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Kevin250291
09.07.2012, 19:44
hi
noch mal ne frage dazu. Womit sollte ich besser anfangen.
Mit einer Webcam oder einer Digicam?

Bei Digicam bräuchte ich kein Laptop oder?

Sissy
10.07.2012, 00:58
Hi Kevin,

wenn Dir die rund 150 Euro für ne neue Webcam samt IR-Sperrfilter schon zu teuer sind, laß die Fotografiererei bleiben. Da versenkst im Lauf von 2-3 Jahren tausende von Euro, ehe was richtig gut läuft. Ich spreche aus Erfahrung.

Du kannst am Winzdisplay von ner Digiknipse nicht vernünftig scharfstellen. Du brauchst den Laptopmonitor zum Scharfstellen. Ohne ist Krampf... Sobald Du auf der Kamera am Teleskop rumdrückst (Knöpfles für die Menüführung), verkippt die Kamera, verstellst Du die Schärfe und das Teleskop zeigt in eine andere Richtung. Die Videos der Digiknipsen sind komprimiert. Die lassen sich nicht gut weiterverarbeiten. Du brauchst für Planeten eine Webcam und einen Laptop. Punkt aus Basta.

Das einzige, was mit "Popeldigiknipse" geht, ist Sonne und Mond. Aber auch nur, wenn man die Automatiken abschalten kann und einen Drahtauslöser verwendet...

Ich will Dir nicht den Wind aus den Segeln nehmen. Lern erstmal den Umgang mit Deinem Teleskop und den Himmel mit Deinem Teleskop kennen. Geh zu Teleskoptreffen und in Vereine. Lese Dich durch Foren und in 2 Jahren kannst dann mal ans Planetenfotografieren denken...

Grüße
Sissy

Bernhard
10.07.2012, 07:43
Ich will Dir nicht den Wind aus den Segeln nehmen. Lern erstmal den Umgang mit Deinem Teleskop und den Himmel mit Deinem Teleskop kennen. Geh zu Teleskoptreffen und in Vereine. Lese Dich durch Foren und in 2 Jahren kannst dann mal ans Planetenfotografieren denken...
Hallo Sissy,

ich denke Kevin geht es in erster Linie darum den Rechner vor Ort wegzulassen und da gibt es (wenn ich mich recht erinnere) schon Lösungen, die ich auch schon live gesehen habe. Man braucht dabei, wenn ich mich recht erinnere (Sorry), zumindest einen Auto-Guider und eine DSLR. Zusammen mit einer "guten" Optik bekommt man damit je nach Qualität der Optik (deswegen die Anführungszeichen) auch ohne Laptop schon sehr interessante Ergebnisse.
Gruß

Kevin250291
10.07.2012, 19:16
Hi Sissy
danke für deine Antwort erstmal. Ich will jetzt mir auch noch keine kaufen, ich wollte mich nur schon mal vorab informieren ob auch eine digicam geeignet wäre.
Ich würde ja auch einiges investieren, hab nur kein Laptop, würde mir dann einen "billigen" holen. Könnte ich den die Bilder auch mit der Webcam schießen und vom Laptop auf mein PC ziehen um sie dort zu bearbeiten?
Du hast mir schon mal geschrieben das du noch ne webcam hast die du verkaufen willst. was wäre den der preis wen ich fragen darf?
Kevin

Sissy
11.07.2012, 02:03
Hi Bernhard,

ja, es gibt eine Lösung DSLR mit Videofunktion auf höchste Zoomstufe stellen zum Scharfstellen an einem Stern, dann zurück auf volles Format und aufnehmen. Funzt bei sehr gut eingescheinerten Montierung und kurzen Brennweiten (so ca. 200 - 300 mm) bis etwa 2 Minuten Belichtungszeit recht gut. Ohne Rechner braucht man aber bei längeren Brennweiten auf alle Fälle dann eine standalone Guidingcam (koscht so um die 500 Euro) und einen Guidingport (ST-4) an der Steuerung der Montierung.

Kevin fragte aber nach Webcam, wegen Planetenaufnahmen. Da muß weder eingescheinert werden noch braucht man Guiding, ordentlich einnorden reicht. ;)

Aber man braucht für die Webcam einen Rechner (Laptop) mit USB 2.0 Anschluß...

Grüße
Sissy

Sissy
11.07.2012, 02:58
Hi Kevin,

für Planeten ist das mit Digicams Krampf.

