Hallo Jakito, eine physikalisch absolut berechtigte Frage deines Bruders!
Deine Intuition ist völlig richtig: Das Magnetfeld der Erde dient primär als „Ablenkschild“, während die Atmosphäre der „Bremsschild“ ist. Für ein Raumschiff auf dem Weg zum Mars ergeben sich dabei folgende Probleme:
1. Ablenkung vs. Absorption: Ein Magnetfeld lenkt geladene Teilchen durch die Lorentz-Kraft auf gekrümmte Bahnen ab. Aber: Sehr hochenergetische Teilchen der Galaktischen Kosmischen Strahlung (GCR) haben so viel Impuls, dass sie ein künstliches Magnetfeld eines Raumschiffs oft einfach durchschlagen, es sei denn, das Feld wäre gigantisch stark dimensioniert.
2. Die fehlende Atmosphäre: Auf der Erde sorgt die Atmosphäre für die eigentliche Absorption der Energie durch Kollisionen. Ohne diese schützende Masse müssten wir das Magnetfeld so groß auslegen, dass die Teilchen komplett um das Schiff herumgeleitet werden – das nennt man „Aktive Abschirmung“.
3. Das Problem der Wärmeabfuhr: Man könnte meinen, die „Kälte des Kosmos“ helfe beim Kühlen der Hardware (z. B. für supraleitende Spulen), aber das Vakuum ist thermisch gesehen ein exzellenter Isolator. Ein Raumschiff wird Wärme ausschließlich über Infrarot-Strahlung los. Das Stefan-Boltzmann-Gesetz (P = sigma * A * T^4) ist hier gnadenlos: Um die Abwärme der Kryosysteme loszuwerden, braucht man riesige Radiatorenflächen. Ein „statisches“ Feld ist also in der Realität alles andere als energetisch kostenlos, sobald man die aktive Kühlung einrechnet.
4. Sekundärstrahlung: Wenn hochenergetische Teilchen auf die Hülle des Schiffes treffen, entstehen oft Schauer aus Sekundärneutronen. Ein reines Magnetfeld schützt davor nicht; hier hilft nur Material (wie wasserstoffhaltige Kunststoffe oder Wasserwände).
Fazit: Ein Magnetfeld allein ohne Atmosphäre hilft nur gegen die „weichen“ Teilchen des Sonnenwindes. Gegen die harte GCR-Strahlung setzen aktuelle Konzepte eher auf passive Abschirmung oder sehr massereiche Wasservorräte um die Wohnmodule.