skiabfahrt vom Matterhorn war ?

    Du hast richtig gelesen: da sind welche mit Skiern auf dem Buckel auf das Matterhorn gekraxelt, haben die Ski oben angeschnallt und sind dann wieder hinuntergefahren. Und wie man der Frage entnehmen kann haben die ersten das nicht überlebt. Ebensowenig wie die ersten, die versucht haben, die Eigernordwand zu durchqueren. Über einen dieser "Helden" (Toni Kurz) wurde erst kürzlich ein Film gedreht, der meiner Erinnerung nach sogar recht gut besucht war und nicht boykottiert wurde.

    Und ja - das waren wirklich Himmelfahrtkommandos !


    Freundliche Grüsse, Ralf


    P.S: Die Referenz zur ersten überlebten Skiabfahrt des Matterhorns befindet sich im Buch von Heckmair, dem Erstdurchquerer der Eigernordwand.

  10. #10
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    Zitat Zitat von Bynaus Beitrag anzeigen
    Den Forenteilnehmer möchte ich sehen, der bei der ersten Landung eines Menschen auf dem Mars tatsächlich den Fernseher (oder den Videofeed, von mir aus) ausmacht und sagt: das boykottiere ich! Rückfahrtsticket hin oder her.
    Also ich habe die Übertragung der ersten Mondlandung verschlafen, zur Verwunderung meiner Angehörigen, denn ich war in der Famile der astronomisch Interessierte und hatte Wernher von Brauns Bücher verschlungen. Daher bin ich sicher, bei MarsOne das auch zu schaffen
    Geändert von zabki (21.01.2014 um 12:06 Uhr)

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