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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Größe des Alls



Horst
04.04.2006, 16:35
So weit ich informiert bin, läßt sich die Größe des Alls etwa so definieren: Die "Wegstrecke", die das Licht seit dem Urknall zurückgelegt hat.
Nun meine Frage: kann es nicht sein, daß es viele Universen, vielleicht gar unendlich viele gibt?
Und in dem Zusammenhang: 1. unendlich viele Urknalle vor dem jetzigen Urknall
2. ständige Urknalle in den einzelnen Kosmen?
Es ist mir klar, daß diese Frage(n) wohl niemand ernsthaft beantworten kann.
Was ich mir indes wünsche ist ein Hinweis auf namhafte Wissenschaftler/Autoren, die solche und ähnliche Vorstellungen hegen.:) :confused:

Bynaus
04.04.2006, 18:35
Die "Wegstrecke", die das Licht seit dem Urknall zurückgelegt hat.

Das Universum ist wesentlich grösser als das: erstens blähte es sich während der "Inflationsphase" kurz nach dem Urknall um den Faktor 10^30 auf, zweitens hat es sich seither beschleunigt ausgedehnt.

Ich verstehe aber nicht ganz, was die Grösse des Alls mit deiner Frage / deinen gewünschten Hinweisen zu tun hat.

Horst
04.04.2006, 21:14
Es geht mir bei meiner/n Fragen darum, darüber zu diskutieren, ob die Überlegung ist das All unendlich, eine "grundlage" hat. Dazu diente die Überlegung, ob es nicht womöglich unendlich viele Kosmen gibt.
Gleichfalls die Überlegung ob es nicht ewig existierte und existieren wird!:mad: :confused:

Bynaus
04.04.2006, 21:52
Es geht mir bei meiner/n Fragen darum, darüber zu diskutieren, ob die Überlegung ist das All unendlich, eine "grundlage" hat. Dazu diente die Überlegung, ob es nicht womöglich unendlich viele Kosmen gibt.

Beides ist möglich - das Universum könnte sowohl unendlich gross (aber nicht unendlich alt) sein, oder aber es könnte eine Vielzahl von "Universen" geben. Es gibt keine Möglichkeit, anhand der heute vorliegenden Daten zwischen diesen beiden Möglichkeiten zu unterscheiden.

Hingegen lässt sich sagen, dass es rund 13.7 Milliarden Jahre her ist, seit das Universum seine heutige Expansion begann, die sich - Irrtum vorbehalten - in alle Zukunft fortsetzen wird.

Alex74
04.04.2006, 22:05
Das beobachtbare Universum ist 13,7 Mrd.Jahre alt da die Welt so lange existiert und Licht von weiter weg uns noch nicht erreichen konnte.
Das Universum dehnte sich aber kurz nach dem Urknall höchstwahrscheinlich inflationär, also schneller werdend, auf.
Dabei erreichte es Überlichtgeschwindigkeit insofern als daß maximal voneinander entfernte Punkte im Universum sich mit mehr als der Lichtgeschwindigkeit voneinander entfernten - was kein Verstoß gegen die RT ist da es der Raum selbst war der sich so schnell ausdehnte.
Mittlerweile expandiert das Universum wieder schnellerwerdend, angetrieben von der Dunklen Energie, einer Art Antigravitation.

Ein Universum kann nicht unendlich groß sein da der Raum dann unendlich stark gekrümmt wäre; außerdem ist der Zeitliche Beginn des Universums mit 13,7 Mrd.Jahren vor heute sehr sicher; Fakt ist auch daß sich das Universum nicht unendlich schnell ausdehnte weshalb seine Größe begrenzt sein muß.

Ich muß aber gestehen daß das mit der Inflation, den Indizien die man dafür vor allem in der Hintergrundstrahlung gemessen hatte und allem was damit zusammenhängt eine sehr mathematische Sache ist die ich nicht vollständig verstehe und daher nur aus dem weitergebe was ich so gelesen habe.

