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Thema: Kirche und Schuld

  1. #31
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    Gebürtig in der Kurpfalz - dem Herzen Deutschlands :-) Mittlerweile im tiefsten Schwabenland lebend
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    @galileo:

    Deine Antwort auf meinen Beitrag versetzt mich in blankes Entsetzen und Staunen darüber, wie bösartig man einen zu Liebe und Frieden aufrufenden Beitrag genau ins Gegenteil verkehren kann wenn man ihn nicht verstehen will.

    Dein Vergleich ist nicht drastisch, er ist einfach aber grotesk falsch. Die "Vertriebenen" (ich nehme an, du meinst die Deutschen, die im Zusammenbruch des Dritten Reichs aus ihren Siedlungsgebieten "exterritorialisiert" wurden) sind nicht gerade eine spezifische Gruppe, was die allgemeine Schuld der Deutschen am Vernichtungskrieg unter dem Nazi-Regime angeht. Vielleicht waren sie seinerzeit als ansässige Deutsche durch ihre "Frontstellung" ein wenig radikaler, als es zu dieser Zeit in Deutschland normal war. Und nach 1945 bis heute in Teilen über die Repräsentanz in und durch ihre Verbände wesentliche Motivatoren und Parteigänger des Revisionismus.
    Was Du hier machst ist ein Paradebeispiel an Pauschalverurteilung! Schäm Dich!
    Der Vergleich ist an der Stelle korrekt wo es darum geht, daß jemand Teil einer Gruppe ist (der Kirche, bzw. der Deutschen), die für diverse Verbrechen schuldig gemacht wurde, obwohl er selbst keinerlei Schuld hat. Ansonsten soll keinerlei Parallele gezogen werden, aber das erwähnte ich bereits...

    Auch die Gesamtheit der Deutschen repräsentierte von 1933 bis 1945 nicht die volkommen geschlossene soziale Gruppe
    Genau das wollte ich sagen. Du wirst nirgends eine "geschlossene Gruppe" finden wenn Du mal genau darüber nachdenkst.

    hast du nämlich als Folgerung gleich die nächste "Institution" eingeführt:
    Ja, das sind meine persönlichen Vorurteile und eine Meinung. Auf deren Basis würde ich aber niemanden verurteilen. Man sagt ja auch die Südländer seien temperamentvoller. Damit meint man ja immer "im Schnitt". Ich kann da auch nichts Böses drin erkennen, glücklicherweise sind die Völker der Erde alle etwas anders, wäre ja sonst langweilig.
    Vermische hier also nicht Schuld einer Gruppe mit durchschnittlichen Eigenschaften einer Gruppe!

    Ich weiss nicht, woran es liegt. Ist es mangelnde Allgemeinbildung, Ignoranz oder Nachlässigkeit, die dann in weiterem zu folgenden Sätzen führen:
    Was suchen eigentlich solche Sätze von Dir in diesem bislang sehr firedlichen Thema? Bitte nimm mal wahr wie herablassend solche Sätze klingen. Ich gehe übrigens davon aus daß meine Allgemeinbildung in Bezug auf die Geschichte wesentlich besser sein dürfte als Deine. Wenn Du schon sowas schreibst, dann darf ich mich wohl auch zu einer solchen Behauptung herniederlassen.

    Ich hatte dich bereits gestern darauf hingewiesen, dass ich deinen Post für fahrlässig halte.
    Was ich richtig gestellt hatte und Du völlig ignorierst, da Du auf meine Ausführungen nicht eingehst.
    Wo bitte ist da irgendwas fahrlässig? Was genau soll angeblich mangelnder Allgemeinbildung entspringen?

    Da dies nun schon das zweite mal in diesem Thread ist daß Du Unsinn über meine Beiträge schreibst ohne zu begründen wieso, bitte ich Dich dringend endlich Deine "Meinung" zu belegen.

