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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Facharbeit zur Messung der Lichtgeschwindigkeit nach Olaf Römer



btsky
22.11.2011, 22:08
Hallo,

ich bin ein Schüler eines Gymnasiums und gehe momentan in die 12. Klasse. Wir sollen demnächst eine Facharbeit vorbereiten und Ende März abgeben.

Ich habe mir dein für meinen Physikleistungskurs ein Thema auszusuchen und da ich mich sehr für Astronomie und Astrophysik interessiere habe ich mich mal erkundigt und bin dann über Herrn Römer gestolpert, welcher durch die Beobachtung eines Jupitermondes die Lichtgeschwindigkeit gemessen hat.
Meine Frage ist jetzt: Wäre es möglich solch einen Versuch nachzustellen? Das Problem an der ganzen Sache ist, dass ich nur 3 Monate Zeit für die Facharbeit habe und Olaf Römer den Versuch über ein halbes Jahr durchgeführt hat, damit er genau 2 mal den Erdlaufbahn-radius als zusätzliche Entfernung zum Jupiter hat. Wäre die Berechnung auch innerhalb von 3 Monaten machbar.

Also mein eigentliches Dilemma ist:
Ist meine Idee eine totale Schnapsidee, oder sogar machbar?

Danke im Voraus

Infinity
22.11.2011, 23:25
Ist meine Idee eine totale Schnapsidee, oder sogar machbar?

Es ist durchaus machbar, allerdings würde ich es Dir für eine schulische Facharbeit abraten. Ich hatte meine Facharbeit zwar nicht im Bereich Physik gemacht, aber auch wissenschaftsbezogen und ohne Eigenexperimente. Und ich denke, dass ein derart aufwendiger Versuch wie der von Rømer doch etwas zu viel ist, mal ganz zu schweigen davon, dass er damals fälschlicherweise annahm, dass Io eine konstante Umlaufzeit um Jupiter hat.

Du müsstest es in etwa wie hier (http://www.muenster.de/~ullwer/P-Buch/Optik/Lichtausbreitung/roemer.htm) beschrieben nachmachen. Rømer hatte den Jupiter und Io beobachtet, als die Erde und Jupiter so ziemlich in Opposition waren. Von der Konstellation wusste er auch. Die letzte Opposition war im vergangenen Oktober, wir sollten uns also inzwischen allmählich von ihm entfernen, dennoch ist er aktuell gut zu beobachten. Dem angegebenen Link folgend würdest Du auch mit drei Monaten eine gut erkennbare Zeitdifferenz ermitteln: denn davon ausgehend, dass Rømer nach einem halben Jahr eine Zeitdifferenz von einer viertel Stunde beobachtete, wobei Io rund 1,8 Tage für einen Umlauf braucht, ist die Verschiebung unschwer zu sehen. Daraus die Lichtgeschwindigkeit zu berechnen kann ich selber jetzt nicht und ich weiß auch nicht, ob Du das kannst, aber ich denke, dass das kein Kinderspiel ist.

Hinzu kommt noch, dass Du über ein gutes Teleskop verfügen musst, mit dem Du sowohl Jupiter als auch einen seiner Monde beobachten kannst, und dass ihr klares Wetter haben müsst - was bei mir bedauerlicherweise im Moment nicht der Fall ist - zu viel Nebel, zu viele Wolken und Lichtverschmutzung.

btsky
23.11.2011, 17:22
Danke, dass du mir den Aufwand klar gemacht hast. Das ist nämlich genau das, worüber ich mir nichts vorstellen konnte.
Ich denke, dann ist es tatsächlich eine schlechte Idee für mich.

Gäbe es denn irgendwelche anderen Themen, die ich in meiner Facharbeit machen könnte (in Richtung Astronomie/Astrophysik)? Weil das interessiert mich einfach am meisten.
Ich habe mal nach meinem Teleskop geschaut und es ist wirklich sehr alt.
Drauf steht:

Bresser Optik Refraktor Teleskop

Art-Nr.: 45-10000
Art-Nr.: 45-11200
Art-Nr.: 45-11300
Art-Nr.: 45-11400

Refraktor-Teleskop
empfohlen von Prof. H. Kaminski für den astronomischen Beginner

Was könnte ich damit alles anstellen um ein gutes Facharbeitsthema zu finden?

