TomS
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Das ist definitiv eine Entwicklung der Fähigkeiten, die viele überrascht haben dürfte:
Nun, die Mathematiker hat es teilweise überrascht.Ich finde das nun nicht gerade überraschend.
The solution of the problem by the internal model of Open AI is, in my opinion, an outstanding
achievement, settling a long-standing open problem. The fact that the correct answer is not n1+o(1)
is surprising, and the construction and its analysis apply fairly sophisticated tools from algebraic
number theory in an elegant and clever way. As explained by the remarks of some of my colleagues
here there are several reasons that explain why AI tools can be better than humans in finding such
a construction. With or without a full agreement with these reasons, the fact is that the AI was
able to do here what lots of excellent human researchers tried and failed to do.
The quality of the result was no small thing. Fields Medalist Tim Gowers said he would recommend it for publication in Annals of Mathematics, the most prestigious journal in the field, without hesitation. Yet what nine outside mathematicians verified was not the model's raw output but a human-polished version, an "edited reasoning," and they had to rewrite that proof back into human language.
Nun, die Mathematiker hat es teilweise überrascht.
Beides.Was genau hat sie überrascht: dass eine jahrzehntelang für plausibel gehaltene Vermutung falsch war, oder dass eine AI die entscheidende Widerlegung gegen genau diese Vermutung gefunden hat?
Im vorliegenden Fall ist es wohl weniger, dass man keinen Bezug zwischen den Fachgebieten vermutet hätte, als vielmehr, dass man an die Korrektheit der Vermutung geglaubt und deswegen in keiner Richtung nach einem Gegenbeispiel gesucht hat. Einige meinen, es wäre also eher Fleiß denn Genie gewesen, aber wir sollten evtl. davon ausgehen, dass da noch mehr kommt ...Dass eine hinreichend leistungsfähige AI solche disziplinübergreifenden Zusammenhänge finden kann, überrascht mich dagegen weniger. Genau das war schon vor Monaten meine Frage: Kann eine AI Beziehungen zwischen etablierten, aber disziplinär getrennt entwickelten mathematischen oder physikalischen Modellen erkennen, die Menschen übersehen haben — möglicherweise schlicht deshalb, weil niemand systematisch in dieser Richtung gesucht hat?
Die KI muss nur genügend viele Wege durchprobieren. Sie probiert dabei häufiger wahrscheinliche Wege, d.h. wie du oben sagst, es gibt Zusammenhänge, die bisher unbeachtet geblieben sind, die die KI jedoch "sieht".Die AI musste also nicht nur eine bekannte Methode ausführen, sondern selbst eine unerwartete Verbindung zwischen verschiedenen mathematischen Gebieten finden und daraus eine widerlegende Konstruktion entwickeln.
Deine Unterscheidung trifft für mich den eigentlichen Punkt: Es ist etwas anderes, eine bereits explizit bekannte oder in der Literatur vermutete Verbindung wiederzufinden, als aus verstreuten strukturellen Ähnlichkeiten eine neue, tragfähige Beziehung zu vermuten.
Alles, was die KI kann oder weiß, basiert letztlich auf Trainingsdaten.Für mich ist deshalb die weitergehende Frage dieselbe wie deine: Erkennt die AI nur explizite oder latent nahegelegte Beziehungen aus den Trainingsdaten, oder kann sie eine strukturelle Verwandtschaft postulieren, die nirgends als solche formuliert wurde?
Die Trainingsdaten selbst sind m.E. auch nicht wirklich entscheidend, denn darauf kann die AI ja nicht mehr direkt zugreifen, zumal die Trainingsdaten auch veraltet sein können. Ohne Eingrenzung der Quellen und des Suchraums geht es m.E. (noch) nicht allein nur durch die AI.
Damit könnte man nun einen Test machen: man eliminiert aus einem Satz ausgewählter Trainingsdaten alle Ergebnisse zu Moonshine nach 1978, und insbs. die offensichtlichen Hinweise wie die Zahlen. Damit – d.h. mit darüberhinaus üblichen Daten bis einschließlich 1978 – trainiert man LLMs. Wieviel muss man hinzufügen, bis das LLM zumindest die Vermutung aufstellt? Wievie, bis der Beweis gelingt?monstrous moonshine … is the unexpected connection between the monster group M and modular functions, in particular the j function. The initial numerical observation was made by John McKay in 1978 … In the mid-1970s, Jean-Pierre Serre, Andrew Ogg and John G. Thompson studied the quotient of the hyperbolic plane by subgroups of SL2(R), particularly, the normalizer Γ0(p)+ of the Hecke congruence subgroup Γ0(p) in SL(2,R). They found that the Riemann surface resulting from taking the quotient of the hyperbolic plane by Γ0(p)+ has genus zero exactly for p = 2, 3, 5, 7, 11, 13, 17, 19, 23, 29, 31, 41, 47, 59 or 71. When Ogg attended a lecture by Jacques Tits in which the conjectural order of the monster group was presented, he noticed that these were precisely the prime factors of the group's size … In 1978, John McKay found that the first few terms in the Fourier expansion of the normalized J-invariant … could be expressed in terms of linear combinations of the dimensions of the irreducible representations of the monster group M with small non-negative coefficients. Specifically, McKay noticed that the coefficient 196884 was precisely one more than 196883, the degree of the smallest faithful complex representation of the monster group.