    Auch sowas hier...
    Ich würde mich freuen, wenn du mal nachdenken würdest, bevor die nächste Ansammlung solchen unverdauten Breis von dir hier in diesem Thread erscheint.
    ...finde ich überhaupt nicht als Grundlage geeignet um mit Dir irgendwie weiterzudiskutieren. Schau Dir bitte mal Deinen eigenen Brei an und fange mal an, selbst nachzudenken. Ich tue das nämlich. Aber wer Zeug behauptet, das er nicht belegt und damit noch andere unflätig angreift, der macht auf mich nicht gerade den Eindruck, das Ding auf seinem Hals zu benutzen.

    Interessanterweise kann ich Dir nichts darauf entgegnen wie weit man Institutionen nun schuldig nennen kann oder nicht da Du tatsächlich auf den Inhalt meines Beitrags nicht eingegangen bist. Mach Dir daher mal Gedanken, wer hier Brei schreibt.

    Eigentlich kenne ich Dich als sehr nettes und kompetentes Mitglied hier, aber Deine Ausrutscher hier gegen mich entbehren nicht nur Inhalt, sondern auch guten Anstand.

    Gruß Alex
    Geändert von Alex74 (15.12.2011 um 07:58 Uhr)

  2. #32
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    @Monod: Zum kategorischen Imperativ vielleicht noch.

    Wenn das Individuum sich bewußt verhält oder über sein Verhalten reflektiert und allgemeinere Überlegungen anstellt, dann greift es auf Bilder zurück, die es von sich und von seinem Verhalten insgesamt hat. Außerdem gibt es auch ein Bild von sich, wie es seiner Einschätzung nach wünschenswert wäre. Beide Bilder müssen nicht unbedingt realistisch sein, das ist wichtig! Aber der Maßstab (modern würde man eventuell treffender sagen das Programm), mit dem man diese beiden Bilder ineinander umrechnet oder sie vergleichen kann, das nennen wir Moral. Unsere Moral genau genommen. Denn genau solche Bildersätze haben wir auch parat für das Verhalten von größeren Einheiten, von Familien, von Pfarrern, von Wissenschaftlern, von der gesamten Masse der uns alltäglich Umgebenden und vom Staat insgesamt als übergeordnetes System. Die äquivalenten privaten Vorstellungen oder Bilder anderer Individuen können nun einander näher oder ferner liegen und sie müssen auch allesamt nicht zwingend realistisch sein. Denn sie sind freilich gut manipulierbar. Beim Staat als Gesamtsystem sind es die sozialen Wissenschaften, welche denselben beschriebenen Doppelpack an Bild (von uns Individuen) produzieren. Auch andere Institutionen produzieren analog den Wissenschaftlern des Staates auf analytisch wertende Weise solche Bildpaare, z.B. die Kirchen oder Sientologen, die Werbeindustrie, die Bank-, Versicherungs- und Kreditbranche, die Kriminalpolizei, Immigrantenverbände usw. Damit produzieren sie und wir alle täglich Moral.

    In meinen Augen ist die Moral etwas, das sich entwickelt wie das Wetter, wie Luftdruck, Temperatur und Wind auf einer Wetterkarte. Oder auch wie eine Mode, mal mit Kunstfertigkeit zurechtgestrickt, mal vom Zufall modelliert; manches ist absolut zeitlos, und manchmal wird etwas modern, was alle für total bescheuert gehalten haben. In dem kategorischen Imperativ sehe ich eher einen Wunsch, ja nachdem wie schwach oder stark man ist, es tut immer gut, wenn es Gesetze gibt, die einen beschützen, jederman sehnt sich danach. Aber das kategorisch ist eben nicht kausal, es ist, wenn man ehrlich genug ist, ein Trugbild. Nichts schützt einen davor, ermordet oder bestohlen oder auch nur belogen zu werden. Wahrscheinlich kommen mächtige Politiker viel leichter zu dieser Erkenntnis als unsereiner.

