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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kosmologiemodell David Wiltshire



MoreInput
04.08.2008, 21:25
Hi!

Im Juni habe ich einen Vortrag über Kosmologie gehört. Hierbei ging es um eine Weltmodell, welches abweicht vom Standard-Modell der Kosmologie. Der Vortrag wurde gehalten von Henk van Elst, und befindet sich hier: http://hikwww2.fzk.de/avka/, im Archiv "Kosmisches Höchstgeschwindigkeitsrennen". Mal abgesehen davon, dass der Titel vollkommen daneben war, war das Niveau sehr hoch:
- Planck-ära
- Geschichte des beobachtbaren Universums
- Kosmologische Rotverschiebung
- Kosmische Entfernungsleiter
- Mikrowellenhintergrund
- großskalige Strukturen
- Friedman-Lemaitre-Gleichung
- Entfernungen im Universum
- Bestimmung des Bremsparameters
- Beschleunigte Expansionsrate

Interessant wird es auf Seite 26: Hier stellt es das Modell von David Wiltshire vor: Die Zeit verläuft in den "voids" mit anderer Geschwindigkeit als in den Rändern der Voids mit hoher Materiedichte und auch die Krümmung ist dort anders.

Sein Modell will die Dunkle Energie erklären (es gibt keine!), und weswegen die beschleunigte Expansion mit der großen Strukturbildung (Superhaufen etc) zusammenfällt (etwas, was im Standardmodell niemand erklären kann). Er nimmt das Universum nicht als total homogen an, sondern berücksichtigt auch die unterschiedlichen Masseverteilungen.
"Die beschleunigte expansion des beobachtbaren Universums ist für Wandgebundene Beobachter real, für leerraumgebundene Beobachter nicht"

Seite 34 ist ebenfalls interessant:
Das Weltalter im Leerraum ist 38% größer als in den Wänden (also bei uns in den Galaxienhaufen).

Weitere Infos aus der Zeitung: http://www.nzz.ch/nachrichten/wissenschaft/das_standardmodell_der_kosmologie_unter_beschuss_1 .704811.html


Seine Fazit:
- Die Beobachtungsdaten lassen sich auch ohne Dunkle Energie erklären. Z.B. soll in den "Voids" die Zeit langsamer
- Die Kosmologiediskussion wird zu stark von Teilchenphysikern und der Teilchenphysik bestimmt. Es gibt zu wenig echte Physiker, die die Kosmologie von der Relativitätsseite sehen. Zitat: "Misslage der relativistischen Gravitationsphysik an deutschen Universitäten - erbärmlich"

Was haltet ihr davon? Ist es wirklich realistisch, soviel Zeitunterschied zwischen den Voids und den Materieansammlungen haben?
Es würde ohne die dunkle Energie erklären, weswegen sich das Universum gerade zu dem Zeitpunkt beschleunigt ausdehnt, nachdem die großen Strukturen sich ausgebildet haben.
Oder kann man die lokalen Masseansammlungen wie bisher einfach ignorieren?

(Sollte das Thema zu weit vom Mainstream sein, dann kann es gerne in einen anderen Thread weiterfliessen.. :D)

Grüsse,
MoreInput

komet007
05.08.2008, 09:35
Was haltet ihr davon? Ist es wirklich realistisch, soviel Zeitunterschied zwischen den Voids und den Materieansammlungen haben?


Im Grunde zeichnet sich dieser Effekt, wie Ralf gerade in einem anderen Thread richtig bemerkt hatte, in der Hintergrundstrahlung ab.

Ich
05.08.2008, 10:24
Was haltet ihr davon? Ist es wirklich realistisch, soviel Zeitunterschied zwischen den Voids und den Materieansammlungen haben?
Nö, überhaupt nicht. Wenn ich eine Massenansammlung mit doppelter kritischer Dichte im leeren Raum rechne, dann komme ich auf ~0,6% bei einem Radius von 1 Gly. Und das ist schon weit über den beobachteten Inhomogenitäten.
Ohne mich weiter einzudenken würde ich als wahrscheinlichste Ursache für das Modell annehmen: da hat sich wieder einer ordentlich in der ART verheddert. Die Sprüche aus dem Umfeld ("Misslage der relativistischen Gravitationsphysik an deutschen Universitäten - erbärmlich", "wird mal wieder ignoriert" etc.) stützen diese Interpretation.