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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Vorschläge und Gedanken über Diskussions-Stil



ralfkannenberg
24.11.2005, 19:34
In zahlreichen Foren gibt es Einträge, in denen neben einem Austausch von sachlichen Argumenten oftmals auch emotionale Argumente eine Rolle spielen. Das kann soweit führen, dass die emotionalen Argumente zu persönlichen Angriffen führen oder das Thema selber vorübergehend in den Hintergrund tritt.

Vielleicht macht es Sinn, einmal völlig losgelöst von einem konkreten astronomischen Thema Gedanken, Vorschläge oder einfach auch nur Meinungen und Ideen zu sammeln, wie eine "gute" Diskussion aussehen könnte.

Um ein paar (übertriebene) Beispiele zu nennen:
- sollen nur hoch-akademische und formelreiche Beiträge akzeptiert werden ?
- darf man sich anonym im Internet mal "austoben" und die Sachlichkeit hinten anstellen ?
- darf man seine Freude über einen gelungenen Beitrag einer anderen Person zum Ausdruck bringen ?
- kann es Sinn machen, einen komplex-formulierten Gedanken eines Teilnehmers etwas verständlicher darzustellen ?
- soll man aus seiner eigenen Erfahrung etwas erzählen, wo man selber seine Meinung im Laufe der Zeit geändert hat ?
- darf man historische Personen, die sich nicht mehr wehren können, lächerlich machen ?
- gibt es vielleicht problematische Vergleiche, die historisch vorbelastet sind und vermieden werden sollten ?
- .......

Miora
24.11.2005, 20:55
...dann will ich mal auf Deine übertriebenen Beispiele antworten...

(Das ist gerade einfach bequemer, als mir selbst etwas zu überlegen...)

ad 1: Nein, es ist ein Laienforum. Viele gute wissenschaftliche Vorträge beginnen ja einführend, werden dann spezifischer und gehen gegen Ende richtig ab. Warum soll man es nicht auch in Beträgen so handhaben? Ich finde sogar eher, dass man die Beiträge anschaulich halten sollte, bis man einfach spezifisch werden muss. Aber die meisten Themen versumpfen sehr früh, dass es oft gar nicht soweit kommt.

ad 2: Mir wäre es lieber, das Forum hier wäre nicht anonym. Man sollte mit seiner Person zu seinen Beiträgen stehen können. Werde mein öffentliches Profil einmal überarbeiten.

ad 3: ja

ad 4: ja, und wenn man den Beitrag dabei verfälscht ist es auch nicht wild, dann können andere einen auf die Fehler hinweisen.

ad 5: ja

ad 6: ja. Ist zwar nicht politisch korrekt, doch warum soll der Tod vor Schabernack schützen? Es geht ja auch immer um das Wie.

ad 7: in Deutschland alles, was mit Judentum und Israel zu tun hat. Ich persönlich mag keine Tabus.

Gruss,
Miora

galileo2609
25.11.2005, 00:12
In zahlreichen Foren gibt es Einträge, in denen neben einem Austausch von sachlichen Argumenten oftmals auch emotionale Argumente eine Rolle spielen. Das kann soweit führen, dass die emotionalen Argumente zu persönlichen Angriffen führen oder das Thema selber vorübergehend in den Hintergrund tritt.

Vielleicht macht es Sinn, einmal völlig losgelöst von einem konkreten astronomischen Thema Gedanken, Vorschläge oder einfach auch nur Meinungen und Ideen zu sammeln, wie eine "gute" Diskussion aussehen könnte.

Um ein paar (übertriebene) Beispiele zu nennen: (...)

Hi Ralf!

Kommunikation zwischen Menschen wird sicherlich immer wieder einmal an den Punkt gelangen, an dem zu fragen ist, ob Form und Inhalt der gewechselten Worte sinnvoll, angemessen, anständig etc. sind.
Eine weitere, vorgeordnete Frage ist, ob diese Kommunikation frei und ohne Anpassung an gegebene Herrschaftsmechanismen stattfindet. Sofern sie das ist, ist es gut so! Sofern sie das ist, wird sie aber auch in die Verantwortung der Kommunikationsteilnehmer übergeben. Daraus ergeben sich dann die Fragen bzw. Bewertungen nach ihrer Sinnhaftigkeit, Angemessenheit, Anständigkeit etc. im Sinne einer Meta-Kommunikation.