    Das meinte ich oben, als ich den Begriff des Fraktalen verwendete, man verwendet ihn manchmal etwas leichtsinnig, vorauseilend sozusagen in der Hoffnung, daß einem die eigentliche Erkenntnis schon folgen möchte.

    Ganz nebenbei bin ich auch vollkommen sicher, daß der Stalin, seine Nachfolger und auch das Volk der Russen dem Adolf Hitler dankbar waren und noch dankbar sein werden bis zum jüngsten Tag. Dafür, daß er diesen unvernünftigen und keinerlei Logik entsprungenen Weltkrieg damals angefangen hatte. Und bei den Polen und den Briten würde mich das zumindest nicht wundern. Ich will es denen aber nicht unterstellen. Auch das steht als Moralbild zur Disposition, wenn man Vergangenheit und Schuld beleuchten möchte. Das muß man nicht, man hat die Freiheit, das ruhen zu lassen. Wer diesertage die taz gelesen hat, ist bestimmt am Bericht über diesen türkischen Komiker vorüber gekommen. "Noch nie gab es soviel Hitler wie heute", das gilt heute als komisch. Warum wohl? Ich vermute, weil man die moralischen Ausleseprozesse in den ganzen Jahren krampfhaft versucht hat zu unterdrücken und zu lenken. Und zwar in Ost und West in unterschiedliche Richtungen. Mein Humor ist das nicht. Ein Glück bloß, daß die Gedanken frei sind!

    Grüße!

  3. #33
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    Ob etwas moralisch gut oder böse ist wird lt Kant nicht durch die Beweggründe einer Handlung und auch nicht durch deren Auswirkung definiert sondern nur durch die Absicht.
    Ist diese Absicht gut im Sinne seines kategorischen Imperativs ist auch die Handlung gut und zulässig oder sogar notwendig.

    Was nun die Kirche betrifft kritisiert er einerseits deren Autoritätsprinzip weil es die Eigenverantwortlichkeit des Menschen beschränkt andererseits sieht er die religiöse Vereinigung als einen Ort in dem das Moralprinzip und die Fähigkeit nach diesem zu handeln allmählich größer wird. - Ich denke daß er in diesem Punkt zu optimistisch war.

    Gruß
    MT

  4. #34
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    @ Luzifix:

    In dem kategorischen Imperativ sehe ich eher einen Wunsch, ja nachdem wie schwach oder stark man ist, es tut immer gut, wenn es Gesetze gibt, die einen beschützen, jederman sehnt sich danach.
    Der kategorische Imperativ ist keine Antwort auf die Frage, warum ich moralisch handeln soll. Er ist eher ein Testverfahren, nach dem ich beurteilen kann, ob mein Handeln moralisch oder unmoralisch ist. Wenn meine Maxime ist, vor anderen als moralisch zu erscheinen, dann wäre der daraus folgende Zustand der allgemeinen Gesetzgebung, dass moralisches Handeln nur vorgetäuscht ist und dahinter keinerlei Überzeugung (Kant würde sagen: Handeln aus Pflicht) steht. Gemäß Kant gehört der Mensch als Vernunftwesen dem Reich der Zwecke an, ist also niemals nur Mittel zum Zweck sondern immer auch Zweck an sich. Moralisches Handeln ist für Kant immer ein Handeln aus Pflicht, was für ihn gleichbedeutend ist mit Einsicht in das moralische Gesetz des kategorischen Imperativs. Ein Handeln ohne diese Einsicht, also nur als Täuschung, um in der Öffentlichkeit als guter Mensch dazustehen, entwertet sich selbst, da sie die anderen Menschen lediglich als Mittel und nicht zugleich auch als Zweck an sich ansieht. Die Achtung vor dem (moralischen) Gesetz in mir macht für Kant das Wesen des Menschseins aus. Er bezeichnet das als "Menschheit in der Person". Moralisches Handeln kann also nicht anders als pflichtgemäß aus Pflicht sein, wobei die Entscheidung dazu frei ist. Deshalb verkörpert Kants Ethik - obwohl hier sehr viel von Pflicht die Rede ist - eine Ethik der Freiheit. Der Mensch kann sich zur Menschheit in seiner Person entscheiden - oder er ist eben kein Mensch. Daraus wiederum lässt sich eine humanistische Ethik ableiten, deren Grundsätze ich hier zugrundelege, um beurteilen zu können, ob jemand moralisch geboten oder moralisch verwerflich handelt.

