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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fragen zum Meade Lx90



somebody_90
24.05.2008, 10:40
Hallo

Ich habe vor wahrscheinlich in nächster Zeit ein neues Teleskop zu kaufen. Ich besitze jetzt schon eines, es ist aber ein billiges welches ich einmal über Ebay gekauft habe, also die Qualität ist nicht gerade super. Nun habe ich mich ein bisschen im Internet umgeschaut und bin auf die Teleskope von Meade gestossen, welche ja sehr gut sein sollen. Besonders das Lx90 sieht vielversprechend aus, obwohl es doch sehr teuer ist für mich als Studenten. Ich wäre aber bereit, wenn es wirklich gut ist halt etwas mehr auszugeben.
Nun habe ich ein paar Fragen zum Teleskop.

1. Sind die Teleskope von Meade ihren Preis wert?

2. Ich würde das Teleskop für Mond-, Planeten- und Deep Sky Beobachtung verwenden. Ist es dazu geeignet?

3. Besteht ein grosser Unterschied zwischen dem 8" und dem 12" Modell? Also reicht das kleine Modell auch für meine Zwecke oder ist das 12" wirklich den höheren Preis wert?

Dies wären meine Fragen für den Anfang :).

somebody

Chrischan
25.05.2008, 12:31
Hallo somebody,

erstmal willkommen im Forum... :)

Da ich selbst Meade Teleskope besitze (ein 10" LX-6 und ein 12" LX-90) kann ich ja mal versuchen Dir ein paar Fragen zu beantworten...

Zu 1)
Naj, ist denke ich mal eher eine Glaubensfrage :)
Ich persönlich bin der Meinung, daß die SC's (Die neuen ACF's kenne ich nicht, sollen aber besser sein...) ihr Geld wert sind. Es kommt aber immer darauf an, was man mit einem Teleskop machen will...

Zu 2)
Ich nutze meine Teleskope für Sonne, Mond, Planeten und Deep-Sky. Visuell und fotografisch... Also das volle Programm :) Ist also alles durchaus machbar.

Zu 3)
Naja, zwischen dem 8" und dem 12" gibt es diverse Unterschiede... Und nach dem Spruch "Nichts ist durch Öffnung zu ersetzen" wäre der 12" definitiv seinen Mehrpreis wert.

ABER BEDENKE AUCH FOLGENDES:
- Ein SC ist ein Allrounder. Man kann mit ihm fast alles recht gut machen. Aber in keiner Disziplin ist es top! Für Planeten sind generell Refraktoren besser (höherer Kontrast). Aber ein guter 12" Refraktor ist kaum bezahlbar. Insofern ist bei vergleichbarem Preis wieder die Öffnung des SC's größer (= höhere Auflösung). Für Deep-Sky sind Refraktoren auch wieder eher nichts (zu geringe Öffnung). Für Deep-Sky ist eigentlich das Öffnungsverhältnis (N10) zu langsam. Ein schnellerer Newton (z.B. N6) bringt da mehr. Ein Newton ist normalerweise auch günstiger, hat aber wieder seine Schwächen bei Planeten...

- Die LX-90 haben eine azimutale Montierung (für eine Polhöhenwiege halte ich die Gabel für zu schwach, zumindest beim 12"). Für die Beobachtung stört das nicht, aber Langzeitfotografie (Deep-Sky) ist damit nicht wirklich möglich. Bei Sonne-, Mond- und Planeten-Fotografie mit Webcams stört das aber nicht. Beim 12" kann man aber mit einer Webcam durchaus schon mit Belichtungszeiten von 5 bis 15 Sekunden diverse Nebel, Haufen und Galaxien fotografieren (Auch mitten in Hamburg)... Will man aber unbedingt Langzeitfotographie machen, sollte man sich eher ein Gerät mit parallaktischer Montierung zulegen...

- Das 12" LX-90 ist schon recht unhandlich. Nur mit viel Optimismus kann man es noch als transportabel bezeichnen. Der 10" hingegen geht noch. Ein 8" dürfte aber durchaus noch transportabel sein. Ich hatte mal vor vielen Jahren ein C-8. Das konnte man noch mit einer Hand tragen...

