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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Raumfähren Start und Landung



Mathias
22.06.2008, 14:30
Wieso baut man keine Raumfähren, welche wie die Concord starten und erst in grosser Höhe das Raketentriebwerk zünden ?
So viel ich weis braucht ja der Start am meisten Energie.

Wieso kann eine Raumfähre nicht mit geringerer Geschwindigkeit in die Atmosfähre eindringen, so das es nicht soviel Reibungswärme gibt ?

AndreR
22.06.2008, 14:52
Das frage ich mich auch. Diese Raketen verplempern doch unglaublich viel Treibstoff bereits auf der Erde (siehe riesige Explosionswolke). Warum bindet man die Raumfähre nicht an ein Überschallflugzeug und lässt diese auf 20 oder 30 Kilometer Höhe rauf? Von da an sollten die Energieaufwendungen doch viel geringer sein, als dieses Ding senkreht hoch zu katapultieren.

Macht es nicht diese kleine kommerzielle Raumfähre so (erster privater Raumflug), indem man sie mit nem Flugzeug hochschleppt und dann ausklinkt?

mac
22.06.2008, 14:54
Hallo Mathias,

die Energie die beim Start verbraten wird, wird zum größten Teil dafür gebraucht, die Raumfähre auf die nötige Höhe zu ‚heben‘.

Das geht nur durch ihre Geschwindigkeit.

Eine Verzehnfachung ihrer Geschwindigkeit verbraucht (ohne Luftreibung) 100 mal soviel Treibstoff. Dieser Treibstoff muß aber schon beim Start mit hoch gehoben und ebenso mit beschleunigt werden.

Würde man jetzt auch noch den Treibstoff mitnehmen müssen, der für eine Abbremsung auf Geschwindigkeiten ohne nennenswerte Luftreibung nötig wäre, dann wäre das jetzt ohnehin schon monströse Raumfahrzeug geradezu niedlich klein, verglichen mit dem, was bei Deiner ‚Vorstellung‘ in den ‚Himmel‘ transportiert werden müßte.

Herzliche Grüße

MAC

pinkshark
22.06.2008, 20:57
Irgendwie kann ich mich erinnern das im Laufe der letzten 12 Monate erwähnt wurde das seit ca 10 Jahren ein deutscher Wissenschaftler ein geändertes Anflugverfahren vorgeschlagen hatte.
Kann den Artikel leider nicht finden. Ein sehr bekannter Mathe / Physik Professor.

Und wie bei einem Kiselstein liesse sich bestimmt ein mehrfaches Eintauchen realisieren um die Temperaturen niedriger zu halten.
hat aber bestimmt auch Nachteile !

jonas
22.06.2008, 21:18
Und wie bei einem Kiselstein liesse sich bestimmt ein mehrfaches Eintauchen realisieren um die Temperaturen niedriger zu halten.
hat aber bestimmt auch Nachteile !
Ja, und zwar den, dass man beim ersten Aufschlag in den Weltraum hinauskatapultiert wird, um dann beim nächsten Aufschlag in einem zu steilen Winkel einzutauchen. Und das heisst dann adios muchachos.

Bynaus
23.06.2008, 07:12
Nichtdestotrotz, solche luftatmenden Raumfahrzeuge wurden, nicht zuletzt in Deutschland, oft angedacht oder sogar geplant. Man denke an das National Space Plane der USA oder das Sänger-Flugzeug Deutschlands. Der Ansatz ist also nicht ganz abwegig - auch Scaled Composites, welche das kommerzielle SpaceShipTwo baut, setzt hier an - SpaceShipThree, das angedachte Orbitalflugzeug, würde dann genauso aus der Luft starten. Auch die Sache mit dem mehrfachen Eintauchen wurde schon öfters angedacht: die Idee ist, dass wenn man den Einfallswinkel ohnehin schon so genau planen muss, dass man nicht zu steil und nicht zu flach eintaucht, dann kann man ihn auch so planen, dass man bloss ein bisschen eintaucht, gleich wieder raus, dann wieder rein, etc etc - eben wie bei einem Stein, der über die Wasseroberfläche springt, wenn er genau den richtigen Winkel hat.

spicy
25.06.2008, 09:50
Dann gäbe es ja noch die Möglichkeit einer stratosphärischen Plattform...
Ein Turm, mit einer Höhe von 50 km ist nach Angaben der Nasa längst realisierbar und würde eine ganze Reihe von Möglichkeiten eröffnen, nicht bloß als Weltraumbahnhof Nutzen bringen!