Gruß Alex

PS.: Wenn ich vom Universum rede dann meine ich unser Universum in dem unsere Naturgesetze gelten und in dem unsere Materie und Energie wechselwirken. Alle Parallel-Universen haben per Definition keinen Einfluß auf unser Universum und seine Größe und müssen, obwohl ihre Existenz logisch zwingend ist, daher Spekulation bleiben.

Bynaus
04.04.2006, 23:11
Das beobachtbare Universum ist 13,7 Mrd.Jahre alt da die Welt so lange existiert und Licht von weiter weg uns noch nicht erreichen konnte.

Das stimmt nicht ganz. Kommt sehr darauf an, was man mit "Grösse" meint:

http://www.anzwers.org/free/universe/redshift.html


Ein Universum kann nicht unendlich groß sein da der Raum dann unendlich stark gekrümmt wäre

Nein, denn die Gravitation breitet sich auch nur mit Lichtgeschwindigkeit aus. Das Universum kann nur nicht gleichzeitig unendlich gross und unendlich alt sein (in diesem Fall hätte sich die Gravitation im ganzen Universum verbreitet und die Krümmung wäre unendlich). So "spürt" ein bestimmter Bereich jeweils nur die Gravitation des "sichtbaren" Universums.


Fakt ist auch daß sich das Universum nicht unendlich schnell ausdehnte weshalb seine Größe begrenzt sein muß.

Natürlich könnte man so argumentieren - allerdings ging der Urknall ja nicht von einer dreidimensionalen Punktquelle aus - sondern fand quasi "überall gleichzeitig im Raum" statt, auch wenn dieser Raum beliebig dicht zusammengedrängt war. Wenn man sagt, das Universum hatte damals einen Radius von 10^-x m, dann heisst das, das heute sichtbare Universum hatte diese Grösse. Es könnte aber schon zu diesem Zeitpunkt unendlich gross gewesen sein. Eine schöne Animation zu einem solchen Urknall im unendlichen Universum findet sich auf der gleichen Seite:

http://www.anzwers.org/free/universe/bigbang.html

Alex74
04.04.2006, 23:40
Diese Vorstellungen sind mir ehrlich gesagt zu mathematisch; so betrachtet würde es keinen Unterschied machen ob das Universum immer schon gleich groß war (!) aber die Materie, Energie und Abstände darin schrumpfen.
(Ich glaube Sir Fred Hoyle hatte das ja auch mal postuliert und wurde widerlegt.)
Was die Abstände angeht so ist das aber schön erklärt auf dieser Seite, ist ja aber kein Widerspruch.

Soweit ich informiert bin läßt sich aus der Hintergrundstrahlung recht eindeutig herauslesen daß der Raum nicht unabhängig vom Urknall und der Materie existiert und somit nicht älter ist als der Urknall - aber wie gesagt sind mir diese Rechnungen deutlich zu hoch.


allerdings ging der Urknall ja nicht von einer dreidimensionalen Punktquelle aus - sondern fand quasi "überall gleichzeitig im Raum" statt, auch wenn dieser Raum beliebig dicht zusammengedrängt war.
Wir müssen davon ausgehen daß die Naturgesetze bereits ab der ersten Planck-Zeit-Länge gültig waren (nur auf anderem Energieniveau). Und dann kann das Universum niemals kleiner als eine Planck-Länge gewesen sein, was die Quantenmechanik in dieser Größenordung treibt ist einfach aberwitzig. Beliebig klein geht es also definitiv nicht - nur in den entsprechenden mathematisch-geometrischen Denkkonstrukten zum Aussehen des Universums.

Ein unendlich altes Universum kann man aus sehr vielen zwingenden Gründen ausschließen; einer ist daß die Naturgesetze dann ebenso alt wären und es keine Ursache ihrer Existenz gibt. Damit gäbe es keinen Mechanismus außerhalb unserer Welt der Universen und Naturgesetze schafft. Damit wären wir das einzige Universum. Und die Wahrscheinlichkeit daß dieses dann just genau so ist um Leben hervorzubringen - ich würd mal sagen so viele Nullen passen in unser ganzes Universum nicht hinters Komma.

