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Thema: Wird es jemals interstellare Raumfahrt geben?

  1. #11
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    Hallo zusammen,

    @Bynaus: Wieder mal ein sehr gut formulierter Artikel (was sollte man auch anderes erwarten)!

    Zum Thema Generationenschiff: darüber haben wir schon mal im Oktober '05 diskutiert, wenn auch nicht zu Ende geführt: http://www.astronews.com/forum/showt...p?t=433&page=2
    Ich denke aber, da waren wir bezüglich dieser speziellen Problematik schon weiter.

    Generell zum Thema/Artikel: Der Artikel von Bynaus widmet sich hauptsächlich den technischen Voraussetzungen und der Umsetzung des interstellaren Raumflugs. Zu kurz kommt aber das Motiv für die bemannte interstellare Raumfahrt. Auch wenn es schon rudimentär in diesem Thread andiskutiert wurde, scheint es mir weiter klärenswert. Wir haben meines Erachtens also zwei Stränge, die zu diesem Thema diskutiert werden müssen. 1. das Motiv, 2. die Technik.

    1. Das Motiv interstellarer Raumfahrt:
    Generell vorstellbar sind zwei auslösende Faktoren, (a) (Forschungs-)interesse und (b) existentielle Not. Beide Faktoren verbindet in der technischen Umsetzung, dass sie generationenübergreifende Projekte darstellen (zumindest unter den heute theoretisch vorstellbaren technologischen Möglichkeiten).

    Zu (a) Generell gehe ich davon aus, dass auf absehbare Zeit hier wirklich nur robotische Missionen in Frage kommen.

    Zu (b) Ausgehend davon, dass die Erde ab einem Zeitpunkt t für die Menschheit unbewohnbar wird (solare Leuchtkraft), ist davon auszugehen, dass die Menschheit einen Teil ihrer Population (oder ihres Gen-Pools) in andere Planetensysteme transferieren muss. Im Prinzip geht uns die Vorbereitung dieses 'Exodus' heute schon an, auch wenn wir uns die technischen Lösungen nur vage vorstellen können.

    2. Die Technik interstellarer Raumfahrt:
    Hier lässt sich trefflich spekulieren. Angesichts von Motiv (b) müssten aber in einem generationenübergreifenden Projekt bereits heute Forschungsressourcen reserviert werden, um eine technologische Umsetzung anzustreben.

    Interessant ist, wie abgeklärt hier diskutiert wird. Mir sind zumindest zwei historische Projekte bekannt, die interstellare Raumflüge (robotisch) geplant haben. Und so lange sind die noch gar nicht her.

    Das eine ist das 'Project Daedalus', durchgeführt von der 'British Interplanetary Society' (1970er Jahre), das eine interstellare Mission zu Barnards Pfeilstern vorsah. Damals gab es noch starke Hinweise auf extrasolare Planeten in diesem System, ausgehend von den Forschungsarbeiten P. van de Kamps.

    Das zweite ist das 'Project Longshot', durchgeführt von der NASA (1980er Jahre), das eine interstellare Mission zum Sternsystem Alpha Centauri vorsah. Hier wurde insb. die Realisierung auf der Basis bestehender Technologien betrachtet.

    Beide Projekte sind wohl in einer Entwicklungslinie seit der Erstauflage des 'Project Orion' zu sehen. Weiter Projekte wurden anscheinend auch noch aufgelegt ('Ican', 'Aimstar').

    Weitere Projekte habe ich anrecherchiert. Die Geschichte dieser Projekte wäre wohl eine eigene Diskussion wert.

  2. #12
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    Ich übernehme mal deine Nomenklatur.

