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Thema: Gott

  1. #1
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    Standard Gott

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    Hallo Leute,

    ich weiss, daß viele Physiker und auch einige Foristen hier Christen sind.
    Ich selbst finde, daß ein Gott in einem naturwissenschaftlichen Weltbild eigentlich keinen Platz hat, und spätestens Ockhams Messer zum Opfer fällt.
    Wie denkt ihr darüber?

    Grüße
    SK
    "There must be some way out of here," said the joker to the thief.

  2. #2
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    Hallo SK,
    Zitat Zitat von Schmidts Katze Beitrag anzeigen
    und spätestens Ockhams Messer zum Opfer fällt.
    wenn ER schon bei Ockham über die Klinge gesprungen ist, warum holst du IHN wieder aus der Grube?

    Grüsse galileo2609
    RelativKritisch | Pseudowissenschaft auf dem Sezierteller

  3. #3
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    Naturwissenschaft und Glaube schliessen sich nicht automatisch gegenseitig aus. Siehe auch den katholischen Kirch-Thread mit dem grünen Schleim.

    Als Wissenschaftler fragt man sich aber zwangsläufig, was wäre, wenn so manche Naturkonstante anders aussehen würde. Klar, dann wäre das Universum wieder in sich zusammengefallen und keiner hät's gesehen -> war halt ein Fehlversuch.

    Und wenn's dann endlich fertig ist und expandiert, soll's ja auch ne Weile halten. Dann geht's aber mit dem Aufbau von einfachen Stoffen wie Wasser weiter. Dessen Struktur und Eigenschaften sind schon beachtlich.

    Zu guter letzt bildete sich noch Materie, die über sich selbst nachdenkt und sich fragt, ob sie allein im Universum ist.


    Also einfacher wär's wirklich auch gegangen.

    Gruss
    Rüdiger

  4. #4
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    Nach dieser Vorstellung ist Gott verantwortlich für alles, was wir nicht erklären können.
    Er lässt die Sonne auf- und untergehen, er lässt es regnen, damit unsere Feldfrüchte wachsen, und wenn er sauer ist, schleudert er Blitze auf die Erde.
    Dieser Gott wurde aber durch die Wissenschaft immer mehr zurückgedrängt, bis für ihn nur noch die Feinabstimmung der Naturkonstanten übrigblieb, und ich bin mir sicher, daß das auch nicht das letzte Wort bleibt.

    Grüße
    SK
    "There must be some way out of here," said the joker to the thief.

  5. #5
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    Standard

    Hi SK,

    ich weiss, daß viele Physiker und auch einige Foristen hier Christen sind.
    Ich selbst finde, daß ein Gott in einem naturwissenschaftlichen Weltbild eigentlich keinen Platz hat, und spätestens Ockhams Messer zum Opfer fällt.
    Wie denkt ihr darüber?
    der Gott des alten Testamentes, auf den sich die Juden, Christen und Moslems berufen, ist aus meiner Sicht heute definitiv überholt. So ein "alter Knacker" mit deutlichem Hang zur Frauendiskriminierung ist nicht mehr zeitgemäß. Auf die drängenden Fragen zur Familienplanung (Stichwort Überbevölkerung), Gerechtigkeit in der Geschlechterbehandlung (Frauen in Kirchenämtern) sowie Umgang mit Schwulen, Lesben und Hermaphroditen geben die altehrwüdigen Institutionen mir keine befriedigende Antwort.

    In einer Zeit, als es noch keine Rechtssicherheit und kein staatliches soziales Netz (Kranken- und Altersversicherung) in den nomadischen und Agrarkulturen gab, war Religion ein prima Mittel, um

    - soziales Verhalten
    - rechtliches Verhalten

    mit einfachsten Mitteln (wer net spurt, kommt in die Hölle) zu gewährleisten und somit "Ruhe" im Staat zu halten.

    Die Gesellschaft hat sich aber weiterentwickelt. Bis auf wenige Ausnahmen liegt heute die Amtsgewalt in den Händen von vom Volk gewählten Organen / Regierungen. Und diese regeln über Gesetze den Einsatz von Polizei, Anwälte, Gerichte, Versicherungen, Krankenhäuser, Ärzte, Rente, Sozialhilfe...).

