PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Neue Hoffnung für Leben auf Titan



Kibo
25.11.2009, 11:50
Azetylen könnte die mögliche Energiequelle für Leben auf dem Titan sein. Nun geht man davon aus, dass sich größere Mengen davon in den Seen des Titan befinden

www.spiegel.de (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,663194,00.html)

Mfg Kibo

Bynaus
25.11.2009, 13:09
Ich finde die Vorstellung von exotischem Leben auf Titan gleichzeitig faszinierend und beunruhigend.

Lunine, der im Spiegel-Artikel auch vorkommt, meinte vor ein paar Monaten in einem arxiv-preprint (http://arxiv.org/abs/0908.0762), Titan sei vielleicht der beste Ort im Sonnensystem, um die Allgegenwart von Leben im Universum zu testen. Denn auf Titan würden herbeigewehte oder -gereiste irdische Bakterien nicht überleben (im Gegensatz zu Mars, Europa, Enceladus...), dh, sie haben keine Chance, sich evolutiv an die neuen Bedingungen auf der Titan-Oberfläche anzupassen. Finden wir also Leben auf Titan, einer aktiven Welt mit einem aktiven "hydrogeologischen Kreislauf" (wenn auch hier andere Stoffe die Rolle von Wasser übernehmen) würde das heissen, dass Leben in vielen verschiedenen Formen und an unzähligen Orten im Universum auftritt (und das ist es, was mich beunruhigt, denn es würde heissen, dass auch Zivilisationen relativ häufig sein müssten - trotzdem sehen wir sie nicht, dh, man müsste schliessen, dass die typische Zivilisation nie zu den Sternen reist). Eine Mission zum Titan, die in der Lage ist, abzuklären, was in diesen Methan-Seen so alles vor sich geht, könnte vielleicht die wichtigste wissenschaftliche Unternehmung im 21. Jahrhhundert sein.

_Mars_
25.11.2009, 16:17
Titan birgt sowieso noch einige Geheimnisse, darum wäre eine Mission äusserst begrüssenswert...

Wenn er näher an der Sonne wäre, wäre er wohl noch interessanter... Aber das kann man sich ja nicht aussuchen ;)

Mahananda
25.11.2009, 17:04
Hallo Bynaus,

der interessanteste, weil aufschlussreichste Abschnitt des Preprints findet sich auf Seite 12:


Methan und Ethan haben ihre eigenen Probleme, einschließlich ihrer Nichtpolarität, das bedeutet, dass solche Flüssigkeiten keine Unterstützung für molekulare Strukturen liefern, deren Stabilität von der Interaktion mit der Flüssigkeit abhängt. Aber kleine Mengen polarer Moleküle könnten in Titans Meeren existieren. Eine interessante Biochemie könnte sich aufbauen um die Dominanz von Wasserstoffbindungen zwischen organischen Molekülen, in der Tiefe von Nicht-Wasserstoff-Bindendem Methan und Ethan und in einer solchen Biochemie sind die niedrigen Temperaturen und konsequent langsamen Reaktionsraten nicht notwendigerweise ein Nachteil. Während nichts nach Art einer kompletten theoretischen Biochemie in flüssigem Methan oder Ethan aufgestellt wurde, gibt es keine Eigenschaften oder eine Anzahl von Eigenschaften, welche von vornherein eine Art von selbst-aufrechterhaltender, replizierender und katalytischer organischer Chemie ausschließen würde, die Leben genannt wird.

Aufschlussreich ist dieser Abschnitt deshalb, weil hier mit Konjunktiven nicht gespart wird, um eine irgendwie geartete Wahrscheinlichkeit zu konstruieren, die Leben trotz der "eigenen Probleme", die Methan und Ethan bereiten, irgendwie plausibel werden zu lassen. Lustig ist insbesondere der letzte Satz des Zitats. Weil es noch keine theoretischen Ausarbeitungen zu einer Biochemie in Methan und Ethan gibt, gibt es kein Ausschlusskriterium für die Möglichkeit einer solchen - so etwas nennt man Philosophie! - und folglich (so wird nahegelegt) ist mit einer Biochemie auf Titan zu rechnen. Nun ja, die Amerikanische Philosophische Gesellschaft wird sich über solche logischen Tricksereien bestimmt freuen. Dort wurde das Paper ja bereits zur Veröffentlichung akzeptiert.