- Überlege Dir, wo Du beobachten wirst. Kannst Du von zu Hause aus beobachten? Musst Du das Teleskop transportieren? Beobachtest Du in einer Großstadt oder irgendwo auf einem Feld weitab einer Stadt?
Kannst oder willst Du nicht von zu Hause aus beobachten, dann nimm definitiv kein 12" SC. (Es sei denn, Du bist Gewichtheber...)

Normalerweise würde ich Dir persönlich eher zum 8" raten.
- Du bist Student, also wird das Geld wohl eher knapp sein. Investier lieber nochmal etwas in das Zubehör (Hast Du erstmal das Teleskop, gibts Du schnell nochmal den Kaufpreis für Zubehör aus...)
- Du hast noch keine Erfahrung mit SC's. Fang erstmal klein an. Eventuell stellst Du fest, das die Geräte nichts für Deinen Geschmack sind...

Soviel mal vorab. Falls Du weitere Fragen hast, dann melde dich.

Gruß, Christian

somebody_90
25.05.2008, 12:59
Danke mal für deine Antwort.
Trotzdem habe ich noch einige Fragen.

1. Wieso sind Refraktoren bei der Planetenbeobachtung besser?
2. Was ist besser, ein grossers oder kleines Öffnungsverhältnis?
3. Das Lx90 hat doch eine automatische Nachführung. Ist diese nicht geeignet für Fotografie?
4. Warum sind Newtonteleskope besser für Deep Sky Beobachtung geeignet als SC? Nur wegen dem Öffnungsverhältnis?

Ich wohne in einem Dorf wo die Lichtverschmutzung wohl kaum ein Problem ist, deshalb muss das Teleskop auch nicht so transportabel sein.
Ich werde sicher noch einmal im Laden vorbeischauen und mich dort auch noch beraten und mir die Teleskope zeigen lassen.

somebody

Chrischan
25.05.2008, 23:13
1. Bei Planeten st der Kontrast wichtig. Feine Details auf Mars oder in der Jupiteratmosphäre unterscheiden sich oftmals nur um Nuancen von der Umgebung. Der Kontrast ist also recht gering. Ein SC hat (wie die meisten Reflektor-Typen) einen Sekundärspiegel im Strahlengang. Dieser wirft zum einen einen Schatten (Obstruktion) und zu anderen erzeugt er Streulicht.
Gerade dieses Streulicht senkt den Kontrast. Ein klassischer Refraktor besitzt keine Streulicht erzeugende Komponente im Strahlengang. Der Kontrast ist dadurch generell besser (klar kann ein schlechter Refraktor auch reichlich Streulicht erzeugen...).

2. Naja, das Öffnungsverhältnis entspricht fotografisch schon mal der Blende bei Objektiven. Je schneller (kleines Öffnungsverhältnis, z.B. N4) desto "heller" das Bild. Also gerade bei lichtschwachen Objekten (Deep-Sky) kann man mit kürzeren Belichtungszeten arbeiten. Desweiteren ist das Öffnungsverhältnis aber auch ein Maß für die Brennweite. Vergleichen wir mal einen 12" Newton mit N5 und ein 12" SC mit N10.
Planeten mit ihren geringen Durchmessern von ein paar Bogensekunden erfordern hohe Vergrösserungen und zur Fotografie Brennweiten von ca. 2 Metern aufwärts. Deep-Sky Objekte können locker ein paar Bogenminuten bis mehrere Grad im Durchmesser haben. Da sind dann geringe Vergrösserungen und geringe Brennweiten gefragt.
Durch passendes Zubehör kann ich bei meinem 12" die Brennweite für Deep-Sky bis ca. 800mm runterdrücken und für Planeten auf 6000mm erhöhen. Natürlich ist die Qualität bei 800mm aber recht bescheiden... Bei größeren Objekten (Mond, oder M42 z.B.) kann ich da aber nichts mehr machen. Da kann man dann nur noch Mosaike erstellen...