Infinity
23.11.2011, 18:28
Hallo btsky,

im Prinzip kannst Du natürlich, solange es von Deinem Lehrer keine Einschränkungen gibt, alles wählen, was Dir lieb ist. Es kommt auf den Aufwand an, dass Dein Vorhaben nicht zu schwierig wird. Um nochmal kurz auf das Experiment von Rømer zurückzukommen: selbst sein errechneter Wert für die Lichtgeschwindigkeit hatte immer noch einen Fehler von über 30 Prozent.

Wie wäre es mit dem Mars? Ich hatte mal eine knapp 90 Minuten andauernde Präsentation (also keine Facharbeit) über ihn gehalten. Du könntest zum Beispiel auch, nur mal als kleiner Vorschlag, einen Abschnitt über Amateurastronomie in die Arbeit einbauen und in Form von eigenen Bildern mit eigenem Teleskop die Motivation gleich mit verpacken, um dem Leser zu zeigen, was man alles mit diesem oder jenem Teleskop so alles erkennen kann, richtet man es in Richtung Planet aus. Wenn ein Planet wirklich interessant ist, dann ist es doch wohl, abgesehen von der Erde, der Mars. Meinst Du nicht auch? Da ich damals aber noch in der Sekundarstufe I war, war diese Arbeit natürlich noch nicht so, wie man es in der Sekundarstufe II machen muss. Noch weiter vorher hatte ich auch einen Vortrag zur Sonne, Kernspaltung und Kernfusion sowie ein anderes Mal über die Ariane-Raketen und -Programme gemacht. Einer meiner Geschwister hatte einen Vortrag über das Apollo-Programm und die Rakete im Allgemeinen gehalten. Vielleicht wären diese Themen auch etwas für Dich.

Zum Teleskop: Du kannst auch mal in diesem Forenbereich (http://astronews.com/forum/forumdisplay.php?14-Ausr%FCstung) stöbern, dort gibt es viele qualitative Empfehlungen. Mit Teleskopen kenne ich mich, obwohl ich selbst eines habe, leider nicht so gut aus. User Sissy aber, vielleicht meldet sie sich ja hier. ;)

galileo2609
24.11.2011, 21:38
Hallo btsky,

bin dann über Herrn Römer gestolpert, welcher durch die Beobachtung eines Jupitermondes die Lichtgeschwindigkeit gemessen hat.
Meine Frage ist jetzt: Wäre es möglich solch einen Versuch nachzustellen? [...]
Ist meine Idee eine totale Schnapsidee, oder sogar machbar?
so ein Projekt ist durchaus machbar. Im Novemberheft von 'Sterne und Weltraum' gibt es genau dazu einen mehrseitigen Artikel von Thomas Hebbeker: Der Tanz der Jupitermonde (http://www.astronomie-heute.de/artikel/1124016&_z=798889)

Der Artikel ist zwar kostenpflichtig, aber du kannst ihn sicherlich auch in einer Stadtbücherei einsehen.

Grüsse galileo2609

UMa
25.11.2011, 14:50
Hallo btsky,

das Problem ist vermutlich, dass du auf jeden Fall eine Facharbeit abgeben musst, so dass das Risiko, falls es nicht klappt vielleicht zu hoch ist.
Wenn es denn unbedingt etwas mit der Beobachtung der Jupitermonde sein sollte, könntest du dir vornehmen aus der visuellen Beobachtung die Umlaufzeiten der 4 großen Monde selbst genau zu bestimmen. Das dürfte wesentlich einfacher sein und auch mit weniger oder weniger genauen Beobachtungen zum Erfolg führen, insbesondere wenn das Wetter nicht so mitspielt. Wegen des Wetters würde ich mir aber auf jeden Fall einen Plan B zulegen, falls der ganze Winter bedeckt sein sollte.
Frage aber auch deinen Lehrer vorher, ob das Thema geeignet ist.

Sollten die Anzahl und Genauigkeit deiner Beobachtungen alle Erwartungen übertreffen, könntest du sie eventuell immer noch nutzen, um die Lichtgeschwindigkeit zu bestimmen, auch wenn vielleicht erst nach dem März.

Grüße UMa

btsky
02.12.2011, 11:12
Hallo,
also erst einmal will ich mich bedanken, dass mir hier so viele Leute helfen.