Eine Mission zum Titan, die in der Lage ist, abzuklären, was in diesen Methan-Seen so alles vor sich geht, könnte vielleicht die wichtigste wissenschaftliche Unternehmung im 21. Jahrhundert sein.

Da hast du sicherlich recht, allerdings rechne ich mit einem negativen Ergebnis, was Lebewesen betrifft - eben wegen der "eigenen Probleme", der niedrigen Temperaturen und des sich als "notwendig" erweisenden Nachteils, dass bei diesen tiefen Temperaturen keine polaren Flüssigkeiten in Methan und Ethan eingebettet sein werden, die als Biosolventien geeignet sind. Insofern besteht eigentlich kein Anlass zur Beunruhigung ... :)

Viele Grüße!

MGZ
25.11.2009, 18:05
Eine Mission zum Titan, die in der Lage ist, abzuklären, was in diesen Methan-Seen so alles vor sich geht, könnte vielleicht die wichtigste wissenschaftliche Unternehmung im 21. Jahrhhundert sein.

Da liegt möglicherweise das Problem. Um etwas als Lebendig zu bezeichnen, muss man vor allem nachweisen, dass es sich vermehren kann.
Wenn man ein paar Objekte gefunden hat, von denen man annimmt, dass sie lebendig sind, muss man eine Umwelt reproduzieren, die ihnen angenehm ist und dann darauf warten, dass sie sich vermehren. Unter Titan-Standardbedingungen kann es Jahre dauern, bis eine Kryobakterie oder ein ähnliches Vieh sich unter optimalen Bedingungen teilt. Falls man auf Anhieb ihre Umwelt nachstellen kann, was extrem schwierig ist.
Ein paar Astronauten kann man auch nicht für so lange auf Titan leben lassen, schon weil es dort an Energiequellen mangelt.

Bynaus
25.11.2009, 18:23
und folglich (so wird nahegelegt) ist mit einer Biochemie auf Titan zu rechnen

Naja, ich denke nicht, dass er dies nahelegt. Er sagt ja sogar im Titel, dass Titan ein Test für die Verbreitung des Leben sei. Wenn er davon ausgehen würde, dass man mit einer Biochemie auf Titan rechnen müsste, könnte man das nicht behaupten.


Unter Titan-Standardbedingungen kann es Jahre dauern, bis eine Kryobakterie oder ein ähnliches Vieh sich unter optimalen Bedingungen teilt.

Du gehst da von chemischen Reaktionen wie in irdischem Leben aus. Ein Lebewesen, das sich von Acetylen ernährt, könnte auch einen sehr viel schnelleren Stoffwechsel haben, als man von einem so "kalten" Wesen erwartet.


Ein paar Astronauten kann man auch nicht für so lange auf Titan leben lassen, schon weil es dort an Energiequellen mangelt.

Ich meinte eigentlich nicht unbedingt Astronauten, aber selbst wenn - ist doch kein Problem, dann nehmen sie ihre Energiequelle eben mit: ein kleiner Atomreaktor sollte bei weitem reichen, um eine kleine Crew ein Jahrzehnt lang zu unterhalten.

Joerschi
25.11.2009, 21:18
Eine Mission zum Titan, die in der Lage ist, abzuklären, was in diesen Methan-Seen so alles vor sich geht, könnte vielleicht die wichtigste wissenschaftliche Unternehmung im 21. Jahrhhundert sein.

Als Zwischenfrage:
Wäre das mit heutigen technischen Know-How (und vertretbaren Kosten) möglich, eine längerfristige Mission auf Titan durchzuführen?
Ziel soll es sein, verschiedene Untersuchungen über einen längeren Zeitraum (Monate ?) durchzuführen um erste Fragestellungen zu möglichen Lebensbausteinen zu beantworten.

Um einfach mal eine Idee vorzugeben: Ein Lander ähnlich Spirit/Opportunity wird auf Titan ausgesetzt (könnte man jetzt sicher durch die Erfahrungen von Huygens sicher auf der Oberfläche aufsetzen lassen). Das Material müsste einerseits den unwirtschaftlichen Bedingungen eine Zeitlang trotzen und als Energiequelle wäre wohl z. Zt. nur eine nukleare Lösung denkbar. Agilität spielt eine große Rolle um auch Ziele rund um den Landeort in Augenschein nehmen zu können.
Die Kommunikation erfolgt wieder mal über einen Orbiter.