Bilder, die Du mit Webcam und dem Laptop aufgenommen hast, kannst problemlos per USB Stick vom Laptop auf den Rechner zu Hause übertragen und dort weiter bearbeiten. Eine Webcam liefert entweder ein unkomprimiertes AVI, oder Bitmaps. Beides kann auf nen Stick kopiert werden. :)


Du hast mir schon mal geschrieben das du noch ne webcam hast die du verkaufen willst. was wäre den der preis wen ich fragen darf?

Ich hab 2 - ne alte Vesta und ne ToUcam. Die Vesta ist äußerlich extrem vergammelt, bringt aber genau wie die ToUcam ein prima Bild. Für beide habe ich sowol die Plastik-Originaloptik als auch nen 1 1/4" Adapter für das Teleskop.

Beide laufen unter Win XP einwandfrei, werden direkt vom Betriebssystem erkannt und die Treiber vom XP sind sogar besser als die Originaltreiber. :)

Einstöpseln, warten bis sie installiert ist und Aufnahmeprogramm (Giotto 2.21, Freeware) starten. Die ToUcam ist auf Langzeitbelichtung nach SC II umgebaut. Das heißt, es gibt 2 Kabel, die aus der Kamera kommen. Für normale Planetenaufnahmen einfach den USB Stöpsel in den Laptop und gut ist. Für Langzeitbelichtungen bräuchtest Du nen Rechner mit Parallelport (Druckerausgang) und ein (Kauf-)Programm, das die Langzeitbelichtung unterstützt. Z.B. K3CCD-TOOLS. Damit hab ich seinerzeit (als Digiknipsen noch unerschwinglich waren) meine ersten Schritte in die Digitalfotografie gemacht. Langzeit-Webcam ist aber heutzutage nicht wirklich sinnvoll. Da gibt es wesentlich bessere Ergebnisse mit den modernen Digitalkameras...

Falls Du also Interesse hast:

Die Vesta gibts für 40 Euro, die ToUcam für 60 (Optik + 1 1/4" Adapter sowie Porto inclusive). Du bräuchtest nur noch einen 1 1/4" IR-Sperrfilter, falls Du ne Barlow nehmen willst, um die Brennweite zu verlängern und könntest loslegen...

Sonnenflecken (mit Baaderfolie vor Deinem 6" Newton) und Mond sollten auch bei 1,4 Meter Brennweite schon mal richtig Spaß machen. Geht vom Balkon, Garten, Terasse aus und Du hättest mit nem simplen Haushaltsverlängerungskabel auch Strom für nen schwächelnden Akku von nem günstigen Ebay-Laptop ...

Wie man mit so einer Webcam prinzipiell arbeitet, was man bei der Aufnahme und der Bildbearbeitung beachten sollte, erzähle ich in einem Workshop (http://sternwarte-zollern-alb.de/workshops/) im Vorfeld der AME. Das ist zu viel, um es in ein paar Zeilen hier zu erklären... ;)

Grüße
Sissy

Chrischan
11.07.2012, 19:44
Hi Sissy,

zu zwei Punkten möchte ich etwas anmerken:


Für Langzeitbelichtungen bräuchtest Du [...] ein (Kauf-)Programm, das die Langzeitbelichtung unterstützt
Ich arbeite mit wxAstroCapture für Planeten und Deep-Sky. Ist Freeware, bietet reichlich und unterstützt SC-Mods...
Dazu dann noch WcCtrl für's Fein-Tuning... (Aus der gleichen Schmiede gab es auch noch ein Tool um die Firmware der Cam's zu optimieren)


