PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Absturz der Raumfähre "Challenger"



hardy
28.01.2011, 18:55
http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/20322/_offensichtlich_eine_schwere_fehlfunktion.html

Am 28. Januar 1986, also vor 25 Jahren, explodierte die US-Raumfähre "Challenger" 73 s nach dem Start in 16 Kilometer Höhe.

Der Absturz der "Challenger" war die schwerste Katastrophe in der bemannten Raumfahrt. Sieben Astronauten kamen ums Leben.

Eine von Präsident Reagan einberufene Untersuchungskommission, der auch der Physik-Nobelpreisträger R. Feynman angehörte, stellte nach monatelanger Arbeit fest, dass der Absturz der "Challenger" ein Desaster mit Ansage war. Nach Meinung der Experten war die Hauptursache des Unglücks poröse Dichtungsringe an der rechten Feststoffrakete, durch die leicht entzündliche Gase entweichen konnten. Dadurch explodierte der noch mit rund 1,5 Millionen Litern flüssigem Wasser- und Sauerstoff gefüllte Außentank des Shuttle.

Ausgerechnet vor den Mängeln dieser Dichtungsringe hatte Roger Boisjoly - ein Ingenieur der US-Firma Morton Thiokol, die Feststoffraketen für die Raumfähren der Nasa herstellt - bereits ein halbes Jahr vor dem Unglück erstmals gewarnt. In einem Memorandum an die Chefetage von Morton Thiokol schrieb er am 31. Juli 1985, dass durch das Problem mit den Dichtungsringen im schlimmsten Fall eine "Katastrophe höchsten Grades - also der Verlust von Menschenleben" eintreten könne. Energisch forderte er "sofortige Anstrengungen" sowie ein Expertenteam, um die Schwierigkeiten zu beheben.

Den Bericht der Untersuchungskommission findet man unter:

http://history.nasa.gov/rogersrep/genindex.htm

Gruss
hardy

Schmidts Katze
28.01.2011, 19:33
Da hatten wohl die Politiker mehr Einfluss auf die Startfreigabe, als die Ingenieure.

Grüße
SK

Alex74
28.01.2011, 23:58
Die beschriebene Ursache war aber nur die technische Hauptursache.
In dem Untersuchungsbericht wird aber - soweit ich mich erinnere - aufgeführt, daß erst die äußerst laxe, geradezu schon arrogante Einstellung innerhalb der NASA dem Nichtbeachten von Mängeln erst den Boden bereitete.
Die 20 Jahre davor war die NASA vollkommen erfolgsverwöhnt, selbst die größten Katastrophen gingen äußerst glimpflich aus (z.B. Apollo 13); das führte dann zu einem kritikresistenten Management, überselbstsicheren Ingenieuren und Einsparungen am Sicherheitssystem auf allen Ebenen.
Nach 1986 wurden daraufhin nicht nur die Dichtungen überarbeitet, die Shuttles hatten viele Probleme.

Gruß Alex

ZA RA
29.01.2011, 20:12
Hallo Hardy,

hier ein Untersuchungsbericht der Humboldt-Uni-Berlin in Folienform.
Schnell und informativ zum Ziel.
http://www2.informatik.hu-berlin.de/~dzikowsk/resources/Praesentation_Challenger-Katastrophe.pdf

Hier der Org. Untersuchungsbericht in Englisch
Report of the Presidential Commission on the Space Shuttle Challenger Accident.
http://science.ksc.nasa.gov/shuttle/missions/51-l/docs/rogers-commission/table-of-contents.html. Ziemlich Umfangreich (Habe selbst nur quer-gelesen)

Liest man sich so durch, gibt es nur imho 1nen Fehler!
Management das auf politischen Druck (Haupt-Geldgeber) hin fahrig wird und schliesslich sogar seinen eigenen Ingenieuren misstraut.
Monopolismus/Nepotismus bei Vergabe von Projekten und der Teileherstellung, was auf gleiche eigentliche "Fehlerquelle" hinweist.

Der grosse "Traum" scheint mehr und mehr zum grossen "Wahn" zu werden,
Dollars, Gier, Macht und Dummheit, über Wissenschaft und Menschlichkeit zu triumphieren.

Herzliche Grüße
z


@SK.
Dito.
Romani ite domum ;-I

Ps.: Hier noch eine persönliche Beurteilung Feynmans.
Personal observations on the reliability of the Shuttle.
http://www.ranum.com/security/computer_security/editorials/dumb/feynman.html