Gruß Alex

Bynaus
05.04.2006, 00:16
so betrachtet würde es keinen Unterschied machen ob das Universum immer schon gleich groß war (!) aber die Materie, Energie und Abstände darin schrumpfen.

Ich glaube nicht, dass das das gleiche ist, aber ich kann diese Vermutung jetzt nicht an einem konkreten Beispiel belegen.


Und dann kann das Universum niemals kleiner als eine Planck-Länge gewesen sein, was die Quantenmechanik in dieser Größenordung treibt ist einfach aberwitzig.

Stimmt - da hatte ich wohl einfach zu "relativistisch" gedacht.


Ein unendlich altes Universum kann man aus sehr vielen zwingenden Gründen ausschließen

Da stimme ich dir wie gesagt zu.

Raumgleiter
05.04.2006, 02:10
Seht Euch bitte mal http://www.zdf.de/ZDFxt/module/einsteinrela/relativitaet.html "Spezielle Relativitätstheorie/Gleichzeitigkeit/Herleitung" an, als Basis für meine Frage.

Stellt Euch vor, daß der sich bewegende Hohlspiegel ein Punkt im Raum ist, der sich kurz nach dem Urknall mit Inflationsgeschwindigkeit (> c) von einem Beobachtungspunkt weg bewegt. Die Gleichzeitigkeit nach der SRT wäre in dieser Phase verletzt. Oder sehe ich da was falsch?

Kann das einer aufklären?

Horst
05.04.2006, 14:36
Das Alter wird sich wohl in der hier im Thread angegebenen Größenordnung "bewegen". Das gilt natürlich nur für die Zeit nach dem Urknall.
"Vorstellbar" ist immerhin, daß es vor dem Urknall ein Universum gab, das irgendwann "kollabierte". Usw, usw, zurückliegend. Es ist ja wohl nicht "nachvollziehbar", daß aus Nichts ein "Etwas" entsteht. Dies wurde bereits vom Materialisten Lukrez verworfen.
Seit Einstein wissen wir allerdings, daß die scharfe Trennung von Materie und Energie widersinnig ist. Alles nur eine Frage der Betrachtungsweise. Auch wird ja Materie mittlerweile als verdichtete Energie angesehen.
Wie auch immer, vor dem Urknall muß es irgendwelche "Energiefelder" o.a. gegeben haben.
Eine Schöpfung aus dem Nichts ist unlogisch!;)

Bynaus
05.04.2006, 15:22
Eine Schöpfung aus dem Nichts ist unlogisch!

Eine "Schöpfung" ohne Anfang, die immer schon war, ist genauso unlogisch. Denn woher kommt sie? Weshalb existiert sie überhaupt? Es spielt letztlich keine Rolle, ob wir die plötzliche Entstehung des Universums postulieren oder sagen, es gab "vorher" etwas, das schon immer war - keine der beiden Behauptungen lässt sich belegen / wiederlegen und keine kann uns eine befriedigende Antwort über die fundamentalste Frage des Seins liefern: "Warum gibt es überhaupt etwas - und nicht nichts?"