Langzeit-Webcam ist aber heutzutage nicht wirklich sinnvoll. Da gibt es wesentlich bessere Ergebnisse mit den modernen Digitalkameras...Widerspruch! Schau dir mal diesen Thread (http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=137490&whichpage=1#565114) im Nachbarforum an. Deep-Sky mit Webcam und (kleinem) 130/650 Newton.
Ich selbst arbeite bis jetzt nur mit (modifizierten) Webcams. Habe eine SPC900 SC1.5 und eine SPC900 SC3. Gerade mit der SC3 und Schmalbandfiltern ist einiges zu holen. Und selbst ohne Schmalband habe ich schon einige Galaxien, etc. mit einem alt-azimutalem Teleskop (LX90) und max. 30 Sek. Belichtung aufgenommen.
Webcams bieten wirklich reichlich Leistung für relativ wenig Geld. Größtes Manko ist natürlich der kleine Sensor und der 8-bit AD-Wandler.
Die DSLR's haben natürlich auch ihre Daseinsberechtigung in der Astrofotografie, aber etwas ketzerisch würde ich behaupten sie sind in vielen Punkten eigentlich untauglich dafür. Klar, man benötigt keinen Laptop und sie bieten (relativ) viel Sensorfläche für (relativ) wenig Geld, aber wenn man nicht mobil sein muss mit der Ausrüstung... Farbsensor (CMOS), keine Kühlung, sehr tief im Gehäuse liegender Chip, 10-/12-bit AD-Wandler sind so ein paar Nachteile. Fokussieren macht auch nicht immer Spaß damit. Am besten taugt eine DSLR mit Fotoobjektiv piggyback auf dem Teleskope (Als Leitrohr)...
Eine richtige (monochrome) Astro-CCD mit 16-bit AD, Peltier-Kühlung, und ordentlichem Chip reisst allerdings schon ein ordentliches Loch in den Geldbeutel...

Also, meiner Meinung nach hat (fast) jede Kamera auch ihr Motiv und gerade die Webcams geniessen teilweise einen zu schlechten Ruf.

Lieben Gruß,
Christian

Sissy
12.07.2012, 02:52
Hi Chrischan,

Du hast recht. Mit umgebauten Webcams kann man viel anstellen, wenn man sie kennt. Du brauchst halt Darks, Flats und Bildbearbeitungskenntnisse. Aber so wie ich Kevin verstanden hab, hat er (im Moment) noch garkeine Erfahrung. Da ist er mit ner Langzeitbelichtungswebcam und Galaxien ein bissy überfordert. Er soll sich erstmal mit Sonnenflecken, Mondkratern und später Planeten beschäftigen. Das geht mit ordentlich eingenordetem Geraffel. Keine Darks, kein Flat nötig. Da kann er die grundlegende Bildbearbeitungstechniken lernen. Und sich dann hochtasten. Ordentlich Einnorden lernen, Einscheinern lernen, EQ-5 auf Fototauglichkeit optimieren, ein "schnelleres" Teleskop draufsatteln...

Langzeitwebcam ist problematisch für nen "Frischling". Es geht schon los mit der Schnittstelle. Welcher Laptop hat heutzutage noch nen 25 poligen Druckerport? Ich hab noch einen alten, funktionierenden Dell, der einen hat. Dummerweise funzt mit dem aber mein Shoestring USB-Interface nicht fürs Autoguiding. Das will nämlich USB 2.0. Das hat der Dell aber net. Nen 2. Laptop daneben stellen fürs Guiding? Ist ein bissy viel Platz- und Strombedarf. Ohne Autoguiding kann ich mit meinem 150/750 Newton keine 30 Sekunden am Stück belichten, hab ich schon ausprobiert... Kevin hat 1400 mm Brennweite. Ohne Guiding ist da nicht an Deepsky zu denken...


Ich arbeite mit wxAstroCapture für Planeten und Deep-Sky. Ist Freeware, bietet reichlich und unterstützt SC-Mods...
Dazu dann noch WcCtrl für's Fein-Tuning... (Aus der gleichen Schmiede gab es auch noch ein Tool um die Firmware der Cam's zu optimieren)

Das klingt interessant. Das Proggy kannte ich net. Mit kurzen Brennweiten könnte es ohne Autoguiding prinzipiell funktionieren... Wenn Kevin einen dunklen Himmel hat, könnte er so Deepsky mit der ToUcam probieren, sobald er mit der Kamera klarkommt und nen Laptop mit Druckerport ergattert hat...


Schau dir mal diesen Thread (http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=137490&whichpage=1#565114) im Nachbarforum an. Deep-Sky mit Webcam und (kleinem) 130/650 Newton.

ja, sowas habe ich vor 8 Jahren auch gemacht. Von Guiding hatte ich da noch keine Ahnung, ich hab einfach die Webcam in jedes Teleskop gesteckt, das ich in die Finger bekam. Hier hab ich meine damaligen Versuche dokumentiert (http://silvia-kowollik.de/astro/webcam/langzeit.htm)...