    Ich möchte definitiv nicht in einem Gottesstaat leben, in dem mir ein alter Sack von Priester vorschreibt, an was ich glauben soll, wen ich heiraten muß und warum ich keine eigene Meinung haben darf.

    Wem das aufregende Leben auf dieser Erde nicht reicht, der darf gerne auf ein besseres Dasein im "Himmel" glauben, aber er hat das privat zu tun und andere Menschen damit nicht zu missionieren.

    Ich empfinde es als Unverschämtheit, daß ein frisch geschlupftes Baby von seinen Eltern zwangsgetauft wird und eine 14 Jahre dauernde Hirnwäsche über sich ergehen lassen muß, ehe es religionsmündig wird und selber entscheiden darf, ob es an eine höhere Macht glauben möchte oder nicht.

    Daß unser Staat eine Religionssteuer einzieht, empfinde ich als Skandal. Jede Kirche soll diesen Verwaltungsakt gefälligst selber erbringen. Erst recht, wenn diese Kirche einen eigenen Staat besitz (Vatikan) und global als Firma agiert.

    "Gott" und Naturwissenschaft passen nicht zusammen. Um unsere Welt zu erklären, brauche ich keinen Gott, sondern eine gute Beobachtungsfähigkeit und Wissen.

    Wenn religiöse global Player eine wesentliche Rolle im Leben der heutigen Menschen spielen möchten, dann müssen sie sich wandeln. Weg vom dogmatischen Auftreten und Beharren auf mittelalterlichen Praktiken und dem Anspruch auf Unfehlbarkeit hin zu einer ethisch/moralischen Vorbildgemeinschaft, die alle Menschen gleichberechtigt an ihrer Organisation teilhaben läßt.

    Solange katholische Prister in Afrika hinter der evangelischen Gemeindeschwester herlaufen und die Pille wieder einsammeln, die diese den einheimischen Frauen gegeben hat, solange katholische Priester mehr oder weniger ungestraft kleine Jungs vernaschen, solange im Vatikan nicht mindestens 3 Frauen offiziell Papst waren und der ganze Prunk aus den Kirchen rausgeräumt wurde und für das Geld soziale Einrichtungen angeschafft wurden, haben diese Institutionen aus meiner Sicht keinerlei Existenzberechtigung. Von mir bekommen die keinen Cent.

    Um unsere Welt zu erklären, brauche ich keinen alten Mann mit Rauschebart im Himmel, der seinen Willen in 2 Steintafeln ritzt.

    Aber es gibt jede Menge Menschen, die die lebenslange Gehirnwäsche der verschiedenen Religionsrichungen mit mangelndem Selbstbewußtsein, verkümmerter Bildung und gottergebener Lethargie bezahlt haben. Für die ist das soziale Netz der Kirche und ihr Heilsversprechen leider überlebenswichtig.

    Möglicherweise stellt sich raus, daß ich mit dieser Sicht falsch liege. Das werde ich feststellen, wenn ich sterbe. Dann hab ich eventuell ein Problem. Aber das sind momentan ungelegte Eier und ich hab andere, dringendere Dinge, um die ich mich aktuell kümmern muß.

    Ich halt mich an den Spruch, liebe Mädchen kommen in den Himmel, freche überall hin.

    Mal ernsthaft, wer möchte schon eine ganze Ewigkeit auf einer Wolke sitzen, Harfe klimpern und Hossianna singen zum Lobpreis Gottes. Ist doch stinklangweilig!

    Sissy

  6. #6
    973 Gast

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    Man kann es aber auch umgekehrt so sehen, daß am einfachsten (auch iS von Minimalprinzipien und zur Vermeidung von Überflüssigem), sowie am symmetrischsten wäre, das es nichts gäbe.

