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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ich bin dann mal da



Krissel
21.04.2011, 18:32
Hallo Liebe Forenteilnehmer!

seit sich vor vielen Jahren mein Intresse für Physik im Allgemeinen und für Astronomie manifestierte, gehört Astronews zu meinen täglich besuchten Seiten. Besonders damals, als ich noch einen langweiligen Bürojob und damit viel zu viel freie Zeit hatte, habe ich häufig alte und neue Threads aus dem Forum gekramt, um mich abzulenken.

Nun ist mir vor einigen Jahren immer klarer geworden, dass ich nicht weiter im Büro vor Computern sitzen kann und ich mich komplett neu ausrichten muss. Andere Ausbildungen kamen für mich nicht wirklich in Frage, weswegen ich mich für einen harten Einschnitt entschieden und mich dazu entschlossen habe, mein Abitur nachzuholen. Dieses Ziel werde ich vorraussichtlich Ende des Jahres ziemlich erfolgreich erreicht haben.

Als ich wieder mit der Schule anfing, war mir noch nicht klar, was ich mit dem Abitur anfangen will. Es gab so einige vage Vorstellungen darüber, was es nicht sein soll, aber grade im naturwissenschaftlichen Bereich konnte ich mir von Geologie über Biologie bis Physik alles vorstellen, aber auch Fächer wie Umwelttechnik waren drin. Nun hat sich aber durch die Lektüre weiterer (populärwissenschaftlicher) Bücher Physik als einziges Fach herauskristallisiert, dass ich wirklich aus ganzem Herzen studieren möchte. Nicht nur wegen der Astronomie, sondern auch wegen den Wundern der Quantenphysik, weil ich endlich die Einstein auf einem Level verstehen möchte, das weit über das in der populärwissenschaftlichen Literatur vermittelbare hinausgeht und überhaupt weil ich noch viel mehr über die der Welt innewohnende Schönheit herrausfinden will. :)

Nun gibt es hier sicher einige, die sich ebenfalls für das Physikstudium entschieden haben, was auch der Grund ist, warum ich mich jetzt endlich mal hier angemeldet habe.

Folgendes: Meine Noten in den naturwissenschaftlichen Fächern inklusive Mathe Pendeln pendeln alle so zwischen 13 und 15 Punkten (Mathe eher bei 14-15, Chemie eher bei 13-14), nur in Physik....da ist kein Kurs zustande gekommen :(

Nun habe ich Sorge, dass mir dadurch Einiges fehlen wird, wenn ich wirklich zu diesem Studium entscheiden sollte. Ich schaffe es nicht, meine letzten Zweifel an der anstehenden Entscheidung für ein als äußerst schwierig verschrienes Fach auszuräumen.

Daher hab ich ein paar Fragen, die ich euch gerne stellen möchte:

1) Würde ich zu Beginn stark hinterherhängen als jemand, der nie Oberstufenphysik hatte, dem aber die Themen als solche bekannt sind. Wie ausführlich werden diese im Studium wiederholt?

Und anschliessend an diese Frage: Könnt ihr mir Bücher empfehlen, die dieses Defizit ausräumen könnten? Welche die den Schulstoff behandeln und auch Aufgaben auf diesem Niveau mit entsprechenden, am besten ausführlichen, Lösungen enthalten.

2) Welche Themen aus der Mathematik die nicht direkt in die Schule gehören sind besonders am Anfang des Studiums relevant? Da ich mich grade in Mathe etwas unausgelastet fühle, möchte ich mir noch ein opder zwei Themenbereiche aneignen, die mir später von Nutzen sein werden.

3) Und am wichtigsten: Bin ich mit 30 nicht eigentlich zu alt für sowas? Andere Leute haben weitaus jünger ihre Nobelpreisgekrönten Arbeiten veröffentlicht :D
Nicht dass das mein konkretes Ziel ist... ;)

Ich danke euch schonmal herzlich für eure Mühe, diese Textwand gelesen zu haben und auch für eventuelle Antworten auf meine Fragen!

Eine sonniges Osterwochenende wünscht
Christoph

Alex74
21.04.2011, 19:24
Hallo und willkommen!


mich dazu entschlossen habe, mein Abitur nachzuholen. Dieses Ziel werde ich vorraussichtlich Ende des Jahres ziemlich erfolgreich erreicht haben.
...und willkommen im Klub! :)


Folgendes: Meine Noten in den naturwissenschaftlichen Fächern inklusive Mathe Pendeln pendeln alle so zwischen 13 und 15 Punkten (Mathe eher bei 14-15, Chemie eher bei 13-14), nur in Physik....da ist kein Kurs zustande gekommen
War bei mir genauso, Abendschulklassen kommen allerseltenst zu Physik Leistungskursen.