Grüße
Sissy

XXSBLACK
28.01.2013, 21:11
Hallo liebe User,
zu diesem bestehenden Thema möchte ich gern eine Frage stellen.
Von einer Freundin habe ich nun erfahren, dass man vom Saturn oder Jupiter gute Bilder machen kann mit einfacher Ausrüstung. Daher wollte ich euch fragen ob meine "Ausrüstung" für mehr als schöne Mondbilder reicht.
Ich habe eine Canon Eos 1100D mit einem Tamron 70-300mm Objektiv (1/2 Makro), Stativ und die Tabletsoftware DSLR Controler (damit kann ich die Kamera über das Tablet steuern). Würde dies für ein halbwegs, erkennbares Bild eines Planeten reichen? Das Problem mit der Lichtverschmutzung ist mit bekannt, deshalb würde ich auch mal dafür die Situation nutzen wollen wenn ich 2-3 Mal im Jahr Urlaub in Österreich mache. Auf einen Berg und den Versuch starten. Jedoch bevor ich den Versuch starte möchte ich wissen ob es sich lohnt mit dieser Ausrüstung auf 1500-2000m auf einen Berg zu wandern.
Die Belichtungszeit ist durch das Stativ und die Tabletsoftware kein Problem. Somit auf alle Fälle die längste Belichtungszeit wählen oder? Habt ihr sonst noch Tipps welche Einstellungen (ISO, Blende, Betonung, Farbe, etc.) hilfreich wäre? Ach ja und die ursprüngliche Frage die nur indirekt gestellt wurde ist: Ist die Ausrüstung für ein Amateurbild mit ein klein, wenig Sichtbarkeit der Details eines Planeten ausreichend?

LG Norman

Chrischan
28.01.2013, 22:41
Hallo Norman,

bei Planeten wirst Du mit 300mm keinen Spass haben. Und dein Tamron Objektiv wird vermutlich auch nicht die nötige Auflösung bieten um wirklich etwas zu erkennen. Also mit Glück kann man die beiden Haupt-Wolkenbänder bei Jupiter und bei Saturn den Ring erahnen...

Bei Planeten sollte die Belichtungszeit übrigens nicht die längste sein, sondern eher im Gegenteil. Die Planeten sind meist recht hell und was die Aufnahmen am ehesten ruinieren kann ist das Seeing, welches sich mit möglichst kurzen Belichtungszeiten teilweise umgehen lässt.

Gruß,
Christian

XXSBLACK
28.01.2013, 23:53
Ich dachte es mir schon :-) Ich glaube egal von welchem Hersteller ein max. 300mm Objektiv ist...das ist zu wenig! Bei einer DSLR lohnt es sich eigentlich ein "spezielles" Objektiv (ich sage mal ab 600mm) zu kaufen oder ist man mit einem Teleskop welches einen digitalen Ausgang (ich hoffe das ist richtig) besitzt besser beholfen?

LG Norman

Chrischan
29.01.2013, 10:03
Hallo Norman,

für Planeten solltest Du als "spezielles Objektiv" ein Teleskop einsetzen. Das hat zwei Vorteile gegenüber Teleobjektiven:
1) im Allgemeinen eine größere Öffnung, d.h. es wird mehr Licht gesammelt (kürzere Belichtungszeiten möglich) und die Auflösung ist besser (kleinere Details werden sichtbar)
2) meistens eine größere Brennweite bis hin zu mehreren Metern (größeres Abbild des Planeten auf dem Kamera-Chip)

Dafür werden übrigens keine speziellen Teleskope benötigt! Eine Kamera wird einfach mittels Adapter wie ein Okular an das Teleskop angeschlossen. Bei einer DSLR wird das Teleskop dabei zum (Tele-) Objektiv.

Für Planeten eignen sich m.M.n. DSLR's nur sehr bedingt. Der typische Ablauf der Planetenfotografie sieht meistens eher so aus:
1) Kamera an das Teleskop und auf möglichst kurze Belichtungszeit einstellen
2) Aufnahme eines Films(!) über mehrere Sekunden bzw. Minuten (als Ergebnis sind möglichst viele Einzelbilder gewünscht)
3) Stacken des Films bzw. der Einzelbilder des Films zu einem einzelnen Bild

Hintergrund für dieses Vorgehen ist in erster Linie das Seeing (Luftunruhe). Der aufgenommene Film besteht aus einzelnen Bildern. Bei einer Einstellung von z.B. 5 B/s enthält ein 1-minütiger Film insgesamt 300 einzelne Bilder. Beim Stacken werden vom Programm zuerst die qualitativ schlechtesten Bilder (verschwommen durch das Seeing) aussortiert und aus den besten Bildern ein Gesamtbild gemittelt.