    Schon daher kann man sagen, das es einen Sinn haben muß, daß es etwas gibt. Diese Aussage ist aber andererseits erst und nur dann sinnvoll und überhaupt nur möglich, wenn es schon etwas gibt, und nur aus der Sicht von innen gesehen. Überlegungen und Aussagen dazu können also die Entstehung der Welt selbst nicht erklären noch in Frage stellen - in jedem Eigensystem für es selbst ist seine eigene Existenz immer wahr. Die innen geltende Logik hängt sehr von den inneren Umständen ab - zBsp als Nachwirkung der ersten innen passierten Fakten - und ist deswegen weder für eine vollständige Erklärung oder Vorhersage erst künftig erfolgender Fakten geeignet, noch ist unsere heutige Logik rückinterpolierbar vor oder außerhalb ihrer Gültigkeit - Zeit der sie generierenden Fakten - , ist also nicht auf die Entstehung unserer Welt oder gar auf Gott anwendbar.

    Ansonsten wäre ja aus den in vorigen posts genannten Überlegungen auch für Gott diese Welt Überflüssig und würde es sie nicht geben.

    Ich bin der Meinung, die Naturwissenschaften sollten sich Aussagen über Gott und über das Jenseits enthalten. Anscheinend ist die Welt so strukturiert, daß man Ihn weder beweisen noch gegenbeweisen kann, ebenso welcher Anteil der Schöpfung von Ihm kommt oder aber von Selbstbewirkung durch die Welt. Das bedeutet nicht, daß Er deswegen überflüssig wäre, denn mit Ihm wird ja effektiv mehr geschöpft als nur durch die Welt alleine - nur ist uns ununterscheidbar wie viel und was exakt. An Gott können (und sollen) wir nur glauben, was von unserer Bereitschaft dazu und unserem Freien Willen abhängen soll, und nicht von Zwang irgendwelcher Art (etwa daß Er sich zeigen, nachweisen, oder durch wissenschaftliche Formeln als unumgänglich aufdrängen würde), also jeder hat seinen freien Glauben.



    Das Wort 'unerklärlich' bezeichnet ein falsches Konzept. Unerklärlich ist schon, was gleich passiert - nämlich das ist echt neu und in der Gegenwart weder explizit noch implizit (durch Formeln berechenbar) enthalten. Nur daß heutzutage die Welt erkaltet statt total chaotisch ist, also zwischen Wirkungen lange Ruhezustände (>> tpl) liegen, macht 'Voraussagen' oder Vorwärts-Interpolationen und Physik überhaupt möglich. Auch zBsp die Entstehung der Welt ist unerklärlich. Für alldas bräuchte man aber nicht Gott. Alle, inkl. als 'unerklärlich' bezeichneten, Geschehnisse sind ununterscheidbar durch Ihn wie auch durch die von Ihm verliehene Selbstwirkung der Natur möglich (wenn auch wissenschaftlich nicht exakt berechenbar). Denn Gott will sich uns nicht aufzwingen oder verraten. Aber ein erheblicher Teil der ständigen Neuschöpfung kommt von Ihm - und dies beinhaltet einen Großteil der alltäglich überall passierenden Fakten. Und bei besonderen Ereignissen, die wir auch als Wunder bezeichnen - obwohl zwar auch hier eine wissenschaftliche Beschreibung also ein durch die Welt eigenproduzierter Effekt denkbar wäre - ist dann doch die Wahrscheinlichkeit sehr hoch daß sie eine direkte Einwirkung von Gott sind. Indizien Seiner Existenz gibt uns Gott durchaus, aber keine Beweise; er erleichtert uns aber zwingt uns nicht an ihn zu glauben.


