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Thema: Die glorreichen 14 des Planeten Nine

  1. #11
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    Hallo zusammen,

    auch wenn ich hier etwas gegen den P9 anschreibe, so gibt es ein ganz starkes Argument für diesen Planeten, nämlich dann, wenn er entdeckt wird. Mike Brown hat hierfür einen Zeithorizont von ~5 Jahren vorgesehen, von denen erst 3 verstrichen sind.

    Der Planet ist weit entfernt und die scheinbare Helligkeit sinkt mit der 4.Potenz zum Abstand, zudem ist seine Bewegung vor dem Sternenhintergrund sehr langsam. Eine einfache Rechnung soll das verdeutlichen: nehmen wir an, sein Durchmesser ist zehnmal grösser als derjenige der Eris, dann ist seine Oberfläche im Quadrat dazu hundertmal grösser. Und nehmen wir an, sein Abstand ist fünfmal weiter entfernt als aktuell die Eris, dann ergibt das in der 4.Potenz einen Faktor 625, der die ohnehin schon sehr grosszügig geschätzte Oberfläche locker wettmacht.

    Und was die Entfernung anbelangt: ein P9 im gut fünffachen Eris-Abstand bewegt sich 4x langsamer als dieser FarFarOut ! Auch wenn das nun zu stark vereinfacht überlegt ist, so eignet sich das dennoch zur Veranschaulichung: wenn man zur Bestimmung der Umlaufbahn von FarFarOut etwa 3 Jahre brauchen wird, dann ergibt diese Zahl mit 4 multipliziert immerhin 12 Jahre !


    Oder nochmals andere Zahlen: Entdeckungen von KBO im Abstand jenseits von 60 AU werden derzeit genauer analysiert. Bis vergangenes Jahr war die Eris bei 96 AU das am weitest entfernte bekannte Mitglied unseres Sonnensystems; der FarOut wird auf etwa 120 AU Entfernung geschätzt und der FarFarOut, von dem man so ziemlich gar nichts weiss, auf 140 AU Entfernung.

    Für den P9 muss man nochmal deutlich zulegen und auf jenseits der 500 AU-Marke gelangen !



    Freundliche Grüsse, Ralf

  2. #12
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    Ich bin das Zeug jetzt mal ein wenig durchgegangen.
    Mein Eindruck ist, dass die Orbits dieser KBOs und Sednoiden wirklich extrem bemerkenswert sind und einer Erklärung bedürfen, die wohl, egal wie sie ausfallen wird, aufsehenerregend sein dürfte.
    Ob das aber ein P9 ist, ist mehr als fraglich.
    Zustimmung?

  3. #13
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    Zitat Zitat von Alex74 Beitrag anzeigen
    Mein Eindruck ist, dass die Orbits dieser KBOs und Sednoiden wirklich extrem bemerkenswert sind
    Hallo Alex,

    zweifelsohne. Gehen wir mal 20 Jahre zurück - wer hätte da gedacht, einen Planetoiden grösser als Ceres zu finden, dessen hochelliptische Umlaufbahn 2.5-mal ausserhalb der Neptunbahn liegt und über 30x weiter bis fast 1000 AU hinausreicht, dessen Umlaufbahnneigung aber "normal" ist ? Ich spreche hier von der Sedna.

    Und wer hätte gedacht, dass ein Planet gefunden würde, der immerhin bis 100 AU hinausgetragen wird und dessen Umlaufbahn diagonal geneigt ist, also ~45° ? Und hier spreche ich von der Eris.


    Dass die dann hinterher ihren Planetenstatus aberkannt kriegen ist eine bürokratische Sache der IAU, die uns hier nicht weiter zu interessieren braucht.


    Zitat Zitat von Alex74 Beitrag anzeigen
    und einer Erklärung bedürfen, die wohl, egal wie sie ausfallen wird, aufsehenerregend sein dürfte.
    Bei diesen Erklärungen muss man auch immer ein bisschen die "ganzheitliche" Sicht vor Augen haben: was kann man überhaupt entdecken ? Einen immerhin Mars-grossen (!) KBO im Abstand von nur 60 AU, also deutlich näher als aktuell die Eris bei 95 AU, kann man mit den heutigen Methoden nicht entdecken, wenn der an einer ungünstigen Stelle am Himmel steht, beispielsweise in der galaktischen Ebene.

    Ein theoretischer Spezialfall, der ohnehin nicht vorkommen kann ? - Nein: die Makemake hätte 1930 im Rahmen der Pluto-Suche entdeckt werden müssen: sie war hell genug und Clyde Tombaugh war so sorgfältig, dass er sie auch entdeckt hätte. Aber sie stand in der galaktischen Ebene ...

    Das wäre ja was gewesen, wenn man damals statt des "Planeten X" gleich zwei neue Planeten entdeckt hätte; der eine mit ~40000 km Durchmesser gut 3x grösser als der Erde und der andere mit immerhin ~30000 km Durchmesser immer noch gut doppelt so gross wie die Erde.

