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Thema: Starlink: IAU besorgt über Satelliten-Konstellationen

  1. #1

    Standard Starlink: IAU besorgt über Satelliten-Konstellationen

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    Seit einigen Tagen sorgt ein neues Projekt des SpaceX-Chefs Elon Musk für Aufregung: eine Satelliten-Konstellation, die im Endausbau aus mehr als 10.000 Einheiten bestehen und globale Internetzugänge ermöglichen soll. Ende Mai wurden die ersten Satelliten gestartet und waren zeitweise sehr deutlich am Himmel zu sehen. Jetzt warnt auch die Internationale Astronomische Union. (4. Juni 2019)

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  2. #2
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    Bei Süddeutsche-Online gibt es heute auch einen Artikel dazu: https://www.sueddeutsche.de/wissen/s...lcon-1.4472381. Dieser liest sich wieder etwas weniger erschreckend, wie der Artikel bei Spektrum.de: https://www.spektrum.de/news/wie-gef...lliten/1648728

    Wirklich irritierend ist der Wunsch noch weiterer Firmen am Aufbau vergleichbarer Netze. Das "schreit" eigentlich in mehrfacher Hinsicht nach staatlicher und vor allem auch internationaler Regulierung und Koordination, um den internationalen sozialen Frieden zu wahren, auch wenn dieses Schlagwort vorbelastet ist.

    Wir hatten das Thema bereits angerissen: https://www.astronews.com/forum/show...nen-drum-herum ab Seite 30 und Beitrags-Nr. 297.
    Freundliche Grüße, B.

    Überhaupt droht ja jedem universelle Geltung heischenden Ansatz die Sphinx der modernen Physik, die Quantentheorie - T. Kaluza, 1921

  3. #3
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    Hallo zusammen,

    Jetzt warnt auch die Internationale Astronomische Union.
    Immerhin scheine ich mich nicht in schlechter Gesellschaft zu befinden, dass ich erst gestern davon erfahren habe.

    Nach erster Kritik hat Musk schon versprochen, sich das Reflexionsverhalten der Starlink-Satelliten noch einmal genauer anzuschauen - viel weiß man darüber nämlich bislang noch nicht.
    Erst starten, dann (vielleicht) überlegen …

    Gleichzeitig weist sie auf die Notwendigkeit einer besseren Regulierung solcher Raumfahrtvorhaben hin, die etwa zu Genehmigungsverfahren führt, bei denen eine mögliche Beeinträchtigung von Wissenschaft und Forschung von Beginn an mit berücksichtigt wird.
    Warum sollte Musk sich mit solchen Bürokratien abgeben ? Ich denke nicht, dass er darauf ausser ein paar netten Lippenbekenntnissen überhaupt eingehen wird, zumal er über die Macht verfügt, diese zu ignorieren.

    Bislang gibt es in den USA kaum Möglichkeiten, den Betrieb solcher Satellitenkonstellationen zu verhindern, da ein durch Lichtspuren gestörter Himmel dem Gesetz nach kein Grund ist, entsprechende Anträge abzulehnen.
    Das indes ist interessant, denn wir sind hier in Europa und das sind von den USA unabhängige Länder mit eigener Gesetzgebung. Wenn man in den USA kein passendes Gesetz hat, so ist das kein Problem, dann muss Musk eben dafür sorgen, dass seine Starlink-Satelliten stets nur über den USA fliegen. Und wenn sie diesen Luftraum verlassen und beispielsweise in denjenigen über Europa eindringen, dann wird man in Europa vermutlich sogar das Recht haben, die Dinger notfalls abzuschiessen, so wie man das mit missliebigen Drohnen auch tun kann. Ist ein bisschen unsympatisch, aber spätestens nach dem Abschuss des dritten Starlink-Satelliten - man kann hier auch durchaus grosszügig sein und ihm den Schaden ersetzen - wird Elon Musk am Verhandlungstisch Platz nehmen.


    Freundliche Grüsse, Ralf

  4. #4
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    Zitat Zitat von Bernhard Beitrag anzeigen
    Bei Süddeutsche-Online gibt es heute auch einen Artikel dazu: https://www.sueddeutsche.de/wissen/s...lcon-1.4472381.
    Kann man noch Kassiopeia, das Sommerdreieck oder auch nur den Großen Wagen finden, wenn dazwischen 12 000 Starlink-Satelliten herumflitzen?
    Hallo zusammen,

    diese Frage ist natürlich polemisch in die andere Richtung: selbstverständlich kann man die genannten "Sternbilder" auch mit 12000 herumflitzenden Starlink-Satelliten erkennen, denn die betroffenen Sterne sind hell und/oder auffällig angeordnet.

