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Thema: Komplementäre Masseverteilung in Doppelpaaren

  1. #11
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    Hallo allerseits,

    ich hoffe, die Weihnachtstage waren auch bei euch ruhig und erholsam. Nun möchte ich ein wenig zu euren Beiträgen schreiben.

    @ Orbit:
    Bei zwei betrachteten Systemen gibt es eine Symmetrie im Sinne der hier vorgestellten 'Hypothese', bereits das dritte, das Uranus-System, muss aber auf abenteuerliche Weise passend gemacht werden.
    Die vermeintliche Abenteuerlichkeit kommt zustande, weil die Fehlertoleranz der gemessenen Massewerte relativ groß ist. Die Daten stammen von der Voyager 2-Mission aus einem einzigen Vorbeiflug. Vergleicht man die Voyager 2-Daten der Saturnmonde mit denen, die von der Cassini-Sonde ermittelt worden sind, findet man größere Abweichungen bei Iapetus und Enceladus. Im Unterschied zu Uranus bestand aber die Möglichkeit, die Voyager 2-Daten mit denen von Voyager 1 sowie Pioneer 11 abzugleichen, die vorher gewonnen werden konnten. Immerhin lässt die Fehlertoleranz bei den Uranusmonden eine CMD zu (Wenn dir die englische Abkürzung zu abgehoben erscheint, kannst du auch KMV für "Komplementäre Masseverteilung" bevorzugen - ich will nur nicht jedesmal die Bezeichnung in voller Länge aufschreiben. ). Andererseits können die Abweichungen auch so groß sein, dass die CMD (bzw. KMV) verfehlt wird, so dass dein Einwand

    Aus zwei Gliedern einer mathematischen Reihe kann aber nie auf die Gesetzmässigkeit der Reihe geschlossen werden.
    vollauf zutreffend wäre, und ich mich kleinlaut davonstehlen müsste ...

    @ jonas:
    Erstens: der solare Jet
    Dazu hat MAC schon etwas geschrieben, was in mein Szenario passen würde. Ich hatte zunächst an Herbig-Haro-Objekte gedacht, die sich in einer frühen Entwicklungsphase befinden, und bei denen Materiejets fotografiert werden konnten. Ein erheblicher Teil des ausgestoßenen Gases (über 90%?) dürfte tatsächlich das System für immer verlassen, aber ein geringerer Teil (insbesondere der Staubanteil) bleibt eben zurück und gelangt in die äußeren Bereiche der protoplanetaren Scheibe, wo er von den massereichen Planetesimals akkretiert wird. Nachdem nun bereits bei einem Braunen Zwerg ein Jet nachgewiesen werden konnte, vermute ich, dass diese Erscheinung nichts Außergewöhnliches ist und daher eine Möglichkeit ist, den Massereichtum von Jupiter und Saturn zu erklären (was nicht bedeuten muss, dass es noch andere Möglichkeiten gibt bzw. dass sich mehrere Prozesse aufsummierten).

    Zweitens: Der Massetransfer
    Hier habe ich neben der von Orbit schon kritisierten L3-Problematik die größten "Bauchschmerzen". Eigentlich kommen für einen Energiefluss, der einen Materialstrom mit sich reißen kann, nur elektromagnetische Kräfte in Frage. Dann müsste das Material allerdings elektrisch geladen sein (z.B. als Ionen). Dies erfordert jedoch wieder eine Energiequelle, die die Ionisierung auslöst. Die Strahlung und das Magnetfeld der Protosonne reichen für eine Stoßionisation der gesamten protoplanetaren Scheibe nicht aus. Auf anfangs reichlich vorhandene radioaktive Nuklide, die mittlerweile längst zerfallen sind, mag ich nicht setzen (zumindest wäre das für mich die letzte Wahl), so dass ich hierbei mit meinem physikalischen Laienverstand leider überfordert bin. Die elektrische Aufladung der Materieteilchen müsste sich nach meinem Szenario in allen fünf MSS des Sonnensystems ereignet haben. Weiterhin müsste diese Aufladung hinreichend lange stabil gewesen sein, um nennenswerte Transportraten zustande zu bringen (beispielsweise nach Art eines Fließgleichgewichts: neutrale Teilchen aus oberflächennahen Bereichen eines Körpers, die noch nicht in größere Strukturen eingebunden sind, werden durch den Energiefluss aufgeladen und mit diesem zu einem anderen Körper transportiert; mit zunehmender Neutralisierung der oberflächennahen Bereiche sowie nachlassendem Energiefluss kommt dieser Prozess allmählich zum Erliegen). Vielleicht hat da jemand eine bessere bzw. plausiblere Idee. Ich würde mich jedenfalls über andere Vorschläge sehr freuen.

