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Thema: Astrobiologie: Experten fordern Suche nach bizarrem Leben

  1. #1

    Standard Astrobiologie: Experten fordern Suche nach bizarrem Leben

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    Science Fiction-Fans wissen es schon seit langem: Leben auf anderen Welten kann vollkommen anders aussehen als wir es von der Erde her kennen. Nun empfiehlt auch der amerikanische nationale Forschungsrat, sich bei der Suche nach Leben in unserem Sonnensystem und darüber hinaus nicht auf uns bekannte und vertraute Formen zu beschränken, sondern auch nach bizarren Lebensformen zu fahnden. (10. Juli 2007)

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  2. #2
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    da werden sich wohl nicht nur die Kohlenstoffchauvinisten grämen, sondern auch die "grünen Schleimer"....

    flüchtige Grüße von Ispom
    Gruß von Ispom

  3. #3
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    Standard Definition

    Gibt es eigentlich eine Definition, wonach eindeutig entschieden werden kann, was Leben ist?

  4. #4
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    Standard

    Hallo pedlov,

    ich zitiere mal aus Eike Libbert (Hrsg.): Allgemeine Biologie, Jena 1986, S. 15 und 18:

    "Leben begegnet uns nur als die Eigenschaft des Lebendigseins bestimmter Systeme, eben der lebendigen Systeme. ... Eine ... Definition beruht auf der Fähigkeit der lebendigen Systeme zur Entropietrennung. ... Das heißt: In den Organismen nimmt die Entropie ab. Der 2. Hauptsatz [der Thermodynamik] bleibt trotzdem gültig, weil durch die Tätigkeit der Lebewesen in ihrer Umgebung die Entropie stärker zunimmt, als sie in den Lebewesen abnimmt (Entropietrennung) - Lebewesen sind nicht abgeschlossene, sondern offene Systeme. Dieser Sachverhalt lässt sich zu einer Definition des Lebendigen erweitern: Lebendige Systeme sind solche, die ihren Zustand sehr hoher Ordnung in einer Umgebung von geringerem Ordnungsgrad selbsttätig aufrechterhalten und vermehren können."

    Aus meiner Sicht ist dies die umfassendste Definition, die ich bisher in der Literatur finden konnte. Sie schließt sog. "bizarre" Lebensformen ein, die sich möglicherweise außerhalb der Erde entwickelt haben.

    Viele Grüße!

  5. #5
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    Standard

    Zitat Zitat von ispom Beitrag anzeigen
    da werden sich wohl nicht nur die Kohlenstoffchauvinisten grämen, sondern auch die "grünen Schleimer"....

    flüchtige Grüße von Ispom
    ... leider geht aus dem Artikel nicht hervor, welche Alternativen zu Kohlenstoff-basiertem Stoffwechsel angedacht sind. Silicium ist aus chemischen Gesichtspunkten jedenfalls keine ernsthafte Konkurrenz. Als bekennender Kohlenstoffchemie-in-Wasser-Chauvinist sehe ich bislang keinen Grund mich zu grämen. :-)

    Viele Grüße!

  6. #6
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    Hallo Pedlov
    Der Frage 'Was ist Leben?' widmet Lee Smolin in seinem Buch 'Warum gibt es die Welt?' ein ganzes Kapitel. Darin wagt er auch eine Definition:
    Ein lebendes System ist
    A. ein selbstorganisiertes Nichtgleichgewichtssystem,
    B. dessen Prozesse durch ein symbolisch gespeichertes Programm gesteuert werden und
    C. das sich einschliesslich des Programms selbst reproduzieren kann.
    Gruss Orbit
    P.S. Sollte man Deinen Nick nicht mit Doppel-L und Doppel-P schreiben?^^

  7. #7
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    Hallo Orbit,

    mit dem Punkt C hätte ich einige Schwierigkeiten, denn bei Mutationen wird nicht das Originalprogramm reproduziert, sondern ein verändertes Programm. Weiterhin: Punkt B ist zu reduktionistisch. Viele Prozesse laufen ohne Programm (z.B. Zellatmung). Das Programm codiert (bei irdischen Lebewesen) nur Aminosäuresequenzen, die sog. "Programmsteuerung" verläuft über Wechselwirkungen zwischen Proteinen auf der Basis von Rückkopplungsmechanismen (biologischer Regelkreis). Das Programm (DNA) ist also nichts weiter als eine Zutatenliste zum Aufbau von Proteinen. Von daher kann man lebende Systeme in ihrer Funktionsweise nicht auf gespeicherte Programme reduzieren. Mir ist aber bekannt, dass das bei Genetik-Freaks derzeit gerade Mode ist.

    Viele Grüße!

  8. #8
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    Hi Mahananda

    Die Definition von Libbert ist schon sehr weit gefasst. Sie ist notwendig, aber keineswegs hinreichend. Auch ein Wasserkraftwerk, oder Kohlekraftwerk ("Verdaut" Kohlenstoff ) würde diese Definition erfüllen aber ist wohl kaum als Lebewesen zu betrachten.