3. Die Nachführung ist beim LX-90 nicht das Problem. Ohne parallaktische Montierung dreht sich das Bild im Teleskop im Laufe der Zeit. Denk Dir mal zwei helle Sterne die im Süden genau übereinander stehen. Im Laufe der Nacht wandern die nun zum Horizont. Dort stehen die dann aber nicht mehr übereinander sondern fast nebeneinander. Bei lang belichteten Aufnahmen scheinen sich alle Objekte um die Bildmitte herum gedreht zu haben. Nur bei kurzen Belichtungszeiten fällt das nicht auf.

4. Öffnungsverhältnis und Preis. Gerade bei Deep-Sky ist die Öffnung sehr wichtig. Für den Preis eines 8" LX-90 kann man schon einen 14" Newton bekommen. Ein Newton in Dobson Form ist zudem auch noch sehr transportabel.

Da Du in einem Dorf wohnst bist Du damit schonmal zu beneiden... :)
Hier in Hamburg kann ich in einer guten Nacht mit bloßem Auge gerade mal ein paar Sterne sehen. Mich würde wirklich mal interessieren, was mein 12" unter einem wirklich guten Himmel leistet...

Schau Dir definitiv die Geräte an wenn Du dazu die Gelegenheit hast. Meinungen (wie meine z.B.) sind immer subjektiv und es gibt auch genug Teleskopbesitzer die überhaupt nichts von einem SC halten. Ebenso wie es auch welche gibt, die nichts von GOTO halten. Ich halte hingegen beides für großartig...

Gruß, Christian

somebody_90
27.05.2008, 19:16
Hat die Brennweite nun einen Einfluss auf die Helligkeit des Bildes? Oder kommt es nur auf die Vergrösserung an? Also ist das Bild eines Teleskopes mit 1m Brennweite bei gleicher Vergrösserung heller als das Bild eines Teleskopes mit 3m Brennweite?
Wenn man geeignete Okulare hat kann man doch beides, Planeten und Deep Sky Objekte beobachten, oder nicht?

somebody

Chrischan
28.05.2008, 13:54
Natürlich kannst Du mit jedem Teleskop Planeten und Deep Sky Objekte beobachten.
Aber vergleichen wir mal ein 8" Newton mit 1000mm Brennweite und ein 12" SC mit 3000mm Brennweite.
Dazu nehmen wir noch einen Satz Okulare mit Brennweiten von 10mm, 20mm, 30mm und 40mm (mit jeweils 50° Gesichtsfeld).

Das ergibt folgende Tabelle:

Okular | Newton | SC |
| Vergrößerung | Feld | Vergrößerung | Feld |
-------+--------------+-------+--------------+-------+
10mm | 100x | 0°30' | 300x | 0°10' |
20mm | 50x | 1°00' | 150x | 0°20' |
30mm | 33x | 1°30' | 100x | 0°30' |
40mm | 25x | 2°00' | 75x | 0°40' |

Um ein ausgedehntes Objekt (Deep-Sky, Mond) zu beobachten Hast Du mit dem Newton keine Probleme. Mit dem SC würde man schon sehr langbrennweitige
Okulare oder Weitwinkelokulare benötigen.Für kleine Objekte (Planeten) ist die lange Brennweite des SC besser geeignet.
Bereits mit "normalen" Okularen bekommt man schon recht hohe Vergrößerungen.

Theoretisch kann man natürlich mit jedem Teleskop jede Vergrößerung erreichen, aber in der Praxis gibt es da schon einige Einschränkungen.
So ist z.B. das erreichbare Gesichtsfeld auch von der Steckhülse des Okulars abhängig.
Und gute Okulare mit extremen Brennweiten (kleiner 5mm oder größer 50mm) oder extremen Gesichtsfeldern (größer 60°) sind auch schon recht teuer.
Solltest Du noch Brillenträger sein, so kommt noch der Augenabstand bei Okularen hinzu. Das reduziert dann nochmal die Auswahl...
Und zuletzt macht nicht jede Vergrößerung sinn. Die Maximale Vergrößerung beträgt je nach Qualität der Optik und des Himmels so das 1-fache bis 2-fache des
Objektivdurchmessers in mm (also z.B. 300x bis 600x bei einem 12"). Und bei zu geringen Vergrößerungen kann auch die Augenpupille als Blende wirken und Licht blocken...
Eintrittspupille = Objektivöffnung, Austrittspupille = Abbild der Eintrittspupille im Fokus.
Austrittspupille = Eintrittspupille / Vergrößerung

Fotografisch sieht das Ganze aber dann wieder etwas anders aus. Hier zählt natürlich neben dem Objektivdurchmesser nur noch die Brennweite des Teleskops.
Zubehör wie Barlow- und Shapley-Linsen sowie Okularprojektion machen nur bei guter Qualität des Zubehörs (und des Himmels) sinn...