    @ MAC:
    Ich will damit nicht für Mahanandas These plädieren, dazu ist die Datenlage meiner Meinung nach (noch) zu dünn, aber die Regelmäßigkeiten scheinen mir durchaus auffallend, ebenso allerdings, auch die Verletzungen der Regelmäßigkeiten.
    Ja und ja. Die Datenlage ist sehr dünn, weil es zahlenmäßig nur sehr wenige MSS sind, so dass es schon aus rein statistischen Gründen ein gewagtes Unterfangen ist, Regelmäßigkeiten überhaupt zu formulieren. Für die Zukunft ist hoffentlich aus der Untersuchung von Exoplanetensystemen mehr Datenmaterial zu erwarten. Bis dahin dürfte allerdings, was Mondsysteme betrifft, noch ziemlich viel Zeit vergehen. Immerhin lässt sich bis auf weiteres erst einmal festhalten, dass ein MSS über 99% der Gesamt-Satellitenmasse in Gestalt von vier massereichen Körpern bindet (trifft im Sonnensystem auf vier von fünf MSS zu) und dass bei den nichtstellaren Zentralkörpern die Masse dieser vier Satelliten komplementär verteilt ist (die große Ausnahme ist das zerstörte Neptunsystem).

    Ich möchte jedoch nicht unterschlagen, dass im Saturnsystem einige Abweichungen vom (regulären?) Anordnungsschema vorhanden sind, die sich nur durch die Annahme weiterer "abenteuerlicher" Prozesse erklären lassen. Ich möchte diese nur kurz benennen, ohne an dieser Stelle näher darauf einzugehen (das wären jeweils eigene Themen ...):

    a) Einfang des Titan mit daraus abzuleitender Abdrängung des Iapetus auf seine heutige geneigte und abgelegene Bahn;

    b) einmaliger Bahntausch von Tethys mit Dione nach Art des heute noch ablaufenden periodischen Vorgangs der beiden kleinen Saturnmonde Janus und Epimetheus.

    Wenn ich noch weiter ins Detail gehe, würde es so aussehen, als wollte ich mich selbst widerlegen. Ich möchte damit nur andeuten, dass ich die "Anomalien" durchaus im Blick habe, andererseits die zahlenmäßigen Übereinstimmungen aus meinem ersten Beitrag nicht einfach als rein zufällig abtun kann, sondern ein in sich kausales Entstehungsszenario vermute, das aufzuklären (oder aber auszuschließen) sich lohnen dürfte.

    Viele Grüße!

  2. #12
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    Hallo,

    für die, die es noch interessiert:

    Hier kann man eine ausführlichere Darstellung nachlesen (allerdings nur noch 7 Tage, dann ist Löschung vorgesehen!).

    Viele Grüße!
    Geändert von Mahananda (14.07.2008 um 21:01 Uhr) Grund: Weblink geändert.

  3. #13
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    Mahananda, so sehr ich dich als Diskussionspartner schätze, ich denke, in diesem Belang hast du dich völlig in der Datenalchemie verrannt.