    Definition von Leben ist äusserst schwierig, noch schwieriger die Abgrenzung von nicht lebender Materie. Was exotisches Leben betrifft, von dem man sich bestenfalls bisher theoretische Vorstellungen herleiten kann, erstmal garnicht zu sprechen.

    Die im Artikel angeklungene Gefahr, dass das ausserirdische Leben quasi vor der Nase einer Sonde sitzen könnte, und man es nicht als solches erkennt, halte ich deshalb für ein durchaus häufig zu erwartendes Szenario.

    Es ist sicher richtig Sonden so auszustatten und Landeplätze so auszuwählen, dass nicht nur Kohlenstoffchemie nachgewisen werden kann. Auf der anderen Seite besteht Gefahr sich zu verzetteln. Man kann sich ja vieles chemisch vorstellen, aber es gibt wohl in unserem Sonnensystem noch einige andere Orte, die wir nach herkömmlichen Vorstellungen von Leben absuchen können.

    Wie im Artikel gesagt: Man muss erstmal wissen, wonach man suchen möchte. Und da sind die Erfahrungswerte bei Kohlenstoffchemie noch die besten. Nach irgendwelchem exotischen Material zu suchen halte ich für stochern im Nebel und zumindest zu diesem Zeitpunkt für verfrüht und nicht sonderlich geeignet Spuren ausserirdischen Lebens zu finden.

  9. #9
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    Mal ganz simpel gesagt ist ein lebender Organismus gekennzeichnet durch seine Fähigkeit zur Energieumsetzung (Stoffwechsel), seine Fähigkeit zum Wachstum (sozusagen, die eigene Biomasse zu produzieren) und seine Fähigkeit zur Replikation, also Vermehrung. Beim irdischen Leben geschieht dies durch Zellteilung, beim bizarren Leben vermutlich durch Quantenfluktuationen und Vakuumenergie

    Zitat aus dem Artikel:
    „Allerdings, so die Experten, sei es durchaus vorstellbar, dass in außerirdischem Leben andere Flüssigkeiten die Rolle des Wassers übernommen hätten.“

    Stimmt. Das flüssige Wasser läßt sich auch durch Bourbon-Whiskey ersetzen, wie die „Experten“ des Forschungsrates offensichtlich gerade im heroischen Selbstversuch bewiesen haben. Mannomann – wir wissen zwar nicht was wir suchen, aber das mit aller Kraft! Was für ein Unsinn! Die spinnen, die Amis, um es mal mit Obelix zu sagen.

    Das Tragische daran: statt Millionen Dollars auf der Suche nach außerirdischem bizarren Leben zu verbrennen, könnte man damit auch die Suche nach irdischem gewöhnlichen Leben finanzieren, das am Rande des Existenzminimums dahinvegetiert. Da man gar nicht so lange suchen müßte, um fündig zu werden, würden vielleicht noch ein paar Dollars übrig bleiben, um diesen Menschen in Bürgerkriegen, Hungersnöten usw. zu einem etwas menschenwürdigeren Leben zu verhelfen. *kopfschüttel*

    Gruß
    Garfield

  10. #10
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    Hallo Jonas,

    der Schwerpunkt bei Libberts Definition liegt auf "selbsttätig" - was auf Kraftwerke wohl nicht zutreffend sein dürfte ...

    Zum Thema: Die Gefahr des Verzettelns sehe ich auch. Da im Artikel keine Alternativen zu Kohlenstoff benannt worden sind, ist es mir als Außenstehendem schwer, Einwände zu formulieren. Hinsichtlich der kosmischen Verfügbarkeit ist Kohlenstoff der eindeutige Favorit für lebendige Systeme. Andere, exotischere Elemente kommen wegen der fehlenden Fähigkeit, komplexe Verbindungen zu bilden m.E. nicht in Betracht, selbst das dem Kohlenstoff ähnlichste Element Silicium. Die Wahrscheinlichkeit für Kohlenstoff-basierte Lebensformen dürfte daher am größten sein.

    Dasselbe trifft auf Wasser als Fluidmedium zu. Ammoniak scheidet schon deshalb aus, weil es im Sonnensystem keine Ansammlungen in Gestalt von Seen, Meeren usw. zu geben scheint. Die vermuteten unterirdischen Reservoire auf Titan sind bislang rein hypothetisch. Auf Enceladus konnte lediglich molekularer Stickstoff nachgewiesen werden - aber nichts von den vermuteten Ammoniak-Vorkommen, die den Schmelzpunkt drücken sollten ... Was die Formamide betrifft - die müssen erst einmal in hinreichender Menge entstehen, bevor sich auf deren Basis komplexe Moleküle entfalten können. Und da auf Titan konstant - 180° C herrschen, ist es mit der chemischen Reaktionsfähigkeit und -geschwindigkeit auch nicht zum Besten bestellt. Ich denke, diesen Ansatz kann man getrost vergessen.

    Gut finde ich jedoch, dass man beginnt, die "Grenzen organischen Lebens in Planetensystemen" auszuloten, um herauszufinden, wonach man überhaupt suchen kann, bevor man sich verzettelt.

    Viele Grüße!

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