Viele Grüße!

mac
25.06.2008, 11:50
Hallo spicy,


Ein Turm, mit einer Höhe von 50 km ist nach Angaben der Nasa längst realisierbar ...kannst Du uns die Quelle verlinken?

Herzliche Grüße

MAC

pauli
25.06.2008, 11:51
Ein Turm, mit einer Höhe von 50 km ist nach Angaben der Nasa längst realisierbar ...
klingt ziemlich verwegen, hast du dazu irgendeinen Link?

jonas
25.06.2008, 14:22
Ein Turm von 50 km Höhe würde nichts bringen. Die Gravitation ist auf einer solchen Plattform vernachlässigbar geringer als auf der Erdoberfläche.

Orbit
25.06.2008, 15:01
Genau um 1,33%

jonas
25.06.2008, 15:35
Danke fürs nachrechnen. War selber wieder mal zu faul dazu :D

Bynaus
25.06.2008, 15:35
Ich glaube, er meint den Space Pier (http://autogeny.org/tower/tower.html). Das wären dann eher 100 km, und so bald wird man so ein Teil auch nicht bauen.

Es geht dabei aber weniger darum, bei weniger Gravitation zu starten, sondern darum, die Troposphäre per Lift zu durchqueren und dann direkt im Vakuum ins All zu starten, u.U. sogar ohne Raketenantrieb, nur mit einem magnetischen Beschleuniger.

spicy
26.06.2008, 19:10
Hi Ihr,

das war gar nicht so einfach, diese Seite wiederzufinden...
Hatte sie damals für meinen Sohn gesucht.
Is 'ne Weile her!
In dem Bericht wird auch weniger von einer Plattform geschrieben, als vielmehr von Turm, - für den Lift...
Von dem halte ich recht wenig.
Mir fiel dann ein, dass ich die Plattform wohl dazugedacht hatte.

Viele Grüße!

http://www-users.rwth-aachen.de/matthias.paetzold/ssj/technik070900.html

MichaMedia
26.06.2008, 20:38
Fahrstuhl des Grauens...

Material und Technik ist leicht zu realisieren, Hauptfaktor bleibt neben den Finanzen, die Wartung.

Wir bauen einen Turm, 6x größer als der größte Berg, schon ein Gebäude von 1000m müsste sich finanziell lohnen. Die ganze Konstruktion würde mehr kosten als einige herkömmliche Starts, wenn sich das später nicht rentiert, wird auch nichts daraus. Denn auch die Wartung wird beachtlich aufwendiger und somit Teurer. Einziger Vorteil ist, dass eben mehr Starts etc. ablaufen können, dafür muss Bedarf bestehen.
Die einzige Möglichkeit sehe ich bei sowas, dass es auch für Tourismus genutzt wird um es mit zu finanzieren.
Nur zu welchem Preis, zu hoch, fahren wenige, etwas billiger fahren mehr, aber es müssten schon zahlreiche Fahrten sein und dennoch nicht zu Preisen wie nach Mallorca, dazu kommt ja auch das drum herum (Sicherheit, Verpflegung, Medizin...).
Letztendlich würde das ganze aus Kostenfragen und Folgekosten nicht realisierbar sein, aber lassen wir uns überraschen.

Gruß Micha

AdMon
03.07.2008, 13:11
die Energie die beim Start verbraten wird, wird zum größten Teil dafür gebraucht, die Raumfähre auf die nötige Höhe zu ‚heben‘.

Das geht nur durch ihre Geschwindigkeit.

MAC

Hallo Mac,

von welcher Geschwindigkeit redest Du?

Vorausgesetzt, er hätte genug Treibstoff zur Verfügung, könnte sich dann nicht ein Flugkörper, sagen wir mal mit konstant 5 km/h von der Erde entfernen?