Eine Nachführung des Teleskops ist bei der Planetenfotografie zwar hilfreich, aber wegen der kurzen Belichtungszeiten nicht unbedingt notwendig.

Planetenfotografie unterscheidet sich eben sehr von der Deep-Sky-Fotografie!

Gruß,
Christian

XXSBLACK
30.01.2013, 18:48
Vielen Dank Chrischan :-)
So ich hatte grad mal die besagte Freundin die ich im Eingangspost erwähnt hatte hierher verwiesen.
Habe noch ein paar Fragen^^ Und zwar in welcher Preisklasse befinden sich die geeigneten Teleskope und hast du wenn enventuell eine Empfehlung? Dann noch eine weitergereichte Frage an mich die ich stellen soll....ist auch so ein "billig"Teleskop ausreichend?
LG Norman

Sissy
30.01.2013, 19:05
Hallo Norman,

bei der Planetenfotografiererei (bzw. Filmerei) brauchst mindestens 3 Meter effektive Brennweite, damit Du auf dem Planet Details erkennen kannst. Soooo lange Teleskope sind unpraktisch. Daher nimmt man entweder ein kürzeres Teleskop und verlängert die Brennweite durch eine Barlow-Linse oder Okularprojektion, oder man nimmt ein Teleskop, bei dem die erforderliche Brennweite durch Reflektion an mehreren Spiegeln in relativ kurzer, gedrungener Bauweise erreicht wird - das sind dann RC oder SC Teleskope sowie Schiefspiegler. Die Minimumöffnung für "schöne, große" Planetenbilder ist 150 mm. Oder 6", wie wir Amateurastronomen sagen.

Man nimmt auch keine Einzelbilder mit einer DSLR auf sondern minimum 900 Bilder mit einer astrotauglichen Webcam oder einer besseren Kanmera. Je nach Luftunruhe sind davon dann 5 - 25% brauchbar. Die werden im Rechner durch spezielle Software übereinander gelegt (gestackt) und das entstandene Summenbild dann kräftig durch die Bildbearbeitung gejagt. Diese Bildbearbeitung hat überhaupt nichts mit dem zu tun, was man an einem Urlaubsbild oder Portrait nachträglich retuschiert.

So als "Hausnummer" was da an Kosten entsteht:

- ca. 1000 Euro für eine parallaktische Montierung, das Stativ und die Motoren/Steuerung
- ca. 300 Euro für das Teleskop (6" Newton f=5) mit ordentlichem Okularauszug und kleinem Fangspiegel
- ca. 150 Euro für die Webcam und einen UV-IR Sperrfilter oder
- ca. 500 Euro für ne bessere Farbkamera oder
- ca. 700 Euro für ne bessere s/w Kamera + Filterrad + Filter
- ca. 100 Euro für eine Barlow-Linse oder
- ca. 200 Euro für einen Okularprojektionsadapter mit allen Teilen + Okular
- ca. 100 Euro für nen gscheiten Akkupack für die Stromversorgung von Montierung und Laptop
- ca. 450 Euro für nen Laptop mit genügend viel Arbeitsspeicher, Festplattenkappazität sowie USB 2.0 Port(s)
- nix für das Aufnahmeprogramm (Freeware)
- nix für das Bildbearbeitungsprogramm (Freeware)

Die richtig tollen Planetenbilder sind jedoch mit Teleskopen mit 9" und mehr gemacht. Da kostet dann alleine das Teleskop mehrere tausend Euro. Und die Montierung dann auch noch mal so viel, denn diese Teleskope sind schwer und stellen andere Anforderungen an die Montierung als ein popeliger 6" Newton.

Es geht etwa um 1/3 billiger, wenn man sich über die diversen Astronomie Foren das Zeug einzeln (mit Sachverstand) zusammenkauft ;) und (fast) umsonst, wenn man in einer Sternwarte Mitglied wird. :D

Grüße
Sissy

Chrischan
30.01.2013, 19:36
Hallo Norman,

Sissy hat Dir ja schon deine Fragen beantwortet, aber im Nachbarforum habe ich gerade einen für dich interessanten Thread entdeckt: Link (http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=145709)
Jupiter mit einem 130/900 Newton und einer Canon DSLR...

