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Thema: Suche Teleskop für Einsteiger

  1. #21
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    Hallo chimi,

    kann mich da Dgoe nur anschliessen. Goto ist zwar "idiotensicher", man lernt damit aber auch nichts... Dobsons sind am anspruchvollsten, aber man lernt mit ihnen auch am meisten... Die Wahl ist nicht leicht. Entweder die ersten Schritte sind einfach und man bleibt dabei aber auch stehen, oder man beginnt mühsam und entwickelt sich stetig weiter. Viele Sterngucker haben deshalb in ihrem Leben auch diverse unterschiedliche Teleskope (nicht nur immer größer).

    Meine rein persönliche Meinung: Goto führt zwar zu schnellen Erfolgen im Auffinden einiger Objekte, aber man verlässt sich zusehr auf das Goto. Wenn die Montierung ein Objekt nicht anzeigt, dann wird gar nicht erst versucht es zu finden... Die Gefahr besteht, dass das Teleskop nach anfänglicher Euphorie doch schnell verstaubt. Dazu führen leider auch die vielen und langen Schlechtwetterperioden bei uns...
    Ohne Goto muss man lernen und sich informieren. Man stöbert im Internet oder in Foren bei der Suche nach neuen Tipps für die Bedienung oder bei der Lösung irgendwelcher Probleme. Man versucht die Grenzen des Teleskops zu finden und versucht immer schwerere Objekte zu beobachten. Dabei lernt man über das Teleskop und die Astronomie. Und man hat auch noch eine Beschäftigung wenn das Wetter mal nicht mitspielt.
    Beim Dobson sehe ich die Frustgefahr recht hoch.

    Von deinen drei Teleskopen kenne ich persönlich keines. Ein Beurteilung gelingt mir deshalb nur unter Vorbehalt und nur in Stichworten!

    Mak 127/1500 Goto

    Nicht unbedingt für Deep-Sky. Würde ich einem Anfänger nicht zumuten...

    Newton 130/650 Goto
    - kurze Brennweite bzw. schnelles Öffnungsverhältnis N5 (f/5) --> Koma-Korrektor
    - Qualität des Teleskops (Optik, Mechanik) ???
    - Qualität der Montierung (Motoren, Getriebe, Elektronik) ???
    - Qualität des Stativs (Stabilität) ???
    - Qualität der Okulare ???
    - Alt-Az-Montierung: Auch später (fast) keine Fotografie

    Newton 150/750 parallaktisch
    - kurze Brennweite bzw. schnelles Öffnungsverhältnis N5 (f/5) --> Koma-Korrektor
    - Qualität des Teleskops (Optik, Mechanik) ???
    - Qualität der Montierung (Tragfähigkeit nur ca. 5kg) ???
    - Qualität des Stativs (Stabilität) ???
    - Qualität der Okulare ???
    - Montierung lässt sich aufrüsten auf motorische Nachführung bis hin zu Goto
    - Theoretisch auch Fotografie möglich

    Koma-Korrektor bedeutet: Beim Blick durch das Teleskop könnten die Sterne am Rand wie kleine Kometen aussehen. Das nennt man Koma und ist typisch für einige Teleskop-Typen. Zum Ausgleich dafür gibt es sog. Koma-Korrektoren. Sollte das störend werden, dann wäre die Anschaffung eines solchen Korrektors angesagt.

    Die ??? bedeuten einfach, dass dies Schwachpunkte sein können, die ich nicht beurteilen kann, die aber immer wieder mal diskutiert werden. Schlechte Passgenauigkeit und damit wackeln, Zahnräder aus Kunststoff, verhärtende Fette in den Getrieben und Lagern oder auch zu schwache Montierungen...
    Das parallaktisch montierte würde ich für einen sinnvollen Einstieg halten. Bin mir aber nicht sicher, ob die NEQ-3 nicht mit dem Teleskop bereits an seiner Grenze ist...

    Wenn möglich, dann ist ein persönlicher Besuch beim Händler anzuraten. Dann kann man das Teleskop auch mal anfassen und sich ein paar Tipps holen vor dem Kauf. Einige Händler bieten auch eine gute und faire Beratung am Telefon und sind nicht nur auf den Verkauf aus... Mit Astroshop.de habe ich keinerlei persönliche Erfahrung und kann deshalb nicht beurteilen wie es dort aussieht.