Wenn Du die Fluchtgeschwindigkeit meinst, dann hatte ich die bisher so verstanden, dass es die Geschwindigkeit ist, mit der ein Massezentrum umkreist werden muss, um soviel Fliehkraft zu erzeugen, dass dessen Kraftfeld überwunden wird - also mit 11 Km/s im Falle der Erde. Warum ist es nicht möglich die Energie, die ich zum Erreichen der Fluchtgeschwindigkeit benötige, in eine radiale, sozusagen geradlinige Fortbewegungsrichtung zu stecken (Sonne - Erde - Flugkörper immer in einer Linie wärend er sich entfernt). Welchen Einfluss hat die Erdrotation selbst auf den sich entfernenden Flugkörper - wird dieser gezwungen die Erdrotation nachzuvollziehen oder dreht sich die Erde einfach unter ihm hinweg?

Hab leider keine Ahnung von der Mechanik, die hier Zugrunde liegt.

Ich bedanke mich schonmal für eventuelle Antworten.
AdMon

jonas
03.07.2008, 23:48
Hi AdMon

Vorausgesetzt, er hätte genug Treibstoff zur Verfügung, könnte sich dann nicht ein Flugkörper, sagen wir mal mit konstant 5 km/h von der Erde entfernen?
Klar könnte er das, genauso wie er auch schlicht einen Meter über der Erde schweben könnte, bis ihm der Treibstoff ausgeht.

Die Fluchtgeschwindigkeit ist definiert als die Geschwindigkeit, die ein Körper haben muss, um von der Oberfläche für immer zu verschwinden ohne danach nochmal beschleunigen zu müssen.

Nun kann man aber eine Rakete nicht von Null auf 11,2 km/s innerhalb einer Millisekunde beschleunigen. Sie könnte die Fluchtgeschwindigkeit erst - sagen wir mal - in 100 km Höhe erreichen. In dieser Höhe ist, aufgrund der jetzt etwas grösseren Entfernung vom Erdmittelpunkt, also dem Gravitationszentrum, die nötige Fluchtgeschwindigkeit bereits etwas geringer, grob geschätzte 11,19999 km/s :D

Wenn die Rakete diese Geschwindigkeit nun also nach hundert Kilometern Höhengewinn erreicht hat, dann kann sie ihren Antrieb stoppen und wird erst in unendlicher Entfernung von der Erde (relativ zu ihr) zum Stillstand kommen.


Wenn Du die Fluchtgeschwindigkeit meinst, dann hatte ich die bisher so verstanden, dass es die Geschwindigkeit ist, mit der ein Massezentrum umkreist werden muss, um soviel Fliehkraft zu erzeugen, dass dessen Kraftfeld überwunden wird - also mit 11 Km/s im Falle der Erde. Die Geschwindigkeit, die nötig ist um in einem stabilen Orbit um das Massezentrum auf ewig herumzufallen ist deutlich geringer als die Fluchtgeschwindigkeit. Man bleibt dabei ja quasi per Traktorstrahl gefangen und flieht nicht weiter ;) Irgendein Herr Kepler hat da mal was dazu geschrieben, und soweit ich weiss hat auch ein Herr Newton seinen Senf dazu gegeben. Bin jetzt zu faul zum suchen ;)


Welchen Einfluss hat die Erdrotation selbst auf den sich entfernenden Flugkörper - wird dieser gezwungen die Erdrotation nachzuvollziehen oder dreht sich die Erde einfach unter ihm hinweg?
Wenn ein Körper von der Erdoberfläche aus startet hat er zunächst einmal einen Drehimpuls, den er von seinem Aufenthalt auf der sich drehenden Erde mitnimmt. Wie beim Eiskunstläufer, der nach einer Pirouette seine Arme wieder ausstreckt und langsamer wird, würde auch eine Rakete mit steigender Höhe sich langsamer drehen, bzw die Winkelgeschwindigkeit nimmt ab (vgl. Kepler Gesetz: In gleichen Zeitintervallen werden gleiche Kreissegmentflächen überstrichen). Die Erde würde bei konsequent senkrechtem Aufstieg also beginnen sich unter der Rakete allmählich wegzudrehen.

Bei realen STarts von Raketen versucht man daher möglichst viel von dem "Schwung" der Erddrehung mitzunehmen, und der ist am Äquator am grössten. Daher hat Europa seinen Raumbahnhof auch nicht im Flughafen Frankfurt am Main oder Heathrow, sondern in Kourou, die USA nicht in Chicago O'hare, sondern an der Südspitze von Florida, und Russland nichtmal mehr auf eigenem Territorium, sondern in einem südlichen Teil von Kasachstan.