    Ganz nebenbei bin ich auch vollkommen sicher, daß der Stalin, seine Nachfolger und auch das Volk der Russen dem Adolf Hitler dankbar waren und noch dankbar sein werden bis zum jüngsten Tag. Dafür, daß er diesen unvernünftigen und keinerlei Logik entsprungenen Weltkrieg damals angefangen hatte.
    Ich denke, dass diejenigen aus dem Volk der Russen, die in dieser Zeit ihre Angehörigen verloren haben, darüber eine andere Meinung haben werden. Mehr möchte ich zu diesem Fauxpas nicht sagen ...
    Das Universum trug weder das Leben, noch trug die Biosphäre den Menschen in sich. Wenn er diese Botschaft in ihrer vollen Bedeutung aufnimmt, dann muss der Mensch endlich aus seinem tausendjährigen Traum erwachen und seine totale Verlassenheit, seine radikale Fremdheit erkennen. Nicht nur sein Los, auch seine Pflicht steht nirgendwo geschrieben. Es ist an ihm, zwischen dem Reich und der Finsternis zu wählen.

    Jacques Monod - Zufall und Notwendigkeit

  5. #35
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    Zitat Zitat von Schmidts Katze Beitrag anzeigen
    Selbst wenn ich für die Gruppe sterbe, kann das gut für meine Gene sein, da die meisten der Gruppe mit mir verwandt sind.
    Hallo SK,

    für den Augenblick ist das zum Glück nicht erforderlich .
    Gruß

  6. #36
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    Zitat Zitat von Schmidts Katze Beitrag anzeigen
    Selbst wenn ich für die Gruppe sterbe, kann das gut für meine Gene sein, da die meisten der Gruppe mit mir verwandt sind.
    @Bernhard: Eine Katze, so sagt man, hat doch sieben Leben!

    Ich befürchte allerdings, daß die Gene derer, die statistisch häufig für ihre Gruppe sterben, langfristig verschwinden. Ob man das deswegen so selten beobachtet heute? Ich meine jetzt nicht die Alzheimermillionen, die gepflegt werden, bis wirklich keine Luft mehr raus- und rein geht. Könnte man aber auch so sehen. Oh, ich fürchte, das ist schon wieder ein Fauxpas. (Zur Entschuldigung: Ich habe hier gerade meine Patientenverfügung liegen, da steht auch ein Absatz über Demenz drinnen. Dazu hat mein Arzt gesagt, das könne ich getrost weglassen, bei einem Dementen gucke niemand in so eine Verfügung, das sei keine Sterbesituation. Ich habe geantwortet, das ist aber eine Situation, wo man eine Verfügung dringend bräuchte. Er zuckte drauf mit den Schultern. Ob jemand in dieser Situation lieber sterben wolle, sei für ihn als Arzt ohne Relevanz. Er sei der Arzt und nicht der liebe Gott.) Und ich dachte insgeheim tatsächlich: Wenn er nicht ein Gott ist in dieser Situation, dann ist er notgedrungen der Teufel.

  7. #37
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    Monod nennt es einen Fauxpas, ich meine, es war nicht sehr respektvoll aber auch nicht revanchistisch. Gibt es eine bessere Illustration meiner oben dargestellten Gedanken zum Moralbegriff?