Das Risiko, dass es vielleicht nicht klappt, ist mein größtes Bedenken... und auch das von meinem Lehrer.
Er hat mir deshalb vorgeschlagen als Thema "Die Beobachtung der Venus mit besonderer Berücksichtigung der Venusphasen" zu machen. Was haltet ihr davon? Wäre es ein gutes, einfaches, interessantes Thema?
Ich persönlich finde das Thema auch ziemlich interessant.

Ich wollte mir dann auch noch ein neues Teleskop zulegen, da ich mit meinem jetztigen Teleskop wenig anfangen kann. Ich habe mich die letzten paar Tage im Internet erkundigt, welches ich mir als Anfänger anlegen sollte und bin jetzt auf dieses hier gestoßen: "Skywatcher Dobson 8" N200/1200"
Meine Frage ist, ob es ein gutes Teleskop für Einsteiger ist. Ich habe schon viele positive Berichte darüber gelesen und wollte aber lieber noch einmal hier im Forum nachfragen.
Vielleicht kennt sich ja jemand mit diesem Teleskop aus und kann mir sagen, ob es für die Beobachtung der Venus zum Einen geeignet ist, aber natürlich will ich es auch in meiner Freizeit und auch nach meiner Facharbeit benutzen können und auch etwas anderes als die Venus sehen.
Noch eine Frage wäre dann, ob dieses Teleskop auch dafür geeignet ist, annehmbare Bilder von der Venus zu machen (ich habe gehört, dass es schwer ist gute Aufnahmen von der Venus zu bekommen, aber es soll ja zweckmäßig sein, also so, dass man die Phasen gut identifizieren kann).

Vielleicht habt ihr ja aber auch andere Vorschläge. Ich habe halt von diesem Teleskop für Einsteiger nur gute Bewertungen und Rezensionen gesehen/gelesen.

Sissy
04.12.2011, 22:01
Hallo btsky,


Das Risiko, dass es vielleicht nicht klappt, ist mein größtes Bedenken... und auch das von meinem Lehrer.

diese Überlegung muß man auf alle Fälle mit einbeziehen. Aus meiner langjährigen Beobachtungspraxis möchte ich Dir von der Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit abraten, falls Du nicht schon über viel Beobachtungserfahrung und viel theoretisches Grundwissen verfügst.

Auch die Venusphasen sind anspruchsvoll, denn da hast ebenfalls mit dem Wetter zu tun...

Die Venus steht heute 28° östlich der Sonne. Das sind 56 Vollmonddurchmesser. Zum Zeitpunkt des Sonnenuntergangs steht sie gerade noch 10,5 ° über dem Horizont im Westen. Falls Du nicht auf dem "flachen Land" wohnst und freie Sicht zum Horizont hast, kannst sie nicht sehen, weil irgendwas im Vordergrund die Venus verdeckt. Bis Ende März wird sich der Abstand zwischen Venus und Sonne auf ca. 46 Grad vergrößern. Dann steht sie zum Zeitpunkt des Sonnenuntergangs noch etwa 40 Grad über dem Horizont und läßt sich besser beobachten.

Im Moment hat Venus eine Beleuchtungsphase von 88 %, Ende März dann 50% (Halbvenus).

Unter optimalen Bedingungen (freie Sicht zum Horizont, klarer Himmel und eine astrotaugliche Webcam samt Laptop oder Geschick beim Zeichnen des Anblicks im Teleskop) kannst durchaus eine Beobachtungsreihe auflegen und die Phasen für eine Facharbeit dokumentieren.

Venus ist hell genug, um sie auch mit dem vorhandenen, kleinen Teleskop direkt zu beobachten. Eventuell bräuchtest Du ein besseres Okular für Dein altes Teleskop.

Wenn Du jedoch sowiso ein neues Teleskop kaufen möchtest, weil Du außer der Facharbeit Gefallen an Astronomie hast, solltest Du von Anfang an eine klare Entscheidung treffen.

Entweder visuell (also mit dem Auge am Okular) beobachten, oder eine Fotooption für jetzt oder später mit einplanen.

Für rein visuell gibt es nix besseres als ein Spiegelteleskop mit Dobsonmontierung. Da bekommst für Dein Geld die maximale Öffnung (Lichtsammelmöglichkeit). Günstig wäre da dieses Teleskop: http://www.teleskop-express.de/shop/product_info.php/info/p1992_Skywatcher-Skyliner-200P---Parabol-Dobson-200-1200mm.html

Für die Fotooption mußt auch noch entscheiden, was genau Du fotografieren möchtest. Entweder Planeten mit langer Brennweite (Webcamm oder besserer Planetenkamera an einem Newton + Barlow-Linse oder Okularprojektion), oder Deepskyobjekte mit kurzer Brennweite (kurzer Refraktor mit DSLR). Bei beiden Arten der Fotografie muß dann eine Montierung mit Elektromotoren für die Nachführung unter dem Teleskop sein. Für Planeten tut es eine Montierung ohne Autoguidinganschluß, Deepsky geht ohne Autoguiding so gut wie garnet.

