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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Universum größer als gedacht?



pinkshark
08.08.2006, 14:43
Hallo,
na das ist aber eine "Überraschung" !

War schon immer der Meinung das wir das Alter nur schätzen können, weil wir in den Grenzen unserer Wahrnehmung leben.

Aber mal eine Frage :

Wenn 2 Körper ( sprich Erde und die fernste Galerie ) heute eine Entfernung haben, die Streckentechnisch dem von 13 Milliarden Lichtjahren entspricht, wie schnell waren dann die beiden Körper
a. durchschnittlich
b. wie lang mit welcher Geschwindigkeit in verschiedenen Stufen
c. wie schnell sind sie heute und welche Zeit ergibt sich dann für das Alter des Universums.
Und gibt es da nicht die Problematik das in entgegengesetzter Richtung dann zumindest ein Körper dem Anderen folgt und damit geringere Entfernungen gemessen werden müßten ?
Ja : ich weiß das in einer Blase sich alle voneinander entfernen, auch die, die sich entgegengesetzt sind ? siehe Frage davor
Denn ich glaube das 2 Dinge verknüpft sind die nicht zusammengehören :
das Alter des Universums hat nichts zu tun mit den heutigen Entfernungen

Bin kein Fachmann, kann mir da einer weiterhelfen wegen Denkfehlern ?

Gernot
08.08.2006, 16:08
Ich erinnere mich des Streits (oder meine mich zu erinnern ...:confused: ), dass das Alter unseres Universums zwischen 18 und 15 Mrd Jahren geschätzt wurde.
Die Linie, die ein eher "jüngeres" Universum (12 bis 15 Mrd Jahre) vertritt, "siegte".
Und, siehe nun, 15 Mrd plus 15% sind knapp 18 Mrd Jahre.
Und richtig überraschen tut mich die revidierte Entfernung zu M33 auch nicht, da bereits für M31 die Entfernung von 2,5 auf 2,7 bis 3 Millionen LJ revidiert wurde (jedenfalls einigen Quellen nach).

Alles in allem aber eine schöne Bestätigung meiner Vorliebe für ein bedeutend älteres, also 18 Mrd Jahre, und offenbar offenen Universums

Bynaus
08.08.2006, 17:03
Und, siehe nun, 15 Mrd plus 15% sind knapp 18 Mrd Jahre.

Das Alter, das man bisher für das Universum angegeben hat, war 13.7 Milliarden Jahre (nach den Messungen der WMAP-Sonde). 15% mehr sind 15.8 Milliarden Jahre...

Pascha
08.08.2006, 21:20
Hallo Sternfreunde!
Wie sich das so trifft. Im science-ticker vom 8.8. wurde die Hubble-Konstante mit 77 gerade durch eine unabhängige Messmethode bestätigt.
Allzeit klaren Himmel Pascha

ChMessier
08.08.2006, 21:49
Das Alter, das man bisher für das Universum angegeben hat, war 13.7 Milliarden Jahre (nach den Messungen der WMAP-Sonde). 15% mehr sind 15.8 Milliarden Jahre...

Als die 13,7 Milliarden Jahre ruchbar geworden sind, hatte ich in einem anderen Forum mal geschrieben, dass ich an der Zahl hinter dem Komma absolut keinen Zweifel habe. Wohl aber an der Zahl vor dem Komma.

Wenn ich sehe, wie M 31 immer weiter weggerückt ist (wohl eine Folge der Ausdehnung des Universums?) und wenn ich mitbekomme, dass die heutigen Angaben alles andere als sicher sind, dann frage ich mich, wie man Entfernungen, die um den Faktor 4000 größer sind, zuverlässig bestimmen kann.

Salut
ChMessier

Gernot
09.08.2006, 09:56
Nachdem Alter und Größe unseres Universums "alle paar Jahre" revidiert werden, sollten sich die Astronomen damit vertraut machen, dass eines Tages evtl. einmal 20 oder 25 Milliarden Jahre im Bereich des Möglichen sein könnten.
Vielleicht bedarf es aber auch eines neuen "kosmischen Urmeters"?

prim_ass
09.08.2006, 10:12
Diese Methode erschien mit etwas suspekt bzgl. des Auswahlverfahrens (ist mir zu punktuell).