Die Ergebnisse erscheinen mir für die Ausstattung allerdings oberstes Niveau.

Gruß,
Christian

XXSBLACK
30.01.2013, 19:44
Erstmal Danke Sissy :-) Da kommt ja wirklich schon einges an Kosten zusammen. Ist das auch noch eine "Amateurausrüstung" oder dann doch schon eher für Amateur mit Willen zum Professionellen?
Wie Chrischan schon schrieb sind DSLR ja nur bedingt einsetzbar und vermutlich nur die Notlösung. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich jetzt nicht planen will (zumindest momentan) die Menge an Geld auszugeben. :-(
Ich denke für dich als Fortgeschrittene würdest du eher von der DSLR-Teleskopvariante abraten oder?
Ich sollte noch erwähnen ich möchte halt eigentlich schöne Bilder vom Saturn mit Ringen zum Beispiel. Ich verstehe auf alle Fälle das eine grosse Detailtreue absolut nicht möglich ist. Also wird es sicherlich mit meiner Variante nichts oder?

Chrischan vielen Dank für den Link :-)

Sissy
30.01.2013, 23:11
Hi,


Ist das auch noch eine "Amateurausrüstung" oder dann doch schon eher für Amateur mit Willen zum Professionellen?

das ist Amateurausrüstung im unteren/mittleren Preissegment.

Normalerweise kauft man sich als "Einsteiger" ne Montierung und ein Teleskop, was vom Gewicht/Hebel gut draufpaßt und lernt den Himmel kennen. Das gibts ohne Motoren/Steuerung neu so um die 500 Euro aufwärts. Hält ein Leben lang, wenn man pfleglich damit umgeht.

Wenn man dann nach ein paar Jahren den Himmel kennt, kommt der Wunsch nach Fotos. Dann wird die Montierung mit Motoren und Steuerung versehen. Kostet gebarucht so ca. 200 Euro. Und kauft sich noch ne Webcam für Planeten.

Damit spielt man ne Weile. Dann ist man angefixt und will mehr. Also gibt man mehr Geld aus. Bessere Kamera. Oder gleich größeres Teleskop, größere Montierung, bessere Kamera. Je nach finanzieller Situation und Platz ... :)

Ich hab im Lauf meines Amateurlebens (das sind jetzt 20 Jahre) 3x ne Montierung gekauft und 5 verschiedene Teleskope. Für jeden Zweck die richtige Brennweite, so gut wie alles gebraucht. Und die richtigen Kameras, auch gebraucht. Steht jetzt alles im Arbeitszimmer und auf dem Balkon. Das älteste Teil hat 30 Jahre auf dem Buckel und tut wie am ersten Tag. Hab dafür insgesamt etwa 5.000 Euro ausgegeben. 20 Jahre durch 5.000 Euro = 250 Euro im Jahr. Na, siehst jetzt die Relation? ;)

Freunde von mir geben jedes Jahr fürs Skiefahren im Schnitt 2.000 Euro pro Nase aus. Neue Skie, neue Stöcke, neue Stiefel, neue Klamotten, Schneebrille, Liftpass, Hotel, Reisekosten...

Mein Geraffel steht auf dem Balkon und ich kann jede klare Nacht ohne anfallende Kosten ausnutzen...


Ich denke für dich als Fortgeschrittene würdest du eher von der DSLR-Teleskopvariante abraten oder?
Ich sollte noch erwähnen ich möchte halt eigentlich schöne Bilder vom Saturn mit Ringen zum Beispiel. Ich verstehe auf alle Fälle das eine grosse Detailtreue absolut nicht möglich ist. Also wird es sicherlich mit meiner Variante nichts oder?

DSLR + Teleskop + Planeten is Kappes.

Detailtreue? Aber ja doch. Dazu muß das Teleskop nur gut justiert sein, der Spiegel ohne gröbere Fehler und gut an die Umgebungstemperatur angepaßt. Dann noch ruhiges Seeing, Geschick bei der Bildbearbeitung und Du bekommst fantstische Bilder mit viel Detail... Guck mal hier (http://www.sternwarte-zollern-alb.de/mitarbeiterseiten/kowollik/index.htm), das sind meine gesammelten Planetenbilder. Mit unterschiedlichen Teleskopen/Kameras und an verschiedenen Standorten...