    Im Übrigen war es Percival Lowell nicht vergönnt, "seinen" Planeten, der auch (zurecht !) seine Initialen im Namen trägt, zu entdecken, da er frühzeitig verstarb; dennoch hätte er ihn entdecken können, denn Pluto war auf einer seiner Fotoplatten. Doch hat er dieses schwache Lichtpünktchen leider nicht weiter beachtet, weil er eben einen viel helleren Planeten erwartet hatte.


    Zitat Zitat von Alex74 Beitrag anzeigen
    Ob das aber ein P9 ist, ist mehr als fraglich.
    Zustimmung?
    Das ist sehr schwer zu sagen: man müsste wirklich beurteilen können, ob ein Beobachter-Auswahleffekt vorliegt, d.h. die derzeit zum Einsatz kommenden Beobachtungstechniken die Entdeckung dieser geclusterten Planetoidenbahnen begünstigt oder nicht.

    Beispiel: nimm an, man weiss irgendwie auch ohne Fernrohr, wie hell die Sterne wirklich sind, kennt also deren absolute Helligkeit. Von blossem Auge kann man ~ 6000 Sterne erkennen und wenn man deren absolute Helligkeit kennt, so stellt man fest, dass nur ~60 Sterne absolut weniger hell sind als unsere Sonne. Somit würde man feststellen, dass 99% aller Sterne heller als unsere Sonne sind. Schwächster Stern an der letzten Stelle ist übrigens 61 Cygni - da sind dann alle bekannten Sterne heller als der.

    Nun kennt man aber Fernrohre und man kennt auch die Sonnenumgebung sehr gut, d.h. man kennt dort alle Sterne, man weiss also, wie hell die Sterne wirklich sind.

    Und ja - in Wirklichkeit sind keineswegs 99% aller Sterne heller als unsere Sonne, sondern nur 5%, und der vermeintlich letztklassierte Stern 61 Cygni gehört in Wirklichkeit zu den 10% der absolut hellsten Sterne ! Das ist also ein typischer Beobachter-Auswahl-Effekt, der zu völlig falschen Resultaten führt.

    Um den nächsten Fixstern, Proxima Centauri, sehen zu können reicht übrigens ein Feldstecher nicht aus, da braucht es ein Fernrohr, und auch Barnhards Pfeilstern vom zweitnächsten Sternsystem von der Sonne erfordert ein Fernrohr, um ihn sehen zu können ! - Die schwachen Sterne sind dann wirklich schwach, während die hellen Sterne sehr weit in den Raum hinausleuchten. Was man intuitiv übrigens auch daran erkennen kann, dass die Brennstoffvorräte der hellen Sterne nach astronomisch kurzer Zeit (~1 Million Jahre) schon aufgebraucht sind, während die Roten Zwergsonnen länger auf der Hauptreihe verbleiben als das Universum alt ist.


    Freundliche Grüsse, Ralf
    Geändert von ralfkannenberg (05.03.2019 um 19:43 Uhr)

  4. #14
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    Moin Ralf,
    ich lese deine Ausführungen zum Thema Kleinplaneten / KBO etc. immer sehr interessiert mit, wenn auch dieser Themenbereich nicht ganz meiner ist.

    Ich möchte nur zwei kurze Anmerkungen machen, die meiner Meinung nach einer Korrektur bedürfen:
    Zitat Zitat von ralfkannenberg Beitrag anzeigen
    Barnhards Pfeilstern
    Du meinst sicherlich Barnards Pfeilstern (ohne „h“) - aber bei den involvierten Barnards und Bernhards hier im Forum sehe ich dir das nach

    [OT]
    Zitat Zitat von ralfkannenberg Beitrag anzeigen
    Was man intuitiv übrigens auch daran erkennen kann, dass die Brennstoffvorräte der hellen Sterne nach astronomisch kurzer Zeit (~1 Million Jahre) schon aufgebraucht sind, während die Roten Zwergsonnen länger auf der Hauptreihe verbleiben als das Universum alt ist.
    Also, ich würde das nicht unbedingt als intuitiv (außer für wenige Eingeweihte) bezeichnen, dass helle Sterne ihre Energie schneller verbrauchen als schwach leuchtende Rote Zwerge.
    Als man noch nicht wusste, wie die Energieproduktion in Sternen verläuft, gab es u.a. auch mal die Idee, dass es Kohlefeuer sein könnte. Klar gibt es je nach Ressourcenvorrat helle und weniger helle Kohlebrände. Alle jedoch eint, dass sie vor dem endgültigen Erlischen noch eine zeitlang glimmen.

    Also, darauf zu schließen, dass helle Sterne über eine größere Entfernung sichtbar sein sollten als schwach leuchtende Sterne, ist intuitiv. Dass es daran liegt, dass die hellen Sterne ihren Brennstoff schneller verbrauchen, finde ich weniger intuitiv - für den Laien.
    [/OT]
    cs, Frank
    frank-specht.de

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