    Zu 1.), insbesondere b): da t etwa 100 bis 500 Millionen Jahre beträgt, müssen wir uns heute wirklich keine grossen Sorgen darum machen. Ich glaube kaum, dass die Menschheit noch so lange existieren wird, und selbst wenn, werden bis zu diesem Zeitpunkt genügend Technologien vorhanden sein, um die Erde noch einiges länger bewohnbar zu lassen. So könnte man etwa einen "Schirm" vor der Erde aufspannen, der nur einen Teil des Sonnenlichts durchlässt. Oder man könnte, viel einfacher noch als zig Milliarden menschliche Körper im intakten Zustand von Sternsystem zu Sternsystem zu schippern, den Mars terraformen, was mit der zunehmenden Sonnenleuchtkraft immer einfacher wird, später die Jupitermonde, Saturnmonde, etc. Wirklich technisch fortschrittliche Zivilisationen würden vermutlich auch in der Lage sein, den Orbit von Planeten zu verändern. Am Ende der Sonne, in etwa 8.2 Milliarden Jahren, wird die bewohnbare Zone zwischen Saturn und Uranus liegen - immer noch innerhalb des Sonnensystems.

    Was die historischen Projekte angeht, die sind auf jeden Fall interessant - aber wer hätte sie schon finanziert? Daedalus (54'000 Tonnen schwer!!!) hätte tausende von Atombomben gebraucht - und wäre übrigens nur ein "Vorbeiflug" gewesen, das heisst, ohne die Möglichkeit, bei Barnards Pfeilstern auch wieder abzubremsen. Von "Longshot" habe ich noch nie etwas gehört, das muss ich mir mal ansehen. Alles in allem ist es wohl immer das gleiche: extrem teuer und aufwändig.

    Billiger wäre es vielleicht, wenn man kleine (max. ca. 1 m Durchmesser) Raumschiffe bauen könnte, die von Magnetsegeln beschleunigt werden. Diese Magnetsegel werden vom Sonnenwind angetrieben, und da mit zunehmender Entfernung immer mehr Platz für das Magnetsegel ist (das Magnetfeld der Sonne selbst nimmt ab), kann mit einer konstanten Beschleunigung gerechnet werden. Damit sind Geschwindigkeiten bis vielleicht 100 km/s erreichbar, etwa 0.3% der Lichtgeschwindigkeit. Das ist immer noch zu wenig, aber möglicherweise liesse sich das ganze mit einem MagBeam verstärken (eventuell könnte man auf dem Raumschiff selbst auch einen MagBeam installieren, der einen T

    Mehr dazu hier: http://www.ess.washington.edu/Space/propulsion.html
    Geändert von Bynaus (04.01.2006 um 09:43 Uhr)
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  3. #13
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    Zitat Bynaus:
    Der "ureigenste" Trieb ist wohl eher das Überleben der eigenen Gene. Die Art als ganze ist für die Evolution unwichtig, da sie sich ohnehin ständig verändert. Aber zurück zum Thema.
    Du (Dawkins) hast ja recht. Dennoch ergibt das im Ganzen so etwas wie eine Arterhaltung, solange alle "zum Zug" kommen. Dass jeder seine Gene verbreiten möchte, dürfte zu vielen Ei- und Samenzellen-Spenden führen...

    Zitat Ralfkannenberg:
    Eine Option hast Du nicht erwähnt: Könnte man nicht die Besatzung "einfrieren", d.h. die biologischen Prozesse soweit minimieren, dass sie erst nach mehreren Millionen Jahren wieder aufwachen ? Dann könnte man die "Zwischen-Generationen" vermeiden.
    Ich glaube, dass Eizellen wesentlich anspruchsloser sind und leicht reaktiviert werden könnten. Aus ethischen Gesichtspunkten finde ich es besser Eizellen aufzutauen. Da wäre eine Ausbeute von 10% nach extrem langer Zeit nicht wild, bei Menschen wäre es tragisch.

    Noch zu Bynaus:
    Ich halte es für ausgeschlossen, da man alle Zustände des Gehirns und des Körpers eins-zu-eins kopieren müsste. Zur Zeit ist es ein Wahnsinnsaufwand einzelne Photonen zu klonen. Man müsste also den Geist in Hardware nachbilden und den Körper (fraglich ob das überhaupt zu trennen ist) simulieren. Das kann ich mir nie und nimmer vorstellen. Weiter könnte man sich einmal überlegen, wie viel Energie dies verschlingen würde...