komet007
06.04.2006, 11:20
Ich habe grundsätzlich ein Problem damit, dass das Universum in einem Punkt entstanden sein soll. Der Grund dafür ist die geschichtliche Begründung des Urknalls, die auf der Entdeckung der Expansion des Universums und der daraus geschlossenen logischen Konsequenz beruht, dass folglich, wenn man das Universum rückwärts laufen lassen würde, alles in einem Punkt entstanden sein muss. Was sich seit der Entwicklung (Erfindung) dieser Idee geändert hat, ist die Entdeckung der beschleunigten Expansion des Universums und der daraus zu schließenden Dunklen Energie. Als man schließlich entdeckte, dass annähernd jeder Winkel des Universums gleich aussieht, hatte man grundsätzlich ein Problem mit dem klassischen Urknallmodell und glich die Unzulänglichkeiten mit der Annahme einer inflationären Phase aus.
Die Annahme, dass das Universum einen Urspung hat, steht schon alleine deshalb ausser Frage, dass, wenn man Galaxien in einigen Mrd. LJ Entfernung beobachtet, lässt sich über dahinter liegende Röntgenquellen ermitteln, wie hoch der Anteil von beispielsweise Sauerstoff ist. Die Beobachtungsdaten decken sich mit der Theorie, dass schwere Elemente erst mit zunehmendem Alter des Universums entstanden.
Im Gegensatz zum klassischen Urknallmodell widerspricht nichts der Tatsache, dass dass das Universum genauso gut gleichzeitig überall entstanden sein kann. Das heisst irgendein Impuls (Ursache) hat im Urspung bewirkt, dass das bereits vorhandene Ur-Energieniveau des Universums einen Kondensationsprozess in Gang gesetzt hat, der schließlich zum Urknall, bzw zur Entstehung der für unsere Welt relevanten Energie und Materie geführt hat.
Die Theorie eines inflationären Universums gehört meiner Meinung nach langsam ins Museum, aus dem einfachen Grund, da es eine Verletzung der RT in Bezug auf die Lichtgeschwindigkeit darstellt und nicht ansatzweise ein "Davor" erkennen lässt. Hierbei liest man immer wieder, da man den Grund des Urknalls nicht kennt, das Universums sei aus dem NICHTS entstanden, wie ihr bereits festgestellt habt, kann nichts aus dem Nichts entstehen. Hierbei finde ich die Theorie des Ekpyrotischen Universums wesentlich plausibler und logischer. Es währe wichtig, diese entsprechend weiterzuentwickeln und anzuerkennen oder vielleicht sogar noch zusätzlich Alternativen zu suchen. Die Stringtheorie hat uns bereits neue Wege aufgezeigt, wir müssen nur zugreifen...

komet007
06.04.2006, 13:40
Es geht mir bei meiner/n Fragen darum, darüber zu diskutieren, ob die Überlegung ist das All unendlich, eine "grundlage" hat. Dazu diente die Überlegung, ob es nicht womöglich unendlich viele Kosmen gibt.
Gleichfalls die Überlegung ob es nicht ewig existierte und existieren wird!:mad: :confused:

Wenn man sich die Zukunft unseres Universums ansieht, so wird man feststellen, dass es nicht aufgrund seiner Massen kollabieren wird, wie man bei einem geschlossenen Universums anfangs annahm. Wie sich aufgrund aktueller Beobachtungsdaten immer mehr herauskristallisiert, handelt es sich tatsächlich um ein offenes Universums, das für alle Zeit exandieren.
Dies schliesst meiner Meinung nach eine Annahme mehrerer Universen innerhalb unserer 4-dimensionalen Raumzeit aus, da es sonst zwangsläufig zu einer Verschmelzung und zu einem Gravitationskollaps der Multiversen führen würde (höherdimensionale Universen dabei ausgeschlossen).

Wenn es einen Anfang gab, wird es schlussendlich auch ein Ende geben das folglich so aussehen wird: Der "Motor" unseres Universums, Wasserstoff, wird irgendwann mal zuneige gehen. Ein großer Anteil der baryonischen und nichtbaryonischen Materie wird in Schwarzen Löchern kollabiert sein. Die verbleibende Materie wird sich in der Unendlichkeit des Raumes verlieren und letztendlich wird einfach das Licht ausgeht und das wars dann...

Bynaus
06.04.2006, 14:33
Die Theorie eines inflationären Universums gehört meiner Meinung nach langsam ins Museum, aus dem einfachen Grund, da es eine Verletzung der RT in Bezug auf die Lichtgeschwindigkeit darstellt und nicht ansatzweise ein "Davor" erkennen lässt.