Wenn Du noch nicht weißt, wohin die Reise gehen soll, wäre eine Alternative, erstmal auf so einen 8" Newton auf Dobsonmontierung und Nachführung zu setzen. So einer: http://www.teleskop-express.de/shop/product_info.php/info/p2664_Skywatcher-Skyliner-200P-Auto-FlexTube-Dobson-mit-Nachfuehrung.html

Der zeigt Dir visuell jede Menge Galaxien (s/w, als nebelige Fleckle), Sternhaufen, Planetarische Nebel , Andromedagalaxie aufgelöst, Orionnebel aufgelöst, und auch Supernovaüberreste, sofern Du unter einem dunklen Himmel beobachtest. Und mit DSLR kannst Fotos von Sonne und Mond machen. Wenn Du statt einer DSLR eine astrotaugliche Webcam in den Okularauszug steckst, kannst hochaufgelöste Bilder von Sonnenflecken, Mondkratern und mit Barlow-Linse auch Planeten aufnehmen.

Bei azimutalen Montierungen hast bei längeren Belichtungszeiten immer Bildfelddrehung, daher eignen sich diese Montierungen (Dobson) nicht für Langzeitfotografie. Bei den Planeten kann man aber innerhalb von 1-2 Minuten viele Bilder aufnehmen, ohne die Bildfeldrotation zu bemerken :)

Zur Facharbeit wäre auch der Mond als Ziel denkbar. Anhand vom Schattenwurf der Zentralberge und oder Kraterwälle kannst die Höhe davon berechnen. Dazu mußt blos 2-3 Stunden hintereinander den selben Krater durchs Teleskop fotografieren und die Bilder auswerten. Innerhalb dieser Zeit steigt die Sonne (vom Mond aus gesehen) höher und die Schattenlänge verändert sich daher ;)

Infos zum Mond bekommst z.B. aus dem Buch "Atlas of the Moon" von Antonin Rückl. ISBN NR. 0 600 57190 4, das sollte in größeren Büchereine zu bekommen sein...

Natürlich kannst auch im Internet recherchieren...

Grüße
Sissy

Sissy
04.12.2011, 22:14
Nachtrag:

mit 8" Öffnung, Barlow Linse und astrotauglicher Webcamm habe ich diese Fotos machen können:

http://www.sternwarte-zollern-alb.de/mitarbeiterseiten/kowollik/venus/Venusphasen.jpg

Allerdings saß der Newton auf einer parallaktischen Montierung mit elektrischer Nachführung. Schwer war das nicht. Blos zeitintensiv. März bis September 2004 :)

Hier findest weitere Aufnahmen von Planeten, die ich vom Balkon in Ludwigsburg mit meinem Teleskop gemacht hab. http://www.sternwarte-zollern-alb.de/mitarbeiterseiten/kowollik/index.htm Bis 2006 mit 6" Newton, Okularprojektion und Webcam. Später kam dann ein 8" Newton und ne bessere Kamera, was mehr Auflösung bei den Bildern brachte.

ABer: es ist mit der reinen Aufnahme von Planetenbildern nicht getan. Du mußt die Bilder hinterher am Computer bearbeiten.
Zuerst die vielen Bilder (300-3.000) überlagern (stacken), dann das Summenbild schärfen und schlußendlich in die richtige Orientierung drehen, das Bild ausschneiden und für die Präsentation noch beschriften/analysieren...

AUfnahmeproggys gibts als Freeware, die können auch das stacken und schärfen. Für den Rest brauchst noch ein Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop...

Planetenfotografie ist auch aus einer großen Stadt heraus möglich, und dabei die billigste Möglichkeit, Astrofotografie zu betreiben. :) ...

Falls Du dazu konkrete Fragen hast, kannst gerne direkt Kontakt mit mir aufnehmen...

Grüße
Sissy

btsky
06.12.2011, 14:58
Hallo Sissy,
zum Anfang möchte ich dir für deine Bemühungen danken.