    Gruß,
    Christian

    Meine Astro-Page: www.Jeffer.de

  2. #22
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    Hi Chimi,

    wie sieht es denn mit dem Ambitionen des Beschenkten aus? Hat derjenige überhaupt schon mal durch ein Teleskop geguckt? Falls ja, wo war das? In einer Sternwarte? Bei einem Beobachtungsabend von anderen Hobbysternguckern im Garten/auf dem freien Feld? Wo ihm also andere die entsprechenden Motive am Himmel eingestellt haben?

    Kennt sich derjenige denn überhaupt am Himmel aus?

    Mit nem Teleskop (400 Euro ausgeben) ist es nicht getan.

    So ein Teleskop muß transportiert und dann aufgebaut werden. Wenn ein Balkon, eine Terasse oder ein Garten vorhanden ist, geht das recht problemlos. Wenn man aber erstmal aus einer hell erleuchteten Stadt raus aufs Feld an einen dunklen Ort fahren muß, braucht man ein Auto. Dann ist es dort dunkel und ein Stadtmensch hat manchmal so seine Probleme mit den Geräuschen Nachts in der Natur.

    Dann (besonders im Herbst/Winter/Frühling) ist man nach dem Beobachtungsabend müde, durchgefrohren und mit klammen Fingern alles wieder abbauen, bruchsicher verstauen und heim fahren ist nicht zu unterschätzen.

    Ich bin Mitarbeiterin einer Sternwarte, wo wir für unsere Besucher die Objekte am Himmel mit dem Teleskop einstellen und wir sie dann durchgucken lassen. Dabei erzählen mir unsere Besucher oft, daß sie sich ein Einsteigerteleskop (in Deinem Budgetrahmen) gekauft haben und nicht damit klarkommen. Sie finden am Himmel nicht die Objekte, die wir ihnen zeigen und sind etwas enttäuscht über ihr Teleskop.

    Auch, weil sie durch die Werbung in Prospekten und auf der Verpackung vom Teleskop völlig falsche und überzogene Erwartungen haben, was ihr Teleskop denn so leisten können soll. Da sind bunte Bilder von Nebeln und Galaxien abgebildet, Planeten mit fantastischen Details und völlig sinnfreie Vergrößerungen angegeben.

    Ehe Du also Geld in die Hand nimmst und etwas kaufst, solltest Du mit dem zu Beschenkenden erstmal zu einer Sternwarte gehen und gemeinsam durch ein Teleskop schauen. Damit Ihr beide live erlebt, was so ein Blick durch ein Teleskop prinzipiell zeigen kann.

    Galaxien, Planetarische Nebel, Orionnebel... sind in einem Teleskop in Deinem Preisrahmen immer nur fluffige "graue Etwasse". Wie Zigarettenrauch vor dem Hintergrund aus bunten Sternen. Schwarzweiß, nicht in Farbe! Spiralarme in Galaxien wirst Du nicht erkennen können. Die gibt es entweder in deutlich teureren Teleskopen unter richtig dunklem (Alpen-)Himmel oder auf Fotografien. Nur an Sternen (die immer winzige Pünktchen bleiben, auch im größten Teleskop) und an Planeten wirst Du Farbe erkennen können. Zahrte Pastelltöne bei Jupiters Wolkenbändern, ein blendend weißer Ring an Saturn (zahrtgelbe Kugel) oder den orangeroten Mars mit einem kleinen weißen Sahnehäubchen (Polkappe) und dunkelgrauen Strukturen auf einer winzigen Planetenkugel.

    Dann muß sich das Teleskop an die Außentemperatur angleichen können. Solange das Teleskop nicht wirklich genauso kalt ist wie die Umgebungstemperatur, hast Du eine fürchterliche Abbildung im Okular. Weil von der Linse oder dem Spiegel warme Luft aufsteigt und sich mit der kalten Nachtluft vermischt. Diese Verwirbelungen werden dann beim durchgucken vergrößert und alles zittert und schwabbelt und man kann nicht scharf stellen. Je nachdem, wie groß der Spiegel des Teleskopes ausfällt, kann das 30 Minuten oder mehrere Stunden dauern.

    Also Teleskop aus dem warmen Wohnzimmer auf den Balkon stellen, sofort durchgucken und mal eben für 5 oder 10 Minuten Mond genießen is net. Dir und Deinem Freund muß klar sein, daß man immer die Zeit fürs Auskühlen mit einrechnen muß. Astronomie ist ein Hobby für geduldige Menschen.

    Dann sollte auch die Bereitschaft da sein, sich mit Theorie zu beschäftigen. Ein paar Sernbilder und die Position der Hauptsterne auswendig lernen. Denn auch ein Goto-Teleskop findet die Objekte nur, wenn man es vorher korrekt eingenordet hat.