    Ich sage nicht, dass es keinen physikalischen Prozess geben könnte, der die tatsächlichen auffallenden "Doppelpaare" erklärt, oder dass die Spekulation über solche Prozesse überflüssig oder gar abwegig wäre - aber dass du damit in einem Aufwasch alles vom Merkur zu Theia bis zu Titan, Pluto, Charon, Triton und sogar Sedna durch Bahnverschiebungen erklären willst, ist absurd und entbehrt jeglicher Grundlage in Beobachtungsdaten (und ist nicht zuletzt physikalisch unmöglich aufgrund der dafür notwendigen Bahnenergien). Es wirkt auch irritierend, wenn du in deiner Argumentation "könnte wahrscheinlich", "ist vermutlich" etc. verwendest, ohne dafür auch nur einen Hauch eines Beleges vorbringen zu können: du spekulierst ausschliesslich im luftleeren Raum (na gut, das ist wenigstens passend ). Was du machst ist, du entwirfst deine Doppelpaar-Hypothese, um dann alle Lücken und Differenzen zur tatsächlichen Situation im Sonnensystem durch das leichthändige Einfügen von entflogenen oder zugeflogenen Körpern zu erklären - das muss letztlich scheitern, weil deine Hypothese nicht falsifizierbar ist.

    Insofern teile ich, muss ich leider sagen, die Einschätzung, dass dies nicht in die Wikipedia gehört. Hier können wir es aber gerne diskutieren.
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  4. #14
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    Hallo Bynaus,

    "Datenalchemie" finde ich Klasse!

    Na gut, ich wollte einfach mal einen Gesamt-Überblick über das geben, was ich meinte, aus dem Vorliegen der CMD ableiten zu können. Hier im Forum ist der Platz dazu meist zu knapp. In der Wikipedia wird meine "Artikelserie" mit Sicherheit nicht bleiben können, das sehe ich auch so. Aber immerhin besteht für eine Woche die Chance, die Überblicksartikel komplett einzusehen und ggf. herunterzuladen. Danach bin ich sowieso im Urlaub und sehe das ganze Löschdiskussionstheater recht entspannt.

    Zur Sache selbst: Seit meinem Dasein hier habe ich immer wieder mal die besprochene Thematik in einigen Threads einfließen lassen. Z.B. die Hypothese vom Titaneinfang bei "Äquatorwulst um Iapetus" oder die möglichen SETI-Implikationen in Bezug auf Enceladus. Auch der Zusammenhang zwischen Theia-Impakt und Wasserreichtum der Erde kam schon einmal zur Sprache, habe aber im Moment vergessen, wo. Egal: Ich habe mir da ein Szenario zurechtgelegt, das ich gerne mal hinsichtlich Möglichkeit oder Unmöglichkeit auf seine Grenzen hin abklopfen möchte. Wenn du mir dabei helfen kannst, würde ich mich sehr darüber freuen.

    Das (vergleichsweise) "härteste" Datenargument, das für die Doppelpaarhypothese spricht, ist die CMD in den Mondsystemen von Jupiter, Saturn und Uranus. Dadurch bin ich ja überhaupt erst darauf gekommen, dass Neptuns ursprünglich vorhanden gewesene Monde von vergleichbarer Beschaffenheit gewesen sein dürften (wieder so ein Konjunktiv ). Na gut, ich kann nicht beweisen, dass es sich so verhielt, aber aus dem Vergleich mit den Uranusmonden und dem Umstand, dass der heutige Plutomond Charon einerseits die passende Größe hat und andererseits (im Unterschied zu Pluto selbst) kein Methan und kein Stickstoff auf seiner Oberfläche enthält, zog ich meine Schlussfolgerungen und vermute daher, dass es sich hierbei um einen entlaufenen ehemaligen Neptunmond handelt.

    Ich weiß nicht, ob die "New Horizons"-Sonde Daten liefert, die meine Hypothese stützen. Falls Charon ein entlaufener Neptunmond ist und Neptun - gemäß meiner Hypothese - der Paarkörper von Uranus ist, dann müssten deutliche Ähnlichkeiten mit den Uranusmonden Ariel und/oder Umbriel festzustellen sein (Material, Oberflächenbeschaffenheit usw.). Inwiefern durch den Entweichvorgang aus dem Neptunorbit Charons Beschaffenheit "verfälscht" wurde, kann ich nicht sagen. Zumindest müssten deutliche Spuren von Schmelzvorgängen erkennbar sein (vielleicht ähnlich wie auf Triton?), da der reaktive Swingby u.a. Wärmeenergie freigesetzt haben muss. Was die Konstellationen betrifft, unter denen ein Einfang sowie eine Mitnahme des Charon durch Pluto möglich ist, kann ich nur raten. Denkbar ist auch, dass Plutos Masse zu gering ist, um so ein "Schwergewicht" dauerhaft an sich zu binden. Aber wie gesagt, ich weiß es nicht.