Ich habe auch heute meinen Lehrer noch einmal gefragt, ob das Thema mit der Höhenbestimmung der Mondkrater auch eine gute Idee wäre (ich bin da nicht ausgeschlossen).
Ich habe jetzt noch bis Donnerstag Zeit, mir zu Überlegen, welches der beiden Themen ich nehmen werde und werde mir das noch mal durch den Kopf gehen lassen.
Ist es denn ein gut machbares Thema? Ist es eher zu empfehlen, als die Venusphasen zu beobachten?

Zu den Teleskopen:
Dieses Skywatcher 200/1200 Teleskop (http://www.teleskop-express.de/shop/product_info.php/info/p2664_Skywatcher-Skyliner-200P-Auto-FlexTube-Dobson-mit-Nachfuehrung.html)
wäre also in der Optik gut und du hast deine Fotos der Venus auch mit einem 8" Teleskop und einer Webcam gemacht?
Das heißt, wenn ich mir dieses Teleskop und eine Webcam kaufen würde, wäre das angemessen für meine Facharbeit? Also so, dass man die Venus, bzw. die Mondkrater aufnehmen könnte? (Also dann auch mit Mondfilter und anderem Zubehör)
Zum Verständnis: unter astrotaugliche Webcam sind diese USB-Okulare, die man während dem Beobachten an seinen Laptop anschließen kann, gemeint?

Und ich will es natürlich auch privat (nach der Facharbeit) benutzen. Da wäre mir die Astrofotografie nicht sehr wichtig (höchstens nur auf unsere Planeten bezogen), würde aber trotzdem auch Nebel, Galaxien, etc. beobachten können und aber die Möglichkeit für spätere Astrofotografie offen halten.

Wenn ich dich richtig verstanden habe, würde all das auf dieses Teleskop zutreffen, oder?

Wie sieht es mit GoTo- Montierung aus? Ich habe gesehen, dass es dieses Teleskop auch mit solch einer Montierung gibt: http://www.astroshop.de/skywatcher-dobson-teleskop-n-203-1200-skyliner-flextube-bd-dob-goto/p,21050
Ist es für einen Anfänger sehr zu empfehlen, oder eher rausgeworfenes Geld?

P.S.: Ich habe mir die Bilder auf deiner Seite angeguckt und finde sie sehr erstaunlich. :)

Sissy
07.12.2011, 05:16
Hallo btsky,


Ich habe auch heute meinen Lehrer noch einmal gefragt, ob das Thema mit der Höhenbestimmung der Mondkrater auch eine gute Idee wäre (ich bin da nicht ausgeschlossen). Ich habe jetzt noch bis Donnerstag Zeit, mir zu Überlegen, welches der beiden Themen ich nehmen werde und werde mir das noch mal durch den Kopf gehen lassen.

der Unterschied zwischen beiden Themen ist, daß Du mit dem Mond nur einen einzigen klaren Abend brauchst, um ein vernünftiges Ergebnis zu bekommen. Bei der Venus brauchst Du mindestens 6 klare Abende (möglichst im 2-Wochen Rhythmus) und mußt entweder viel zeichnen oder den Umgang mit ner astronomisch tauglichen Webcam samt Bildbearbeitung erlernen. Ich hab die Erfahrung gemacht, daß das Wetter so manchem Beobachtungsfahrplan gewaltig nen Strich durch die Rechnung macht...

Beide Themen sind kein Hexenwerk, kosten aber Beobachtungszeit und vor allem Nachbearbeitungszeit.


Ist es denn ein gut machbares Thema? Ist es eher zu empfehlen, als die Venusphasen zu beobachten?

Bei den Venusphasen kannst die Beleuchtungssituation und die Größe der Venus dokumentieren (wenn Du Fotos mit ner Webcam an dem gleichen Teleskop machst), daraus kannst dann die Entfernung zwischen Venus und Erde ableiten. Beim Mond über den Strahlensatz die Höhe des Schatten werfenden Berges/Kraterwall berechnen. Das aus den Fotos abgeleitete/berechnete Ergebnis läßt sich beides Mal überprüfen. Entspricht also "wissenschaftlichem Herangehen". :)


Dieses Skywatcher 200/1200 Teleskop (http://www.teleskop-express.de/shop/product_info.php/info/p2664_Skywatcher-Skyliner-200P-Auto-FlexTube-Dobson-mit-Nachfuehrung.html)
wäre also in der Optik gut und du hast deine Fotos der Venus auch mit einem 8" Teleskop und einer Webcam gemacht?