Anspruchsvoll sicher. Aber mit heutigen Möglichkeiten (oder während des nächsten Jahrzehnts) auch realistisch durchführbar?

Bynaus
25.11.2009, 21:34
Ich glaube, die Planung geht im Moment eher entlang folgender Ideen:

- Ein kleiner Orbiter kartiert die Oberfläche mit Radar und IR-Kamera und dient als Relais der anderen beiden Sonden zur Erde.

- Ballon mit kleiner wissenschaftlicher Nutzlast, der tagsüber aufsteigt und nachts landet und misst. Mit der Zeit wird er vom Wind über eine relativ grosse Fläche bewegt, vielleicht sind - nukleare Energiequelle vorausgesetzt - sogar ein paar Titan-Umrundungen möglich.

- Landung einer schwimmenden Sonde in einem der Seen, Messung der chemischen Zusammensetzung, Lebensspuren etc. Eine solche Sonde könnte auch batteriebetrieben sein. Möglicherweise müsste man sie aber so konstruieren, dass sie bei den tiefen Umgebungstemperaturen ohne grosse Heizung funktionieren kann. Denn ansonsten wird die Sonde ihre Umgebung zu stark beeinflussen (ist ja schon mit dem Huygens-Lander geschehen: er hat durch seine Abwärme Methan im umliegenden Boden zum Verdampfen gebracht...). Stellt euch als Äquivalent vor, man würde eine Sonde mit der durchschnittlichen Temperatur von Magma in einen irdischen Ozean werfen, um diesen nach Lebensspuren zu durchsuchen...

_Mars_
25.11.2009, 22:03
Ich meinte eigentlich nicht unbedingt Astronauten, aber selbst wenn - ist doch kein Problem, dann nehmen sie ihre Energiequelle eben mit: ein kleiner Atomreaktor sollte bei weitem reichen, um eine kleine Crew ein Jahrzehnt lang zu unterhalten.

Naja...
Wenn man genug Atome mithat...

Luft dürfte kein Problem sein, man öffnet einfach das Tor und hat 1,7 Bar Stickstoff, also relativ angenehm... Das noch aufheizen mit der Abwärme des Atoms...

Trinkwasser: Sauerstoff mit Methan unvollständig verbrennen.
Die Ausscheidungen elektrolysieren und Wasserstoff evt wieder zu methan verbinden (um keine natürl Kreisläufe zu stören) und ausstoßen.
Sauerstoff atmen.
Oder einfach etwas gestein (der Oberen Schicht , Formel H2O) nehmen, auf 0 ° Erwärmen und die daraus entstehende Flüssigkeit elektrolysieren


Ein wahrer Spitzenmond für In-Situ-Pioniere ;)

Joerschi
25.11.2009, 22:03
- Ein kleiner Orbiter kartiert die Oberfläche mit Radar und IR-Kamera und dient als Relais der anderen beiden Sonden zur Erde.

- Ballon mit kleiner wissenschaftlicher Nutzlast, der tagsüber aufsteigt und nachts landet und misst. Mit der Zeit wird er vom Wind über eine relativ grosse Fläche bewegt, vielleicht sind - nukleare Energiequelle vorausgesetzt - sogar ein paar Titan-Umrundungen möglich.

Kursiv durch mich...

Diese Idee gefällt mir außerordentlich gut. Die wissenschaftliche Ausbeute wäre wohl sehr hoch. Sowohl an Untersuchungen (wenn er gelandet ist) als auch an den netten pics der Titanlandschaft, welche jede Astronomieherz höher schlagen lassen.

Wahrscheinlich wird solch eine Mission aber frühestens ab 2020 realisiert. Cassini wird noch ein paar Jährchen seine Runden ziehen und selbst danach wird man noch lange die Daten davon auswerten. Aber ehe dann eine neue Mission ins Saturnsystem gestartet wird... :(
Eher gibts wahrscheinlich eine Mission zu Uranus, Neptun & Co. Wäre zumindest wünschenswert.

Bynaus
25.11.2009, 22:33
Wahrscheinlich wird solch eine Mission aber frühestens ab 2020 realisiert.

Leiderleider wirds wohl - Sprunghafte Änderungen in der weltweiten Raumfahrtsbegeisterung und bahnbrechende neue Technologien vorbehalten - nicht einmal bis dahin soweit sein.