    Dazu sollte man freie Sicht auf den Polarstern haben. Und nach der Ausrichtung der Montierung nach Norden und der Einstellung der Polhöhe (muß man nur 1x machen, wenn man immer vom gleichen Fleck aus beobachtet), muß man ein paar Sterne am Himmel sicher kennen. Denn beim sogenannten Alignment wird man als Teleskopbesitzer aufgefordert, den Stern xy genau in die Mitte vom Okular zu stellen. Sodele, da oben gibt es 5.000 Sterne, die man unter dunklem Himmel sehen kann. Wenn man also von der Teleskopsteuerung aufgefordert wird, den Stern Vega zu zentrieren, dann muß man wissen, welcher Stern da oben Vega ist...

    Die Elektronik, die in einer solchen Goto-Steuerung verbaut ist, macht dann das Finden und Beobachten sehr angenehm. Aber sie kostet halt Geld. Bei einem Budget von 400 Euro bleibt dann abgesehen vom notwendigen Stativ, der Montierung, den Motoren und der Elektronik nicht mehr viel Geld für das eigentliche Teleskop übrig. Daher wird Einsteigern gerne ein Dobson empfohlen. Das ist ein Newton Teleskop in einem Holzrahmen, da muß man die Objekte selber finden und das Geld geht hauptsächlich in die Optik, also das Teleskop selber...

    Eventuell wäre die Mitgliedschaft in einem Sternwartenverein oder einer losen Beobachtergruppe für den Einstieg besser? Da könnte man zusammen mit anderen die vorhandenen Teleskope nutzen, man lernt automatisch in der Beobachtergruppe, wie man Objekte am Himmel findet und kann sich für den Anfang erstmal aufs schauen konzentrieren. Hat man dann nach einiger Zeit etwas Erfahrung gesammelt, weiß man auch, was einem persönlich mehr Freude macht. Parallaktisch montiertes Teleskop oder "Dobson schubsen". Und mit der Erfahrung kann man dann genau das Teleskop kaufen, was einem die Objekte am besten zeigt, die man am liebsten beobachtet...


    das erste Teleskop ist ein "rundum sorglos Teleskop" für den Einstieg zur Sonnen-, Mond- und Planetenbeobachtung. Durch seine kurze Brennweite kann man auch ausgedehntere Deepsky-Objekte beobachten, falls man an einem dunklen Beobachtungsplatz ist. Allerdings braucht man dann teurere Okulare mit größerem scheinbaren Gesichtsfeld als die mitgelieferten. Wirklich schnell und einfach aufgebaut, nach 40 Minuten ausgekühlt und zur Beobachtung bereit. Aber Du kannst später kein größeres Teleskop draufsetzen, das packt die Einarmgabel nicht. Die Mondkrater sind damit klasse. Du erkennst viele Details. Aber die Planeten sind bei der maximal sinnvollen Vergrößerung von 150-200 fach nur winzig kleine Murmeln. Bei Jupiter erkennst Du mit etwas Übung 2 Bänder, bei Saturn den Ring. Es ist auf Grund seiner azimutalen Montierung nicht für die Fotografie von Deepsky-Objekten wie Nebeln, Sternhaufen oder Galaxien geeignet. Webcamaufnahmen von Planeten oder Mondkratern sind machbar, eine DSLR wird an dem 1 1/4" Okularauszug schwer zu adaptieren sein und neben Fokusproblemen gibt es durch den engen Okularauszug auch deutliche Vignetierung.

    Das zweite Teleskop ist ein Spezialteleskop für Mond und Planeten. Deepsky ist entgegen der Beschreibung nur sehr eingeschränkt machbar, weil seine Brennweite viel höher ist und es somit einen viel kleineren Himmelsausschnitt zeigt als das erste Teleskop. Seine kompakte Bauform erleichtert den Transport, aber es braucht viel länger als das erste Teleskop zum Auskühlen, weil es ein geschlossenes System ist. Im Winter mußt Du mit 2 Stunden rechnen. Und Du benötigst zwingend noch eine Tauschutzkappe, sonst beschlägt Dir die Meniskuslinse vorne am Teleskop. Auch dieses Teleskop ist nicht für die Fotografie von Deepsky-Objekten wie Nebeln, Sternhaufen oder Galaxien geeignet. Webcamaufnahmen von Planeten oder Mondkratern sind machbar, eine DSLR wird an dem 1 1/4" Okularauszug schwer zu adaptieren sein und neben Fokusproblemen gibt es durch den engen Okularauszug auch deutliche Vignetierung.