    Hinsichtlich eines möglichen Titaneinfangs hatten wir schon einmal vor einiger Zeit diskutiert. Problematisch war hier die Abgabe des Drehimpulses der abgedrängten Saturnmonde sowie die Abbremsung des Titan selber. Wenn der Einfang auf vergleichbare Weise wie bei Triton geschah, also unter Anwesenheit eines zweiten ähnlich massereichen Körpers, dann ließe sich vielleicht ein Einfangszenario entwickeln, das himmelsmechanisch funktioniert.

    Wenn es sich bei diesem verschollenen Körper tatsächlich um Theia handelte, dann müsste geklärt werden, ob die von mir postulierte Ablenkung von Saturn- in Erdnähe möglich ist, und wenn ja, ob die Dimensionen (r = 2.700 km; m = 158*10^21kg) ausreichend sind, um die Entstehung des Erdmondes zu bewirken. Weiterhin: Hat der beim Aufschlag explosionsartig verdampfende Eismantel einen nennenswerten Anteil an der Erzeugung der Auswurfmasse, die sich später zum Erdmond zusammenfügte?

    Das waren erst einmal die dringlichsten Fragen, die mich zu diesem Thema bewegen. Natürlich ist noch eine ganze Reihe offen, aber das soll erst einmal genügen.

    Viele Grüße!

  5. #15
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    Egal: Ich habe mir da ein Szenario zurechtgelegt, das ich gerne mal hinsichtlich Möglichkeit oder Unmöglichkeit auf seine Grenzen hin abklopfen möchte. Wenn du mir dabei helfen kannst, würde ich mich sehr darüber freuen.
    Abklopfen ist schwierig bei etwas, was nur aus luftleerem Raum besteht (um die Analogie noch etwas weiter zu treiben... ). Wie gesagt: deine Hypothese ist schlicht nicht falsifizierbar, und schon hinter die Grundlage ("Paarbildung") sind etliche Fragezeichen zu setzen. Ich hoffe, du nimmst mir meine klare Haltung hier nicht übel, es ist bestimmt nicht persönlich gemeint...

    dass der heutige Plutomond Charon einerseits die passende Größe hat und andererseits (im Unterschied zu Pluto selbst) kein Methan und kein Stickstoff auf seiner Oberfläche enthält, zog ich meine Schlussfolgerungen und vermute daher, dass es sich hierbei um einen entlaufenen ehemaligen Neptunmond handelt.
    Das Problem ist eben, die unterschiedliche Zusammensetzung von Charon und Pluto lässt sich auch auf viele andere Arten erklären. Charon ist vielleicht, ähnlich wie der Mond, das Produkt einer Kollision und hat deshalb eine andere Zusammensetzung. Pluto kann eine dünne Atmosphäre halten, was zu einer regelmässigen Rekristallisation des Eises an seiner Oberfläche führt, was bei Charon nicht möglich ist... Etc. Du müsstest erst einmal zeigen, dass es dynamisch überhaupt möglich ist, dass Pluto Neptun einen Mond "entrissen" hat - nur schon dahinter stelle ich etliche Fragezeichen. Einen Mond an einen Planeten verlieren ist nämlich unglaublich viel einfacher als ihm einen entreissen: im letzteren Fall müssen wohl alle Akteure exakt am richtigen Ort zur richtigen Zeit sein (sofern es überhaupt möglich ist, wofür wir ja auch keine Gewissheit haben). So lange wir nicht einen sehr starken Hinweis darauf haben, dass es so gewesen sein muss, gibt es keinen Anlass zu vermuten, dass diese unwahrscheinliche Konstellation tatsächlich jemals stattgefunden hat.