Die Inflation stellt keine Verletzung der RT dar. Es gibt keine Beschränkung für die Rate, mit der sich der Raum ausdehnen kann (sonst wären so Dinge wie Wurmlöcher und Alcubierre-Warp gar nicht möglich). Und dass die Inflation keine Antwort auf das "Davor" gibt, kann man ihr auch nicht vorwerfen: welche Theorie macht das schon? Hier bist du mit dem Ekpyrotischen Universum auch nicht weiter, denn was war es, das die Branenwelt überhaupt erst schuf?

komet007
06.04.2006, 15:18
Hier bist du mit dem Ekpyrotischen Universum auch nicht weiter, denn was war es, das die Branenwelt überhaupt erst schuf?

Eben genau die Frage nach dem "Davor". Eine Bran oder sagen wir mal, ein "Grundenergieniveau" des Universums würde folglich immer existieren. Ein Zusammenstoß zweier Brane würde daraufhin den Ursprung unseres Universums erklären. Dieser Vorgang könnte theoretisch bereits unendlich oft stattgefunden haben unter der Voraussetztung, dass dieser stets symmetrisch ablief und sich Materie und Antimaterie immer dabei gegenseitig vernichtet haben. Irgendwann kam es zu einer Asymmetrie, aus der unsere Materie entstehen konnte. Dass wir existieren ist folglich purer Zufall (oder ein Unfall?).

Bynaus
06.04.2006, 15:33
Ein Zusammenstoß zweier Brane würde daraufhin den Ursprung unseres Universums erklären.

Und woher kamen die Branen? Existierten sie schon immer? Wenn ja - wo ist denn der Unterschied, wenn ich sage, unser Universum ist Teil eines Multiversums, das schon immer existiert hat, und in lokalen Fluktuationen, die zu einem lokalen "Urknall" führen können, neue Universen erzeugt? Damit erklärst du letztlich gleich viel.

Versteh mich nicht falsch: Ich sage nicht, es ist ausgeschlossen, dass die Theorie des Ekpyrotischen Universums zutrifft - ich sage bloss, du erklärst damit auch nicht mehr, als wenn du die herkömliche Urknalltheorie nimmst.

komet007
06.04.2006, 15:40
Es gibt keine Beschränkung für die Rate, mit der sich der Raum ausdehnen kann

Ein Raum ohne Materie oder Energie macht aber keinen Sinn. Wie soll sich nur der Raum ausdehen? Ist doch völlig unlogisch. Wenn dann muss sich Energie bereits mit ausdehnen, was allerdings der RT in Bezug auf die LG widerspricht. Für mich klingt das so, als ob man mit aller Gewalt an der klassischen Urknalltheorie festhalten will, da diese geschichlich verankert ist und als allgemeingültige Lehrmeinung existiert.

Bynaus
06.04.2006, 16:18
Ein Raum ohne Materie oder Energie macht aber keinen Sinn. Wie soll sich nur der Raum ausdehen?

Das macht er ja alltäglich. Diesem Umstand hast du zu verdanken, dass du nicht mit rund 1000 km/h von der Erde weggeschleudert wirst... Zudem hält die Ausdehnung des Raums ja auch heute noch an: wie erklärst du dir denn sonst die Rotverschiebung und Fluchtbewegung der Galaxien?


Für mich klingt das so, als ob man mit aller Gewalt an der klassischen Urknalltheorie festhalten will, da diese geschichlich verankert ist und als allgemeingültige Lehrmeinung existiert.

Natürlich ist die Inflation, die man einfach annehmen muss, nicht "elegant". Es gibt aber zurzeit keine andere Theorie, die die Beobachtungen besser erklären kann (d.h., die alle durch die Urknalltheorie erklärten Dinge erklärt, und auch noch einige Dinge dazu).

komet007
06.04.2006, 16:56
Das macht er ja alltäglich. Diesem Umstand hast du zu verdanken, dass du nicht mit rund 1000 km/h von der Erde weggeschleudert wirst... Zudem hält die Ausdehnung des Raums ja auch heute noch an: wie erklärst du dir denn sonst die Rotverschiebung und Fluchtbewegung der Galaxien?