    Es interessiert vielleicht noch, wie ich zu dem Stalin gekommen war. Ich dachte nämlich so: Wenn ein kategorischer Imperativ von jemandem geäußert wird, der sehr viel Macht hat, oder von einer großen Menge, dann wird aus einem Wunsch doch schnell eine Kausalität. Haben sich die heimlichen Wünsche Stalins nun unverhofft erfüllt und die offenkundigen von Hitler nicht, weil Stalins Moral die bessere oder seine humanistische Potenz die größere war? Oder weil sein kategorischer Imperativ überlegen war? Ich meine nicht. Man könnte sogar noch weiter gehen und auf die vergleichbare Psyche, den Fanatismus, oder die im innenpolitischen Kampf gestählte Härte der beiden eingehen, doch das ist gar nicht nötig. Hitler hatte damals eine dumme Entscheidung vorgelegt. Und darauf war es relativ einfach, klüger zu reagieren. Wo ist die innere Pflicht gewesen? Haben beide die Stimme "der Menschheit in sich" nicht gehört, haben sie sie ignoriert oder mißverstanden?

    Ich behaupte, die hatten selbst sich ihre eigene Moral kreiert und sehr wohl gründlich überlegt, ob sie hinsichtlich ihrer Erwartungen an das eigene Handeln mit sich einverstanden sein können oder nicht. Und beide hatten ihre Moral ihren Anhängern und Untergebenen und darüber hinaus auch der ganzen Welt angeboten. Der Verlauf der Geschichte hat darüber entschieden, was Bestand hatte und was zu verwerfen war. Wir wissen auch, daß das eine ganze Weile gedauert hat, eventuell noch nicht völlig ausgestanden ist. Die Geschichte, diese sarkastische alte Dame, bestraft nicht nur diejenigen, die zu spät kommen, sondern auch diejenigen, die ihre Rolle und ihre Fähigkeiten maßlos überschätzen. Bei aller Turbulenz und Irrationalität geschichtlicher Abläufe, scheint es doch, als wüßte da jemand ungeachtet aller Vergänglichkeit genau, was Gut und Böse ist. Ich bin ja hier unter Leuten, die mehrheitlich glauben, dass man Unsterblichkeit eher in einer Bibliothek findet, also in guter Gesellschaft.
    Geändert von Luzifix (16.12.2011 um 14:59 Uhr)

  8. #38
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    Zitat Zitat von Alex74 Beitrag anzeigen
    @galileo:
    Wo bitte ist da irgendwas fahrlässig?
    Keine Ahnung Alex, wirklich keine Ahnung. Ich glaube langsam galileo ist Michel Friedmann.

  9. #39
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    @ Luzifix:

    Der Fauxpas war, dass die Russen froh sein sollten, dass Hitler die Wehrmacht hat einmarschieren lassen - mit den bekannten Nebenwirkungen hinsichtlich Zerstörung und Massenmord an der Zivilbevölkerung. Stalin war zwar auch ein Monster, der Millionen seiner Landsleute in Arbeitslagern zu Tode kommen ließ, aber Hitler und Stalin gegeneinander aufrechnen, geht am Thema hier wohl vorbei. Deshalb will ich mich damit gar nicht länger aufhalten.

    Wenn ein kategorischer Imperativ von jemandem geäußert wird, der sehr viel Macht hat, ...
    Der kategorische Imperativ ist hinsichtlich seines Inhalts nicht verhandelbar. Er gilt für alle Vernunftwesen gleichermaßen - egal wie mächtig oder machtlos sie sind. Ich schlage vor, Du nimmst Dir mal Kants Schrift "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" vor und arbeitest den Text durch. Dann wirst Du merken, dass das, was Du dazu geschrieben hattest, so nicht zutreffend sein kann. Dann erledigen sich solche Formulierungen wie diese:

    Oder weil sein kategorischer Imperativ überlegen war?
    und du kannst die Frage:

    Haben beide die Stimme "der Menschheit in sich" nicht gehört, haben sie sie ignoriert oder mißverstanden?
    selbst beantworten.