    Die organisierten Religionen, Vermarktung inkl. Willkürherrschaften und sonstiger Mißbrauch des Glaubens, haben mE nichts mit Gott oder der Frage nach Ihm bzw. der Art Seiner Existenz und Beziehung zur Schöpfung zu tun, schon ihre Praktiken beweisen daß sie selbst nicht an Paradies oder Hölle, entsprechend ihrer hier und jetzt frei gewählten Richtung zzgl. späterer Beurteilung dafür, glauben. Sondern damit, daß Er selbst nichts anfänglich unperfekt macht inkl. damit nichts benachteiligt; Er der Schöpfung durch den Freien Willen ein Prinzip eingebaut hat selbst so unperfekt zu werden wie sie will; aber andererseits sehr strenge Kriterien bestehen was anschließend zum Paradies als als richtig und 'perfekt' und daher auch 'etern' fortbestehenden Teil der Schöpfung gehören kann, und dabei auch hart ausgeschieden wird was bereits die Tendenz dazu besitzt und sich hier zu falschem verleiten ließ.
    Geändert von 973 (15.07.2010 um 19:00 Uhr)

  7. #7
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    Zitat Zitat von Sissy Beitrag anzeigen
    Aber es gibt jede Menge Menschen, die die lebenslange Gehirnwäsche der verschiedenen Religionsrichungen mit mangelndem Selbstbewußtsein, verkümmerter Bildung und gottergebener Lethargie bezahlt haben.
    Jetzt mach mal langsam, Sissy.
    Es gibt nicht wenige große Denker, auf die deine Beschreibung nicht zutrifft, und die sich trotzdem als Christen (oder Anhänger anderer Religionen) bezeichnen.
    Die denken dann allerdings bei Gott auch nicht an einen alten Mann mit weissem Bart.

    Grüße
    SK
    "There must be some way out of here," said the joker to the thief.

  8. #8
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    Habe ich grade gefunden:

    Und so sage ich nach meinen Erforschungen des Atoms dieses: Es gibt keine Materie an sich.

    Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zum winzigsten Sonnensystem des Alls zusammenhält. Da es im ganzen Weltall aber weder eine intelligente Kraft noch eine ewige Kraft gibt - es ist der Menschheit nicht gelungen, das heißersehnte Perpetuum mobile zu erfinden - so müssen wir hinter dieser Kraft einen bewußten intelligenten Geist annehmen. Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie. Nicht die sichtbare, aber vergängliche Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche - denn die Materie bestünde ohne den Geist überhaupt nicht - , sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre! Da es aber Geist an sich ebenfalls nicht geben kann, sondern jeder Geist einem Wesen zugehört, müssen wir zwingend Geistwesen annehmen. Da aber auch Geistwesen nicht aus sich selber sein können, sondern geschaffen werden müssen, so scheue ich mich nicht, diesen geheimnisvollen Schöpfer ebenso zu benennen, wie ihn alle Kulturvölker der Erde früherer Jahrtausende genannt haben: Gott! Damit kommt der Physiker, der sich mit der Materie zu befassen hat, vom Reiche des Stoffes in das Reich des Geistes. Und damit ist unsere Aufgabe zu Ende, und wir müssen unser Forschen weitergeben in die Hände der Philosophie.
    kein Link, ihr könnt mal raten, wer das gesagt hat.

    Grüße
    SK
    "There must be some way out of here," said the joker to the thief.

  9. #9
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    Hi SK,

    Es gibt nicht wenige große Denker, auf die deine Beschreibung nicht zutrifft, und die sich trotzdem als Christen (oder Anhänger anderer Religionen) bezeichnen.
    Die denken dann allerdings bei Gott auch nicht an einen alten Mann mit weissem Bart.
    die von Dir angesprochenen großen Denker haben es für sich persönlich geschafft, den Spagat zwischen Religion und eigenem Denken zu schaffen. Die habe ich aber nicht gemeint. Bitte ließ meinen vorherigen Post nochmal.

    Ich habe die Menschen gemeint, die glauben, daß durch ein inbrünstiges Gebet sich der kaputte Dachstuhl nach einem Unwetter von selber auf wundersame Weise richtet oder "Gott" einen anderen Mneschen so beeinflußt, daß dieser die Reparatur vornimmt. Und weil "der Herr" es schon richten wird, ihren Hintern net hochkriegen, um ihr Leben selber in die Hand zu nehmen. Die immer einen anderen brauchen, der ihnen sagt, was sie zu tun haben. Das kann der Gemeindepfarrer sein oder eine andere "Respektsperson" aus der Glaubensgemeinschaft (Ältester, Vater, Ehemann, Dorfvorsteher, Arzt, Lehrer...). Die nie im Leben auf die Idee kommen, ihre Situation nüchtern zu analysieren und dann die Ärmel aufkrempeln und selber was von sich aus machen, um sie zu verbessern.