Die nächste grosse "Flagship"-Mission der NASA und ESA wird ins Jupiter-System führen, und Europa und Ganymed sowie deren rhadamantische Ozeane kartieren - diese Mission wird um ca. 2020 herum starten. Danach ist wieder Zeit und Geld da für eine kombinierte Titan-Enceladus-Mission, aber das dauert wohl noch bis 2030-2035, bis wir erstmals Titanballon-Bilder sehen...

Uranus und Neptun werden wohl so schnell keine neue Flagship-Mission erhalten, dafür sind sie zu "uninteressant". Aber vielleicht reichts ja mal für eine New Frontiers Mission (a la New Horizon, man könnte wohl sogar nochmals das gleiche Raumschiff brauchen).

http://de.wikipedia.org/wiki/Tandem_%28Raumsonde%29

Schmidts Katze
25.11.2009, 23:11
Hallo Mars,

daß du gerne mal auf Titan rumlaufen würdest, glaube ich sofort.
Aber Kohlenstoffeinheiten mitzunehmen ist aus psychologischen Gründen auf so einer Mission absolut kontraindiziert.
Du kannst nicht eine Handvoll Astronauten mehrere Jahre völlig isolieren, ohne daß es zwischen ihnen zu Konflikten kommt, die den Abbruch der Mission erzwingen.
Mit Menschen an Bord kannst du nicht zum Titan fliegen.

Grüße
=^.^=

Frankie
30.11.2009, 17:52
Das ist sicher nicht richtig. Schon frühere Entdeckungsreisen mit Schiffen dauerten mehrere Jahre, und ich wette es gäbe genug Leute die so etwas wieder tun würden... ich würde es jedenfalls tun, wenn nicht andere Umstände das verbieten würden.

_Mars_
30.11.2009, 20:03
Naja, zumindest im Krieg gab es Menschen, die sowas aushielten (ob sie wollten oder nicht - keiner fragte danach...)

Kommunikation nach Hause: Per Feldpost 1 Weg mind. 14 Tage... Da ist die Kommunikation mittels Funk wohl noch vergleichsweise angenehm... Weiß jetzt nicht wie lange, wird aber kein Tag sein... (Ich denke eher Größenordnung 3-5 Stunden)

Besatzungen auf U-Booten, Antarktisstationen, mondbasis (zukünftig hoffentlich) - alle müssen lange auf engerem Raum zurecht kommen.

Und dafür gibt es zweifellos geeignete Menschen - davon bin ich überzeugt....

Es gab da mal ein Konzept: Winterschlaf für die Crew während des Fluges... Was ist daraus geworden??

Orbit
30.11.2009, 21:05
Weiß jetzt nicht wie lange, wird aber kein Tag sein... (Ich denke eher Größenordnung 3-5 Stunden)
Heute hat jeder an der Front sein Laptop mit dabei und das Handy sowieso - vor allem auch wegen der tollen Fotos, die er nach Hause übermitteln möchte. :D

Schmidts Katze
30.11.2009, 21:59
An welcher Front?
Wir sprechen vom Titan, nicht von Afghanistan.
Da kannst du dein Handy zuhause lassen.

Grüße
SK

Orbit
30.11.2009, 22:02
Mars sprach davon:

Kommunikation nach Hause: Per Feldpost 1 Weg mind. 14 Tage.. :D

Schmidts Katze
30.11.2009, 22:37
Mars schrob:

Naja, zumindest im Krieg gab es Menschen,
http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4teritum

Grüße
SK

CAP
30.11.2009, 23:45
Wenn in diesem Jahrhundert noch Menschen zum Mars aufbrechen, wäre ich schon zufrieden.Eine bemannte Titanreise wäre wirklich erst möglich, wenn eine neue Antriebstechnik entwickelt wird.

Frankie
01.12.2009, 01:07
Jede Reise kann angefangen werden. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse werden die Crew immer einholen... Das gilt natürlich nur, wenn das Schiff so groß ist daß es eigene Möglichkeiten hat technische Erzeugnisse herzustellen.

Stevie
02.12.2009, 12:36
Wenn in diesem Jahrhundert noch Menschen zum Mars aufbrechen, wäre ich schon zufrieden.Eine bemannte Titanreise wäre wirklich erst möglich, wenn eine neue Antriebstechnik entwickelt wird.

Ich glaube, das ist eher eine Frage der Finanzen! Atomtechnik könnte das Triebwerksproblem lösen - das bringt aber natürlich wieder eine "grüne" Diskussion. Soweit ich weiß, gibts schon erfolgversprechende Versuche.
Auch Ionenantrieb wäre denkbar.