Stopp, jetzt reden wir aneinander vorbei. Wir sprechen vom Urknall. Du sagst der Raum habe sich mit dem Faktor 10^30 ausgedehnt, dies bezieht aber die Materie oder Energie in die Inflation nicht mit ein. An welchem Punkt kommt dann die Materie in unser Universum?

Bynaus
06.04.2006, 17:14
Wir haben tatsächlich aneinander vorbei geredet. Der Raum hat die Materie bei seiner "Inflation" natürlich mitgezogen, so wie ein aufgehender Hefeteig die Rosinen darin "mitzieht". Im Prinzip das gleiche wie die heutige Expansion, nur um viele Grössenordnungen schneller.

komet007
06.04.2006, 17:23
Wir haben tatsächlich aneinander vorbei geredet. Der Raum hat die Materie bei seiner "Inflation" natürlich mitgezogen, so wie ein aufgehender Hefeteig die Rosinen darin "mitzieht". Im Prinzip das gleiche wie die heutige Expansion, nur um viele Grössenordnungen schneller.

Also mit Überlichtgeschwindigkeit und diese ist lt. RT nicht möglich. :confused:

Bynaus
06.04.2006, 17:34
Also mit Überlichtgeschwindigkeit und diese ist lt. RT nicht möglich.

Es ist nur nicht möglich, sich schneller als mit Lichtgeschwindigkeit gegenüber dem (lokalen) Raum zu bewegen, das ist alles.

Raumgleiter
06.04.2006, 17:42
Aber bei einer überlichtschnellen Inflation wird Materie, also Information , überlichtschnell von einander fortbewegt. Dies ist nach RT nicht zulässig.

Bynaus
06.04.2006, 18:07
Materie ist nicht Information. Information (z.B. Zustand der Materie) wird mit Licht übertragen, und das geschieht nur Lichtschnell. Beweis dafür: es gibt kein Vorgehen, mit dem du und ich zum Zeitpunkt der Inflation hätten Informationen mit Überlichtgeschwindigkeit austauschen können (mal unter der ziemlich hypothetischen Annahme, wir hätten dann eixistert bzw. existieren können).

Longius
06.04.2006, 18:25
Aber bei einer überlichtschnellen Inflation wird Materie, also Information , überlichtschnell von einander fortbewegt. Dies ist nach RT nicht zulässig.

Es werden keine Informationen oder Signale mit Überlichtgeschwindigkeit ausgetauscht.
Nur die Raumzeit selbst expandierte superluminal.

ispom
06.04.2006, 23:11
Eine "Schöpfung" ohne Anfang, die immer schon war, ist genauso unlogisch. Denn woher kommt sie? Weshalb existiert sie überhaupt? Es spielt letztlich keine Rolle, ob wir die plötzliche Entstehung des Universums postulieren oder sagen, es gab "vorher" etwas, das schon immer war - keine der beiden Behauptungen lässt sich belegen / wiederlegen und keine kann uns eine befriedigende Antwort über die fundamentalste Frage des Seins liefern: "Warum gibt es überhaupt etwas - und nicht nichts?"

ich möchte nochmal zurückkommen auf den den Disput über die Frage
„was war vorher – gab es eine schöpfung?“

Ockhams Rasiermesser zufolge ist von mehreren konkurrierenden Theorien, um ein Phänomen zu erklären, immer diejenige die beste (wahrscheinlichste), welche mit weniger unbewiesenen Annahmen auskommte, sozusagen die "einfachste".

