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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Missionen: Erst der Jupiter, dann der Saturn



astronews.com Redaktion
19.02.2009, 12:31
ESA und NASA wollen bei den kommenden Missionen zur Erforschung der äußeren Planeten des Sonnensystems zusammenarbeiten. Bei einem Treffen in Washington in der vergangenen Woche wurden die Prioritäten festgelegt: Zunächst soll der Jupiter und seine vier größten Monde erkundet werden. Doch auch eine Mission zum Saturn und seinen Monden Titan und Enceladus wird weiter verfolgt. (19. Februar 2009)

Weiterlesen... (http://www.astronews.com/news/artikel/2009/02/0902-027.shtml)

Bynaus
19.02.2009, 13:39
Ausgezeichnete News...

Cassini ist am Saturn noch lange nicht fertig - und die Auswertung der Daten wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Von Jupiter haben wir hingegen schon lange nichts mehr gehört...

Europa ist diejenige Welt im Sonnensystem, auf der es Leben geben müsste, wenn Leben wirklich einfach und häufig entsteht. Hier gibt es flüssiges Wasser und da der Ozean in Kontakt mit dem Felsuntergrund steht (stehen soll, nach allem, was wir wissen), auch genügend Nährstoffe. Der dicke Eispanzer stellt vermutlich sicher, dass Leben auf Europa nicht von der Erde eingeschleppt werden konnte. Und auch wenn diese Mission wohl noch nicht in der Lage sein wird, Leben im Europaozean zu finden, wir werden sehr viel über diese ausserordentliche Umgebung lernen.

Mahananda
20.02.2009, 12:49
Meine Freude über diese Entscheidung ist nicht ganz ungetrübt. Gerade nach dem, was über Cassini-Huygens zu Titan und Enceladus bekannt geworden ist, besteht hier die Aussicht auf größeren Wissenszuwachs als bei Europa und Ganymed. Gerade deshalb, weil die eigentlich interessanten Objekte, die für die Rekonstruktion einer eventuellen chemischen Evolution nicht kilometerdick zugefroren sind, sondern unmittelbar an der Oberfläche präsent sind (Titan) bzw. nur unter einer wenige Meter (!) dicken Eisschicht in flüssigem Wasser verteilt sind (Enceladus).

Um eventuelles Leben auf Europa ausfindig zu machen, müsste man auf Europa landen, Eisproben nehmen und ggf. die Eisdecke durchstoßen, um Ozeanwasser zu entnehmen bzw. bis zum Ozeangrund tauchen, um evtl. vorhandene Vulkanschlote zu untersuchen. Von einer Landeeinheit ist im Artikel nicht die Rede, schon gar nicht von einer Kryobot-Mission. Auf Ganymed verschärft sich das Problem durch die noch dickere Eisdecke.


Der dicke Eispanzer stellt vermutlich sicher, dass Leben auf Europa nicht von der Erde eingeschleppt werden konnte.

Sagen wir es mal so: Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering - schon weil Meteoriten, die von der Erde stammen, bevorzugt zur Sonne hin treiben als von ihr weg. Ganz auszuschließen ist es jedoch nicht, dass sich z.B. Deinococcus radiodurans bis zur Europa durchgeschlagen hat und via Eisspalt den Ozean kontaminiert hat - Nährstoffe dürften an der Eisunterseite genügend vorhanden sein; Nachschub kommt ja von unten. Aufregend wäre das allemal, aber für die autochthone Entstehung von Lebewesen befürchte ich, das dazu zuviel Wasser vorhanden ist.

Interessanter scheint mir zu sein, was in den Uferregionen der Methanssen auf Titan passiert, die episodisch trockenfallen. Wie weit ist dort die chemische Evolution vorangekommen (Membranbildungen? Matrizenmoleküle?) - auch und gerade wegen der niedrigen Temperaturen dort. Für Leben wird es vielleicht nicht reichen, aber die Vorstufen dahin sind für die Beurteilung, ob Leben einfach und notwendig entsteht, möglicherweise viel aufschlussreicher als Deinococcus auf Europa.

Weiterhin dürfte die Aufklärung der Natur der mysteriösen Wärmequelle am Südpol von Enceladus ebenfalls von nicht geringem Interesse sein ...

MoreInput
21.02.2009, 20:13
Wäre ja schon genial, aber sicher ein technisches Meisterstück. Erst die Reise zum Jupiter (das klappt ja bisher ganz gut), dann die sanfte Landung auf Europa, dann das durchbohren durch den Eispanzer (nur 10-15 km ..., wieviel Energie braucht es denn dafür), dann wechsel in den UBoot Modus, und hoffen, dass die Sendeleistung ausreicht, die Ergebnisse zurückzufunken (über einen eigenen orbiter?)

Sollte man da nicht erstmal eine Erkundungsmission direkt auf Europa landen lassen? Um überhaupt mal festzustellen, wie das Eis beschaffen ist. Ich denke da an die Phoenix Sonde, bei der die Bodenproben andere Eigenschaften als gedacht hatten.

Mir würde am liebsten ein Ballon in der Jupiterathmosphäre gefallen, das gäbe tolle Aussichten. Oder mal Nahaufnahmen der Saturnringe, da Cassini leider nicht so nahe drankommen wird, dass man die einzelnen Eisbrocken sieht.

Mahananda
22.02.2009, 08:59
Sollte man da nicht erstmal eine Erkundungsmission direkt auf Europa landen lassen?

Das wäre zumindest ein Anfang, um weiter zu kommen als bei der Galileo-Mission. Aber es sind nur zwei Orbiter geplant, so dass wir "nur" noch schärfere Bilder von der Eisoberfläche bekommen werden.