Nun hat sich mein Verdacht erhärtet, folgende Arbeit widerspricht dem Ergebnis und zeigt eine von den bisherigen Standardkerzen unabhängige Methode auf, die den bisherigen Wert bestätigt:

kosmischer Hefeteig (http://www.scienceticker.info/news/EEVVpVAyEkdIiOlqRc.shtml)

Bynaus
09.08.2006, 13:27
Als die 13,7 Milliarden Jahre ruchbar geworden sind, hatte ich in einem anderen Forum mal geschrieben, dass ich an der Zahl hinter dem Komma absolut keinen Zweifel habe. Wohl aber an der Zahl vor dem Komma.

Hast du einen Grund für diesen Zweifel? Er basiert ja, soviel ich weiss, auf der Vermessung der Hintergrundstrahlung mit der WMAP-Sonde, ist also von den Entfernungsbestimmungen zu den Galaxien unabhängig (man kläre mich auf, wenn ich dahingehend einem Irrtum unterliege).

EDIT: Im allgemeinen halte ich diese neue Entfernungsbestimmung für nicht sehr zuverlässig.

- Es ist eine neue Methode (Doppelsterne in fernen Galaxien zu benutzen...)... (jede neue Methode hat tausende potentieller Fehlerquellen - Fehler, die man, weil man sie nicht kennt, auch nicht abschätzen oder kontrollieren kann).
- Die Messung basiert auf einem einzigen Doppelstern...
- Es gibt viele alternative Erklärungen für den Unterschied zu anderen bisherigen Messungen: Die Astronomen, die diese Messung durchgeführt haben, zweifeln selbst daran, ob es sich um einen reellen Wert handelt.
- Alle anderen Messungen, die z.T. unabhängig von der Rotverschiebung der Galaxien sind, kommen auf einen Wert, der einer Hubble-Konstante von ca. 70 sehr nahe kommt. Es gibt keinen Grund, warum wir diese Werte wegen einer einzigen, abweichenden Messung gleich verwerfen sollten.

Für mich bleibts damit vorläufig bei 13.7 Milliarden Jahren.
Phil Plait hat das Thema in seinem Bad Astronomy Blog aufgegriffen und erklärt: http://www.badastronomy.com/bablog/2006/08/08/wait-a-sec-how-big-is-the-universe-again/

ralfkannenberg
09.08.2006, 18:41
Als die 13,7 Milliarden Jahre ruchbar geworden sindIch wusste noch gar nicht, dass die "ruchbar" geworden sind. Dass zahlreiche Leute im Internet sowas behaupten (siehe u.a. FGH) heisst noch lange nicht, dass das zutreffend ist.


Wenn ich sehe, wie M 31 immer weiter weggerückt ist (wohl eine Folge der Ausdehnung des Universums?)Kaum ;)
Warum ist der Andromedanebel immer weiter weggerueckt ? Heutzutage kann man mit dem Hubble Space Teleskop Cepheiden noch im 40fachen Abstand des Andromedanebels beobachten und die genauere Vermessung durch den Praezisionssatelliten HIPPARCOS hat auch nochmal einige Abstaende "veraendert"; genauer gesagt die Fehlerintervalle kleiner gemacht, aber den heute am besten bekannten Wert nicht beim alten Mittelwert konstituiert.

Freundliche Gruesse, Ralf

Nachor
09.08.2006, 18:54
Noch ein Artikel zu den Chandra-Messungen, die den alten Hubble-Wert stützen:

http://www.universetoday.com/2006/08/08/chandra-confirms-the-hubble-constant/

UMa
09.08.2006, 19:03
Hallo,

die gemessenen Werte liegen doch alle innerhalb der wegen der Messfehler zu erwartenden Streuung. Außerdem ist z.B. einem Mittelwert aus mehreren Entfernungsbestimmungen mehr zu trauen, als einer einzelnen Messung.
Ansonsten möchte ich auf meinen letzten Beitrag im astronomie.de-Forum verweisen:
http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/showflat.php/Cat/0/Number/433261/an/0/page/0#433261

Grüße UMa