Wenn ich die Frage nach dem Ursprung alles Seienden beantworten will, habe ich die Wahl

1.
das Multiversum (die Gesamtheit aller Universen) war immer schon, wird immer sein,
oder
2.
durch einen Schöpfer erzeugt und in Betrieb gesetzt, der Schöpfer wurde durch einen noch potenteren Gott erzeugt, der Schöpfer dieses gottes....

1. ist imho die einfachere erklärung

meint Ispom

ps
„unser“ Universum hatte natürlich seinen Anfang im Urknall und wird sich vermutlich bis in alle ewigkeit verdünnen und verdunkeln...

Horst
07.04.2006, 12:55
Ein Hinweis hier im Thread scheint mir widersinnig, nämlich, daß der Raum von der Materie "mitgerissen" werde. ("Rosinen im Teig") so viel ich weiß entsteht der Raum ja erst durch die Materie, ohne ihm ist er garnicht existent. Wenn es vor dem Urknall keine Materie gegeben haben soll, dann gab es wohl auch keinen Raum. So etwas ist allerdings völlig unvorstellbar, denn wie kann etwas existieren ohne Raum?:confused:

Longius
07.04.2006, 13:05
Hallo Horst,

ich empfehle Dir die Seite von Herrn Müller, da ist alles
sehr gut beschrieben inkl. Higgs-Feld, Symmetriebrechung und alternativen Quintessenz-Modellen.

Gruß

http://www.mpe.mpg.de/~amueller/lexdt_i.html#infl

Macoy
07.04.2006, 22:31
Bei all den guten Theorien und Formeln steht doch eins fest: Die Grösse des Alls ist einfach nur unermesslich und für uns Menschen weder vorstellbar noch erreichbar. Selbst die Entfernung zum Jupiter ist gigantisch, im Galaktischen Maßstab aber unerheblich. Alpha Centauri, nur 4 Lichtjahre entfernt, doch unerreichbar für uns .... Für uns eine unvorstellbare Strecke dorthin
( 37.843.200.000.000 km oder 252.288 AU) ... und das ist nur der nächste stern ... mit 100 km/h bräuchten wir 43.200.000 Jahre bis dorthin , selbst mit 100 km/s brauchen wir 12000 Jahre ... einfach nur unermesslich weit weg

Tomoc
17.04.2006, 01:56
das mit der inflationären phase ist mir auch etwas unklar...
abgesehen, dass es einige widersprüche in dieser theorie gibt, geht das zumindest mir nicht ein:

wenn sich das universum mit überlichtgeschwindigkeit ausgedehnt hat, dann hat sich eben auch die masse mit überlichtgeschwindigkeit fortbewegt... ("rosinen im teig") (hatten wir ja schon)

und da fällt mir jetzt wirklich kein guter grund ein, was das rechtfertigt, so dass es in einklang mit der RT steht...

Bewegt
17.04.2006, 13:18
Ein unendlich altes Universum kann man aus sehr vielen zwingenden Gründen ausschließen; einer ist daß die Naturgesetze dann ebenso alt wären und es keine Ursache ihrer Existenz gibt. Damit gäbe es keinen Mechanismus außerhalb unserer Welt der Universen und Naturgesetze schafft. Damit wären wir das einzige Universum. Und die Wahrscheinlichkeit daß dieses dann just genau so ist um Leben hervorzubringen - ich würd mal sagen so viele Nullen passen in unser ganzes Universum nicht hinters Komma.
@Alex74
Dazu will ich anmerken, das die Wahrscheinlichkeit in einem nicht unendlichen Universum doch noch kleiner wäre als in einem Unendlichen, mindestens um das Verhältnis von Unendlich zu Endlich, dennoch existieren wir, also ist das eventuell ein Hinweis, das wir die Bildung von Leben im Universum überhaupt falsch einschätzen, was meinst Du?