D.h. ich bin damals auch ohne Physik-LK ins Physikstudium gegangen - kann aber sagen daß das nichts macht.
Das Physikstudium ist am Beginn dem Mathe-LK sehr nah, man beginnt im Studium ohnehin bei Null.
Das Mathestudium hat hingegen mit der Mathematik aus der Schule erstmal gar nichts zu tun. Ich hatte in Mathe 15 Punkte, meine größten Probleme hatte ich trotzdem in Mathe und nicht in den Physiklesungen, obwohl ich in der Schule 2 Jahre keine Physik hatte.

Ich habe das Studium selber leider abbrechen müssen, aus mehreren Gründen die so evtl. auch für andere Nachzügler gefährlich werden können;

-Zum einen Faktor Geld: Ich war nicht mehr bereit in eine WG oder Billigstudentenwohnung zu ziehen. Dafür reicht Bafög aber nunmal nicht, und nichtmal das bekam ich. Und damals gabs noch keine Studiengebühr...

-Weiter fand ich es schwer Anschluß zu meinen Komilitonen zu finden. All die 19-Jährigen die sich meist auch von der Schule kannten haben eher Klüngel gebildet und sich untereinander verabredet, jene die selber Einzelkämpfer waren waren völlig unzuverlässig (nach dem 5. mal Sitzengelassen werden hintereinander hab ichs aufgegeben) und dann war da noch der eine obligatorische Besserwisser der auch noch selber älter ist als man selbst und vom klassischen Typ Dummschwätzer ist und einem richtig die Motivation vermiest indem er sich überall profilieren muß, natürlich auf die eigenen Kosten, weil er einem selbst alle Arbeit machen läßt...klar, er muß ja auch was zum Motzen haben.

-Ein anderes Problem ganz generell war folgender Umstand: In der Schule habe ich mich in den Naturwissenschaften alleine durchgeboxt; alleine heißt daß ich niemanden brauchte um den Stoff zu lernen (gab aber allen die Probleme hatten Nachhilfe); gemeinsames Lernen war nie eine meiner Stärken. In der Schule geht alleine Lernen bei Mathe und Co. aber prima. Im Studium: völlig andere Welt. Die Menge von dem was man in der Vorlesung wirklich versteht ist anteilsmäßig so klein, daß man um gemeinsames Lernen nicht umhin kommt, man muß es sich einfach gemeinsam erarbeiten. Das war für mich zum einen eine Umstellung, zum anderen dann die Probleme mit den erwähnten Komilitonen.
Was ich auch erlebt habe waren Studenten aus den höheren Semestern, die bei den Seminaren auch nicht gut damit umgehen konnten daß da ältere im Raum sitzen denen sie noch was beibringen müssen. Wenn mittendrin zum dritten mal beiläufig erwähnt wird daß man ja nicht die Alteste hier ist, ist das echt nervig.

-Die Art des Lernens ist auch eine andere: Wenn man in der Schule was verstanden hat, dann hat man sich das daheim nochnmal angesehen, Beispiele gerechnet, und dann wars drin. Im Studium ist Mathe und Physik erstmal fast nur Auswendiglernerei! Es geht darum, die Grundbegrifflichkeiten (dieser ganze griechische Mist (fiel mir zugegebenermaßen sehr schwer) und Methoden einzupauken, und das ist in der Menge so viel daß man sehr viel Zeit investieren muß bis man diese im Schlaf kann). Das fand ich sehr ungewohnt, da ich in der Schule fast nie lernen mußte um trotzdem meine 14-15 Punkte zu bekommen.

Wie man sieht, mit einigen Dingen hatte ich z.T. halt einfach Pech, denn in der Abendschule ging alles noch wie von selbst (in Fächern wo man gemeinsam lernt wie z.B. Deutsch und Englisch hatte ich auch kein Problem mit gemeinsamem Lernen), das Alter kann halt sozial eine Hürde sein und das Geld war bei mir dann der Sargnagel.

Das soll Dich jetzt nicht demotivieren, im Gegenteil: wenn man vorher besser einschätzen kann wo die Probleme liegen könnten kann man diese frühzeitig angehen.

Ich würde bis heute gerne nochmal studieren, vor allem da ich die Schwierigkeiten nun kenne, aber ich wüßte nicht wo das Geld dafür herkommen sollte, durch den Abbruch darf ich in BaWü auch gar nicht mehr, müßte also umziehen.

Das Alter selbst ist bei Physik übrigens kein Problem da das Fach Anwendungsbezogen ist und es darum geht, Dinge zu denen es eine Entsprechung in der wirklichen Welt gibt berechnen zu können (auch wenn 99% der Theorie wie gesagt eher wie der Mathe-LK sind (nur höheres Niveau)) und alles andere als anschaulich; letztlich lernt man Methoden und deren Anwendung.
Mathematik würde ich aber als 30-Jähriger nicht mehr unbedingt studieren, das Fach wird mit dem Alter tatsächlich immer schwerer. Das sieht man auch daran daß unter den Fields-Medaillenträgern fast nur Junge zu finden sind wohingegen Physiker auch im höheren Alter noch Leistung bringen.