    Falls Charon ein entlaufener Neptunmond ist und Neptun - gemäß meiner Hypothese - der Paarkörper von Uranus ist, dann müssten deutliche Ähnlichkeiten mit den Uranusmonden Ariel und/oder Umbriel festzustellen sein (Material, Oberflächenbeschaffenheit usw.). Inwiefern durch den Entweichvorgang aus dem Neptunorbit Charons Beschaffenheit "verfälscht" wurde, kann ich nicht sagen. Zumindest müssten deutliche Spuren von Schmelzvorgängen erkennbar sein (vielleicht ähnlich wie auf Triton?), da der reaktive Swingby u.a. Wärmeenergie freigesetzt haben muss.
    Schmelzvorgänge gibt es auch durch Gezeitenkräfte mit Pluto... Du siehst, was das Problem ist: du kannst deine Hypothese gar nicht falsifizieren, weil du gar nicht weisst, was sie überhaupt voraus sagt. Nicht falsifizierbare Hypothesen sind wissenschaftlich wertlos.

    Hinsichtlich eines möglichen Titaneinfangs hatten wir schon einmal vor einiger Zeit diskutiert. Problematisch war hier die Abgabe des Drehimpulses der abgedrängten Saturnmonde sowie die Abbremsung des Titan selber. Wenn der Einfang auf vergleichbare Weise wie bei Triton geschah, also unter Anwesenheit eines zweiten ähnlich massereichen Körpers, dann ließe sich vielleicht ein Einfangszenario entwickeln, das himmelsmechanisch funktioniert.
    Ganz ohne Rechnen würde ich mal vermuten, dass dies das Saturn-Mondsystem ziemlich durcheinander werfen würde, ähnlich wie das bei Neptun geschehen ist. Du kannst ja mal anfangen, einen Blick auf die Auswirkungen zu werfen, in dem du die Situationen mit dem "gravitysimulator" (Programm, auf dem Internet frei erhältlich) nachstellst und schaust, was dabei raus kommt.

    Wenn es sich bei diesem verschollenen Körper tatsächlich um Theia handelte
    Kaum. Theia hatte 1-2 Marsmassen, das ist viel mehr als "vergleichbar" mit Titan - kleinere Impaktoren führen nicht zur Mondbildung. Zudem bestand Theia aus ähnlichem Material wie die Erde, mit einer ähnlichen Sauerstoff-Isotopensignatur (der Mond besteht vorwiegend aus Impaktormaterial, hat aber die gleiche Sauerstoff-Isotopensignatur wie die Erde). Da Erde, Mars und Vesta offenbar verschiedene Sauerstoff-Isotopensignatren haben, nimmt man an, dass die Zeit der Entstehung und die Entfernung zur Sonne bei der Bildung eines Himmelskörpers dessen Sauerstoff-Isotopensignatur bestimmen. Ein Körper aus der Gegend der Saturnbahn hätte sicher eine ganz andere Sauerstoff-Isotopensignatur gehabt.
    Geändert von Bynaus (15.07.2008 um 11:43 Uhr)
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  6. #16
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    Hallo Mahananda,

    solche Abstandsreihen gibt es viele. Von der Titis-Bode-Relation bis den neuesten von Laurent Nottale (-> die Planeten gehorchen hier einer verallgemeinerten schrödingerartigen Wellengleichung).
    Diese mathematischen Muster werden als Zahlenspielerei angesehen, weil sich bisher immer andere Reihen (oder Parameter der gleichen Reihe) finden lassen, die ähnlich gute Ergebnisse liefern. Deshalb ordnet man diesen Zahlenmustern heute keinerlei Bedeutung mehr bei.
    Um deiner Hypothese eine gewisse Bedeutung zu geben, müßtest du nachweisen:

    a) das es keine anderen Reihen gibt die ähnlich gute Ergebnisse liefern
    b) deine Reihen an anderen Sonnensystemen ebenfalls zu guten Ergebnissen führen

    Und wenn zu a) keine ähnlich passenden Reihen gefunden werden, dann heißt das nicht das es die nicht doch gibt. Von daher ist eine Widerlegung dieser Reihen aufwendig und nie abschließend beurteilbar. Von daher ist es vernünftig, sich nicht mehr mit diesen zu beschäftigen. Genauso wie man auch "Perpetuum Mobiles" abgehakt hat.