Hab leider keine Ahnung von der Mechanik, die hier Zugrunde liegt.
Wie gesagt, die Hintergründe sind die Keplerschen Gesetze (http://http://de.wikipedia.org/wiki/Keplersche_Gesetze). Da kannst Du Dich mal reinwühlen :)

AdMon
04.07.2008, 11:18
Hallo Jonas,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort!

Ich habe das mit der Fluchtgeschwindigkeit leider noch nicht ganz verstanden.
Ist die Fluchtgeschwindigkeit die Geschwindigkeit relativ zum Massezentrum (wobei ein die Erde umkreisender Orbiter die Relativgeschwindigkeit 0 hat)?
Kann ich das so verstehen, dass ein antriebsloser Flugkörper, beispielsweise ein Meteorit, mit mindenstens 11,2 km/s an der Erde vorbeifliegen muss, um nicht von ihr "eingefangen" zu werden.
Ich verstehe aber nicht, wieso sich eine Rakete mit 11,2 km/s von der Erde entfernen muss, damit sie es schafft, aus dem Gravitationstopf rauszukommen - im Gegensatz zum Meteorit hat sie doch einen Antrieb.

Kann man also sagen, dass es, jetzt rein physikalisch gesehen, nicht geschwindigkeits-, sondern antriebsabhängig ist, ob ein Körper das Schwerkraftfeld verlassen kann - also die Aussage, dass es nur über die Geschwindigkeit geht, physikalisch falsch ist, aber richtig, weil wir im Moment die Antriebstechnologie nicht haben (oder nicht genug Treibstoff mit uns führen können), um uns mit gemütlicherer Geschwindigkeit von der Erde zu trennen?

Gruß
AdMon

pauli
04.07.2008, 14:00
Sie könnte die Fluchtgeschwindigkeit erst - sagen wir mal - in 100 km Höhe erreichen. In dieser Höhe ist, aufgrund der jetzt etwas grösseren Entfernung vom Erdmittelpunkt, also dem Gravitationszentrum, die nötige Fluchtgeschwindigkeit bereits etwas geringer, grob geschätzte 11,19999 km/s
Das bezogen auf dein Beispiel bedeutet, die Rakete müsste jahrelang mit 5km/h "steigen", bis sie die notwendige Entfernung ("Höhe") erreicht hat, bei der die Fluchtgeschwindigkeit 5km/h beträgt, erst dann kann sie die Triebwerke abschalten ohne zur Erde zurückzufallen.

Hier (http://de.wikipedia.org/wiki/Kosmische_Geschwindigkeiten) hast du noch was interessantes zu Fluchtgeschwindigkeiten.

AdMon
04.07.2008, 15:30
danke Pauli.
In dem Wiki Beitrag wird die Fluchtgeschwindigkeit auch als zweite kosmische Geschwindigkeit bezeichnet, die sich von der ersten kosmischen Geschwindigkeit, der Kreisbahngeschwindigkeit, die einen stabilen Orbit gewährleistet, lediglich im Betrag unterscheidet und darin, dass beim Erreichen desselben, die geschlossene Umlaufbahn in einer Parabel verlassen wird. Ich darf mir das also nicht so vorstellen, wie einen Fahrradfahrer, der mit entsprechend viel Schwung den Berg hinaufrollt, sondern eher wie eine Kugel, die man in einer flachen Schüssel herumschleudert, bis sie hinauskatapultiert wird. Das heist also, die Fluchtgeschwindigkeit ist eine Kreisbahngeschwindigkeit + x mit einer zum Massezentrum nicht senkrechten, sondern parallelen Beschleunigungsrichtung.

Kann man das so stehen lassen?

AdMon

jonas
04.07.2008, 20:56
Kann man das so stehen lassen?Ja und nein. Das mit der Kreisbahn ist eine im Prinzip richtige Vorstellung, aber auch die senkrechte Flugbahn ist richtig. Es kommt alleine darauf an, dass die Entfernungsgeschwindigkeit vom Massezentrum gross genug ist, eben die Fluchtgeschwindigkeit.