    die Montierung unter dem 3. Teleskop muß von Hand nachgeführt werden. Dazu dreht man an Knöpfen für die Achsenbewegung. Dabei wird aber Zittern der Hand mit auf die Montierung übertragen und das merkt man am Bild im Okular. Da kann man später Motoren anbauen und eine Steuerung für die Nachführung nachrüßten. Aber für das ausgesuchte Teleskop ist die Montierung grenzwertig. Das Teleskop ist zu schwer und zu lang. Sobald man das Teleskop berührt, oder gaaanz leichter Wind herrscht, beginnt alles zu schwingen. Eigentlich gehört dieses Teleskop auf eine EQ-5. Eine EQ-5 läßt sich auch mit Elektromotoren für die Nachführung aufrüßten. Dann hätte man ein System, bei dem man später auch mal an (einfache) Fotografie denken könnte...

    Bessere Okulare kann man zu allen ausgesuchten Teleskopen nachkaufen, Filter und Barlow-Linsen auch. Einen Filter für die Sonnenbeobachtung bastelt man sich am besten nach Anleitung auf der Baaderfolienpackung. Aber ich würde ein Teleskop mit 2" Okularauszug bevorzugen, weil man dann mehr Auswahlmöglichkeiten beim Zubehör hat und auch mal ne DSLR statt eines Okulars in den Okularauszug schieben könnte für Schnappschüsse vom Mond...

    Du kannst bei jedem Teleskophändler auch andere Kombinationen als die von Dir verlinkten Einsteigergeräte anfragen. Denn die "Einsteigergeräte" als Paket haben immer eine zu schwach dimensionierte Montierung unten drunter. An der Montierung sollte man nicht sparen. Die muß so stabil wie bezahlbar sein!

    Neben dem Teleskop samt Stativ und Montierung benötigt man unbedingt noch eine Rotlichttaschenlampe und ein Buch mit Aufsuchkarten, wenn man kein Goto-Teleskop will. Egal, ob azimutal oder parallaktisch montiert, denn dann muß man die Objekte per Starhopping aufsuchen.

    Grüße
    Sissy

  3. #23
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    Hallo Sissy,

    Danke für den super Beitrag, den ich als Mitsuchender gelesen habe, auch wenn an Chimi gerichtet. Ebenso natürlich an Bernhard, Christian und Ralf auch.

    Es gibt ja noch die virtuelle Form, um die Weiten des Universums zu erforschen, auch als Ergänzung. Ich denke da an Google Sky (in Google Earth integriert, dort auch auf Deutsch) oder WorldWide Telescope (von Microsoft - hier), beide nur mit Online-Verbindung, beide super finde ich.

    Oder lokal installiert ohne nötige Verbindung auch Stellarium (deutscher Wikipedialink):
    Mittels OpenGL wird ein fotorealistisches Himmelszelt mit über 600.000 Sternen in Echtzeit dargestellt, wobei Ort und Zeit sowie der Raumwinkel frei gewählt werden können. Gezeigt werden Sterne und weitere astronomische Objekte, die mit dem bloßen Auge, einem Fernglas oder einem kleinen lichtoptischen Teleskop sichtbar wären. Der Sternenkatalog kann bis zur 15. Größenklasse und somit auf über 210 Millionen Sternen ergänzt werden, wodurch Stellarium auch für lichtstärkere Optiken nutzbar wird.
    Einige herausragende Merkmale sind ein fast fotorealistischer Sonnenaufgang und -untergang, Meteore und Grafiken von Planeten, Nebeln und Galaxien.
    (umfangreicher auf Englisch, siehe dort auch unter 'See also' weitere Programme, hier die deutsche Webseite)

    Aus letzterem dies Zitat:
    Stellarium ist ein kostenloses, quelloffenes Planetarium für ihren Rechner. Es zeigt einen realistischen 3D-Himmel, so wie man ihn mit bloßem Auge, Fernglas oder Teleskop sehen kann.
    Es wird auch mit Projektoren für Planetarien verwendet. Geben Sie einfach Ihre Koordinaten ein und los geht's.
    Und dann noch Celestia, hier der Wikipedialink auf Deutsch und ein Zitat daraus:
    Das Programm erlaubt es Benutzern, Objekte in der Größenordnung derInternationalen Raumstation bis hin zu Galaxien wie der Milchstraße dreidimensional zu simulieren. Das Programm benutzt OpenGL als 3D-Bibliothek. Anders als normalerweise bei Planetariums-Software ist der Benutzer in der Lage, sich frei durch das Universum zu bewegen. In dieser und weiteren Eigenschaften ähnelt es dem Programm Space Engine.
    (oder auf Englisch (umfangreicher), unten wieder See also)
    Hier die deutsche Webseite zu Celestia. Man sollte übrigens einige Addons dazunehmen.

