ralfkannenberg
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Hallo zusammen,
natürlich baue ich keine Verschwörungstheorie, vielmehr geht es mir darum, wie man vermeiden kann, als "enhanced" Laie, der durchaus sorgfältig recherchiert, eine Verschwörungstheorie zu entwerfen. Vor allem dann, wenn die tollen Ideen und Zusammenhänge, die man gefunden zu haben glaubt, von der Fachwelt abgelehnt oder ignoriert werden.
Nehmen wir doch als Beispiel die Monde unseres Sonnensystems, und nehmen wir solche, die grösser sind als 400 km, so dass wir alle "regulären Monde" dabei haben, von denen man annimmt, dass sie aus den nebulären Überresten bei der Entstehung der Planeten entstanden sind.
Ein reguläres "Objekt" - das können Monde, aber auch Planetoiden und Kuipergürtel-Planetoiden sein - ist ein Körper, der sich auf einer regulären Bahn befindet, d.h. der eine sehr geringe Bahnneigung aufweist - bei Planetoiden gegen die Ekliptik, bei Monden gegen die Äquatorialebene ihres Mutterplaneten - und dessen Bahn-Exzentrizität nahezu gleich 0 ist, also nahezu kreisförmig sind. Man nennt solche Umlaufbahnen anschaulich auch "kalt", weil sie "nicht angeregt" sind. Insbesondere werden Monde, die sich sehr nahe an ihrem Mutterplaneten befinden, in solche regulären Umlaufbahnen quasi hineingezwungen, auch wenn sie eingefangen wurden und im Gegensatz zu den weit von ihrem Mutterplaneten entfernten "irregulären" Monden dann eben im Verlaufe der Zeit aufgrund von Gezeitenkräften seitens ihres Mutterplaneten in kalte Umlaufbahnen hineingezwängt werden.
Ok, so weit zu den theoretischen Aspekten, man kann das alles nachlesen.
Unser hypothetischer Laie weiss das also alles und hat nun festgestellt, dass die Mehrzahl der regulären Monde grösser als 400 km Dichten von weniger als 2 g/cm³ aufweisen (in SI-Einheiten: kleiner als 2000 kg/m³).
Zudem hat er festgestellt, dass unser Erdmond kein regulärer Mond ist - seine Umlaufbahn verläuft ja nicht in der Äquatorialebene der Erde, sondern - in der Ekliptik. Also dort, wo sich die Planeten aufhalten ! - Und unser Erdmond hat zudem eine Dichte, die deutlich höher als 2 g/cm³ ist. Unser Erdmond scheint da also eher ein "Planet" als ein Mond zu sein und heutzutage nimmt man ja auch an, dass unser Mond nach einer Kollision der Erde mit einem marsgrossen Planetoiden entstanden ist.
Nun prüft unser hypothetischer Laie in einer Fleissarbeit alle grösseren Monde unseres Sonnensystems grösser als 400 km und stellt dabei fest, dass es da noch zwei weitere Monde in unserem Sonnensystem gibt, beide etwa so gross wie der Erdmond und beide mit einer vergleichbaren Dichte. Nun rechnet er (ohne Sinn und Verstand) noch etwas herum oder nutzt ein kluges Programm und stellt dann fest, dass diese beiden Monde ihre Umlaufbahn ebenfalls in der Ekliptik haben und schliesst daraus nun messerscharf, dass diese beiden Monde ebenfalls Planeten sein müssen, die irgendwie ähnlich wie der Erdmond entstanden sein müssen.
Irgendwie passen die Daten ja auch zusammen, und doch stimmt es nicht. Je nach Charakter unseres hypothetischen Laien kann er Widerspruch akzeptieren oder eben auch nicht.
Was ist die Auflösung ?
Bei den beiden Monden handelt es sich um die beiden inneren Galilei’schen Jupitermonde Io und Europa und ihre Bahn verläuft wie die Bahn aller regulären Jupitermonde deswegen in der Ekliptik, weil die Rotationsachse des Jupiter kaum geneigt ist, d.h. die regulären Jupitermonde befinden sich sowohl in der Äquatorialebene des Jupiters als auch in der Ekliptik. Deswegen hatte Galileo Galilei anfangs übrigens auch gedacht, er hätte neue Planeten entdeckt und keineswegs Monde. Ganz zu schweigen davon, dass nach dem ptolemäischen Weltbild solche Monde ja die Himmelssphäre des Jupiters durchschlagen würden und allein schon aus diesem Grunde gar nicht existieren dürften. Wenn man diese Jupitermonde allerdings einige Tage lang beobachtet bemerkt man dann aber schon recht bald (Galilei brauchte wenige Tage dafür), dass es sich um Satelliten des Jupiters und keineswegs um eigenständige Planeten handelt. Wobei Ganymed, der dritte von ihnen, grösser als der Planet Merkur ist und Kallisto, der vierte, kaum kleiner ist. - Io, der erste von ihnen, ist übrigens geringfügig grösser als unser Erdmond, und Europa, der zweite, geringfügig kleiner. Und da ja unser Erdmond aus Sicht unseres hypothetischen Laien irgendwie ein Planet ist (oder wenigstens irgendwie war), würde auch von der Grösse her nichts dagegen sprechen, dass Io und Europa ursprünglich mal Planeten waren.