Das greift zu kurz.Alles, was die KI kann oder weiß, basiert letztlich auf Trainingsdaten.
Wieviel muss man hinzufügen, bis das LLM zumindest die Vermutung aufstellt? Wievie, bis der Beweis gelingt?
Nein.Das greift zu kurz.
Nein.
Nochmal:
Alles, was die KI kann oder weiß, basiert letztlich auf Trainingsdaten. Auf was sonst?
Doch, alles. Worauf soll es sonst basieren?Nicht alles was es kann oder weiß.
Das habe ich auch nicht behauptet.Die Trainingsdaten liefern keine fertige Liste aller späteren Antworten, die nur richtig kombiniert werden müssen.
Das habe ich ebenfalls nicht behauptet.Bei der konkreten Aufgabe werden neue Hypothesen und Zwischenkonstruktionen erzeugt, gegeneinander geprüft und teilweise verworfen. Dass zusätzlicher Rechenaufwand während der Bearbeitung die Leistung von Reasoning-Modellen erhöht, spricht ebenfalls dagegen, ihre Funktion auf bloßen Abruf von Trainingspassagen zu reduzieren.
Wie gesagt, das habe ich nicht behauptet.Hinzu kommt in unserem Fall eine externe formale Ebene. Mathlib ist eine Bibliothek formalisierten mathematischen Wissens in Lean. Falls Mathlib-Code zum Training gehörte, ist er dort natürlich Trainingsmaterial. Im aktuellen Arbeitsprozess ist Mathlib aber zugleich eine tatsächlich verwendete formale Bibliothek, und Lean prüft konkrete neue Beweisterme im Kernel. Das ist kein bloßes Erinnern aus Trainingsdaten, sondern eine laufende logische Verifikation.
Den Prompt kann man nachlesen.Bei dem Erdös-Gegenbeweis wurde aber wohl gerade nix vorgegeben und damit wohl wirklich rein auf Basis der Trainingsdaten das Ergebnis erzielt.
Ich glaube, wir reden aneinander vorbei, weil wir "basiert auf" unterschiedlich verwenden.Doch, alles. Worauf soll es sonst basieren?
Hallo Antaris,Wenn zudem zuvor niemand ernsthaft erwartet hatte, dass sich Methoden der algebraischen Zahlentheorie und der diskreten Geometrie bei diesem Problem gerade auf diese Weise komplementär ergänzen
wieso schreibst Du, dass sich die Methoden der algebraischen Zahlentheorie und der diskreten Geometrie „komplementär“ ergänzen?
Ja, sie ergänzen sich, aber wieso „komplementär“?
Mich interessiert aber zunächst nicht, wie Forschung funktioniert – wobei man unter anderem LLMs als Werkzeug nutzt – sondern mich interessiert, wie ein LLM für sich betrachtet funktioniert (bekannt) und wozu es für sich betrachtet in der Lage ist bzw. wo seine Grenzen sind. Forscher diskutieren hier im Wesentlichen drei Methoden: Induktion, Deduktion und Abduktion.Ich glaube, wir reden aneinander vorbei, weil wir "basiert auf" unterschiedlich verwenden.
Du meinst offenbar die kausale Herkunft der Modellfähigkeit: Ohne Training und die daraus entstandenen Parameter könnte das Modell weder Mathematik noch Sprache. In diesem Sinn stimme ich dir zu.
Mich interessiert dagegen die methodische Frage, wodurch ein konkretes neues Resultat im aktuellen Forschungsprozess entsteht und wodurch es geprüft wird. Dafür ist "basiert letztlich auf Trainingsdaten" zwar richtig, aber nicht hinreichend erklärend, da nur Trainingsdaten eben bei mir mehrfach gerade nicht zum Ziel geführt haben.
Ganz im Gegenteil.Im Nachhinein ist es eh schwierig zu sagen, "was wäre, wenn..." und eigentlich ist es auch egal.
Ok, verstanden. Dann weiß ich nun genau worin unser "Aneinandervorbeireden" begründet war. Ich habe diese Grenzen ehrlich gesagt schon vor Monaten zwangsläufig ausgelotet und das nicht zuletzt gerade mit/wegen dem negativen Feedback hier im Forum. Meine eigenen Unzulänglichkeiten und die der AI zielen exakt auf die Dreiteilung, denn weder ich, noch die AI können alleine alle 3 vollständig und kohärent abdecken.Mich interessiert aber zunächst nicht, wie Forschung funktioniert – wobei man unter anderem LLMs als Werkzeug nutzt – sondern mich interessiert, wie ein LLM für sich betrachtet funktioniert (bekannt) und wozu es für sich betrachtet in der Lage ist bzw. wo seine Grenzen sind.