Die Mitgliedschaft in einem Astroverein/Sternwarte, Nutzung der dort vorhandenen Teleskope + Kauf einer Webcam (150 Euro) ist die günstigste und beste Alternative zur privaten Anschaffung des teuren Geraffels. Da hast alte Hasen, um von denen den Umgang mit der Technik rund um Teleskope zu lernen, Planeten gehen mit fast jedem Teleskop selbst unter Großstadthimmel.

Es gibt in jeder größeren Stadt Sternwarten, auch in kleinen Städten gibt es die. Hunderte. Und jede Menge Astronomievereine ohne Sternwartengebäude, aber mit Vereinsteleskopen. Schau mal hier (http://www.astronomie.de/gad/) rein. Da sind sie nach Postleitzahlen sortiert...


Grüße
Sissy

FrankSpecht
31.01.2013, 03:26
Moin Sissy,
ich kann dir vollkommen zustimmen.

Hier mal ein Bild von mir von Saturn mit 1000mm Brennweite (Refraktor 90/1000 + Webcam):
http://www.frank-specht.de/astronomy/images/saturn/20040517-saturn.jpg

Und hier eines mit 2000mm (Reflektor 200/2000 + Webcam):
http://www.frank-specht.de/astronomy/images/saturn/20030109-saturn.jpg

Beide Bilder wurden mit Hilfe der Software "Giotto (http://www.giotto-software.de/)" bearbeitet! Aber ohne Kenntnis der wesentlichen Parameter klappt das nicht.

Mit einer DSLR kann man ohne Software aber zuerst mal Sternbilder gut erfassen.
Vielleicht sollte man hier ansetzen, um zum Astrofotografen zu werden?

Bernhard
31.01.2013, 15:34
Mit einer DSLR kann man ohne Software aber zuerst mal Sternbilder gut erfassen.
Für Stimmungsaufnahmen inklusive Milchstraße braucht man doch nur ein Stativ und 30s draufhalten. So etwas ist schön anzusehen, würde ich aber noch nicht wirklich zur Astrofotografie rechnen. Deinen Saturn bei 2m Brennweite finde ich da schon deutlich interessanter.
MfG

FrankSpecht
01.02.2013, 02:56
Moin Bernhard,

Für Stimmungsaufnahmen inklusive Milchstraße braucht man doch nur ein Stativ und 30s draufhalten.
Ja, genau. Das reicht für den Anfang allemal.


... würde ich aber noch nicht wirklich zur Astrofotografie rechnen.
Ich schon ;)
Weil: Auf solchen Aufnahmen könnten bspw. bereits Kleinplaneten oder Kometen drauf sein, die 99,999% der Menschheit überhaupt nicht zur Kenntnis genommen haben.
Selbst einige professionelle Astronomen an der ESO und sonstwo machen, wenn sie Zeit und Lust haben, genau solche Aufnahmen (natürlich auch, weil der Himmel dort extrem klar ist). Professionelle Astronomen, die auch noch Hobbyastrofotografen sind, nehmen gar ihr privates Geraffel mit zu ihrem Arbeitsumfeld. Siehe z.B. Mischa Schirmer hier: http://www.astro.uni-bonn.de/~mischa/
Er arbeitet derzeit, wenn ich mich richtig erinnere, am Gemini Observatory (8-Meter-Spiegel) in Chile.

[EDIT] Noch besseres Beispiel, das mir gerade einfällt: Komet C/2006 P1 McNaught (https://www.google.de/search?q=comet+mcnaught+eso&hl=de&client=firefox-a&hs=Z0R&tbo=d&rls=org.mozilla:de:official&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ei=ZCILUZKTA8XItQa8_oGIBg&ved=0CAoQ_AUoAA&biw=1680&bih=875).
Viele Aufnahmen stammen von normalen DSLR mit normalen Teleobjektiven.


Deinen Saturn bei 2m Brennweite finde ich da schon deutlich interessanter.
Danke! Aber mein Fehler: Das Teleskop stimmt schon (Celestron C8) mit 2000mm Brennweite. Aber es kam noch 'ne Barlowlinse (2,5fach) hinzu und bei der abschließenden Bearbeitung eine Superresolution (Drizzling) auf die zweifache Größe des Originalbilds! :D
Also, im Original ist die Aufnahme viel kleiner!