    Meine Sicht auf Religion ist durch eigenes (negatives) Erleben in meiner Kindheit stark geprägt. Ich habe Religion als massiven Eingriff in meine Persönlichkeitsrechte erlebt. Weil in der Bibel steht, daß Eva Adam zum Biß in den Apfel der Erkenntnis verführt hat, mußte ich 14 Jahre lang in Angst und Schrecken leben. Schließlich trage ich als Frau die Erbsünde mit mir rum. Der Trottel Adam ist natürlich völlig unschuldig, ihr Mannsbilder schleppt keine Erbsünde mit euch rum...

    Verständnisfragen meinerseits nach den religiösen Regeln der Gemeinde wurden als Ungehorsam und Gotteslästerung durch die Eltern gedeutet und bescherten mir jede Menge Prügelstrafen, zu Bett gehen ohne Abendbrot, Angst vor der Hölle, Angst vor dem Erwachsen werden, Todesangst, als ich meine erste Periode bekam, Angst vor der Verheiratung mit einem völlig fremden Mann... und beiläufig auch die Verweigerung von jeglicher Bildung.

    Ich war ein neugieriges Kind, wollte von mir aus viel lernen. Meine Eltern bestanden darauf, daß ich nur zur Hauptschule gehen darf. Weil mein einziger Lebenszweck ja doch Kinderkriegen, Arbeiten und Beten ist und dabei Bildung völlig überflüssig und für die elterliche Suche nach einem Ehemann eher hinderlich ist.

    Erst als ich mit 14 den Weg zum Jugendamt fand und mir mit deren Hilfe das Recht auf Realschulbesuch erboxte, gab es einen Ausweg aus dem Teufelskreis religiöser Vorschriften und Eingriffe in mein Leben.

    Mit einem vernünftigen Schulabschluß eröffnete sich mir dann die Möglichkeit, einen Beruf zu ergreifen, von dem ich unabhängig von meinen Eltern und deren religiösem Wahn leben konnte, und der mir anschließend ermöglichte, parallel dazu ein Fernstudium zu absolvieren. Erst als ich aus dem religiös geprägten Umfeld meiner Kindheit rauskam, begann ich unbeschwert zu leben.

    Die positiven Seiten der diversen Religionen habe ich erst als erwachsener Mensch kennen gelernt. Aus meiner Sicht überwiegen aber die positiven Momente nicht. Ethik und Moral kann man einem Kind auch ohne religiöse Vorschriften vermitteln!

    Mir ist klar, daß Spiritualität und Religiöse Institutionen samt sektenartigen Auswüchsen zwei Paar Stiefel sind. Ersteres ist für mich so privat wie Sex, letzteres überflüssig wie ein Kropf.

    Wenn einem Menschen der Gedanke an ein Leben ohne Gott Angst macht, der darf gerne glauben, daß da draußen Gott auf seine Seele aufpaßt. Mir stellt sich die Frage nach der angeblich unsterblichen Seele und dem Sinn des Lebens nicht. Das Leben ist da. Das reicht mir.

    Ich persönlich finde es viel spannender, den Fragen auf den Grund zu gehen, wie es sich entwickelt hat, wie unsere Welt und der uns umgebende Kosmos "tickt", also wie er beschaffen ist, welche Regeln (Naturgesetze) eine Rolle spielen, und wie ich mir die Naturgesetze zu Nutze machen kann, um angenehmer zu leben oder real existierende Probleme zu lösen.

    Religiöse Vorstellungen samt den unzähligen Tabus behindern eher die objektive Beobachtung der Natur, als daß sie dazu auffordern, Forschung und Wissenschaft zu betreiben.

    Du hast nach unserer Meinung gefragt. Meine muß nicht mit Deiner übereinstimmen. Es kann sein, daß ich mit meiner Sicht der Welt völlig daneben liege...