    Soweit diejenigen, die ich kenne, unter 'see also' gibt es noch etliche mehr, die ich mir mal beizeiten ebenfalls ansehen möchte.
    Vielleicht habt Ihr ja auch Erfahrungen dazu (bestimmt) und Vorschläge, Empfehlungen, ich weiß nicht...

    Gruß,
    Dgoe

    P.S.: alle kostenlos nutzbar, man beachte natürlich die Nutzungsbedingungen und Lizenzen.
    Geändert von Dgoe (21.11.2013 um 01:41 Uhr)

  4. #24
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    Hallo Dgoe,

    Zitat Zitat von Dgoe Beitrag anzeigen
    Es gibt ja noch die virtuelle Form, um die Weiten des Universums zu erforschen, auch als Ergänzung.
    Dir ist hoffentlich klar, dass das schon ein gewaltiger, qualitativer Unterschied ist? Um einen Vergleich zu gebrauchen: Würde man bei einem Gesuch nach Konzertkarten den Kauf der entsprechenden Musik-CD empfehlen? Im Gespräch mit einer realen Person wohl nur, wenn man eine spöttische Bemerkung gut vertragen kann . Leute, welche die Beobachtung mit dem eigenen Teleskop suchen, sind normalerweise an der spezifischen Nachtatmosphäre, der Ruhe und dem Frieden interessiert, der durch den gestirnten Himmel vermittelt wird. Interessant finde ich in dieser Hinsicht übrigens die Idee mancher Leute zur Schaffung eines "Nachtparkes" (oder so ähnlich), d.h. dem Schutz sehr dunkler Gebiete vor der immer weiter zunehmenden Lichtverschmutzung.
    MfG

  5. #25
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    Hallo Bernhard,

    natürlich, alleine schon das Gefühl der Realität dabei, dass die Augen tatsächlich Licht von dort, wo man hinschaut, einfangen. Aber wenn man nur ein popeliges Teleskop hat und kaum etwas sieht, zudem in schwarzweiß, dann ist das in dem Vergleich wie ein Konzert aus mehreren oder ok einem Kilometer Entfernung zu besuchen - in mono! Eine CD in der Disco oder auf einer Party oder mit besten Boxen daheim, kann da schon mehr, selbst eine TV-Übertragung. Gut, es gibt ja zum Glück noch den Mond und die Sonne (mit Filter) und ein paar Planeten und die Messiers ein wenig. Das macht auch mit kleinen Teleskopen Spaß - hat es mir zumindest, bis ich einsehen musste, dass ...

    Deswegen ist als Ergänzung das Erlebnis mit manchem Programm ganz anders als einen Fotokatalog zu wälzen alternativ, obwohl ich das auch gerne tue, die klassische Ergänzung halt. Der Besuch einer Sternwarte oder eines Planetariums ist natürlich top.

    Nächtliche Sessions mit Gleichgesinnten stelle ich mir auch herrlich vor, besonders wenn man mal durch ein großes oder gutes, sagen wir teures Teleskop schauen darf. Die Chancen zu letzterem stünden wahrscheinlich nicht schlecht, wenn ich mich mit meinem 100-Euro-Spielzeug daneben aufbaue, alleine schon aus Mitleid - nachdem die Leute vor lauter Lachen auf dem Boden kugelnd wieder aufgestanden sind.

    seufz,
    Gruß,
    Dgoe

  6. #26
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    Ein Erfahrungsbericht

    Man kann auch mit dem allerbilligsten Spiegelteleskop jede Menge lernen, habe ich ja. Wie das Prinzip funktioniert, wie man das bedient, alleine die Schrauben und deren Sinn, worauf man aufpassen muss, wie die Einzelteile heißen, was die ganzen übrigen Begriffe bedeuten, wie sich die Erde dreht, Sinn für Geometrie, wo man etwas findet, angefangen beim Mond schon auch wann, dass Wetter, Lichtverschmutzung und Ort eine Rolle spielen und etliches mehr. Vor allem worin sich die Qualitätsunterschiede schon mal grob bemerkbar machen. Lol. Ich hatte immerhin 4 Okulare und ein Barlow inklusive dabei bekommen. Nur eines lernt man kaum kennen - etwas tatsächlich zu beobachten! Also ich meine durch das Rohr durch.