    Gruß Helmut

  7. #17
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    Hallo Aragorn,

    mit Abstandsreihen hat mein Szenario nichts zu tun, eher schon mit einem Verteilungsmuster (hier die 2143-Anordnung). Wenn du noch einmal den Wikipedia-Link öffnest, kannst du nachlesen, wie ich auf die Idee, es könnte reguläre Muster geben, gekommen bin (Litzroth-Artikel). Litzroth ist ein Verfechter solcher Abstandsreihen. Er meint, dass sich die Satelliten nach Geschwindigkeitsabständen ordnen. Und in dieser Geschwindigkeitsreihe klafft zwischen Rhea und Titan eine Lücke, die er mit Iapetus zu füllen glaubt. Mir persönlich sagt das nicht zu, und ich sehe das ebenfalls als Zahlenspielerei an. Stutzig machte mich, dass im Saturnsystem die CMD unter Einbezug von Iapetus aufgeht, so dass ich hier einen ursprünglich vorhanden gewesenen physischen Zusammenhang vermute.


    @ Bynaus,

    Ich hoffe, du nimmst mir meine klare Haltung hier nicht übel, es ist bestimmt nicht persönlich gemeint...
    Keine Sorge, so sehr klebe ich nicht an meinen Konstrukten, dass ich Kritik daran auf mich beziehe. Und dem Rechthaberei-Instinkt bin ich auch schon geraume Zeit entwachsen

    So lange wir nicht einen sehr starken Hinweis darauf haben, dass es so gewesen sein muss, gibt es keinen Anlass zu vermuten, dass diese unwahrscheinliche Konstellation tatsächlich jemals stattgefunden hat.
    Das Problem ist hierbei, dass ein starker Hinweis schwer auszumachen ist. Mir fällt zumindest keiner ein, der zwingend alle Alternativerklärungen ausschließt. Vielleicht könnten Isotopenmessungen Indizien liefern, dass Charon gemeinsam mit Neptun in dessen Orbit entstanden sein kann, aber nicht muss. Aber auch dann besteht immer noch ein großer Interpretationsspielraum.

    Kaum. Theia hatte 1-2 Marsmassen, das ist viel mehr als "vergleichbar" mit Titan - kleinere Impaktoren führen nicht zur Mondbildung. Zudem bestand Theia aus ähnlichem Material wie die Erde, mit einer ähnlichen Sauerstoff-Isotopensignatur (der Mond besteht vorwiegend aus Impaktormaterial, hat aber die gleiche Sauerstoff-Isotopensignatur wie die Erde).
    Dass der Mond vorwiegend aus Impaktormaterial besteht, ist mir neu. Ich war bislang immer der Ansicht, dass der Mond ein Stück herausgeschlagener Erdmantel ist, während Theia mit der Resterde verschmolz. Meine Überlegungen gingen dahin, dass der Wassereismantel infolge des explosionsartigen Verdampfens während des Impakts zusätzliche kinetische Energie freisetzte, so dass das Massedefizit zu einem reinen Eisen-Silikat-Körper, wie er in den Simulationen erwogen wurde, ausgeglichen wurde. Darum meine Frage, ob ein Körper geringerer Masse, dafür aber mit nennenswerten Mengen Wassereis (mehr als 50% des Gesamtvolumens) gleiche Effekte verursachen kann (eventuell muss es dann nicht mehr nur ein "Streifschuss" gewesen sein, wie es sich aus den Simulationen ergibt). Falls ja, dann muss man sich über die gleiche Isotopensignatur nicht wundern, da der verhältnismäßig kleine Silikatkern Theias in Bezug auf den Rest-Erdmantel nicht ins Gewicht fällt.