    Solche Polemiken sind nicht hilfreich, wenn man sich ein möglichst neutrales und ausgewogenes Bild verschaffen möchte.


    Freundliche Grüsse, Ralf

  5. #5
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    Hallo,

    es ist ja nicht nur Starlink, es sind ja mehrere große Satellitenkonstellationen mit vielen tausenden Satelliten geplant. Besonders die Satelliten über 800 km sind problematisch, da sie die Produktion von Weltraummüll erhöhen.
    Siehe hier Kessler-Syndrom.
    http://aquarid.physics.uwo.ca/kessler/KesSym.html

    Man lese die NASA ODPO's Large Constellation Study vom September 2018 Volume 22 Issue3 auf den Seiten 4-7
    https://www.orbitaldebris.jsc.nasa.gov/quarterly-news/#
    Selbst mit eine sehr hohen Rate der Entfernung alter Satelliten wird das den Weltraummüll signifikant erhöhen.

    Grüße UMa

    Nachtrag: Mehr über Weltraumschrott:
    https://www.skyandtelescope.com/astr...ampaign=buffer

    Nachtrag2: Aus dem Link im Nachtrag. Momentan werden 5 bis 15% der Satelliten deorbitiert. Die 90% worst case der NASA sind also bisher nicht annähernd erreicht. Wie würde die die NASA ODPO's Large Constellation Study wohl mit, sagen wir nur 15%, statt 90%, 95%, 99%, oder 99.9% Deorbitierungsrate aussehen?

    Hier ist der Annual Space Environment Report der ESA:
    https://www.sdo.esoc.esa.int/environ...ort_latest.pdf
    Geändert von UMa (04.06.2019 um 18:24 Uhr)

  6. #6
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    Hallo zusammen,

    ich möchte nun einmal das Pro und Contra zu diesen Starlink-Satelliten auflisten, zunächst noch ohne Wichtung der Relevanz.

    Hier einmal ein allererster Ansatz; damit ich pro Seite 6 Argumente habe sind auch einige "künstlich" anmutende dabei bzw. solche, die man sowohl als "dafür" als auch als "dagegen" werten kann.

    Was spricht dafür:
    (1) weltweiter Hochgeschwindigkeits-Zugang zum Internet
    (2) Förderung der Ausbildung der Einwohner strukturschwacher Gebiete
    (3) Finanzierung bevorstehender Mars-Projekte
    (4) Marktvorteil, da keine Gesetzgebung in den USA, die das verbieten würde
    (5) Konkurrenz hegt ähnliche Pläne
    (6) militärische sowie geheimdienstliche Möglichkeiten zur frühzeitigen Vermeidung von Konflikten


    Was spricht dagegen:
    (1) Schaffung vollendeter Tatsachen
    (2) Behinderung der astronomischen Forschung wegen zahlreicher Satelliten-Durchgänge
    (3) Erhöhung des Weltraum-Schrotts
    (4) angebliche Strahlenbelastung durch 5G, angeblich fehlende Studien betreffend dieser Strahlenbelastung
    (5) mögliche weltweite Verletzung der Privatsphäre von Einzelpersonen
    (6) militärische sowie geheimdienstliche Möglichkeiten zu frühzeitigen militärischen Aktionen Schwächeren gegenüber


    Ich bitte um Ergänzungen der beiden Auflistungen.


    Freundliche Grüsse, Ralf

  7. #7
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    Zitat Zitat von ralfkannenberg Beitrag anzeigen
    Ich bitte um Ergänzungen der beiden Auflistungen.
    Ich vermute hier auch eine gewisse tiefenpsychologische Relevanz -ja, Lachen ist erlaubt.

    Der gestirnte Himmel spricht die meisten Menschen auf eine sehr fundamentale, ästhetische und damit eben auch emotionale Weise an und dieser Eindruck wird durch künstliche Objekte zumindest verändert. Welche Auswirkungen hier massive und vergleichsweise kurzfristige Veränderungen haben, kann mMn niemand mit Gewissheit vorhersagen und auch oder gerade deshalb wäre hier eine gewisse Vorsicht mMn angebracht.