    Der Mond alleine war schon eine Herausforderung, anfangs ein seltener Glückstreffer bestenfalls. Jaaa, der Mond. Größer geht ja kaum, aber dennoch. Durch das kleine Suchfernrohr alleine schon eine Qual. Denn einmal gefunden, macht man alles fest und schaut wieder durch - nichts, weg ist er. Zuviel gewackelt. Also alle Schrauben nur ganz leicht lösen, die Nähe absuchen und dann anziehen, gut passt dann, etwaas schräg aber drin. Man muss sich obendrein schräg seitlich halten beim suchen, ist also nicht ganz der Nase nach.

    Dann durch das Okular (also die große Röhre), zu sehen dann: Nix, dunkles Schwarz, wie die Nacht! OK, das ganze Teil etwas lockern und direkt damit suchen. Nie nichts, immer nur schwarz. Bis man dann verzweifelt irgendwann die große Kappe entdeckt, die noch drauf ist (beide, äußere und innere). Ahh! In dem Gebrasel total vergessen, na dann ja kein Wunder. Also nochmal das ganze Prozedere von vorne bis zu dem Moment 'Okular': Aber schon wieder nichts zu sehen! Immer noch fast ganz schwarz. Naja, ich wusste woran es liegt, die beiden waren nicht geeicht, also nicht parallel.

    Überlegen, wie eichen nachts? Kommt ja nur der Mond in Frage fürs grobe. Wieder ins Suchfernrohr, der Mond ist schon ganz am Rand. Aber egal, ich muss ihn erst mit dem Okular finden, alles festmachen und dann das Suchfernrohr darauf ausrichten, klar.
    Ach ja, nun muss man wissen, dass beim suchen, rechts und links vertauscht sind, aber warum kleckern, oben und unten gleich auch, so ja auch schon beim Suchfernrohr, nur schaut man jetzt zur Krönung ja auch noch im rechten Winkel rein, das Okular befindet sich seitlich, man guckt also um die Ecke und alle Richtungen sind vertauscht. Gewöhnungsbedürftig ist eine milde Untertreibung, jede Bewegung muss man gedanklich vorher umrechnen, spontane oder intuitive Suche, Fehlanzeige, immer diametral verkehrt. Da waren auch keine Sterne zum scharfstellen, so als Hintergrundtapete, egal, der Mond ist ja dort irgendwo und tatsächlich manchmal blitzt es kurz hell auf - juhuu, da war er, das Rohr ist also nicht kaputt, wie beruhigend ...

    Stunden später (scherzhaft übertrieben, aber fast) dann voll drin, alles arretieren, wieder weg, nach Ewigkeiten - weil alles verdreht ist, braucht man gute ruhige Nerven - ihn dann wieder eingefangen, wieder weg, wieder hin, zig dutzende mal alles. Dann war er fest drin, drohte sich allerdings raus zu bewegen, konnte man bei zusehen - verflixte Erddrehung. Geistesblitz Okular tauschen (drauf war ein mittleres), aber später erst, schnell das Suchfernrohr schon mal grob ausrichten. Das klemmt allerdings zwischen 3 Schrauben, bis man den Dreh raus hat, ist alles längst gelaufen, außerdem bekommt man den Dreh eh nicht so schnell raus so ohne weiteres. Müdigkeit droht meinen Ehrgeiz zu verdrängen. Trotzdem noch ein paar Anläufe. Ok, vergessen wir das Suchfernrohr.

    Die Okulare wollen getestet werden und das Barlow, und was mit wem am Besten ist. Ich suche direkt durchs große. So ging das dann noch so eine Zeit lang, beim zweiten mal, Tage später, übrigens kaum besser. Das Gerät ist so wackel- und verstell-empfindlich, ein rohes Ei ist der pure Granitblock dagegen. Aber! Die paar Minutenfragmente, in denen ich den Mond tatsächlich kurz beobachten konnte, größer als je zuvor mit Gläsern, waren unbeschreiblich toll!