FrankSpecht
10.02.2013, 02:27
Moin,

Ich habe eine Canon Eos 1100D mit einem Tamron 70-300mm Objektiv (1/2 Makro), Stativ und die Tabletsoftware DSLR Controler (damit kann ich die Kamera über das Tablet steuern). Würde dies für ein halbwegs, erkennbares Bild eines Planeten reichen?
Das Wetter ließ es bisher nicht zu, aber vergangene Nacht habe ich empirisch zeigen können, dass dein Objektiv nicht reicht, um ein "erkennbares Bild" eines Planeten (vor allem der Gasriesen) zu erbringen:
http://www.frank-specht.de/astronomy/images/deepsky/2013-02-09-2230-2014.jpg

Rechts neben dem überbelichteten Planeten Jupiter siehst du seine Monde Callisto, Europa und Ganymed.
Verwendet habe ich für diese Aufnahme eine Canon EOS 300D; 6 x 30,0 sec; f/20; f=263mm, ISO 3200 + parallaktische Montierung (!).
Ohne parallaktischer Montierung wirst du den Planeten höchstens als Lichtpunkt abbilden.

Sissy
13.02.2013, 05:07
Hi Frank,

da hast sehr schön gezeigt, wie klein Jupiter mit 300 mm Brennweite rauskommt. :)

Für Deepsky dagegen sind "popelige" 300 mm Brennweite schon was feines. Ich hab seit September 2012 viele Aufnahmen mit der Brennweite gemacht. Aber net mit feststehendem Stativ, sondern huckepack auf einer parallaktischen Montierung. Und Autogeguidet. Jep, nu hab ich das Autoguiden zum Laufen gebracht und "entdecke" eine völlig neue Dimension am Himmel. :D

Mach aus der Stadt raus H-Alpha Aufnahmen (http://www.sternwarte-zollern-alb.de/mitarbeiterseiten/kowollik/nebulae/orestegor/index.htm) von Nebeln mit meiner 450Da. :)

Statt teurem Teleskop sitzt nur das Fotoobjektiv (bei Ebay für 35 Euro ersteigert) und daneben ein 8x50 Sucher zusammen auf einer Prismenschine. Im Sucher steckt meine Planetenkamera (die hab ich kurzerhand zweckentfremdet) und der Laptop generiert per Guidemaster und einem USB-Interface die ST-4 Impulse für die Steuerung...

Die Bildbearbeitung bin ich erst noch am Lernen, aber es macht riesig Spaß!

CS
Sissy

FrankSpecht
13.02.2013, 10:42
Moin Sissy,
vielen Dank!

Für Deepsky dagegen sind "popelige" 300 mm Brennweite schon was feines.
Da hast du vollkommen recht. Und nicht nur für Deepsky, sondern auch für das Ablichten von Asteroiden oder Kometen ist diese Brennweite geeignet.
Daher freue ich mich auch schon auf die Kometen Panstarrs (C/2011 L4) im März und ISON (C/2012 S1) Ende des Jahres ;)

FrankSpecht
10.03.2014, 02:20
Moin,

Ich habe eine Canon Eos 1100D mit einem Tamron 70-300mm Objektiv (1/2 Makro), Stativ und die Tabletsoftware DSLR Controler (damit kann ich die Kamera über das Tablet steuern). Würde dies für ein halbwegs, erkennbares Bild eines Planeten reichen?
Um nochmals für Einsteiger zu vertiefen, warum es keine gute Idee ist, mit Teleobjektiven Planetendetails hervorheben zu wollen: Heute habe ich mal meinen lang gehegten Wunsch erfüllt der Frage nachzugehen, ob man mit einer DSLR + f=300 mm vielleicht die Wolkenbänder im NEB und SEB des Jupiter ablichten kann.
Man kann, wenn auch mit ein paar Tricks in der Bildbearbeitung verbunden!

Siehe: http://www.frank-specht.de/astronomy/images/moon/2014-03-09-054.jpg

Die Ausrüstung für dieses Foto war:
Canon 100D + Sigma APO 70 - 300 mm
5x 1/320 sec; f=300 mm; f/8; ISO 200
Plus eine gut genordete parallaktische Montierung.

Die Aufnahmen wurden 8fach(!) digital nachvergrößert, um sie genauer zur Deckung zu bringen und überhaupt etwas zu erkennen.
Und schön ist das Bild nicht wirklich :rolleyes:

Aber immerhin: Man kann die Wolkenbänder erahnen und sogar erkennen, dass Jupiter abgeflacht ist!