Wie bereits geschrieben, mache ich auch alles mit meinem 12" SC. Das Zubehör belegt aber inzwischen auch zwei Schränke und über die Kosten dafür darf man auch nicht mehr nachdenken.
Also machbar ist (fast) alles, es bleibt immer nur die Frage "Zu welchem Preis?". Aber das muß jeder für sich selbst entscheiden.

Gruß, Christian

P.S. Wie kann man hier bitte mal eine Tabelle einfügen? Grrrrr.... :(

somebody_90
01.06.2008, 16:45
Was für Vergrösserungen braucht es denn um Planeten zu beobachten? Ich bin mir nun doch am überlegen ob ich nicht trotzdem ein Newtonteleskop (10" Meade) (http://www.meade.de/produkte/teleskope/product.html?act=pdis&actid=0115225&cHash=abe6ba2724) kaufen soll, da Deep Sky Objekte wahrscheinlich besser beobachtbar sind.

Wieso kommt es beim Fotografieren nur auf die Brennweite an? Und heisst dann doppelte Brennweite = doppelte Belichtungszeit?

Und ist das Newton Spiegelteleskop von Meade eigentlich eine gute Wahl?

Vielen dank für die Beratung bis jetzt :)
somebody

Chrischan
02.06.2008, 10:00
Hallo somebody,

zu dem Schmidt-Newton von Meade kann ich nichts sagen, da ich das Gerät nicht kenne. Rein von der Beschreibung her, könnte es aber ganz ok sein für deine Interessen.


Was für Vergrösserungen braucht es denn um Planeten zu beobachten? Hmm, die Frage habe ich mir so zwar noch nie gestellt, aber ich würde mal sagen, daß die Vergrößerung für Planeten kaum groß genug sein kann... Rechne einfach mal so mit Vergrößerungen um die 200x (bei einem 10"). Du solltest Dir also ruhig noch ein kurzbrennweitiges Okular zulegen.
Schau mal bei Reese (http://www.astro-okulare.de/) rein. Da gibt es reichlich gute Informationen zu Okularen und auch anderem Zubehör (Die Seite wird zwar nicht mehr von Reese betrieben, aber die Infos stammen noch von ihm).


da Deep Sky Objekte wahrscheinlich besser beobachtbar sind ohne Dich verunsichern zu wollen: Denke daran, daß Deep-Sky Objekte am Teleskop meisten anders aussehen als auf einem Foto. Speziell die Farbenpracht bei Nebeln wirst Du niemals sehen können... Kugelsternhaufen oder planetarische Nebel sind aber in einem 10" schon ein sehr, sehr schöner Anblick! Gerade bei einem guten Himmel...


Wieso kommt es beim Fotografieren nur auf die Brennweite an? Und heisst dann doppelte Brennweite = doppelte Belichtungszeit?
Die Brennweite ergibt den Abbildungsmassstab. Mit doppelter Brennweite wird das Objekt doppelt so groß im Fokus abgebildet. Die Lichtmenge wird durch den Objektivdurchmesser bestimmt. Ein 12" kann ungefähr 2,25 mal so viel Licht sammeln wie ein 8".

12" ~ 300mm Durchmesser ~ 707cm^2 Fläche
8" ~ 200mm Durchmesser ~ 314cm^2 Fläche
707/314 ~ 2,25

Ich glaube, bei flächigen Objekten könnte man grob sagen: "Doppelte Brennweite = 4-fache Belichtungszeit". Da ein Objekt bei doppelter Brennweite auch den doppelten Durchmesser im Fokus hat, verteilt sich das Licht des Objektes auf die 4-fache Fläche...

Gruß, Christian