    Gruss,
    Miora

  4. #14
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    Zitat Zitat von galileo2609
    Hallo zusammen,

    @Bynaus: Wieder mal ein sehr gut formulierter Artikel (was sollte man auch anderes erwarten)!

    Ja, kann ich nur zustimmen, hatte ich bei meinem ersten Beitrag völlig vergessen darauf einzugehen, sorry!

    Wie generell interessante Beiträge dort vorzufinden sind, von denen ich mir heute morgen einige durchgelesen habe.


    Vieles von dem, was mit der interstellaren Reise der Menschheit, oder der interstellaren Raumfahrt generell, zu tun hat, oder mit der generellen Möglichkeit einer solchen Reise, hat ja auch mit der Suche nach extrasolaren Zivilisationen zu tun.

    Das Fermi-Paradoxon ist hier nur ein Aspekt, der mich sehr skeptisch vielleicht sogar negativ bezüglich dieses Themas stimmt.

    Auch, dass bis dato innerhalb der versch. SETI-Projekte nicht ein einziger Hinweis auf raumfahrende Zivilisationen gewonnen werden konnte, ist ein niederschmetternder Hinweis darauf, dass es wohl kaum Lebewesen, zumindest in unserer Nähe, gibt, die zu solchen Reisen in der Lage sind.
    Das wiederum bedeutet, dass es äußert selten ist, dass intelligentes Leben, wie wir es verstehen, gibt bzw. dieses dann noch schafft, Technologien zu entwickeln, die hierzu notwendig sind.

    Angesichts des Alters des Universum ein desillusionierender Gedanke.
    "Wenn unter 200 Milliarden Sonnen unserer Galaxis es vielleicht nicht eine andere Zivilisation bisher geschafft hat, interstellare Reise umzusetzen, weshalb sollte dann die Menschheit dazu in der Lage sein und wann wird dann die Menschheit derartige Reisen durchführen?"

    Oder: Wir sind vielleicht die einzigen und ersten, die sowas in unserer Galaxis durchführen werden.
    ...sehr unwahrscheinlich alles, aber solche Gedanken führen zu nichts, sind nicht fundiert und reine Spekulationen. Aber immerhin: Die bisherigen Ergebnisse der Suche nach interstellar Reisenden, oder generell außerirdisch existenten Lebensformen, die überhaupt in der Lage sein könnten, derartige Reisen durchzuführen, lassen doch solche Gedankenexperimente zu. Wobei ein 'warum sollte dann die Menschheit sowas durchführen können' natürlich Quatsch ist, denn darum gehts ja nicht. Irgendwer ist immer der erste.?

    Diesbezüglich ist der von mir angegebene Artikel vielleicht sogar noch zu positiv ausgelegt.

    Was mich angeht, so schwanke ich zwischen 'die Menschheit wird ihre Probelem und die Probleme unserer Erde niemals bewältigen' und 'sollte sie es doch schaffen, was ich sehr bezweifle, wie sollten dann die enormen Distanzen überwunden, Energien aufgebracht, Finanzmittel aufgebracht werden, um solche Projekte umzusetzen?'. Welcher, aus heutiger Sicht unvorstellbare, Fortschritt in den Naturwissenschaften ist notwendig, um solche Reisen überhaupt denkbar zu machen?

    Vielleicht sollten wir unsere Energien darauf verwenden, sozusagen als planerischer 'Meilenstein' auf diesem Weg, zunächst die Lösung der irdischen Probleme zu diskutieren, denn davon wird wohl alles abhängen, wie schon so oft und bei jeglicher Diskussion bezüglich der Zukunft der Menschheit bzw. der Raumfahrt herauskristallisiert worden ist.

    Doch darin sehe ich weniger das Problem der Lösungsansätze, eher das Problem der Machbarkeit. Der Mensch ist geistig nicht soweit, überhaupt mal über seine Landes-, wenn nicht sogar Grundstücksgrenzen hinauszudenken.