Natürlich würde ein solches Raumschiff eine entsprechend Größe haben müssen. Die Gruppe der "Kohlenstoffeinheiten" sollte eine gewisse Größe
haben...vielleicht so um 12-15 , da eine solche Reise mehrere Jahre dauert.

Interessant finde ich dem Zusammenhang die Vorstellung, in Zukunft vielleicht die Kernfusion zur Verfügung zu haben. Ok. es wird wohl noch ein paar Jahrzehnte dauern bis wir soweit sind, aber es würde eine Menge Probleme lösen. Strahlung z.B. und natürlich auch entsprechend freiwerdende Kapazitäten für Nutzlasten, da wesentlich weniger raumfüllender Brennstoff mit genommen werden müsste.

CAP
02.12.2009, 14:57
Ja, es war ja mal irgendwo die Rede vom VASIMir Antrieb, aber selbst damit würde es doch noch sehr lange dauern oder nicht?Bis das entsprechende Gerät erstmal auf Reisegeschwindigkeit ist vergehen sicher ein paar Monate und bevor das Ziel erreicht wird muss sicher schon lange vorher das Bremsmanöver eingeleitet werden.Und selbst wenn es zeitlich machbar wäre, wie du schon sagtest, wird es fast unbezahlbar sein und bzgl. der Strahlung ist auch noch nicht klar ob es nicht zu riskant ist, das bezieht sich allerdings auch auf den Flug zum Mars

_Mars_
02.12.2009, 18:11
Der VASIMR ist ein elektrisches Antriebssystem.

Man kann ihn mit Strom aus Solarzellen, Atomstrom oder jeglichen sonstigen Strom betreiben.

39 Tage soll mit ihm die Reise zum Mars dauern. Vorausgesetzt genug Leistung, da müsste wohl Atomstrom zum Einsatz kommen...

2012-2013 soll er auf der ISS getestet werden, mittels Pufferbatterien soll er bis zu 15min laufen.
Wenn das funktioniert erwartet man sich, dass er teure Reboost-Maneuver der Soyus ersetzten könnte.
Ausserdem könnte, wenn er sich als funktionstüchtig erweist, dafür ein Atom-Energiesystem gebaut werden.

Stevie
03.12.2009, 10:43
39 Tage? ... hab ich noch nicht gehört, das wäre ja eine echte Revolution und würde eine bemannte Mission ins Sonnensystem (egal ob Mars,Titan, Europa..) in einem völlig neuen Licht sehen.
Muss das mal suchen...

Yadgar
18.12.2009, 02:50
High!


An welcher Front?
Wir sprechen vom Titan, nicht von Afghanistan.


Bingo! Mein Stichwort! (d.s.a.- und d.s.r.-Veteranen wissen Bescheid!)

Ich wäre jedenfalls nach all den Trips ins äußere Sonnensystem irgendwann auch wieder für rein zivile Afghanistan-Missionen, vielleicht sogar (astro-)touristischer Art - allein schon wenn man sich vorstellt, was man im Hindukusch beim Spechteln für fantastische Grenzgrößen hat!

Bis bald im Khyberspace (http://www.khyberspace.de)!

Yadgar

Kibo
04.06.2010, 20:24
Mal wieder was "neues"
Der Azethylen gehalt in der Atmosphäre Titans ist überraschen gerings. Das lässt darauf schließen, dass es Leben geben könnte welches sich davon ernährt.

Quelle:www.spiegel.de (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,698796,00.html)

Yadgar
09.06.2010, 02:47
High!



Ein wahrer Spitzenmond für In-Situ-Pioniere ;)

Caaaaaaaaaarlaaaaaaaaaaaa!!!!!

Bis bald im Khyberspace!

Yadgar

_Mars_
13.06.2010, 17:21
Vielleicht suchen wir auch an der falschen Stelle...

Unter den Methanseen des Titan liegen Eis- und Geröllschichen. Wieder darunter liegt vielleicht ein Schicht flüssigen Wassers. Dann gäbe es Enceladus-ähnliche Bedingungen dort...

Kibo
09.10.2010, 11:30
Vielleicht aber auch in der Atmosphäre des Titans selber?
Schaut mal hier:
Ganz brandheiße News vom Spiegel (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,722131,00.html)

mfg Kibo

Stevie
09.10.2010, 12:52
Sollte sich das wirklich als zutreffend herausstellen, würde das doch auf die Wahrscheinlichkeit der Existenz von weiterem Leben im Universum unerhörten Einfluss haben.