Stell Dir einen Zeiger vor, der vom Flugkörper immer genau auf dem Massemittelpunkt zeigt. Wenn der Zeiger innerhalb einer Sekunde um 11.2 km länger wird, dann hat der Flugkörper Fluchtgeschwindigkeit, egal wie er sich ansonsten bewegt.

mac
04.07.2008, 21:23
Hallo AdMon,

die Fluchtgeschwindigkeit ist immer Wurzel(2) größer als die Kreisbahngeschwindigkeit im jeweiligen Abstand zum Schwerezentrum. Die Richtung dieser Geschwindigkeit ist dabei ohne Bedeutung, sie muß nur relativ zu dem Körper, dessen Gravitationsfeld man verlassen möchte, den entsprechenden Betrag haben. Es wäre also auch genau so möglich einen ‚Stein‘ mit einer Geschwindigkeit von eben diesen gut 11 km/s senkrecht nach oben zu werfen und er würde (wenn es die bremsende Atmosphäre nicht gäbe) die Erde für immer verlassen können.

Ob Du das jetzt mit dem Radfahrer der den Berg mit Schwung hoch fährt oder als Kugel in einer Schüssel beschreibst, ist am Ende egal.

Wenn der Radfahrer einfach nur rollt, dann wird er, wenn er nicht genügend Schwung hat die Bergkuppe nicht erreichen und den Berg wieder rückwärts hinunter rollen. Wie eine Kugel in einem Wok. Du kannst diese Kugel am Rand der Schüssel loslassen und sie wird durch das Zentrum der Schüssel hindurchrollen bis zum gegenüberliegenden Rand hinauf kommen und dann auf der selben Linie wieder zurückkommen. Das wäre die Bewegung die auch der Radfahrer macht. Nimm die Kugel und lass sie jetzt weit unten in der Schüssel quer zu ihrer ursprünglichen Richtung ein kleines Stück hin und her rollen. Du siehst wieder die Bewegung des Radfahrers, nur nicht so weit. Wenn Du nun beide Bewegungsrichtungen kombinierst, indem Du die Kugel oben am Rand nicht einfach nur losläßt sondern ihr zusätzlich einen ganz leichten Schubs quer zu ihrer ‚Talfahrt‘ gibst, dann rollt sie entlang einer Ellipse und wenn dieser Schubs kräftiger ist und Du ihn ganz exakt hinbekommst, dann rollt sie immer auf gleicher Höhe in einer Kreisbahn in der Schüssel herum.

Anders als beim Wok ist der Potentialtopf eines Gravitationsfeldes aber eher wie ein Trompetentrichter. Je weiter man nach außen kommt, um so ‚flacher‘ wird die ‚Schüsselwand‘

Alle Wege die ein Raumschiff im Schwerefeld der Erde zurücklegt ohne sich dabei von dem Schwerezentrum zu entfernen kosten (außerhalb der Atmosphäre) keine Energie. Fällt es erst einmal um die Erde herum (egal ob Kreisbahn oder elliptische Bahn) kann es auf dieser Bahn bleiben, ohne zusätzlichen Treibstoff. Bei einer elliptischen Bahn wird es schneller und langsamer während es sich dem Schwerezentrum nähert und wieder entfernt. Dabei verliert es auch keine Energie, sondern pendelt seine Bewegungsenergie und seine Höhe immer gegeneinander aus. Um jetzt aber noch höher zu kommen, könnte es z.B. senkrecht nach Oben beschleunigen. Was passiert dann? Wenn es das z.B. über dem 10ten Breitengrad täte, dann wäre das, nachdem es ½ Erdumkreisung hinter sich hat, genau die Richtung auf die Erde zu. Das geht auch, nur wenn es sich jetzt umdreht um wieder von der Erde weg zu kommen, dann bremst man die Geschwindigkeit die man gerade zusätzlich erreicht hatte, wieder ab. Deshalb darf man also während einer Umkreisung der Erde nicht immer genau von der Erde weg beschleunigen. Die Methode der Wahl ist, besonders bei den völlig insuffizienten Antrieben die uns zur Verfügung stehen, die Geschwindigkeit der Umkreisung zu erhöhen, also immer ungefähr senkrecht zur Verbindungslinie Erde-Rakete und in Richtung ihrer jeweiligen Bewegung relativ zur Erde zu beschleunigen. Sie wird dabei zunächst mal nicht so viel schneller wie sie beschleunigt, weil sie dabei aufsteigt und im Gegenzug für den Aufstieg im Schwerefeld wieder Energie in Form von Geschwindigkeit abgeben muß. Wie der Radfahrer der am Berg immer langsamer wird, obwohl er mit aller Kraft in die Pedale tritt. Ist man mit dieser Methode aber erst mal weit genug weg vom Schwerezentrum, dann braucht man nur noch verhältnismäßig wenig zusätzliche Geschwindigkeit, um ihm ganz zu entkommen.