    Es wäre, meiner Meinung nach, vielleicht sogar noch ein Meilenstein vor dem oben genannten, an einer Bewußtseinserweiterung der gesamten Menschheit zu arbeiten, um irgendwann zunächst einmal den anderen Meilenstein, also die Lösung der derzeitigen und kommenden irdischen Probleme herbeizuführen.


    Das sind nur ein paar Gedanken, die mich zu der Tendenz veranlassen, über den Gedanken der interstellaren Reise zu verzweifeln. Manchmal habe ich das Gefühl, meine Rückschlüsse hierzu fallen bald noch negativer aus als die des Autors des von mir geposteten Beitrages. :-/
    Geändert von MopAn (04.01.2006 um 11:43 Uhr)

  5. #15
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    Zitat Zitat von Bynaus
    Zu 1.), insbesondere b): da t etwa 100 bis 500 Millionen Jahre beträgt, müssen wir uns heute wirklich keine grossen Sorgen darum machen. Ich glaube kaum, dass die Menschheit noch so lange existieren wird, und selbst wenn, werden bis zu diesem Zeitpunkt genügend Technologien vorhanden sein, um die Erde noch einiges länger bewohnbar zu lassen. (...)
    Wie lange die Menschheit aufgrund interner Entwicklungen überleben kann, ist reine Spekulation. Hoffen wir mal auf zunehmende Weisheit!
    Nehmen wir aber mal als Arbeitshypothese, dass sie sich nicht selbst vernichtet (direkt oder indirekt). Dann bleibt der bevorstehende Zeitpunkt, ab dem die Erde aufgrund äußerer Einflüsse unbewohnbar wird (Entwicklung der Sonne). Wie du richtig argumentierst, ist das Ausweichen in äußere Randbezirke des Sonnensystems eine Option. Ähnlich wie in der irdischen Ökosphäre andere Spezies, würde die Menschheit Schritt für Schritt mit der habitablen Zone von Planet zu Planet springen. Wird die Sonne nach ihrem Riesenstadium zum Weißen Zwerg, gibt es diese Möglichkeit nicht mehr. Die inneren Planeten haben keine Voraussetzungen mehr, habitabel zu werden. Das ist natürlich ein Zeithorizont von mehreren Mrd. Jahren.

    Irgendwann wird also der Zeitpunkt für die 'Menschheit' gekommen sein, das Sol-System endgültig zu verlassen.

    Beide Optionen, innere Systemwanderung und endgültige Systemflucht sind technologisch so anspruchsvoll, dass wir sie mit heutigen Mitteln (Know how + Finanzierung) nicht hinbekommen. Aber irgendwann muss die Menschheit dieses generationenübergreifende Projekt angehen. Vielleicht in mehreren 'Jahrtausendplänen'! Nicht, dass am Ende, in ein paar hundert Mio. Jahren, vielleicht 10 Jahre Entwicklungszeit fehlen! Wäre doch schade!

    Zitat Zitat von Bynaus
    Was die historischen Projekte angeht, die sind auf jeden Fall interessant - aber wer hätte sie schon finanziert? Daedalus (54'000 Tonnen schwer!!!) hätte tausende von Atombomben gebraucht - und wäre übrigens nur ein "Vorbeiflug" gewesen, das heisst, ohne die Möglichkeit, bei Barnards Pfeilstern auch wieder abzubremsen. Von "Longshot" habe ich noch nie etwas gehört, das muss ich mir mal ansehen. Alles in allem ist es wohl immer das gleiche: extrem teuer und aufwändig.
    Mit der Anführung dieser historischen Projekte wollte ich einen Kontext setzen. So absurd uns diese Projekte heute auch vorkommen (insb. 'Orion'). Ich finde es wichtig, solche Projekte auch einmal wirklich zu kalkulieren, anstatt sie beständig in die Zukunft zu vertagen. Aus unserer heutigen Sicht war 'Daedalus' sicherlich nie umsetzbar, eher Ausdruck unkritischen Fortschrittsglaubens. Dennoch wurden sie kalkuliert. Und das finde ich irgendwie beeindruckend.