    Ich sehe hier zumindest die Möglichkeit einer Analogie zu den mittlerweile gut bekannten Effekten von Klimaveränderungen auf biologische Nischen.

    Man mag dem Entgegenhalten, dass in einer "durchtechnisierten" Gesellschaft eben kein Platz mehr für derartige Gefühlsduseleien ist. Ich bin mir dabei dann allerdings nicht mehr sicher, wie mehrheitstauglich so eine Ansicht tatsächlich ist.

    Siehe auch: Entspannung beim Blick in den Sternenhimmel auf rauer See (Handelsblatt.com)
    Geändert von Bernhard (04.06.2019 um 19:42 Uhr)
    Freundliche Grüße, B.

    Überhaupt droht ja jedem universelle Geltung heischenden Ansatz die Sphinx der modernen Physik, die Quantentheorie - T. Kaluza, 1921

  8. #8
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    Zum gleichen Thema wird übrigens auch im Forum von raumfahrer.net diskutiert, u.a. auch über diesen Thread.
    Als engagierter und faszinierter Laie freue ich mich über Hinweise, die meinen Horizont erweitern.

  9. #9
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    Zitat Zitat von ralfkannenberg Beitrag anzeigen
    Ich bitte um Ergänzungen der beiden Auflistungen.
    Man kann noch erwähnen, dass es ja auch noch andere Möglichkeiten zur Kolonisierung des Mars gibt, wie z.B. staatliche und eventuell zusätzlich international vernetzte Möglichkeiten. Das würde zwar deutlich länger dauern, käme dafür aber bei ausreichend guter Begründung auch mit deutlich weniger Weltraumschrott aus.

    Warum mit der ersten bemannten Marsmission nicht so lange warten, bis möglichst viele Menschen davon profitieren und nicht nur ein paar privilegierte Individuen?
    Freundliche Grüße, B.

    Überhaupt droht ja jedem universelle Geltung heischenden Ansatz die Sphinx der modernen Physik, die Quantentheorie - T. Kaluza, 1921

  10. #10
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    Eine ähnliche Diskussion gibt es im Zusammenhang mit dem dunklen Nachthimmel - der ist in Städten schon seit dem 20. Jahrhundert völlig verschwunden. Zu sehen ist da bloss noch eine blass orange-graue Kuppel mit ein paar Sternen dazwischen, wenn man genau schaut... Und? Hat das unsere menschliche Existenz von Grund auf verändert? Wohl kaum. Diese Gleichgültigkeit der überwiegenden Mehrheit der Menschheit mag für einen Liebhaber des Nachthimmels tragisch sein, aber die anderen Bedürfnisse (z.B. beleuchtete Strassen, Gebäude etc.) jener Mehrheit gehen offenbar vor. Das ist eine Güterabwägung, bei der die Liebhaber bzw. die Astronomen in aller Regel den kürzeren ziehen (Ausnahmen gibt es nur dort, wo in abgelegenen Gebieten grosse Teleskope gebaut werden und der lokal dunkle Nachthimmel so gesetzlich durchgesetzt werden kann).

    Was nun mit diesen Satellitenkonstellationen geschieht, ist genau das gleiche - bloss auf einem höheren, globalen Niveau. Wir leben nun mal in einer "Stadt" (vorerst noch der einzigen...) der menschlichen Zivilisation - dem Planeten Erde. Das bringt viele Vorteile, aber eben auch ein paar Nachteile mit sich. Und dazu gehört, dass wir von Nebenwirkungen der städtischen Zivilisation - nun eben neu auch Satellitenkonstellationen - umgeben sind.

    Langfristig heisst das wohl, dass alle Astronomie früher oder später in den Weltraum ausgelagert werden wird/muss (teilweise auf die Mondrückseite, wenn man wirklich "Radioruhe" will). Das muss nicht nur schlecht sein. Satellitenkonstellationen bieten da nämlich auch eine Chance: etwa die auf ein gigantisches Interferometer mit einem Durchmesser über jenem der Erde, und einer Lichtsammelfläche, die schnell jene anderer Weltraumteleskope übertreffen könnte. Oder die auf massenproduzierte, entsprechend günstige Raumsonden, die sehr viel grössere Bereich des Sonnensystems erkunden können, als das heute möglich ist.
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