    Friedliche Grüße
    Sissy

  10. #10
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    Was Sissy hier gerade beschrieben hat ist die Wirkung der Soziallehre der Religion auf das Leben der Menschen. Und diese Soziallehre stößt nun stärker und stärker gegen die heutige Auffassung von Moral und Ethik. Gerade was Moral und vor allem Gleichberechtigung betrifft, ist die katholische Lehre den heutigen Fakten hinterher.

    Darum geht es aber in diesem thread nicht primär. Sondern darum, ob Naturwissenschaftler und Nutzer diese Forums an (einen) Gott glauben oder nicht. Und wenn sie es tun oder auch nicht tun, was ist deren Hintergrund.

    Was meinen Hintergrund betrifft: Ich bin Katholik, sogar vom gegenwärtigem Papst gefirmt. Auch wenn ich mir schon oft überlegt habe aus der Kirche auszutreten, keinesfalls wegen der Kirchensteuer sondern wegen der mit meinen Vorstellungen unvereinbaren Moral, habe ich mich immer noch gescheut den Gang zum Kirchenamt zu gehen. Solange mein Ratzinger, der mich qua Handauflegen in die Gemeinschaft rituell aufgenommen hat, Oberhaupt der katholischen Kirche ist, solange kann ich nicht formell dieser entsagen.

    Nichtsdestotrotz habe ich Probleme mit Religion. Egal mit welcher, ob katholisch, evangelisch, orthodox, episkopal (...) christlich, islamisch, hinduistisch oder jüdisch.

    Der Mensch weiß, daß er sterblich ist. Diese Wissen teilt er (vermutlich) mit einigen wenigen Spezies dieser Erde (z.B. Elefanten). Dieses Bewusstsein hält er aber nicht durch. Er erschafft sich eine Mystik, die den Tod überwindet. Alle Religionen, zumindest die großen dieser Welt, beschäftigen sich mit zuerst und allervorderst mit diesem Thema. Und für alle Gläubigen der großen Religionen ist dieses Thema zentral.

    Um dieses Thema herum haben sich in den Religionen weitere Mythen entwickelt. Mythen, die andere große Fragen der Gläubigen betreffen. Woher kommen wir, was ist unser Ursprung und vor allem: was ist unser Sinn? Als nächstes: Wie sollen wir miteinander umgehen, was ist Recht und was ist gerecht?

    Vor allem mit der Frage was ist Recht und was ist gerecht beschäftigen sich alle großen Weltreligionen. Das Judentum mit seinem Prinzip Auge um Auge, das Christentum mit seinem Grundprinzip der Vergebung, der Hinduismus mit seinem Prinzip des Karma und der Islam mit seinem detaiiliertem Rechtssystem für Straf- und Zivilrecht, der Scharia.

    Nur sind diese Grundsätze nicht wirklich gottgegeben. Sie sind Ausdruck menschlicher Gerechtigkeitsgefühle. Natürlich, sie werden stets als Ausdruck göttlicher Inspiration in den Schriften erklärt. Meiner fest verwurzelten Meinung nach sind sie aber nicht göttlich, sondern menschlich, inspiriert nach dem Geist der Zeit, der sie formuliert hat.

    Die spirituelle Sehnsucht nach einem höheren Wesen hat also meiner Ahnung nach die verschiedenen Religionen geschaffen, geformt je nach ihrer Zeit. Die Entität eines göttlichen Wesens ist aber unabhängig von Religion und Lehre. Der Glaube daran ist unabhängig. Die Motivation des Glaubens ist und bleibt aber die Überwindung des Todes. Und dies sollte allen Gläubigen jeder Religion bewusst sein: Was zeichnet eigentlich Freude und Leid einer Seele aus, wo auch immer sie sich befindet (Himmel, Hölle, Nirwana, männlich oder weiblich)
    Geändert von jonas (16.07.2010 um 02:44 Uhr)
    Much more attention has been paid to carbon organic chemistry than to silicon organic chemistry, largely because most biochemists we know are of the carbon, rather than the silicon, variety (Carl Sagan)

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