Ich hab meine Fotos mit nem Teleskop mit geschlossenem Tubus gemacht. So kam kein Streulicht rein. Ist für Fotografie besser. Und ich hab ne parallaktische Montierung gehabt. Da hat ein Elektromotor die Nachführarbeit in Rektaszension gemacht.

Ein äquatorial montierter Dobson muß immer in 2 Achsen nachgeführt werden. Entweder durch "Schubsen" von Hand oder eben durch die angebotene Nachführung. Bei einer gut gewählten Vergrößerung durch ein Okular kannst den Mond selbst mit nem Handy fotografieren. Müßtest also nix kaufen. Venus dagegen erfordert eine Barlow-Linse, eine Webcam und nen Laptop...


Das heißt, wenn ich mir dieses Teleskop und eine Webcam kaufen würde, wäre das angemessen für meine Facharbeit? Also so, dass man die Venus, bzw. die Mondkrater aufnehmen könnte? (Also dann auch mit Mondfilter und anderem Zubehör)

den Mondfilter laß mal getrost weg, den brauchst mit Webcam oder Kamera net. Da regelst die Helligkeit über die Belichtungszeit. :)
Und ja, das wäre angemessen.


Zum Verständnis: unter astrotaugliche Webcam sind diese USB-Okulare, die man während dem Beobachten an seinen Laptop anschließen kann, gemeint?

nein! diese elektronischen Okulare sind Schrott! Du brauchst eine solche Kamera:

http://www.astroshop.de/webcams---usb-okulare/omegon-ccd-solar-system-imager/p,18877

oder

http://www.astroshop.de/webcams---usb-okulare/celestron-ccd-kamera/p,8262

oder

http://www.teleskop-express.de/shop/product_info.php/info/p1778_TS-Astro-CCD-Kamera---Mond---Planeten---1-25--Adapter.html

und noch nen IR-Sperrfilter, z.B. den da:

http://www.teleskop-express.de/shop/product_info.php/info/p1572_TS-Optics---1-25--IR---UV-Sperrfilter.html

Für die Venus brauchst dann noch ne Barlow-Linse (um das Bild größer zu machen):

http://www.teleskop-express.de/shop/product_info.php/info/p55_TS-2-5x-Barlowlinse-1-25--apochromatisch---volle-Farbkorrektur.html


Und ich will es natürlich auch privat (nach der Facharbeit) benutzen. Da wäre mir die Astrofotografie nicht sehr wichtig (höchstens nur auf unsere Planeten bezogen), würde aber trotzdem auch Nebel, Galaxien, etc. beobachten können und aber die Möglichkeit für spätere Astrofotografie offen halten.

zum reinen Gucken ist der Dobson völlig ok, Mond und Planeten gehen eingeschränkt zu fotografieren, Fotografie von Nebeln und Galaxien geht mit der Montierungsart (Dobson) nicht. Dazu brauchst zwingend eine parallaktische Montierung. Z.B. so eine:

http://www.teleskop-express.de/shop/product_info.php/info/p436_Celestron-advanced-GT-Montierung---GoTo-Montierung-CAM---12kg.html

http://www.teleskop-express.de/shop/product_info.php/info/p429_Skywatcher-Parallaktische-Montierung-HEQ5-SynTrek-mit-Stahlstati.html

es gibt noch viel mehr am Markt, wichtig ist daß sie einen ST-4 Autoguiderport hat. Ohne kannst Deepsky Fotografie knicken.

Ein 8" Teleskop mit 1,2 Meter Brennweite ist aber für einen Anfänger zu viel für Deepsky Astrofotografie. Und braucht dann zwingend so eine Montierung:

http://www.teleskop-express.de/shop/product_info.php/info/p433_Skywatcher-EQ6-SkyScan-Pro---GoTo-Montierung-bis-20kg.html

Alles, was billiger ist, trägt das Gewicht eines 8" Newtons nicht fotografisch. Das ist ein physikalischer Fakt. Du mußt wissen, daß die Angabe zur Tragfähigkeit sich immer auf windstill (in einer Kuppel) und rein visuell (also zum Gucken) bezieht. Fotografisch muß man da immer 1/3 von abziehen...