  6. #16
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    Irgendwann wird also der Zeitpunkt für die 'Menschheit' gekommen sein, das Sol-System endgültig zu verlassen.
    Nicht unbedingt.

    Wie gesagt, erstens, man kann das "von Planet zu Planet springen" auch etwas hinaus zögern, in dem man der Erde mit einem grossen Schirm kühlt (wäre ohnehin gut, wenn man so was zur Verfügung hätte, dann müsste man sich keine grossen Sorgen wegen der Klimaerwärmung machen...).

    Und nachdem die Sonne zum Weissen Zwerg geworden ist, gibt es immer noch gewaltig viele Ressourcen. So könnte man den Wasserstoff der Gasriesen fusionieren und mit in deren Atmosphäre schwebenden "Fusionssonnen" die verbliebenen Monde wärmen. Oder man könnte ihre innere Wärme nutzen (die etwa über die Konvektion abgebaut wird), das könnte noch Energie für etliche Jahrmilliarden liefern. Weiter sind da die gewaltigen Bahnenergien der Objekte in der Oort-Wolke, die man anzapfen versuchen könnte. Selbst der weisse Zwerg gibt noch jede Menge Energie ab, die man nutzen könnte. Mit ein bisschen Einfallsreichtum dürfte das Überleben der Menschheit auch nach dem Rote Riesen Stadium möglich bleiben...

    Nicht, dass am Ende, in ein paar hundert Mio. Jahren, vielleicht 10 Jahre Entwicklungszeit fehlen!
    Naja, Entwicklung wird nicht nötig sein (ich kann mir heute schon einen machbaren, aber nicht finanzierbaren Evakuationsplan für die Erde ausdenken, das ist für sich allein genommen kein Problem), und auf 10 Jahre mehr oder weniger kommts dann auch nicht drauf an.

    Mit der Anführung dieser historischen Projekte wollte ich einen Kontext setzen. So absurd uns diese Projekte heute auch vorkommen (insb. 'Orion'). Ich finde es wichtig, solche Projekte auch einmal wirklich zu kalkulieren, anstatt sie beständig in die Zukunft zu vertagen. Aus unserer heutigen Sicht war 'Daedalus' sicherlich nie umsetzbar, eher Ausdruck unkritischen Fortschrittsglaubens. Dennoch wurden sie kalkuliert. Und das finde ich irgendwie beeindruckend.
    Schon klar, ich fand die Projekte auch sehr faszinierend. Von Longshot hatte ich noch nie gehört... Kalkuliert wurden sie wohl, um zu zeigen, dass interstellare Flüge nicht völlig illusorisch sind, sondern mit dem nötigen Aufwand durchaus prinzipiell machbar sind. Ich bestreite ja eigentlich in meinem Artikel auch nicht die prinzipielle Machbarkeit, sondern die Möglichkeit einer praktischen Realisierung.
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  7. #17
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    Zitat Zitat von Bynaus
    : da t etwa 100 bis 500 Millionen Jahre beträgt, müssen wir uns heute wirklich keine grossen Sorgen darum machen. Ich glaube kaum, dass die Menschheit noch so lange existieren wird, und selbst wenn, werden bis zu diesem Zeitpunkt genügend Technologien vorhanden sein, um die Erde noch einiges länger bewohnbar zu lassen. So könnte man etwa einen "Schirm" vor der Erde aufspannen, der nur einen Teil des Sonnenlichts durchlässt. Oder man könnte, viel einfacher noch als zig Milliarden menschliche Körper im intakten Zustand von Sternsystem zu Sternsystem zu schippern, den Mars terraformen, was mit der zunehmenden Sonnenleuchtkraft immer einfacher wird, später die Jupitermonde, Saturnmonde, etc. Wirklich technisch fortschrittliche Zivilisationen würden vermutlich auch in der Lage sein, den Orbit von Planeten zu verändern. Am Ende der Sonne, in etwa 8.2 Milliarden Jahren, wird die bewohnbare Zone zwischen Saturn und Uranus liegen - immer noch innerhalb des Sonnensystems.
    Also erst einmal: klasse Artikel, Bynaus, gefällt mir wirklich sehr gut! Die Seite gefällt mir auch sehr gut...