Dann sollte m.E. klar sein, dass die Erde als "Lebensherberge" nur eine von ziemlich vielen ist....
Ausserdem, stellt sich da nicht die Frage, ob die Natur nicht versucht, immer irgendwie irgendwas Lebendes zu produzieren?

Mahananda
20.07.2015, 02:30
Vor wenigen Tagen ist in der Zeitschrift "Life" aus Basel ein Artikel über diverse Grenzen des Lebens erschienen. Den Abschnitt über eventuelles Leben auf Titan habe ich hier einer Kritik unterzogen:

https://ursprunginsleben.wordpress.com/2015/07/20/spekulationen-ueber-leben-auf-titan/

ralfkannenberg
20.07.2015, 20:44
Vor wenigen Tagen ist in der Zeitschrift "Life" aus Basel ein Artikel über diverse Grenzen des Lebens erschienen. Den Abschnitt über eventuelles Leben auf Titan habe ich hier einer Kritik unterzogen:

https://ursprunginsleben.wordpress.com/2015/07/20/spekulationen-ueber-leben-auf-titan/
Hallo Mahananda,

ich habe mir den ersten Absatz Deiner Übersetzung mal abgeschaut und möchte Dir dringend ans Herz legen, jemanden, der Englisch als Muttersprache hat, beizuziehen. Ich jedenfalls habe nach dem ersten Absatz keine Lust mehr gehabt, weiterzulesen.


Freundliche Grüsse, Ralf

Mahananda
20.07.2015, 21:38
Hallo Ralf,

Danke für den Hinweis. Ich habe mir das Ganze ebenfalls noch einmal durchgelesen und stelle fest, dass es tatsächlich sehr umständlich und holprig zu lesen ist. Vielleicht habe ich in den nächsten Tagen etwas mehr Zeit, so dass ich den Text in eine lesbarere Form überarbeiten kann. Mir ging es zunächst darum, eine möglichst originalgetreue Übersetzung anzufertigen, um mit ihr dann weiterzuarbeiten.

Viele Grüße!

ralfkannenberg
20.07.2015, 21:47
Mir ging es zunächst darum, eine möglichst originalgetreue Übersetzung anzufertigen
Hallo Mahananda,

und gerade das ist sie eben leider nicht. Wäre sie nur holprig zu lessen, so hätte ich mich gewiss nicht zu Wort gemeldet. Nein, sie ist leider ungenau.

Und das ist eben schade, weil man dann gar nicht erst weiterliest und dann bis zu dene interessanten Aspekte, die Du eingebracht hast, gar nicht gelangt.

Ich habe das am eigenen Leibe gespürt: ich verfasse ja jeden Monat einen Astronomie-Beitrag in einem Jugendforum und da kam der Wunsch eines indischen Rechtsanwaltes, ob ich nicht auch etwas in englischer Sprache schreiben könnte. Obgleich ich eigentlich im Ruf stehe, sehr gut englisch zu können, habe ich einen Arbeitskollegen aus England gebeten, meinen nur 3-seitigen Text zu prüfen. Dieser Text ist an sich banal, es geht im Wesentlichen nur darum, Sterne in Sternbildern zu finden.

Ich hatte über 120 Fehler !!!


Freundliche Grüsse, Ralf

Dgoe
20.07.2015, 22:12
Hallo Mahananda,

möglicherweise schon überarbeitet - ich mag mich dem jedenfalls nicht anschließen, korrekte Grammatik, alles prima. Geht runter wie Öl, wenn da nicht diese Fachbegriffe wären (die ich allerdings auch nicht missen möchte).

So z. B. "amphiphilisch (https://www.google.de/search?q=amphiphilisch&client=ms-android-hms-tef-de&sourceid=chrome-mobile&espv=1&ie=UTF-8)", wo ich zuerst an einen Tippfehler dachte, eben ein phi zuviel, aber nein, da gibt es was zu entdecken! Kein Tippfehler.

Toll - und hochinteressant, lese noch...