Herzliche Grüße

MAC

Orbit
04.07.2008, 22:10
Hallo mac
Das hast Du wieder mal anschaulich erklärt! Vielleicht noch als Ergänzung:
Einmal mit 11,2 Sachen dem irdischen Potentialtopf entkommen, wartet nachher noch der grössere Topf des Sonnensystems. Da muss der Radler nochmals einen Zacken zulegen: unter 43,63 km/s gibt's da kein Entrinnen. :)
Orbit

jonas
04.07.2008, 22:24
Hallo mac
Das hast Du wieder mal anschaulich erklärt!
Diesmal, mac, kann ich nicht zustimmen. Ich wäre jetzt - was heisst wäre - ich bin ob Deiner Erklärung einigermassen im Zustand: Alle Klarheiten beseitigt :D

mac
05.07.2008, 00:23
Hallo Jonas,


Diesmal, mac, kann ich nicht zustimmen. Ich wäre jetzt - was heisst wäre - ich bin ob Deiner Erklärung einigermassen im Zustand: Alle Klarheiten beseitigt :Dalso während ich sowas so vor mich hin erkläre, ist mir immer alles ganz klar. :D

Wo hab' ich Dich denn jetzt eingenebelt? ;) Bestimmt waren mindestens die Sätze wieder viel zu kompliziert und verschachtelt. :o

Herzliche Grüße

MAC

jonas
05.07.2008, 13:39
Hi mac

Hier hast Du mich eingenebelt :D

Wenn es das z.B. über dem 10ten Breitengrad täte, dann wäre das, nachdem es ½ Erdumkreisung hinter sich hat, genau die Richtung auf die Erde zu.
Der Breitengrad hat mich aus der Bahn geworfen. Ich nehme an, Du meintest den Längengrad.

Un klar falsch wird es dann hier:

Das geht auch, nur wenn es sich jetzt umdreht um wieder von der Erde weg zu kommen, dann bremst man die Geschwindigkeit die man gerade zusätzlich erreicht hatte, wieder ab. Deshalb darf man also während einer Umkreisung der Erde nicht immer genau von der Erde weg beschleunigen.
Wenn man stets entgegengesetzt zum Kraftvektor der Gravitation beschleunigt, dann entfernt man sich mit zunehmender Geschwindigkeit von der Erde, egal auf welcher Seite man sich befindet. Nur die Geschwindikeit relativ zu anderen Himmelskörpern, z.B. der Sonne, würde so schwanken, wie du es beschreibst.

mac
05.07.2008, 15:12
Hallo Jonas,


Ich nehme an, Du meintest den Längengrad.Ja, Natürlich! :o Obwohl es eigentlich egal ist. Hatte den Satz nur so angefangen und mir beim Schreiben überlegt, daß ich die Winkel-Angaben eigentlich gar nicht brauche. Ich hätte die Winkelangabe besser gleich wieder wegnehmen sollen.



Wenn man stets entgegengesetzt zum Kraftvektor der Gravitation beschleunigt, dann entfernt man sich mit zunehmender Geschwindigkeit von der Erde, egal auf welcher Seite man sich befindet. Nur die Geschwindikeit relativ zu anderen Himmelskörpern, z.B. der Sonne, würde so schwanken, wie du es beschreibst.Hier hast Du, glaube ich, recht. Man kann es auch wie eine Verminderung der Gravitation sehen. Darüber muß ich nochmal sorgfältiger nachdenken.

Herzliche Grüße

MAC

AdMon
05.07.2008, 21:26
Hallo Mac,

herzlichen Dank für die Mühe, die Du Dir immer machst, Laien wie mir, etwas so anschaulich wie möglich zu erklären, auch wenn das oft schwieriger ist, als mit Formeln und Zahlen umsich zu werfen ;-)

Für mich war es wichtig zu verstehen, dass die Fluchtgeschwindigkeit die Anfangsgeschwindigkeit eines "unbeschleunigten" Objektes relativ zum Massezentrum und keine Kreisbahngeschwindigkeit ist.

Vielen Dank nochmal an alle :-)

Gruß
AdMon