    Du siehst, was das Problem ist: du kannst deine Hypothese gar nicht falsifizieren, weil du gar nicht weisst, was sie überhaupt voraus sagt. Nicht falsifizierbare Hypothesen sind wissenschaftlich wertlos.
    Na gut, aber es passt doch alles so schön zusammen ...

    Viele Grüße!

  8. #18
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    Dass der Mond vorwiegend aus Impaktormaterial besteht, ist mir neu.
    Sofern man Robyn Canups Simulationen - die besten auf diesem Gebiet, auf die sich alle beziehen - trauen kann, ist das so.

    Meine Überlegungen gingen dahin, dass der Wassereismantel infolge des explosionsartigen Verdampfens während des Impakts zusätzliche kinetische Energie freisetzte, so dass das Massedefizit zu einem reinen Eisen-Silikat-Körper, wie er in den Simulationen erwogen wurde, ausgeglichen wurde.
    Das Gegenteil ist vermutlich der Fall: ein Grossteil der zur Verfügung stehenden Energie (die ja überdies kleiner ist als in Canups Szenario, da deine Theiamasse ja weitaus geringer wäre) geht in die Verdampfung des Wassermantels, statt in die Bildung der Trümmerscheibe... Kannst ja mal berechnen, welche potentielle und kinetische Energie die zwei Mondmassen Trümmermaterial, die gemäss Simulationen zur Bildung des Mondes mindestens nötig sind, besitzen (in einer Höhe von ca. 2-3 Erdradien über dem Erdkern), und wie sie sich mit einem Körper mit einer so kleinen Masse, wie es dir vorschwebt, auf einer hyperbolen Bahn (Fluchtgeschwindigkeit aus dem Sonnensystem auf der Höhe der Erde (=~42 km/s), quasi als Obergrenze möglicher kinetischer Energie) vergleicht. Wenn es knapp wird, kannst du auch noch die Verdampfungsenergie für den Mantel mit einbeziehen...

    Na gut, aber es passt doch alles so schön zusammen ...
    Ja, das war auch schon bei Velikovsky so...

    EDIT: Ich habs jetzt mal selber überschlagen: um gleich viel Energie wie Theia zu übertragen (ohne die Energie, die in die Verdampfung des Wassermantels geht), müsste dein Titan-Gegenstück mit rund 24 km/s relativ zur Erde unterwegs sein - gerade etwas über der Fluchtgeschwindigkeit des Sonnensystems (11 km/s für die Erde + 12 km/s zusätzliche Geschwindigkeit für Fluchtgeschwindigkeit)...
    Geändert von Bynaus (15.07.2008 um 17:44 Uhr)
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  9. #19
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    Ich habs jetzt mal selber überschlagen: um gleich viel Energie wie Theia zu übertragen (ohne die Energie, die in die Verdampfung des Wassermantels geht), müsste dein Titan-Gegenstück mit rund 24 km/s relativ zur Erde unterwegs sein - gerade etwas über der Fluchtgeschwindigkeit des Sonnensystems (11 km/s für die Erde + 12 km/s zusätzliche Geschwindigkeit für Fluchtgeschwindigkeit)...
    Danke dafür. 24 km/s ist doch so viel nicht, wenn man unterstellt, dass der Einschlagkörper die Erde nicht hätte einholen müssen, sondern retrograd die Erdbahn kreuzte. Zumindest scheinen das keine exotischen Voraussetzungen zu sein.

    Ja, das war auch schon bei Velikovsky so...
    Na, na, na ... sooo tief muss man das was ich verfasst habe, ja nun nicht gleich ansetzen ...

  10. #20
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    Hallo Mahananda,

    Zitat Zitat von Mahananda Beitrag anzeigen
    Danke dafür. 24 km/s ist doch so viel nicht, wenn man unterstellt, dass der Einschlagkörper die Erde nicht hätte einholen müssen, sondern retrograd die Erdbahn kreuzte.
    Das erhöht den Grad der Unwahrscheinlichkeit eines exakten Treffers um viele Größenordnungen, da ist mir die L4-Herkunft doch erheblich einleuchtender.

    Herzliche Grüße

    MAC

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