Gruß,
Dgoe

ralfkannenberg
20.07.2015, 23:45
Vor wenigen Tagen ist in der Zeitschrift "Life" aus Basel ein Artikel über diverse Grenzen des Lebens erschienen. Den Abschnitt über eventuelles Leben auf Titan habe ich hier einer Kritik unterzogen:

https://ursprunginsleben.wordpress.com/2015/07/20/spekulationen-ueber-leben-auf-titan/
Hallo zusammen,

schauen wir uns doch nur den ersten Absatz mal zusammen an:


Auf einem Mond wie Titan mit seiner Oberfläche, die teilweise mit flüssigem Methan und Ethan bedeckt ist, würden Organismen mit einer Biochemie, wie sie von der Erde bekannt ist, nicht gedeihen,
bis hierher m.E. korrekt.


es sei denn,
ungenau: "even if" heisst: "auch dann, wenn"


es würden einige neuartige Anpassungen genutzt.
Zustimmung; Du hast zwar den Nebensatz "wie im vorherigen Beispiel spekuliert" weggelassen, aber ok, da Du Dich im weiteren nicht darauf beziehst. Vielleicht kann man das mit "(...)" andeuten.


Sicher würde ein unpolares Lösungsmittel erfordern,
Gerade noch ok; warum aber nicht wörtlich: "Sicherlich, ein unpolares Lösungsmittel würde erfordern, dass ..." - die Betonung ist einfach eine andere !


dass die Biochemie dieser mutmaßlichen Organismen stark von unserer verschieden ist
Das ist sehr schön in die deutsche Sprache übertragen, auch wenn "stark" für "drastically" etwas untertrieben ist, aber im deutschen neigen wir nicht zu diesen überflüssigen amerikanischen Übertreibungen.


und eine neue Biochemie wäre erfunden worden.
Ungenau bis falsch: "wäre" ist Vergangenheit, aber im Original heisst es: "müsste erfunden werden" bzw. wörtlich: "würde zu erfinden sein müssen".


Organismen auf der Erde haben Membranen, die amphiphilisch mit ihren polaren (hydrophilen) Köpfen in das Lösungsmittel Wasser eintauchen und deren nichtpolare (hydrophobe) Schwänze
gut, aber nun fehlt etwas: ", die zueinander orientiert sind,"


vom Lösungsmittel weg orientiert sind.
Das ist wiederum korrekt.

Wie gesagt: es ist natürlich nicht völlig falsch, aber doch in mehreren Punkten unnötig ungenau, auch wenn ich es ausdrücklich begrüsse, dass Du diese für die deutsche Mentalität atypische Übertreibung sinngemäss und nicht wörtlich übersetzt hast.


Freundliche Grüsse, Ralf

ralfkannenberg
21.07.2015, 01:00
Den Abschnitt über eventuelles Leben auf Titan habe ich hier einer Kritik unterzogen:

https://ursprunginsleben.wordpress.com/2015/07/20/spekulationen-ueber-leben-auf-titan/
Hallo Mahananda,

ich wollte mir mal Deine beiden ersten Einwände näher anschauen. Zu diesem Zwecke braucht es aber die Referenzen [49] und [50]. Die erste kostet 40 Dollar, die zweite darf man sich für 51 Dollar einen Tag lang anschauen ...

Besteht die Möglichkeit, diese beiden Referenzen ein bisschen preisgünstiger zu erwerben, damit man die dort vorgeschlagenen Mechanismen etwas detaillierter nachlesen kann ?


Freundliche Grüsse, Ralf

Dgoe
21.07.2015, 06:20
es ist natürlich nicht völlig falsch, aber ...

Hallo Ralf,

es ist nicht mal erwähnenswert. Dein Vorschlag mit "Sicherlich..." sogar eine Verschlimmbesserung.

Gruß,
Dgoe

Mahananda
21.07.2015, 09:24
Hallo Ralf,

noch einmal Danke für Deine Hinweise zur Textübersetzung. Ich werde mich in den nächsten Tagen (vielleicht auch schon heute, mal sehen, wie ich es schaffe ...) noch einmal dransetzen und die Übersetzung überarbeiten.


Besteht die Möglichkeit, diese beiden Referenzen ein bisschen preisgünstiger zu erwerben, damit man die dort vorgeschlagenen Mechanismen etwas detaillierter nachlesen kann?

Ich habe die Quellen - soweit verfügbar - am Ende meines Beitrages verlinkt.

Viele Grüße!

Mahananda
21.07.2015, 09:28
Hallo Dgoe,


Toll - und hochinteressant, lese noch...