Normalerweise fängt man mit nem Teleobjektiv huckepack auf der Montierung an und geht langsam höher mit der Brennweite. Dann kommt üblicherweise ein kurzbrennweitiger Refraktor (400-600 mm Brennweite) und wenn es dann durch ein längeres Teleskop sein soll muß man Autoguiding mit einer 2. Guidingkamera machen. Egal, wie genau Du die parallaktische Montierung einscheinerst, nach ca. 30 Sekunden machen sich Schneckenfehler und Ungleichmäßigkeiten im Lauf der Nachführung bemerkbar. Das wird durch das Autoguiding ausgeglichen. Entweder über einen Off-Axis-Guider oder ein Guidingrohr (z.B. mit Webcam am Sucher als Guidingcam).

Googel mal nach den fett hervorgehobenen Begriffen. Das geht sehr schnell richtig ins Geld. Da mußt mindestens 4.000 Euro investieren. Und dann jede freie Minute mit Fotografieren verbringen, damit es sich "lohnt" und Du auch genügend Bilder zusammenbekommst. ;)

Vorschlag von mir: Nimm den Dobson mit der automatischen äquatorialen Nachführung. Und wenn es denn mal später wirklich ans Fotografieren geht, ne parallaktische Montierung mit nem 6" Newton f=5. Das schont momentan den Schülergeldbeutel und Du kannst in aller Ruhe entscheiden, ob Du gucken oder Fotografieren willst...


Wenn ich dich richtig verstanden habe, würde all das auf dieses Teleskop zutreffen, oder?

Zum Fotografieren von Galaxien und Nebeln ist es nicht geeignet! Und ob Du Galaxien und Nebel sehen kannst, hängt von Deinem Himmel ab. Aus einer Großstadt raus nicht machbar.

Zum Fotografieren brauchst einen geschlossenen Tubus, ein Filterrad, Schmalbandfilter und eine gekühlte CCD-Kamera, um zumindest Nebel und Planetarische Nebel zu fotografieren. Galaxien gehen unter Großstadthimmel so gut wie nicht...


Wie sieht es mit GoTo- Montierung aus? Ich habe gesehen, dass es dieses Teleskop auch mit solch einer Montierung gibt: http://www.astroshop.de/skywatcher-dobson-teleskop-n-203-1200-skyliner-flextube-bd-dob-goto/p,21050
Ist es für einen Anfänger sehr zu empfehlen, oder eher rausgeworfenes Geld?

das Goto Teleskop funktioniert nur dann, wenn Du es vor dem Beobachten mit 3 Sternen "eichst". Diese Sterne mußt kennen. Also die Sternbilder identifizieren können und die richtigen Sterne auswählen. Dann kannst nach der Eichung andere Objekte "per Knopfdruck" anfahren (bis die Batterie leer ist)...

Auf Dauer kommst net drum rum, den Himmel kennen zu lernen. Stern für Stern die Sternbilder auswendig lernen. Und Du brauchst Literatur. Echte Bücher, laminiert, damit die nächtliche Feuchtigkeit die Aufsuchkarten nicht aufquellen läßt. Und ne Rotlichtlampe, um in den Aufsuchkarten zu lesen...

Alleine den Einstieg zu wagen ist mühsam. Such Dir nen Verein oder eine Sternwarte in Deiner Nähe. Hier im GAD wirst fündig:

http://www.astronomie.de/gad/

Bei den Teleskopen ist es wie mit allem. Ne eierlegende Wollmilchsau gibt es net. Jedes Teleskop hat seine Vor- und Nachteile.

- zum Gucken mit den Augen möglichst viel Öffnung für´s Geld (= 8" Dobson oder fetter)
- beim Fotografieren von Planeten viel Brennweite (minimum 3 Meter), parallaktische Montierung
- beim Fotografieren von Galaxien/Nebeln dunkler Himmel und lange Belichtungszeiten bei moderater Brennwete (~ 500 mm) + möglichst gute Montierung mit Autoguiding, da ist das Geld für´s Teleskop der deutlich kleinere Posten...

Daher haben viele Amateurastronomen mehrere Fernrohre. Eines zum Gucken (Dobson) und eines oder 2 zum Fotografieren...


Ich habe mir die Bilder auf deiner Seite angeguckt und finde sie sehr erstaunlich.

danke für die Blumen. Die Bilder zeigen meine Lernkurve bei der Bildbearbeitung über viele Jahre und den Einsatz von mehr und mehr Technik (und Knete ;) )...

Grüße
Sissy