    Jetzt zum Thema: Ich denke, ebenso wie viele andere hier, dass die interstellare Raumfahrt, zumindest wenn wir von bemannter Raumfahrt sprechen, in sehr weiter Ferne liegt, wenn sie denn überhaupt einal möglich sein sollte. Denn das Problem der Energieversorgung ist meines Erachtens das Hauptproblem, mal abgesehen von den schon gennanten ethischen Kritikpunkten eines Mehrgenerationenschiffs. Denn wenn man während der Reise noch Energie in Form von Rohstoffen abbauen müsste, so ist es erstens eine ziemlich heikle Angelegenheit, da natürlich nicht jeder Planet, Asteroid etc. für einen Abbau geeignet wäre oder aber es eine oder zwei Generationen dauern würde, bis ein Abbau möglich bzw. fortgeschritten ist. Damit kommen wir zum zweiten Punkt:
    Wenn es diese Möglichkeiten gäbe, so müsste man die Zeit für den Abbau auch noch in die Flugzeit mit einberechnen. Damit kämen wir dann auf eine noch viel höhere Flugzeit.[vielleicht ist dieser Einwand nicht ganz so bedeutend angesichts der eh schon erheblichen Reisezeiten ]


    Angesichts dieser und der schon genannten Probleme denke ich, dass die von Bynaus angesprochene Umsiedlung innerhalb unseres Sonnensystems erst einmal das Ziel sein sollte [wenn wir davon ausgehen, dass wir die Erde einmal verlassen müssen]. Auch der Abbau von Rohstoffen ist in unserem System weitaus praktischer als in einem anderen. Und ich denke, dass die Technologie zu einer schnelleren Fortbewegung im nicht-interstallaren Raum weitaus realistischer ist bzw. nicht in so weiter Ferne liegt.

    Zu dem Thema des Schutzes der Erde durch ein Segel etc.:
    Ich kann mir irgendwie schwer vorstellen, dass ein solches Projekt jemals Produktionsreife erreichen wird. Denn die Frage ist doch: Wann ist die Menschheit dazu im Stande, ein solches Segel herzustellen und außerhalb der Atmosphere zu stabilisieren? Ist es nicht wahrscheinlich, dass wir vorher in der Lage sind, zu anderen Planeten unseres Systems zu fliegen und diese bewohnbar zu machen. Klar, auch eben dieses Bewohnbarmachen wäre eine technologische Leistung, die erst in geraumer Zukunft möglich sein wird, ganz zu schweigen von Terraforming, dass natürlich einen großen Aufwand bedeuted. Aber im Endeffekt glaube ich, dass dies eher realisiert werden kann, als die gesamte Erde mit einem Segel zu schützen.

    Wenn wir einmal davon ausgehen, dass ein solches Segel in einer Höhe von 50 km rund um die Erde installiert werden würde, so kämen wir auf eine Fläche von 519.232.179,62 km^2 [ausgehend von einem Erddurchmesser von 12.756 km]. Man bräuchte also eine ungeheure Menge Material, um dieses Segel zu bauen, wobei die Frage besteht, ob die Rohstoffe hierfür auf der Erde überhaupt in ausreichender Menge vorhanden sind.
    Eine andere Möglichkeit wäre, das Segel nicht rund um die Erde, sondern auf eine Umlaufbahn zwischen Erde und Sonne zu verfrachten. Dann bräuchte man weniger als die Hälfte des Materials, aber es bestünde das Problem des Transports. Man schleppt ja schließlich nicht dauernd ein 200 mio km^2 großes Schutzsegel mit sich rum .

    Ich weiß, diese Rechnungen sind stark vereinfacht, ich habe viele Faktoren nicht berücksichtigt, so z.B. den Einfluss des Mondes etc, ich hoffe ich habe mich nirgendwo vertan. Es ging mir aber eher um die Größenordnung über die man hier spricht.