    Gruß,
    Dgoe

  7. #27
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    Hallo Dgoe,

    Zitat Zitat von Dgoe Beitrag anzeigen
    Die Chancen zu letzterem stünden wahrscheinlich nicht schlecht, wenn ich mich mit meinem 100-Euro-Spielzeug daneben aufbaue, alleine schon aus Mitleid -
    das Spektrum der Teleskope hat sich in den letzten zehn Jahren tatsächlich stark hin zu größeren Teleskopen verschoben. Gehörte man vor 10-15 Jahren mit einem 10-Zoll-Dobson noch zu den großen Lichtsammlern, bewegt man sich damit heutzutage eher im unteren Mittelfeld, was aber nichts heißen muss. Mit einem 10-Zöller kann man bereits derart viele Objekte beobachten, dass man das nicht kleinreden sollte.

    nachdem die Leute vor lauter Lachen auf dem Boden kugelnd wieder aufgestanden sind.
    Zu so einer Einschätzung kommt man, glaube ich, wohl nur, wenn man noch nie bei einem Teleskoptreffen war. Denn dort gilt eher das Motto: "Jedes Teleskop hat seinen eigenen Himmel". Diese Treffen dienen in erster Hinsicht dem Erfahrungsaustausch und zur Motivation auch mal etwas Neues auszuprobieren. Ich habe auf so einem Treffen sogar mal ein kleines Radioteleskop gesehen, mit dem die Sonne untersucht wurde. Es wird mittlerweile auch handwerklich sehr viel ausprobiert. An fast jedem Teleskop wird herumgeschraubt und es gibt praktisch bei jedem Teleskop etwas zu lernen . In Foren wie astrotreff.de bekommt man sehr leicht Tips, wie man das Äußerste aus seinem Teleskop herausholen kann.

    Zusätzlich kann man mit einer Webcam und einer fototauglichen Ausrüstung auch mit einer vergleichsweise kleinen Optik ganz erstaunliche Dinge anstellen. Deswegen würde ich mal behaupten: "Lache besser nicht über einen 4-1/2 Zöller".
    MfG

  8. #28
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    Hallo Dgoe,

    Zitat Zitat von Dgoe Beitrag anzeigen
    Das Gerät ist so wackel- und verstell-empfindlich, ein rohes Ei ist der pure Granitblock dagegen.
    Optik ist immer empfindlich. Der Vergleich mit dem rohen Ei ist deswegen durchaus gerechtfertigt.

    Bei Deinem Kampf mit dem Sucher sehe ich noch Verbesserungspotenial. Der fortgeschrittene Beobachter nutzt normalerweise die Dämmerung zur Justage des gesamten Systems. Es eignen sich dazu ganz hervorragend weit entfernte Bäume, Häuser, die Venus, sehr helle Sterne oder Ähnliches. Falls sich die optische Achse des Suchers so leicht verdrehen läßt, dass man vor jeder Beobachtungsnacht alles auch grob neu ausrichten muss, würde ich versuchen das Teleskop mechanisch zu verbessern. Bei geringer Vergrößerung (32mm Okular oder so ähnlich) sollte ein im Sucher mittig eingestellter Stern eigentlich immer im Blickfeld des Hauptrohres zu sehen sein.
    MfG

  9. #29
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    Zitat Zitat von Dgoe Beitrag anzeigen
    Ein Erfahrungsbericht

    Man kann auch mit dem allerbilligsten Spiegelteleskop jede Menge lernen, habe ich ja. Wie das Prinzip funktioniert, wie man das bedient, alleine die Schrauben und deren Sinn, worauf man aufpassen muss, wie die Einzelteile heißen, was die ganzen übrigen Begriffe bedeuten, wie sich die Erde dreht, Sinn für Geometrie, wo man etwas findet, angefangen beim Mond schon auch wann, dass Wetter, Lichtverschmutzung und Ort eine Rolle spielen und etliches mehr. Vor allem worin sich die Qualitätsunterschiede schon mal grob bemerkbar machen. Lol. Ich hatte immerhin 4 Okulare und ein Barlow inklusive dabei bekommen. Nur eines lernt man kaum kennen - etwas tatsächlich zu beobachten! Also ich meine durch das Rohr durch.

    Der Mond alleine war schon eine Herausforderung, anfangs ein seltener Glückstreffer bestenfalls. Jaaa, der Mond. Größer geht ja kaum, aber dennoch. Durch das kleine Suchfernrohr alleine schon eine Qual. Denn einmal gefunden, macht man alles fest und schaut wieder durch - nichts, weg ist er. Zuviel gewackelt. Also alle Schrauben nur ganz leicht lösen, die Nähe absuchen und dann anziehen, gut passt dann, etwaas schräg aber drin. Man muss sich obendrein schräg seitlich halten beim suchen, ist also nicht ganz der Nase nach.