Schön, dass es Dir gefällt. Die vielen Fremdwörter sind nun mal Usus in Fachartikeln. Sie innerhalb der Übersetzung zu erklären, wäre unpraktikabel, aber ein Glossar als Anhang könnte ich noch beifügen, damit der Text leichter verständlich wird.

Viele Grüße!

ralfkannenberg
21.07.2015, 10:28
es ist nicht mal erwähnenswert. Dein Vorschlag mit "Sicherlich..." sogar eine Verschlimmbesserung.
Hallo Dgoe,

nein, das sehe ich nicht so. Warum ungenau übersetzen wenn es auch ohne Informationsverlust und Stilverlust genau geht ? Aber eben - es ist nur ein "Review-Kommentar" von mir, nichts weiter.


Freundliche Grüsse, Ralf

ralfkannenberg
21.07.2015, 10:29
Ich habe die Quellen - soweit verfügbar - am Ende meines Beitrages verlinkt.
Hallo Mahananda,

Klasse - besten Dank :)


Freundliche Grüsse, Ralf

Dgoe
21.07.2015, 20:16
... ein Glossar als Anhang könnte ich noch beifügen, damit der Text leichter verständlich wird.
Das ist eine hervorragende Idee, für viele, mich eingeschlossen, sicher hilfreich. Ich schlage sonst immer eine Googlesuche zum Begriff auf, per Wort markieren und klick! (je nach Browser die Lupe oder im Rechts-Klick-Menü, die Suche öffnet sich in einem neuen Tab). Nach den - manchmal längeren - Exkursionen, schließe ich den Tab wieder und lese weiter...


Warum ungenau übersetzen...Da hast Du auch wieder recht, ich wollte auch weniger Deine Review kritisieren, als nur zum Ausdruck bringen, dass ich persönlich zumindest, es nicht so schlimm fand/finde. Für den gehobenen Anspruch, den Mahanandas Artikel allgemein haben, sind die Hinweise natürlich wertvoll.

Gruß,
Dgoe

Mahananda
22.07.2015, 13:23
Hallo Dgoe,


Das ist eine hervorragende Idee, für viele, mich eingeschlossen, sicher hilfreich.

Ich habe den Artikel jetzt aktualisiert.

Viele Grüße!

Dgoe
24.07.2015, 00:18
Vielen vielen Dank.

Zum Glück hilflt es auch anderen, so dass ich mich nicht allzu beschämt fühlen brauch. Sehr spannend - das Glossar (https://ursprunginsleben.wordpress.com/2015/07/20/spekulationen-ueber-leben-auf-titan/) (scroll down) alleine schon.

Gruß,
Dgoe

Dgoe
01.08.2015, 00:10
Hallo Mahananda,

ich wünschte mir, dazu noch eine Diskussion zu erleben. Von meiner Seite kann ich gerade mal sagen, dass evtl. doch mehr UV-Strahlung den Boden erreicht und sich da unten evtl. doch mehr Metalle befinden, als man ungefähr annimmt... Wer weiß?

Aber auch so als interessierter Laie, kann ich mir nur schwerlich vorstellen, dass da ein Schuh draus wird, ausserhalb ambienter Temperaturen. Wie subjektiv auch immer, so habe ich dennoch sehr oft und so viel über so vieles gelesen, dass ich mir einfach eine Meinung erlaube, erst mal intuitiv.

Flüssiges Wasser ist eine solide Grundlage, gemischt mit etlichen gängigen Ingredenzien, bildet es eine Grundlage. Dazu noch ganz viel Zeit für jede Menge Zufälle am Besten. Ein Schuss Olivenöl und fertig ist das Gericht.

Bei 80° Kelvin, just forget about it. Da muss der Ofen schon besser brutzeln...

Gibt es ja sicher auch zuhauf, hier und woanders. Aber auch Titane wird es viele geben, noch mehr vielleicht, aber dort ist nun mal Essig, nix los. Schlicht und ergreifend.


Interssant wäre aber, wenn Du Deine professionelle Kritik den Autoren zukommen lassen würdest.
Das mag vielleicht untergehen beim Versuch, oder aber auch zu einem Dialog, den sich die Autoren auf so einem kompetenten Niveau ganz sicher wünschen, führen.

Na ja, ultracool wäre dann noch natürlich, wenn öffentlich einsehbar, verfolgbar, oder in Zusammenfassung irgendwann. Wäre spannend.

Gruß,
Dgoe