    Der Verlauf der Geschichte hat darüber entschieden, was Bestand hatte und was zu verwerfen war.
    Der Verlauf des Krieges hat darüber entschieden, ob ich mein Dasein als Bauer im Osten mit russischen Zwangsarbeitern verbringe oder hier daheim am PC sitze und diesen Text schreibe. So gesehen bin ich dem Lauf der Geschichte dankbar, dass Letzteres für mich Wirklichkeit geworden ist, rechne dies aber nicht Hitler als Verdienst zu und erwarte auch nicht, dass die Russen Hitler gegenüber dankbar sein sollten. Mit Moralvorstellungen hat das alles aber wenig bis nichts zu tun, eher schon mit Politik und Machtambitionen. Und natürlich mit der Legitimation dieser Ambitionen durch eine maßgeschneiderte Ideologie (z.B. "Blut und Boden"-Mythos oder "Volk ohne Raum"-These).

    Bei aller Turbulenz und Irrationalität geschichtlicher Abläufe, scheint es doch, als wüßte da jemand ungeachtet aller Vergänglichkeit genau, was Gut und Böse ist.
    Gut und Böse sind Erfindungen des Menschen, auf deren Begriffsinhalt man sich einigen kann. Auch hierzu noch ein Buchtipp zur Vertiefung.

    Monod
    Das Universum trug weder das Leben, noch trug die Biosphäre den Menschen in sich. Wenn er diese Botschaft in ihrer vollen Bedeutung aufnimmt, dann muss der Mensch endlich aus seinem tausendjährigen Traum erwachen und seine totale Verlassenheit, seine radikale Fremdheit erkennen. Nicht nur sein Los, auch seine Pflicht steht nirgendwo geschrieben. Es ist an ihm, zwischen dem Reich und der Finsternis zu wählen.

    Jacques Monod - Zufall und Notwendigkeit

  10. #40
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    Wenn mich nicht alles täuscht, dann redet ihr hier aneinander vorbei. Die Kirchgänger beziehen den Begriff Kirche auf sich selbst, die Nicht-Kirchgänger beziehen ihn mal auf die Institution und deren Angestellte, jenen lenkenden Apparat, der die Kirchgänger über ihren Glauben hinaus beeinflusst und mal auf die Kirchgänger. Das ist meiner Meinung nach nicht fair.

    Um den Versuch zu unternehmen, hier mal eine gemeinsame Grundlage zu finden, muss ich ein wenig in den Eingeweiden stochern. Folgendes haben vorrangig die Angestellten der Kirche und nur in sehr geringem Maße die Kirchgänger zu verantworten:

    Die Kinder seien „leichtem, schwerem und sehr schwerem“ Missbrauch ausgesetzt gewesen, hieß es im Abschlussbericht der Kommission, die gut ein Jahr lang Missbrauchsvorwürfen in der katholischen Kirche in den Niederlanden nachging. Auf Grundlage von Personenbeschreibungen seien 800 Täter identifiziert worden. Von ihnen seien mindestens 105 noch am Leben.[1]
    800 Angestellte der Kirche haben also 10.000 Kinder missbraucht. Kinder, deren Eltern ihnen aus freien Stücken diese Kinder in ihre Obhut gegeben haben, aus Glauben und Vertrauen. Mehr als zehn Kinder durchschnittlich pro Person. Und es geht hier um die Anzahl unterschiedlicher Kinder, nicht die Summe der Einzelfälle.

    „Die Problematik des sexuellen Missbrauchs war innerhalb der Orden und Bistümer der niederländischen katholischen Kirche bekannt, aber es wurden keine adäquaten Schritte unternommen“, kritisierte die Kommission.[1]
    Vergleichen wir mit dem berühmten Deutschen Fall der Odenwaldschule, dann finde ich folgende Zeilen eines Kinderpsychologen sehr erschreckend:

    Generell scheint mir jedoch nicht Nähe zur Falle geworden zu sein, sondern fehlende nicht-missbrauchende Vertrauenspersonen und eine fehlende Bereitschaft anderer Erwachsener zum Einschreiten.[2]
    Ich habe nur wenig Vergleichsmaterial finden können hinsichtlich nicht-kirchlichen Institutionen wie Internaten, Schulen oder Kindergärten. Hier wäre jedoch auch eher die prozentuale statt der absoluten Differenz entscheidend, ob eine Aussagekraft hinsichtlich der Häufung existiert. Generelle Untersuchungen scheinen hier nicht zu Unterscheiden. Über die Prämissen hierfür wird man im Unklaren gelassen.