    Dann durch das Okular (also die große Röhre), zu sehen dann: Nix, dunkles Schwarz, wie die Nacht! OK, das ganze Teil etwas lockern und direkt damit suchen. Nie nichts, immer nur schwarz. Bis man dann verzweifelt irgendwann die große Kappe entdeckt, die noch drauf ist (beide, äußere und innere). Ahh! In dem Gebrasel total vergessen, na dann ja kein Wunder. Also nochmal das ganze Prozedere von vorne bis zu dem Moment 'Okular': Aber schon wieder nichts zu sehen! Immer noch fast ganz schwarz. Naja, ich wusste woran es liegt, die beiden waren nicht geeicht, also nicht parallel.

    Überlegen, wie eichen nachts? Kommt ja nur der Mond in Frage fürs grobe. Wieder ins Suchfernrohr, der Mond ist schon ganz am Rand. Aber egal, ich muss ihn erst mit dem Okular finden, alles festmachen und dann das Suchfernrohr darauf ausrichten, klar.
    Ach ja, nun muss man wissen, dass beim suchen, rechts und links vertauscht sind, aber warum kleckern, oben und unten gleich auch, so ja auch schon beim Suchfernrohr, nur schaut man jetzt zur Krönung ja auch noch im rechten Winkel rein, das Okular befindet sich seitlich, man guckt also um die Ecke und alle Richtungen sind vertauscht. Gewöhnungsbedürftig ist eine milde Untertreibung, jede Bewegung muss man gedanklich vorher umrechnen, spontane oder intuitive Suche, Fehlanzeige, immer diametral verkehrt. Da waren auch keine Sterne zum scharfstellen, so als Hintergrundtapete, egal, der Mond ist ja dort irgendwo und tatsächlich manchmal blitzt es kurz hell auf - juhuu, da war er, das Rohr ist also nicht kaputt, wie beruhigend ...

    Stunden später (scherzhaft übertrieben, aber fast) dann voll drin, alles arretieren, wieder weg, nach Ewigkeiten - weil alles verdreht ist, braucht man gute ruhige Nerven - ihn dann wieder eingefangen, wieder weg, wieder hin, zig dutzende mal alles. Dann war er fest drin, drohte sich allerdings raus zu bewegen, konnte man bei zusehen - verflixte Erddrehung. Geistesblitz Okular tauschen (drauf war ein mittleres), aber später erst, schnell das Suchfernrohr schon mal grob ausrichten. Das klemmt allerdings zwischen 3 Schrauben, bis man den Dreh raus hat, ist alles längst gelaufen, außerdem bekommt man den Dreh eh nicht so schnell raus so ohne weiteres. Müdigkeit droht meinen Ehrgeiz zu verdrängen. Trotzdem noch ein paar Anläufe. Ok, vergessen wir das Suchfernrohr.

    Die Okulare wollen getestet werden und das Barlow, und was mit wem am Besten ist. Ich suche direkt durchs große. So ging das dann noch so eine Zeit lang, beim zweiten mal, Tage später, übrigens kaum besser. Das Gerät ist so wackel- und verstell-empfindlich, ein rohes Ei ist der pure Granitblock dagegen. Aber! Die paar Minutenfragmente, in denen ich den Mond tatsächlich kurz beobachten konnte, größer als je zuvor mit Gläsern, waren unbeschreiblich toll!

    Gruß,
    Dgoe
    Immer wieder schön zu lesen, dass man nicht der einzige ist, dem solche Sachen passieren.

  10. #30
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    Wobei das alles noch harmlos ist: ein Studienkollege von mir hat sich nämlich selber ein Fernrohr gebaut. Dazu gehörte es, den Spiegel selber zu schleifen, was er in geduldiger Arbeit über Wochen getan hat.

    Endlich war der grosse Moment da und er nahm den geschliffenen Spiegel von der Werkbank und wollte ihn in das Fernrohr einsetzen, als auf dem Weg von der Werkbank zum Teleskop ...


    Ich weiss nicht, was ich gemacht hätte, wenn mir das passiert wäre - entweder hätte ich mich umgebracht oder ich hätte umgehend angefangen, einen neuen Spiegel-Rohling zu schleifen. Er hat dann letzteres gewählt und meinte, dass er dank seiner Erfahrungen vom ersten Mal auch deutlich besser wurde, aber dennoch hätte er gerne wenigstens einmal durch das Fernrohr mit dem ersten Spiegel geschaut.


    Freundliche Grüsse, Ralf

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