Und für die geringe Achsenneigung des Jupiter kann unser hypothetischer Laie ja auch nichts, d.h. er kann sich durchaus auf den Standpunkt stellen, dass Io und Europa sich primär in der Ekliptik bewegen und nur Ganymed und Kallisto, die ja beide auch eine Dichte kleiner als 2 g/cm³ aufweisen, reguläre Monde sind.
Da unser hypothetischer Laie sich primär in der Wikipedia informieren dürfte und kaum Facharbeiten liest, wird er wohl auch keine Kenntnis von "Origin of Europa and the Galilean Satellites (Robin M. Canup, William R. Ward)" haben, und selbst wenn wird ihm das Wissen fehlen, diese 62-seitige Arbeit zu lesen und zu verstehen und deswegen an seiner genialen These festhalten und sich abfällig über die Akademiker im Elfenbeinturm äussern, die seiner Auffassung nach nicht einmal fähig sind, einfache Zusammenhänge zu erkennen.
Die Auflösung betreffend der Dichte findet sich im Kapitel 2.3 Compositional gradient: mit Simulationen kann man zeigen, dass es eine Eisgrenze gibt, innerhalb derer ein Mond eben auch gesteiniges Material aufsammeln kann, ausserhalb derer aber primär nur eishaltiges Material, und diese Eisgrenze verläuft beim Jupiter – vereinfacht gesprochen - innerhalb der Umlaufbahn von Ganymed, wobei ich bei dieser vereinfachten Darstellung die Migrationsbewegungen der grossen Monde völlig vernachlässige.
Die Frage ist nun, wie man unserem hypothetischen Laien erklären kann, dass seine Idee trotz belastbarer Daten unzutreffend ist. Ich persönlich würde vermutlich versuchen, zu argumentieren, dass er unvollständige Daten verwendet, im konkreten Fall diese Simulationen und die Eisgrenze nicht berücksichtigt hat. Aber ob er dafür empfänglich wäre ? Er könnte argumentieren, dass Simulationen ja keine exakten Lösungen sind und möglicherweise "falsche" Anfangsbedingungen verwenden oder ungenaue Ergebnisse liefern.
Freundliche Grüsse, Ralf
natürlich baue ich keine Verschwörungstheorie, vielmehr geht es mir darum, wie man vermeiden kann, als "enhanced" Laie, der durchaus sorgfältig recherchiert, eine Verschwörungstheorie zu entwerfen. Vor allem dann, wenn die tollen Ideen und Zusammenhänge, die man gefunden zu haben glaubt, von der Fachwelt abgelehnt oder ignoriert werden.
Nehmen wir doch als Beispiel die Monde unseres Sonnensystems, und nehmen wir solche, die grösser sind als 400 km, so dass wir alle "regulären Monde" dabei haben, von denen man annimmt, dass sie aus den nebulären Überresten bei der Entstehung der Planeten entstanden sind.
Ein reguläres "Objekt" - das können Monde, aber auch Planetoiden und Kuipergürtel-Planetoiden sein - ist ein Körper, der sich auf einer regulären Bahn befindet, d.h. der eine sehr geringe Bahnneigung aufweist - bei Planetoiden gegen die Ekliptik, bei Monden gegen die Äquatorialebene ihres Mutterplaneten - und dessen Bahn-Exzentrizität nahezu gleich 0 ist, also nahezu kreisförmig sind. Man nennt solche Umlaufbahnen anschaulich auch "kalt", weil sie "nicht angeregt" sind. Insbesondere werden Monde, die sich sehr nahe an ihrem Mutterplaneten befinden, in solche regulären Umlaufbahnen quasi hineingezwungen, auch wenn sie eingefangen wurden und im Gegensatz zu den weit von ihrem Mutterplaneten entfernten "irregulären" Monden dann eben im Verlaufe der Zeit aufgrund von Gezeitenkräften seitens ihres Mutterplaneten in kalte Umlaufbahnen hineingezwängt werden.
Ok, so weit zu den theoretischen Aspekten, man kann das alles nachlesen.
Unser hypothetischer Laie weiss das also alles und hat nun festgestellt, dass die Mehrzahl der regulären Monde grösser als 400 km Dichten von weniger als 2 g/cm³ aufweisen (in SI-Einheiten: kleiner als 2000 kg/m³).
Zudem hat er festgestellt, dass unser Erdmond kein regulärer Mond ist - seine Umlaufbahn verläuft ja nicht in der Äquatorialebene der Erde, sondern - in der Ekliptik. Also dort, wo sich die Planeten aufhalten ! - Und unser Erdmond hat zudem eine Dichte, die deutlich höher als 2 g/cm³ ist. Unser Erdmond scheint da also eher ein "Planet" als ein Mond zu sein und heutzutage nimmt man ja auch an, dass unser Mond nach einer Kollision der Erde mit einem marsgrossen Planetoiden entstanden ist.