Die freie Kommunikation zwischen sich selbst und anderen für ihre Rede verantwortlichen Menschen sollte im besten Fall selbstregulativ funktionieren. Hierzu gehören Ausprägungen des rational begründbaren kommunikativen Handelns aber auch Ausprägungen des symbolischen Interaktionismus.

Die ganze Skala von Diskussionsformen wirst du überall antreffen, wo du mit anderen Menschen kommunizierst, es sei denn, du beschränkst dich auf eine abgeschlossene, weitgehend homogene Gruppe.

In jeder Diskussion wirst du entscheiden, wie du dich verhalten wirst: ist sie rational, ist sie weitgehend offen und symmetrisch - ist sie emotional oder mit Macht aufgeladen, ist sie meist unsymmetrisch. Aus letzterer resultieren soziale Anpassungsprozesse bez. des Stils und Inhalts. Affirmation, Dissens oder Ignoranz, inkl. der Unterformen wie Anbiederung, Selbststigmatisierung, Ironie, Poltern, etc. sind mögliche Erscheinungsformen.

Benötigst du dafür Regeln, wie sie deine Beispiele suggerieren? Oder vertraust du auf deine eigene persönliche Erfahrung, mit der du dich durch die Welt bewegst? Unter zivilisierten Menschen sollte jede Kommunikation einfach stattfinden können. Da kann emotionale Aufgeregtheit ebenso vorkommen wie Unsachlichkeit. Das kommunikative Potential der Beteiligten sollte das in wechselseitiger Interaktion auffangen können, so dass alle wieder auf den Boden zurückfinden! Insofern kann auch mal ein aufbrausender persönlicher Angriff weggesteckt werden! Und wenn alles nicht hilft, dann drehst du dich um. Ignorieren ist manchmal sehr wirksam :)

Zu deinen einzelnen Beispielen:
(1) hochakademisch, formelreich: Wer das Niveau mithalten kann, sollte sich in eigenen Threads zusammenfinden, um ein Thema zu vertiefen. Stört es dich auf 'allgemeinerem' Niveau, dann dreh dich um! Du musst nicht auf alles antworten ;)

(2) austoben: warum nicht, wenn derjenige oder diejenige die geballte Reaktion der Forumteilnehmer ertragen kann! Kann durchaus spannend sein. Im Zweifelsfall hilft auch hier wieder, einfach umdrehen!

(3 -5) nur zu!

(6) man kann sie zweifellos diskutieren und kritisieren! 'Lächerlich machen' sollte man beherrschen, im Zweifelsfalle bei einem guten Kabaret (nicht die Comedy-Shows der öffentlichen und privaten Sender) zuschauen, zuhören, lernen!

(7) problematische Vergleiche ...

Ich persönlich mag keine Tabus.

Tja... :( Manchmal trifft menschliches Handeln (tätig und verbal) einzelne Individuen (z. B. Kinder, Frauen, ...) die zum Opfer individueller Gewalt werden, manchmal trifft menschliches Handeln (tätig und verbal) Teile der Menschheit, die zum Opfer kollektiver Gewalt werden. Was soll man dazu sagen? Hier versagt das 'geronnene' menschliche und zivilisatorische Gut, das durch die menschliche Geschichte und Emanzipation potentiell aufgebaut wurde. Wenn wir das schon nicht verhindern können, sollten wir es zumindest kommunikativ abwehren! Hier sollte sich jeder seines Vermögens und seiner Verantwortung bewusst sein.

Tabus muss man nicht mögen, aber man sollte sich sicher sein, ohne sie auskommen zu können! (Moderne) Tabus sind für jene geschaffen, die ohne Vermögen oder ohne Willen sind, sich der Basisgemeinsamkeit einer menschlichen Gesellschaft anzuschließen.

Tabus können als Einschränkung der Freiheit und als Machtmittel zur Durchsetzung des 'totschweigens' gewertet werden. Historisch wurden sie ohne Zweifel dazu mißbraucht! Tabus in modernen und freien Gesellschaften sollten aber eher als letztes Stopp-Schild vor der existenziellen Unverletzbarkeit eines Menschen betrachtet werden! Insofern sind sie durchaus positiv zu sehen!

(8) ... ich glaube nicht, dass wir weitere Regeln brauchen, sofern wir uns alle auf unsere kommunikative Kompetenz besinnen! Und unsere Gelassenheit...! ;)

Grüsse galileo2609