TinoKuBa
06.05.2006, 19:44
Ich persönlich stell mir das universum wie einen Ballon bzw. Kugel vor: Wir "wohnen" auf der Mantelfläche, das Volumen ist mehrdimensionaler Raum, Hyperraum. Man könnte also sagen, dass die Größe des Universums der Durchmesser der Kugel ist. So könnte man auch erklären warum sich das Universum anscheinend immer schneller ausdehnt: Wenn sich das Volumen bzw. der Durchmesser gleichmäßig vergrößert, wird die Mantelfläche weitaus schneller vergrößert.

Diesen Zusammenhang kann man schon mit einfachen Formeln beweisen:
Mantelfläche = Pi mal Durchmesser²

Wenn Durchmesser gleich 1, dann Mantel = 3,14
Wenn Durchmesser gleich 2, dann Mantel = 12,57
Wenn Durchmesser gleich 3, dann Mantel = 28,27
usw...

Maßeinheiten sind jetzt hier nicht wichtig. Man kann aber sehen, dass wenn sich das Universum gleichmaßig ausbreitet, sich die Mantelfläche immer stärker werdend ausbreitet, wie eine quadratische Funktion (Parabel) und daher glauben wir, dass sich das Universum immer schneller ausdehnt. So entfernen sich zwei Objekte, wenn wir den Weg im "Normalraum" (Mantelfläche) zwischen ihnen betrachten, immer schneller voneinander, im Weg durch den Hyperraum entfernen sie sich jedoch gleichmäßig.
Dadurch glaub ich zumindestens dass es in diesem Zusammenhang keine "Dunkle Energie" gibt, da (wie gesagt) sich das Universum gleichmäßig ausbreitet, wir jedoch denken es breitet sich schneller werdend aus.

Oder mach ich da einen Denkfehler? Ich find die Theorie einleuchtend.

Bynaus
07.05.2006, 09:42
Oder mach ich da einen Denkfehler? Ich find die Theorie einleuchtend.

Es gibt ein kleines Problem mit deiner Idee. Die Bewohner einer Oberfläche können versuchen, festzustellen, wie stark ihr "Ballon" gekrümmt ist (z.B., in dem sie die Winkelsumme in Dreiecken bestimmen). Macht man das mit unserem Universum, so kommt heraus, dass es bis an die Messgrenze hinunter sehr "flach" ist, das heisst, entweder ist die Krümmung winzig klein (der Radius des Universums also gigantisch, viel, viel, viel grösser als das sichtbare Universum), oder die Krümmung ist 0, das heisst, das Universum ist "flach" - und dann eben keine Hyperkugel.

TinoKuBa
07.05.2006, 11:05
Ja, an diese Möglichkeit hab ich auch schon gedacht, aber was ist wenn der Radius wirklich gigantisch ist. Wir müssen uns ja vorstellen, das im Hyperraum wahrscheinlich viel mehr Dimensionen vorhanden sind als wir uns vorstellen können. Man könnte ja sagen: mehr Dimensionen --> mehr Platz

Bynaus
07.05.2006, 11:08
Ja, an diese Möglichkeit hab ich auch schon gedacht, aber was ist wenn der Radius wirklich gigantisch ist.

Wie gesagt, diese Möglichkeit besteht. Du hast dann zwar eine geometrische Erklärung für die beschleunigte Expansion - aber du hast z.B. nicht erklärt, warum das Universum sich gleichmässig ausdehnt (der Radius mit konstanter Rate zunimmt). Es könnte ja auch anders sein, gerade weil die Oberfläche viel schneller zunimmt als der Radius.

TinoKuBa
07.05.2006, 11:53
Ich denke es dehnt sich nur der Raum aus, es wird keine Materie bewegt, also ist der Hyperraum, zumindest in den äußeren Bereichen, leer. Wenn sich der Raum einmal ausdehnt wird es nicht mehr aufhören. Es gibt ja Theorien, dass wenn der Raum zu groß ist, die Materie zerrissen wird, aber ich glaub das wir irgentwann allein und einsam sind und man keine sterne mehr siehtm, weil sie zu weit entfernd sind, aber bis es soweit ist gibt es unser Sonnensystem eh nicht mehr.