Nun prüft unser hypothetischer Laie in einer Fleissarbeit alle grösseren Monde unseres Sonnensystems grösser als 400 km und stellt dabei fest, dass es da noch zwei weitere Monde in unserem Sonnensystem gibt, beide etwa so gross wie der Erdmond und beide mit einer vergleichbaren Dichte. Nun rechnet er (ohne Sinn und Verstand) noch etwas herum oder nutzt ein kluges Programm und stellt dann fest, dass diese beiden Monde ihre Umlaufbahn ebenfalls in der Ekliptik haben und schliesst daraus nun messerscharf, dass diese beiden Monde ebenfalls Planeten sein müssen, die irgendwie ähnlich wie der Erdmond entstanden sein müssen.
Irgendwie passen die Daten ja auch zusammen, und doch stimmt es nicht. Je nach Charakter unseres hypothetischen Laien kann er Widerspruch akzeptieren oder eben auch nicht.
Was ist die Auflösung ?
Bei den beiden Monden handelt es sich um die beiden inneren Galilei’schen Jupitermonde Io und Europa und ihre Bahn verläuft wie die Bahn aller regulären Jupitermonde deswegen in der Ekliptik, weil die Rotationsachse des Jupiter kaum geneigt ist, d.h. die regulären Jupitermonde befinden sich sowohl in der Äquatorialebene des Jupiters als auch in der Ekliptik. Deswegen hatte Galileo Galilei anfangs übrigens auch gedacht, er hätte neue Planeten entdeckt und keineswegs Monde. Ganz zu schweigen davon, dass nach dem ptolemäischen Weltbild solche Monde ja die Himmelssphäre des Jupiters durchschlagen würden und allein schon aus diesem Grunde gar nicht existieren dürften. Wenn man diese Jupitermonde allerdings einige Tage lang beobachtet bemerkt man dann aber schon recht bald (Galilei brauchte wenige Tage dafür), dass es sich um Satelliten des Jupiters und keineswegs um eigenständige Planeten handelt. Wobei Ganymed, der dritte von ihnen, grösser als der Planet Merkur ist und Kallisto, der vierte, kaum kleiner ist. - Io, der erste von ihnen, ist übrigens geringfügig grösser als unser Erdmond, und Europa, der zweite, geringfügig kleiner. Und da ja unser Erdmond aus Sicht unseres hypothetischen Laien irgendwie ein Planet ist (oder wenigstens irgendwie war), würde auch von der Grösse her nichts dagegen sprechen, dass Io und Europa ursprünglich mal Planeten waren.
Und für die geringe Achsenneigung des Jupiter kann unser hypothetischer Laie ja auch nichts, d.h. er kann sich durchaus auf den Standpunkt stellen, dass Io und Europa sich primär in der Ekliptik bewegen und nur Ganymed und Kallisto, die ja beide auch eine Dichte kleiner als 2 g/cm³ aufweisen, reguläre Monde sind.
Da unser hypothetischer Laie sich primär in der Wikipedia informieren dürfte und kaum Facharbeiten liest, wird er wohl auch keine Kenntnis von "Origin of Europa and the Galilean Satellites (Robin M. Canup, William R. Ward)" haben, und selbst wenn wird ihm das Wissen fehlen, diese 62-seitige Arbeit zu lesen und zu verstehen und deswegen an seiner genialen These festhalten und sich abfällig über die Akademiker im Elfenbeinturm äussern, die seiner Auffassung nach nicht einmal fähig sind, einfache Zusammenhänge zu erkennen.
Die Auflösung betreffend der Dichte findet sich im Kapitel 2.3 Compositional gradient: mit Simulationen kann man zeigen, dass es eine Eisgrenze gibt, innerhalb derer ein Mond eben auch gesteiniges Material aufsammeln kann, ausserhalb derer aber primär nur eishaltiges Material, und diese Eisgrenze verläuft beim Jupiter – vereinfacht gesprochen - innerhalb der Umlaufbahn von Ganymed, wobei ich bei dieser vereinfachten Darstellung die Migrationsbewegungen der grossen Monde völlig vernachlässige.
Die Frage ist nun, wie man unserem hypothetischen Laien erklären kann, dass seine Idee trotz belastbarer Daten unzutreffend ist. Ich persönlich würde vermutlich versuchen, zu argumentieren, dass er unvollständige Daten verwendet, im konkreten Fall diese Simulationen und die Eisgrenze nicht berücksichtigt hat. Aber ob er dafür empfänglich wäre ? Er könnte argumentieren, dass Simulationen ja keine exakten Lösungen sind und möglicherweise "falsche" Anfangsbedingungen verwenden oder ungenaue Ergebnisse liefern.
Freundliche Grüsse, Ralf
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