So, war nun ein bissel viel, aber da unsere Geschichte sich doch etwas gleicht dachte ich mir ich gehe mal auf die Probleme ein, die ich im Studium angetroffen hatte.

Gruß Alex

Laserdan
23.04.2011, 05:02
Mathematik würde ich aber als 30-Jähriger nicht mehr unbedingt studieren, das Fach wird mit dem Alter tatsächlich immer schwerer. Das sieht man auch daran daß unter den Fields-Medaillenträgern fast nur Junge zu finden sind

Naja der Grund dafür liegt aber hauptsächlich daran dass die Fields Medal per Definition und Regelung nur an Menschen nicht älter als 40 Jahre vergeben wird.


The Fields Medal, officially known as International Medal for Outstanding Discoveries in Mathematics, is a prize awarded to two, three, or four mathematicians not over 40 years of age at each International Congress of the International Mathematical Union (IMU)(...)Its purpose is to give recognition and support to younger mathematical researchers who have made major contributions.

Andrew Wiles war bereits 41 als er Fermat's letzten Satz bewies. Poincares berühmte Vermutung stellte er mit 50 auf, und Perelmann bewies sie als er knapp 40 war.

Es ist nie zu spät mit Mathematik anzufangen, auch wenn man es studieren und auf hohem Level betreiben will. Man sollte nur genug Zeit übrig haben (vom Leben) um genug Vorlagen für den Eureka-Moment gelernt zu haben ;)

Das kommt alles von jemandem der nie aufm Gymi war (also, nie über der 8. Klasse -> aus jugendlichem Trotz eine Schulart weiter runter, Abschluss, Ausbildung (Elektroniker), Arbeiten, Allgemeines Abi nachholen, Studium). Generell kann ich dir aber empfehlen, wie ich anfing - extrem hilfreich!

http://www.staff.science.uu.nl/~hooft101/theorist.html

Da steht alles drin was du, rein vom Stoff her, können musst, und t'Hooft (ein Nobelpreisträger übrigens) hat sogar eine Liste mit Quellen (vieles im Internet frei!), in der richtigen Reihenfolge, um im Selbststudium von den vier Grundrechenarten bis zur Stringtheorie zu kommen. Da kannst du dir definitv Eindrücke von der Mathematik beschaffen und vieles schon mal ankratzen.

Zum Abschluss noch eine Inspiration: http://en.wikipedia.org/wiki/John_Moffat_%28physicist%29


John Moffat at U Toronto, who was a student of Abdus Salam at Imperial College, London. He started life as a painter in Paris, had no undergraduate degree, taught himself, corresponded with Einstein, and was admitted, based on his demonstrated original work

Die Grenze liegt da, wo dein Wille nicht mehr reicht, mehr zu lernen.

Alex74
23.04.2011, 08:35
Naja der Grund dafür liegt aber hauptsächlich daran dass die Fields Medal per Definition und Regelung nur an Menschen nicht älter als 40 Jahre vergeben wird.
Hoppla, das wußte ich gar nicht!
Gibt es einen bestimmten Grund dafür?

Laserdan
23.04.2011, 11:32
Hoppla, das wußte ich gar nicht!
Gibt es einen bestimmten Grund dafür?


The Fields Medal, officially known as International Medal for Outstanding Discoveries in Mathematics, is a prize awarded to two, three, or four mathematicians not over 40 years of age at each International Congress of the International Mathematical Union (IMU)(...)Its purpose is to give recognition and support to younger mathematical researchers who have made major contributions.

John C. Fields wollte junge Mathematiker, die bereits große Entdeckungen/Leistungen vollbracht hatten, dazu anspornen, auch weiterhin entsprechend enthusiastisch dabei zu sein (gibt ja auch 15.000 C$).

Deswegen ist der Abel-Preis auch sehr viel näher an einem Mathe-Nobelpreis dran, während die Fields-Medal einfach sagt "wow, super gemacht, und noch so jung, weiter so!".

Dass Mathematiker aber generell traditionell daran glauben, dass es ein "young man's game" ist (Zitat G. Hardy), liegt daran dass die meisten großen Durchbrüche in dem Feld das Ergebnis von plötzlichen, tiefen Einsichten, Geistesblitzen waren, und dem Zufall, dass viele große Mathematiker sehr jung gestorben sind (Galois mit 21; Abel mit 26; Ramanujan, der wahrscheinlich talentierteste Mathematiker aller Zeiten, mit 32).