    Allerdings sei die richtige Reaktion auf einen bereits vollzogenen Missbrauch nicht das Wichtigste. „Es muss genauso wichtig sein zu gucken, was kann man präventiv tun.[4]
    Wenn mir nun jemand, der bis hierher gelesen hat, viel lieber den Hals umdrehen möchte als zu bestätigen, dass das in kirchlichen Institutionen viel zu häufig passiert, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese Person Kirchgänger ist und sich angegriffen fühlt, obwohl sie nicht mit einer einzigen Silbe persönlich diskreditiert wird. Und wer mir darauf lieber entgegnen möchte, dass die meisten Missbrauchsfälle ja im privaten Umfeld passieren, dem stelle ich gern die Frage: wo ist denn da eine Vergleichbarkeit gegeben, wenn hier nicht zwischen Kirchgängern und Nicht-Kirchgängern unterschieden wird oder generell ohne Bezug auf Religion?

    In Studien hat sich herausgestellt, dass sich mehr als die Hälfte der Täter Opfer aussuchen, die emotional ausgehungert und wenig selbstbewusst sind. Das sind oft Kinder oder Jugendliche, die schon häufiger, die Erfahrungen machen mussten, dass ihre Grenzen nicht geachtet wurden.[2]
    Die Abwesenheit von Liebe führt zu Verhaltensmustern, mit denen eine Art Toleranz gegenüber Missbrauch aufgebaut wird.

    In einer Doktorarbeit, die Missbrauchsfälle untersucht hat, hat die Autorin einen verbreiteten Tätertyp beschrieben, der allmählich eine besondere Beziehung zu einem Kind aufbaut. Solche privaten heimlichen Treffen kann man unter Umständen beobachten und rechtzeitig eingreifen.[2]
    Im Franz Sales Haus ist Kindern in den 50er-, 60er- und 70er-Jahren viel Leid zugefügt worden. Unter Aufsicht der Nonnen. Und offensichtlich auch ganz direkt und körperlich von einigen der unbarmherzigen „barmherzigen Schwestern“.[3]
    Eine für mich sehr logische Erklärung ist folgende:

    Besonders gefährlich ist es mE, wenn Korpsgeist, autoritäre Strukturen und eigene Gerichtsbarkeit (bzw. rechtsfreier Raum) herrschen. Auch in Sportvereinen, Kaderschmieden, Reformschulen, Arztpraxen, ja sogar in Familien, sind diese Bedingungen teilweise erfüllt, weswegen es nicht verwunderlich ist, daß es auch dort zu Mißbrauch kommt.

    Bei katholisch geführten Internaten sind aber alle 3 Bedingungen in besonderem Maße erfüllt.[5]

    Ich möchte gern zuletzt noch einmal betonen, dass jeder hier den Unterschied zwischen Kirche und gläubigen Kirchgängern wahren sollte. Schafft ihr das, dann kann die Diskussion auch wieder ein wenig auf den Boden zurückschweben und sachlicher werden.


    ---------------------------
    Quelle [1]: http://www.faz.net/aktuell/gesellsch...-11565753.html
    Quelle [2]: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeit...nd-praevention
    Quelle [3]: http://www.derwesten.de/region/rhein...id3348884.html
    Quelle [4]: http://www.derwesten.de/nachrichten/...id4865375.html
    Quelle [5]: http://freigeisterhaus.de/viewtopic....440612#1440612
    Es ist eine besonders hübsche Kunst, sich in Dinge einweihen zu lassen, über die man Bescheid weiß, und zwar von Leuten, die nicht Bescheid wissen. - Alain Peyrefitte

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