    Ich weiß nicht so recht, aber mir erscheint anhand dieser Zahlen die Möglichkeit eines Umsiedlung innerhalb des Sonnensystems für realistischer, zumal man für den Bau eines solchen Segels wahrscheinlich sowieso Rohstoffe von anderen Planeten holen muss.

    Was meint ihr?

    mfg ryan

  8. #18
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    Eine andere Möglichkeit wäre, das Segel nicht rund um die Erde, sondern auf eine Umlaufbahn zwischen Erde und Sonne zu verfrachten. Dann bräuchte man weniger als die Hälfte des Materials
    Genau das meinte ich - man könnte das Segel im Librationspunkt L1 des Erde-Sonne-Systems platzieren. Und ja, es stimmt, man bräuchte exakt ein Viertel des Materials, das man für eine die Erde umgebende Hülle brauchen würde.

    Mir scheint die Fabrikation eines solchen Segels viel einfacher als das Terraforming zu sein. Es ist zwar eine ganz grosse Struktur, das stimmt schon. Und wenn man alle Rohstoffe dafür von der Erde hochschaffen müsste, wäre es wohl tatsächlich sehr schwierig. Aber vermutlich könnte man sich einen mittelgrossen, kohlenstoffreichen Asteroiden vornehmen und den Kohlenstoff daraus allmählich zu diesem Segel umbauen (mit Nanotubes und anderen Kohlenstoffstrukturen). Wenn das Segel einen Radius von 6400 km hat und eine Dicke von 1 mm, dann hat es ein Totalvolumen von etwa 128 Milliarden Kubikmetern. Bei einem Anteil von 1.5% Kohlenstoff in einem Kohligen Chondriten (einem häufigen Meteoritentyp), würde dafür ein Asteroid mit 25 km Durchmesser reichen. Das scheint mir zwar immer noch sehr aufwändig, aber machbar.
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  9. #19
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    Zitat Zitat von Bynaus
    Genau das meinte ich - man könnte das Segel im Librationspunkt L1 des Erde-Sonne-Systems platzieren. Und ja, es stimmt, man bräuchte exakt ein Viertel des Materials, das man für eine die Erde umgebende Hülle brauchen würde.
    Bisschen OT:
    Eine solche Struktur, mit Rohstoffen aus einem Asteroiden konstruiert, verwendet Kim Stanley Robinson in seiner Mars-Trilogie. Stichwort dazu ist "Soletta".
    Das Gerät wird durch Rotation stablisiert und besteht aus einer Tragstruktur konzentrischer Ringe (Material weiß ich jetzt nicht), an der eine Serie von aus reflektierender Aluminiumfolie geformten Sonnensegeln hängt, die wie eine Jalousie beweglich angebaut sind. Sie können aufgerollt und/oder gekippt werden, je nach Bedarf. Dadurch wird mehr Energie auf den Mars gelenkt, um das Terraforming zu beschleunigen (das Ding hat etwa die Größe der Erde iirc, und konzentriert die auf diese Fläche einfallende Energie auf den Mars).
    Später wird das Soletta verlegt, zum L1-Punkt der Venus, genau genommen etwas näher an die Sonne, Die Jalousien werden dann geschlossen und gekippt, so dass sie die Strahlung der Sonne auf diese Zurück reflektieren. Ziel ist die Abkühlung der Venus.

    Um die Erde zu schützen, wäre ein vollständiges Abschirmen nicht unbedingt erforderlich, denn ein bisschen Wärme will man ja haben...

    Daher würde mir eine solche Struktur (so sie den zu bauen ist) besser erscheinen.
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  10. #20
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    Ja natürlich, niemand dürfte so wahnsinnig sein, den Schirm zu schliessen (sonst heissts dann gute Nacht...). Bei der Erde könnte man vielleicht auch die Abdunklung regional dosieren, also in den Wüstengebieten etwas weniger (die überschüssige Energie wird gesammelt und per Mikrowelle zur Erde gestrahlt), eventuell könnte man damit auch das Wetter kontrollieren.
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